Konsolidierung heißt Weichenstellung

Wer konsolidiert, gewinnt

Seite: 3/3

Firmen zum Thema

Von den Bedingungen zum Design und der Umsetzung

Nachdem eine allgemein gehaltene Skizze vorliegt, gilt es, die genauen Transformationsvoraussetzungen festzuhalten: Um welche Applikationen geht es und auf welche Zielplattformen sollen sie migriert werden? Die Umgebung muss mit Versionen, Patch-Stand, Schutzmechanismen oder Sicherheitslevel und Abhängigkeiten anderer Applikationen erfasst werden.

Davon ausgehend wird in einem Grobdesign die Zielplattform für jede Applikation definiert. Im Anschluss erfolgt die detaillierte Planung jedes einzelnen Migrationsvorgangs. Jeder Migrationsprozess sollte jeweils drei Phasen umfassen:

  • 1. In der Vorbereitungsphase werden die benötigten Zielressourcen bestellt und die Changes vorbereitet. Die unternehmensspezifischen Komponenten wie Datenbanken, Middleware, Provider-Anwendungssoftware und Ähnliches werden in diesem Schritt installiert und getestet.
  • 2. In der Migrationsphase wird die Anwendung zu einem festgelegten Change-Termin auf die zukünftige Betriebsumgebung transportiert und auf das neue System umgeschaltet. Die alte Umgebung wird deinstalliert. Um den laufenden Betrieb nicht zu stören, empfiehlt sich eine Migration zu einem betriebsarmen Zeitpunkt wie einem Wochenende.
  • 3. In der abschließenden Aufräumphase werden die alten Systeme dekommissioniert und die neue Betriebsumgebung weiter verbessert.

Zudem sollten bereits die an die Migration anschließenden Tests vorbereitet und terminiert werden. Erst wenn alle Detailschritte dezidiert geplant und mit den Beteiligten abgestimmt sind, geht es an die Umsetzung.

Ziel erreicht – Vorhaben abgeschlossen? Leider falsch.

Soll die erreichte Effizienz und Auslastung einer Infrastruktur dauerhaft gehalten werden, muss eines klar sein: Konsolidierung ist ein fortlaufender Prozess. Denn technische und organisatorische Veränderungen erfordern immer wieder neue Migrationsschleifen, beispielsweise wenn hinzugekaufte Unternehmensteile integriert werden müssen oder erforderliche Funktionalitäten nur über neue Soft- oder Hardware erreicht werden können.

Die Leistung und der Konsolidierungsstand beziehungsweise -bedarf sollten daher permanent überwacht werden. KPIs helfen, den Überblick zu behalten: Sinnvolle Indikatoren sind etwa die Serverauslastung, Kapazitäten, Personalbedarf oder das Verhältnis von Applikationen auf physischen zu denen auf virtuellen Servern. Als allgemeine Richtwerte gelten: Weichen KPIs um fünf bis zehn Prozent ab, sollten die Alarmglocken läuten, bei mehr als zehn Prozent besteht akuter Handlungsbedarf.

Virtualisierungs-Chancen dank Konsolidierung

Ein wichtiges Thema im Zuge der Konsolidierung ist die Virtualisierung von Servern, Speichern, Betriebssystemen, Desktops oder Applikationen. Server beispielsweise erfordern hohe Investitionen und produzieren laufende Kosten: Sie benötigen ausreichend Platz, müssen gekühlt und gewartet werden und verbrauchen Strom. Dabei sind nicht einmal alle Server vollständig ausgelastet und so bleibt viel Potenzial ungenutzt. Um das zu optimieren, lohnt es sich, bei der Hardwarekonsolidierung auf Technologien zu bauen, die hocheffizient und skalierbar sind – wie die Cloud.

Mithilfe softwarebasierter Lösungen können etwa mehrere Server in einer Hardware betrieben werden, indem ein sogenannter Hypervisor den Betrieb der virtuellen Maschinen regelt und die Ressourcen quasi in Schichten zuordnet. Dadurch werden Ressourcen zusammengefasst, die Auslastung verbessert und die benötigte Hardware reduziert. Damit ist die Virtualisierung nicht nur eine Investition, die sich amortisiert, sondern auch eine wichtige Maßnahme für Green IT.

Mühelos mehr erreichen

Warum schrecken dann immer noch viele Unternehmen vor der Konsolidierung zurück? Zu komplex, zu wenig Know-how, zu wenig Manpower. Wenn das der Hemmschuh ist, sollten CIOs darüber nachdenken, einen externen Dienstleister hinzuzuziehen. Ein erfahrender Provider kann mit bereits erprobten Konzepten das Optimum herausholen – Migrations-as-a-Service (MaaS) lautet das Zauberwort.

„Effizienz durch Automatisierung – Das ‚Zero-Touch-Prinzip‘ im IT-Betrieb“, herausgegeben von Dr. Ferri Abolhassan und Jörn Kellermann.
„Effizienz durch Automatisierung – Das ‚Zero-Touch-Prinzip‘ im IT-Betrieb“, herausgegeben von Dr. Ferri Abolhassan und Jörn Kellermann.
(Bild: T-Systems/Springer Gabler)

Fazit: Ob in Eigenregie oder mit Unterstützung durch einen Partner – für eine zukunftsfähige IT ist Konsolidierung unumgänglich. Sie bringt nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern verringert auch die Schnittstellen, bündelt und beschleunigt Datenströme und ermöglicht die Automatisierung von Prozessen. Darin liegt der Schlüssel, um die IT anzukurbeln. Denn nur einheitliche, gestraffte und automatisierte Systeme sind auch fit für cloud-basierte Services. Der Dreiklang Standardisierung, Konsolidierung und Automatisierung sollte daher auf jeder IT-Agenda ihren Platz finden – allerdings nur mit einem durchdachten Konzept.

Der Buchtipp

Wie Unternehmen mit Standardisierung, Konsolidierung und Automatisierung ihre IT auf Vordermann bringen, erläutern Branchenexperten praxisnah und verständlich im neuen Fachbuch „Effizienz durch Automatisierung – Das ‚Zero-Touch-Prinzip‘ im IT-Betrieb“, herausgegeben von Dr. Ferri Abolhassan und Jörn Kellermann. Springer-Gabler, ISBN 978-3-658-10643-0.

* Jörn Kellermann verantwortet als SVP Global IT Operations weltweit die Cloud- und Rechenzentrumsleistungen für alle Kunden der T-Systems International GmbH.

(ID:44046653)