SAP und IBM beschließen Entwicklungskooperation für Atlantic Atlantische Allianz: IBM und SAP integrieren Lotus und ERP-System
IBM und SAP bringen eine gemeinsame Software auf den Markt. Das Produkt mit dem Codenamen „Atlantic“ integriert die Collabroration-Lösung Lotus Notes von IBM und die SAP-Lösung für das Enterprise Resource Planning (ERP). Außerdem kauft IBM den Hersteller der Nitix-Server. Das sind Linux-Plattformen für kleine und mittelständische Unternehmen.
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Das SAP-IBM-Produkt, das vorläufig die Bezeichnung Atlantic trägt, werde Lotus-Notes-Kunden den Zugriff auf und das Management von SAP Geschäftsprozessen und -daten direkt aus ihrer gewohnten Benutzerumgebung heraus ermöglichen. Zum Beispiel können Manager vor der Genehmigung von Reiseanträgen direkt aus ihrer Lotus Notes-Inbox heraus auf SAP-Reports zugreifen, die ihnen die aktuelle Situation ihrer Kostenstelle anzeigen.
Das gemeinsame Produkt kündigten die Entwicklungspartner vor 7.000 Kunden und Partnern auf der diesjährigen IBM Konferenz Lotusphere in Orlando an, die noch bis zum 24. Januar dauert. Nach Angaben von Christopher Daerr, IBM-SAP-Alliance-Manager bei IBM, soll es bereits im vierten Quartal dieses Jahres auf den Markt kommen.
Wann die Kunden einen ersten Blick darauf erhaschen können, steht noch nicht endgültig fest. Vielleicht werde die gemeinsame Entwicklung aber schon zur CeBIT gezeigt werden können, stellte Martin Jetter, Vorsitzender der Geschäftsführung IBM Deutschland gestern in Aussicht. Unter Umständen finde sich noch Platz auf dem für die anstehende Ausstellung in Hannover völlig neu gestalteten Messeauftritt.
Zusammengesetzte Anwendungen
Derweil erläutert Daerr die Vorteile des Kooperationsprodukts. Zwar sei es auf verschiedenen Wegen auch bisher schon möglich gewesen, von Notes-Anwenungen auf SAP-Anwendungen zuzugreifen führt Daerr aus. Immerhin arbeiteten IBM und SAP schon seit mehr als 35 Jahren zusammen. Allerdings seien die Möglichkeiten rein prozedural und zudem funktional begrenzt gewesen.
Das künftige Produkt warte indes mit Standards und Web-Services auf, die es den Anwendern erlauben, Anwendungen nahtlos zusammenzusetzen. „Composite Applications“ lautet hier das Stichwort. Der Vorteil liegt unter anderem darin, dass diese Technik auch für SAP-Anwendungen taugt, die stark auf die Unternehmensbedürfnisse angepasst wurden, also für so genannte „customized applications“.
„Wir kreieren eine noch umfassendere Collaborations-Umgebung.“, sagt Mike Rhodin, General Manager IBM Lotus and Collaboration. „Firmen suchen neue Wege der Zusammenarbeit und eine Möglichkeit, ihre Geschäftsprozesse besser zu managen.“
Voraussetzungen
In der ersten Version von Atlantic ist die Unterstützung von SAP Workflows, Reporting und Analytics sowie ein Set von Paketen für unterschiedliche Benutzerrollen und die Synchronisation von SAP-Rollen im Lotus Notes Client geplant. Zudem werden Werkzeuge angeboten, mit denen sich diese Rollen erweitern und anpassen lassen.
Zu den technischen Voraussetzungen des Atlantic-Einsatzes gehört laut Daerr die Version 6.0 des SAP-ERP-Systems sowie die Domino-Version 8.0.1, beziehungsweise ein entsprechendes Fix-Pack-Upgrade.
Derzeit zählt IBM rund 140 Millionen aktive Lotus-Notes-User. Davon nutzen mehr als 93 Prozent eine der beiden jüngsten Versionen. Etwa 60 bis 80 Prozent der Nutzer kommen aus dem Mittelstand, erläutert Daerr. Deshalb sei die SAP-IBM-Lösung insbesondere für Mittelständler interessant.
IBM Global Business Services wird für kundenspezifische Wünsche individuelle Beratungsleistung und Dienstleistungsservices anbieten. SAP Practitioners sowie andere globale und regionale Systemintegratoren werden ebenfalls ausgebildet, um Atlantic an Kundenanforderung anzupassen. Verkauft wird das Produkt sowohl von IBM als auch von SAP:
Zu den Kernfunktionen von Lotus Domino gehören Email, Kalender und To-Dos, Instant Messaging Editoren zur Bearbeitung von Dokumenten sowie Web 2.0 Funktionen. Zudem bietet Notes 8 mit Lotus Symphony kostenfrei Editoren für Office Dokumente mit Unterstützung für das ISO-Standard-konforme Open Document Format (ODF) an.
Nitix für Kleine und Mittelständler
Die Ankündigung von Atlantic dürfte die Neuigkeit mit dem größten Aufmersamkeitswert sein. Für die Attraktivität von Domino bei kleinen und mittleren Unternehmen könnte allerdings auch sorgen, dass IBM das kanadische Unternehmen Net Integration Technologies übernehmen will.
Diese Firma bietet unter der Bezeichnung „Nitix“ eine Reihe Linux-basierter Server an, etwa eine für Lotus Domino spezialisierte Variante. Voraussichtlich wird es die Nitix-Produkte unter dem Markennamen „Foundations“ weiterhin geben.
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