OpenStack und Extreme Programming bei Volkswagen

Mirantis OpenStack erobert als Cloud-Plattform den VW-Konzern

| Redakteur: Ulrike Ostler

VW auf der Suche nach neuer Plattform - in der IT und bei Auto soll es hybrid zugehen. Das Foto zeigt das Modell "XL1".
VW auf der Suche nach neuer Plattform - in der IT und bei Auto soll es hybrid zugehen. Das Foto zeigt das Modell "XL1". (Bild: Volkswagen AG)

Der VW-Konzern hat sich entschieden: OpenStack wird globaler Standard für seine Private-Cloud, mit dem Ziel, innovative Unternehmens- (B2B) und Kundenanwendungen (B2C) voranzutreiben. Die Open-Source-Cloud per Mirantis soll den Konzern als auch dessen Konzern-Marken dazu befähigen, solche Anwendungen zu erstellen und zu betreiben.

Nach einem umfassenden Auswahlprozess hat sich der größte Autobauer Europas für den OpenStack-Anbieter Mirantis, dem Pure-Play-OpenStack-Unternehmen, entschieden. Zum einen intendiert der Konzern, durch Standardisierung über die Open-Source-Cloud-Plattform die IT-Kosten zu senken. Darüber hinaus soll sie sowohl die Entwicklung interner als auch kundenorientierter Anwendungen unterstützen und alle VW-Mitarbeiter, Händler und Lieferanten miteinander vernetzen.

Der Auswahlprozess war aufwändig: 64 Einsatzszenarien (Use Cases) mit einer Ausführungsrate von 98 Prozent konnten VW von Mirantis überzeugen. Mirantis OpenStack habe dabei sich als die robusteste und am schnellsten implementierbare aller Distributionen erwiesen. Der VW-Konzern verspricht sich durch den Einsatz markenübergreifend leistungsstärkere Anwendungen.

Im Mittelpunkt des gemeinsamen Projektes von Mirantis und dem VW-Konzern steht die Entwicklung zusätzlicher geschäftskritischer OpenStack-Funktionen, um das Management von Anwendungen mit hohen Performance-Anforderungen und die Kontrolle über die Rechenzentrumsinfrastruktur gewährleisten zu können. Das System wird dahingehend auch für die Fähigkeiten der Intel-Plattformen optimiert, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

OpenStack im eigenen Rechenzentrum

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26.05.15 - Der Trend zur Virtualisierung ganzer Rechenzentren nimmt an Schwung zu. Mit der Vorstellung des „OpenStack Application Catalog“ bricht eine neue Ära schlüsselfertiger OpenStack-Lösungen an. Worauf es bei der Implementierung des Cloud-Betriebssystems im unternehmenseigenen Datencenter ankommt, beleuchtet dieser Artikel. lesen

Mario Müller, VP IT Infrastructure von Volkswagen, kommentiert die Vereinbarung mit Mirantis: „In der Automobilbranche vollzieht sich ein Wandel: Der Trend geht immer mehr in Richtung Service-Kultur, was die agile Software-Innovation voraussetzt. Wir können auf das umfassende technologische Know-how des Mirantis-Teams zurückgreifen.“ Mirantis OpenStack sei eine robuste Distribution und das Mirantis-Team habe sich voll und ganz der OpenStack-Community verschrieben, so Müller weiter und verspricht sich: „Es ist darüber hinaus in der Lage, die Cloud-Transformation bei Volkswagen organisatorisch voranzutreiben. Mirantis OpenStack ist der Motor, der es den Entwicklern im gesamten Konzern ermöglicht, Software schneller zu entwickeln und bereitzustellen.“

Offenbar ist der Konzern in Sachen Infrastructure as a Service (IaaS) bereits ein gebranntes Kind. Hartnäckig hält sich das Gerücht, VW habe bereits ein aufwändiges OpenStack-Projekt in den Sand gesetzt, zumal die Open-Source-Plattform als zu kompliziert verschrieen ist. Die Nachfrage ergab eine kurze Antwort: „Das stimmt nicht. Das Projekt ging mit einem proprietären IaaS-Angebot schief - weder mit OpenStack, noch mit Mirantis.“

Das Bild zeigt einen Teil des "Audi e-tron quattro concept": Zur Erklärung heißt es: "Die Konzeptstudie hat alle Technologien an Bord, die Audi für das pilotierte Fahren konzipiert hat. Die Daten, die sie liefern, laufen im zentralen Fahrersteuergerät (zFAS) im Gepäckraum zusammen. Es errechnet in Echtzeit ein komplettes Umgebungsmodell des Autos und stellt die Informationen allen Assistenzsystemen und den Systemen für das pilotierte Fahren zur Verfügung. Auch diese Technologien stehen bei Audi kurz vor dem Serieneinsatz."
Das Bild zeigt einen Teil des "Audi e-tron quattro concept": Zur Erklärung heißt es: "Die Konzeptstudie hat alle Technologien an Bord, die Audi für das pilotierte Fahren konzipiert hat. Die Daten, die sie liefern, laufen im zentralen Fahrersteuergerät (zFAS) im Gepäckraum zusammen. Es errechnet in Echtzeit ein komplettes Umgebungsmodell des Autos und stellt die Informationen allen Assistenzsystemen und den Systemen für das pilotierte Fahren zur Verfügung. Auch diese Technologien stehen bei Audi kurz vor dem Serieneinsatz." (Bild: Audi)

Wie weit die Software-Entwicklung in den Konzern vordringt, machte kürzlich Volkswagen-CIO Martin Hofmann deutlich: „In unseren Labs arbeiten IT-Experten wie im Silicon Valley“, sagte er im Zusammenhang mit der Bekanntgabe einer strategischen Partnerschaft von Volkswagen und Pivotal. Im neuen Volkswagen Digital:Lab in Berlin arbeiten IT-Experten von Volkswagen sowie Fachleute aus Vertrieb und technischer Entwicklung mit dem Software-Entwicklungsunternehmen Pivotal zusammen, um gemeinsam mit neuartige Software- und Mobilitätslösungen für den vernetzten Kunden zu erstellen.

„In unserem Digital:Lab arbeiten wir an einem digitalen Ökosystem, das unseren Kunden eine neue User Experience, neue Mobilitätsservices sowie Dienste rund um das vernetzte Fahrzeug bietet", sagt der Volkswagen-Konzern-CIO. „Wir schaffen für unsere Kunden völlig neue Angebote. Volkswagen wird damit vom reinen Automobilhersteller zum Mobilitätsanbieter.“

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Zur Volkswagen Konzern IT

Zugleich etabliere Volkswagen innovative Arbeitsweisen und baue sie weiter aus. „In unseren Labs in Berlin und München arbeiten unsere IT-Experten wie im Silicon Valley, wir haben das Valley zu Volkswagen geholt.“ Pivotal unterstützt die VW-Experten mit mehr als 20 Experten aus San Franzisko und Boulder, Colorado, und trainiert sie in neuen Methoden der Software-Entwicklung. Hofman sagt: „Wir wollen diese Kompetenzen und Arbeitsabläufe im Konzern und in Deutschland fest verankern. In unseren Labs in Berlin, München und San Francisco werden mittelfristig über 600 Programmierer, Data Scientists, Design Thinking-Experten und Cloud-Architekten arbeiten.“

Das Modell Volkswagen XL1: Kraftstoffverbrauch in l/100 km: 0,9 (kombiniert); Stromverbrauch in kWh/100 km: 7,2 (kombiniert); CO2-Emissionen in g/km: 21 (kombiniert); Effizienzklasse: A+.
Das Modell Volkswagen XL1: Kraftstoffverbrauch in l/100 km: 0,9 (kombiniert); Stromverbrauch in kWh/100 km: 7,2 (kombiniert); CO2-Emissionen in g/km: 21 (kombiniert); Effizienzklasse: A+. (Bild: Volkswagen AG)

Schon bei dieser Ankündigung hieß es: „Geplant ist unter anderem die Etablierung einer neuen IT Plattform.“ Die neuen Arbeitsweisen basieren auf agilen Programmierungstechniken, zum Beispiel „Extreme Programming“, wie sie erfolgreich von Firmen im Silicon Valley genutzt werden.

Unter anderem arbeiten Software-Entwickler konsequent in wechselnden Zweier-Teams mit täglichen Standup Meetings, regelmäßigen wöchentlichen Trainingssessions und stetiger Eigenoptimierung der Teams. Diese Partnerschaft fördert Austausch und Kreativität der Teams, senkt die Fehlerquote, verkürzt Entwicklungsprozesse und ermöglicht schnellere Anpassungen, wenn Kundenwünsche sich kurzfristig ändern.

Boris Renski: „ OpenStack geht den Linux-Weg“

Der Mirantis-Gründer im Interview

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27.05.15 - OpenStack mausert sich rasant zur einer ernstzunehmenden Integrations-Plattform für das (hybride) Cloud Computing und ist komplett OpenSource. Mirantis gehört zu den Hauptprotagonisten. Die Maßgabe der eigenen Distribution, die etwa in Konkurrenz zu denen von Suse und Red Hat steht, lautet „Pure Play“. Gründer und Chief Marketing Officer ist Boris Renski. Er sagt, was OpenStack ist, kann und was fehlt. lesen

Für Mirantis ist das der erste Riesenkunde in Europa, den das Unternehmen öffentlich nennen darf. Kein Wunder, dass sich Marque Teegardin, SVP von Mirantis, erfreut äußert: „OpenStack ist der Open-Source-Cloud-Standard, der Unternehmen die Möglichkeit bietet, Cloud-Innovationen schnell umzusetzen. Es ist uns eine Ehre, eine Partnerschaft mit Europas größtem Autobauer einzugehen. Wir sind stolz darauf, den VW-Konzern bei der Nutzung unserer Software zu unterstützen.“ Selbstbewusst setzt er hinzu: „Mit Mirantis-Software kann VW sich einen Innovationsvorsprung vor den Mitbewerbern verschaffen und sein Geschäft rund um den Globus erweitern.“

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Über Mirantis

Mirantis OpenStack 8.0

Zu Beginn dieses Monats hatte der Hersteller „Mirantis OpenStack 8.0“ freigegeben und die 26.000-Nutzer-Marke (mit 3.500 Entwicklungsteams) geknackt. Die Zahl leitet sich aus der Opt-in-Funktion „phone home“ von Mirantis OpenStack 7.0 her. In diese Produktversion sind die Rückmeldungen aus fast 1.500 OpenStack-Umgebungen eingeflossen. Sie unterstützt die Orchestrierung von „VMware vCenter“, „Ubuntu KVM“ und „RHEL KVM“ sowie Bare-Metal-Hosts.

Mirantis OpenStack 8.0 basiert auf OpenStack Liberty , dem 12. Release von OpenStack, bei dessen Entwicklung Mirantis die Nr. 2 in puncto Reviews und die Nr. 1 in Sachen Fehlerbeseitigung war.

Mirantis setzt keine spezifischen SDN-, Speicher- oder Virtualisierungsplattformen voraus. Das Herzstück von bildet ein hoch verfügbarer Infrastruktur-Controller, der es ermöglicht, ein breites Spektrum an frei wählbaren Virtualisierungs-, Speicher- und Netzwerkplattformen zu orchestrieren.

Unterstützung für Orchestrierungs-Tools Dritter

Mit Mirantis OpenStack 8.0 können Unternehmen die Infrastrukturkomponenten auswählen, die ihre Deployment-Anforderungen am besten erfüllen. Zusätzlich zu KVM auf Ubuntu und VMware vCenter, ist Mirantis OpenStack 8.0 jetzt in der Lage, Red Hat Enterprise Virtualization (KVM)-Hosts zu orchestrieren.

Bis dato haben Drittanbieter und Entwickler 171 Plugins für „Fuel“ programmiert, das von Mirantis initiierte Installations- und Management-Tool für OpenStack. Fuel gehört seit November letzten Jahres zu den offiziellen OpenStack-Erweiterungen der Kategorie Big Tent. Mirantis OpenStack 8.0 verfügt jetzt über eine neue Komponenten-Registry mit erweiterter Kontexthilfe sowie visuellen Hinweisen, die Aufschluss darüber geben, welche OpenStack-Komponenten interoperabel sind. Dies macht die Verwaltung von Infrastrukturressourcen einfacher als zuvor.

Außerdem können Cloud-Betreiber Mirantis OpenStack 8.0 jetzt nutzen, um das OpenStack-Bare-Metal-Provisionierungsprojekt Ironic <https://wiki.openstack.org/wiki/Ironic> bereitzustellen und zu konfigurieren. Damit können Entwickler bei Performance-kritischen Workloads wie Cassandra, Hadoop oder NFV zwischen Bare-Metal-Servern oder VMs wählen.

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