Angesichts anspruchsvoller regulatorischer Vorgaben arbeitet Fabasoft im EU-Forschungsprojekt „Emerald“ an einer „Continuous Compliance“ für den Finanzsektor. Automatisierte Zertifizierungen könnten Banken vor Millionenstrafen schützen, wie sie kürzlich gegen die Deutsche Bank (siehe: Kasten) verhängt wurden.
Im Rahmen des EU-Forschungsprojektes „Emerald“ implementiert Fabasoft eine Echtzeitbewertung von Compliance und Sicherheit für die Caixabank-Cloud (Symbolbild).
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Fabasoft, ein österreichischer Software- und Cloud-Anbieter für Dokumenten- und Prozess-Management, hat seine Beteiligung an einem Pilotprojekt zur Echtzeitbewertung der Sicherheitsstandards und Compliance-Konformität von Cloud-Umgebungen im Finanzsektor vorgestellt. Das Projekt ist Teil des europäischen Forschungsverbunds „Emerald“.
Die Pilotprojekte zur Entwicklung von „Continuous Compliance“-Diensten im Rahmen des Emereld-Forschungsvorhabens.
(Bild: Fabasoft)
Das von der Europäischen Union geförderte Forschungsprojekt Emerald (Evidence Management for Continuous Certification as a Service in the Cloud) entwickelt einen kontinuierlichen und automatisierten Zertifizierungsprozess im Sinne einer „Certification-as-a-Service“, um eine effizientere und automatisierte Erfüllung regulatorischer Vorgaben zu ermöglichen und Sicherheitsstandards zu erhöhen.
Statt auf periodische Audits zu warten, sollen Unternehmen in Echtzeit eine automatische Überprüfung von Zertifikaten und Sicherheitsstandards einsetzen können. Die Zertifizierungen sollen sich unter anderem am Kriterienkatalog C5 des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik sowie am Entwurf des European Cybersecurity Certification Scheme for Cloud Services (EUCS) orientieren.
Echtzeitbewertung für die Caixabank-Cloud
Für Praxistests wurden im Rahmen von Emerald mehrere Pilotprojekte gestartet. Fabasoft als Use-Case-Partner arbeitet dabei für die spanische Caixabank an einem automatisierten Compliance-Management für neue Cloud-Dienste. Dafür werden APIs, hybride Multicloud-Technologien und KI-Tools entwickelt. Nahtlos an die bestehende On-premises-Infrastruktur der Bank angeschlossene Cloud-Dienste sollen automatisch auf Sicherheitsanforderungen sowie auf die Konformität mit strengen Regulierungen im Finanzsektor überprüft werden.
Für das Frontend wird das parallel entstehende Emerald-User Interface eingesetzt, welches eine intuitive Überwachung erreichter Konformitätsstufen ermöglichen soll. Fabasoft will so die Vereinbarkeit moderner Multicloud-Umgebungen mit hohen Sicherheits- und Compliance-Standards demonstrieren.
EU-Förderung für vier Pilotprojekte
Bereits 2024 angekündigt und weiterhin laufend ist zudem ein Teilprojekt zum Einsatz der Software für Auslagerungs-Management „Fabasoft DORA“ bei der Caixabank. Die Software soll Finanzunternehmen eine mit der EU-Verordnung DORA (Digital Operational Resilience Act) konforme automatisierte Verwaltung und Dokumentation von Drittanbieterinformationen ermöglichen und den manuellen Verwaltungsaufwand erheblich reduzieren.
Die 2024 erzielten Ergebnisse laut dem Jahresbericht von Emerald.
(Bild: Emerald-He.eu)
Neben Fabasoft und der Caixabank nehmen neun weitere Partner an Emerald teil, sowohl Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer-Institut und das baskische Forschungszentrum Tecnalia als auch andere Unternehmen mit Cloud- und Digitalisierungsfokus wie Ionos und Cloudferro. Getrennt und in Kooperationen arbeiten die Partner an mehreren Pilotprojekten zur automatisierten Zertifizierung für öffentliche Cloud-Dienste sowie für hybride Cloud-Edge-Umgebungen für den Finanzsektor.
Die Europäische Union fördert das auf drei Jahre ausgelegte Forschungsprojekt mit insgesamt 4,7 Millionen Euro bis zum Oktober 2026.
23 Millionen Euro Strafe für die Deutsche Bank
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat im März 2025 für drei Verstoßfälle bei der Deutschen Bank eine Gesamtstrafe von 23,05 Millionen Euro verhängt. Zwei der Strafen muss die Deutsche Bank konkret für Compliance-Vergehen zahlen.
Ein Verstoß gegen organisatorische Pflichten nach dem Wertpapierhandelsgesetz beim Vertrieb von Währungsderivaten in Spanien wurde mit 14,8 Millionen Euro geahndet – die Deutsche Bank habe zu lange gebraucht, um eine mangelhafte Risikoberatung von Kunden aufzuklären und zu verbessern. Die Missachtung der Pflicht zur Aufzeichnung telefonischer Gespräche bei der Anlageberatung durch die Postbank führte zudem zu einer Strafe von 4,6 Millionen Euro.
Letzteres sei „ein klarer Verstoß gegen die europäische Finanzmarktrichtlinie MiFID II“, betont Michael Kloos, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter des Münchener Anbieters von Telekommunikations- und Sprachtechnologien Crealog. Im Kommentar für DataCenter-Insider argumentiert Kloos, es sei nicht entscheidend, ob ein technisches oder organisatorisches Problem Ursache für die fehlenden Gesprächsaufzeichnungen war. Entscheidend sei, dass funktionierende technische Lösungen zur Einhaltung von Compliance-Anforderungen bereits existieren.
„Der Fall Postbank zeigt einmal mehr: Wer Compliance nicht ernst nimmt, riskiert hohe Strafen. Investitionen in moderne Lösungen für netzbasierte Gesprächsaufzeichnung zahlen sich aus“, so Kloos.
Stand: 08.12.2025
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