Virtualisierung, Run-Book Automation (RBA) und Workflow-Orchestrierung

Auf dem Weg zur Cloud: IT-Automation verknüpft Prozess- und System-Ebene

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Die Konvergenz der Infrastruktur entwickelt sich derzeit auf zwei Wegen. Zum einen setzen sich herstellerübergreifend entsprechende Standards durch. Ein Beispiel dafür ist im Speicherbereich etwa iSCSI (internet Small Computer System Interface), das die Nutzung des SCSI-Protokolls über IP-Netze ermöglicht – die Barriere zwischen SAN- und IP-Management wird damit eingerissen, und es eröffnen sich zahlreiche Optionen zur Bildung von flexiblen Speicher-Pools. Auf der anderen Seite steuern die großen IT-Anbieter unübersehbar in Richtung Komplettlösungen, in denen die Einzelkomponenten bereits ab Werk aufeinander abgestimmt sind.

Heute mangelt es noch an Standardisierung, um Application Templates herstellerübergreifend einsetzbar auszulegen. Das könnte sich mit dem „DMTF Open Cloud Standards Incubator“ ändern. Doch derzeit bringen sich die Großen der Branche vor allem nach Kräften in Position, um als Komplettanbieter für automatisierte Rechenzentren aufzutreten. Jeder Hersteller möchte bei diesem Wettlauf die RBA-Vorteile seiner eigenen konvergenten Infrastruktur als Alleinstellungsmerkmal für sich verbuchen. Damit stehen hier die Interessen der Anwender (Flexibilität durch Standardisierung) und die der Anbieter (technische USP) gegenüber. Allein die konsequente Orientierung an Standards bietet eine Gewähr dafür, dass die unumgänglichen Kompromisse hinsichtlich Automatisierungsgrad und Unabhängigkeit möglichst gering ausfallen.

Das Ausmaß, in dem sich ein Unternehmen dabei an einen Lieferanten bindet, hängt also davon ab, wie sehr dessen Lösungsarchitektur auf Standards beruht. So ist es zum Beispiel ein gewichtiger Unterschied, ob die IT-Abteilung auf einen bestimmten Switch-Lieferanten angewiesen ist oder aber dank Unterstützung von Standards wie VEPA (Virtual Ethernet Port Aggregator) sowie künftig FCoE (Fiber Channel over Ethernet) und CEE (Converged Enhanced Ethernet) den Netzwerkausrüster frei wählen kann, um zum Beispiel die geforderte Port-Dichte zu erzielen.

Organisatorische Herausforderungen der Pool-Bildung

Für die Einführung einer konvergenten Infrastruktur muss ein Unternehmen zahlreiche Fragen im Vorfeld klären: Welche Geschäftsprozesse profitieren am stärksten von einer Prozessautomation und sollten deshalb vorrangig abgebildet werden? Welche der für diese Prozesse erforderlichen Ressourcen lassen sich in einem Out-of-the-Box-RZ bereitstellen, welche hingegen nicht? Welche (physischen und virtuellen) Server gilt es mit einzubinden, welche Storage-Ressourcen (SAN) werden benötigt? Ist das Netzwerk für die neuen Anforderungen ausreichend dimensioniert? Wie sehen die Sicherheits-, Backup-, Hochverfügbarkeits- und Disaster-Recovery-Konzepte aus? Wie konzipiert man die Bereitstellung der Services, wie die Leistungsverrechnung?

Vor allem aber sind die Herausforderungen vor der Einführung eines Out-of-the-Box-RZ organisatorischer Natur: Wenn Server, Storage, Netzwerk und Applikationen en bloc automatisch provisioniert werden, wer ist dann dafür zuständig? Die Servertruppe? Die Storage-Mannschaft? Oder gar die Fachabteilung selbst? Hier gilt es, Zuständigkeiten neu zu definieren und Workflows wie auch Eskalationsroutinen festzulegen. Da eine konvergente Infrastruktur zahlreiche IT-Komponenten in eine Black Box packt, müssen alle IT-Teams eines Unternehmens – ebenso wie die betroffenen Fachabteilungen – zur Einführung an einem Strang ziehen. Dies erfordert, da darf man sich vom Begriff „out of the Box“ nicht täuschen lassen, wohlorganisierte Vorarbeit.

Fazit: Wichtiger Schritt in Richtung Private Cloud

Eine konvergente RZ-Infrastruktur bringt einen deutlichen Fortschritt im Sinne einer automatisierten, siloübergreifenden Bereitstellung von IT-Ressourcen. Im Idealfall wird dies ergänzt durch das koordinierte Zusammenspiel der Automation auf der ITSM-Ebene (Operations Orchestration) mit System-Level-Automatismen. Damit bedeutet die konvergente RZ-Infrastruktur zugleich einen wichtigen Schritt in Richtung dessen, was man heute als „Private Cloud“ bezeichnet: die dynamische, orchestrierte Bereitstellung von IT-Ressourcen, bei der es letztlich unerheblich ist, wo die Service-Plattform physisch angesiedelt ist. Die Vision eines vollautomatisierten RZs besitzt große Leuchtkraft, kann aber auch proprietäre Schattenseiten haben. Heute ist der höchste Automationsgrad nur erreichbar, wenn die Einzelkomponenten von einem einzigen Hersteller stammen. Wie groß die Kompromisse bei der Lieferanten-Abhängigkeit sind, hängt davon ab, wie ernst dieser sein Bekenntnis zu Standards nimmt.

*Markus Herber ist Senior Presales Consultant, HP Enterprise Systems & Networking und Winfried Winkler ist Manager Presales, HP Software & Solutions

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