Erste Zertifikate Wenig Transparenz und Harmonie erschweren das Erkennen von Hardware-Effizienz

Von Steffi Burgard 4 min Lesedauer

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Viele scheinen es nicht einmal zu wissen. Es gibt auch für Hardware, auch für solche im Rechenzentrum, Energie-Effizienzklassen, quasi mit Brief und Siegel. Welche sind das? Ein Antasten.

Ordung, wie sie ein Setzkasten für die schnelle Auswahl an Buchstaben und Satzzeichen ermöglichte, wäre für die Bestückung mit (Energie-effizienter) Hardware durchaus wünschenswert. (Bild:  frei lizenziert: Thomas Wolter /  Pixabay)
Ordung, wie sie ein Setzkasten für die schnelle Auswahl an Buchstaben und Satzzeichen ermöglichte, wäre für die Bestückung mit (Energie-effizienter) Hardware durchaus wünschenswert.
(Bild: frei lizenziert: Thomas Wolter / Pixabay)

Eine Studie der Bitkom aus dem Jahr 2023 mit dem Titel „Rechenzentren in Deutschland: Aktuelle Marktentwicklungen 2023“ hat den Energieverbrauch von Rechenzentren und Servern in Deutschland untersucht. Demnach haben Rechenzentren einen Anteil von 0,55 Prozent pro Jahr am Gesamtenergieverbrauch in Deutschland. Der gesamte Stromverbrauch in Deutschland lag im Jahr 2023 bei rund 3.000 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Die Stromkosten für Rechenzentren in Deutschland belaufen sich auf etwa 4,95 Milliarden Euro pro Jahr.

Und der Energiebedarf der Rechenzentren könnte sich verdreifachen, wenn die Digitalisierung weiter voranschreitet. Dabei gibt es ein großes Potenzial zur Steigerung der Energie-Effizienz, denn in Deutschland gibt es rund 23 Millionen Workloads in Rechenzentren.

Einige Hersteller von Servern und Routern setzen freiwillig auf Energie-effiziente Techniken, um den Energieverbrauch zu minimieren. Das heißt: Sie setzen energiesparende Prozessoren ein, die bei geringerem Stromverbrauch eine hohe Leistung erbringen. Aber auch eine bessere Kühlung und Lüftersteuerung kann den Stromverbrauch automatisch optimieren.

Virtualisierungstechnologien reduzieren zusätzlich den Einsatz physischer Server. Zudem spielen Betriebssysteme und Software eine wichtige Rolle für mögliche Einsparungen.

Einige Hersteller veröffentlichen Informationen zum Energieverbrauch ihrer Produkte. Zertifizierungen wie „Energy Star“, „Blauer Engel“ und „TCO Certified“ helfen bei der Auswahl Energie-effizienter Geräte. In den folgenden Abschnitten werde ich auf die Bezeichnungen, Prüfsiegel und Zertifizierungen eingehen. Danach geht es um Prüfstellen und Gültigkeit. Am Ende des Artikels finden Sie einige Beispiele für einige effiziente Produkte und ein paar Kriterien, die bei der Auswahl von Hardware helfen können.

Bezeichnungen, Umweltzeichen und Zertifizierungen

Die Energie-Effizienzklassen von Servern und Routern werden in der Regel nicht mit den klassischen Buchstaben (A bis G) wie bei Haushaltsgeräten bewertet. Stattdessen gibt es spezielle Normen und Zertifizierungen, die auf die Energie-Effizienz von IT-Geräten abzielen. Diese sind:

Energy Star: Das Energy Star-Programm der US-Umweltschutzbehörde (EPA) zertifiziert Energie-effiziente Elektronikprodukte, einschließlich Server und Netzwerkgeräte. Produkte mit dem Energy-Star-Label erfüllen strenge Energie-effizienzanforderungen.

Der Blaue Engel: ist das älteste Umweltzeichen weltweit. Er kennzeichnet Produkte, die strenge Kriterien hinsichtlich der Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Umweltverträglichkeit erfüllen. Der Blaue Engel testet Kriterien wie Wiederverwendbarkeit, Langlebigkeit und Energieverbrauch.

80 Plus: Dieses US-Zertifizierungsprogramm bewertet die Effizienz von Netzteilen in Computern und Servern. Es verwendet verschiedene Stufen wie 80 PLus Bronze, Silver, Gold, Platinum und Titanium, um die Effizienz zu kennzeichnen. Je höher die Stufe, desto effizienter ist das Netzteil.

EU Code of Conduct for Data Centers: Dieser freiwillige Verhaltenskodex zielt darauf ab, den Energieverbrauch in Rechenzentren zu reduzieren. Er enthält Empfehlungen zur Energie-Effizienz von Servern, Kühlung und anderen Aspekten.

TÜV Rheinland: Dieses deutsche Prüf- und Zertifizierungsunternehmen bietet auch Energieeffizienzprüfungen für IT-Geräte an.

BEE (Bureau of Energy Efficiency): In Indien gibt es das BEE-Label für Energie-effiziente Elektronikprodukte, einschließlich Server und Netzwerkgeräte.

TCO Certified: ist die weltweit führende Nachhaltigkeitszertifizierung für IT-Produkte. Das TCO-Zertifikat wird vom schwedischen Berufsverband TCO vergeben. Es legt Anforderungen an die Gesamtleistung von IT-Geräten fest, einschließlich Energieeffizienz, Ergonomie und Umweltverträglichkeit. Die Kriterien für TCO Certified gehen über Industriestandards und Gesetze hinaus und bieten eine umfassende Nachhaltigkeitszertifizierung für IT-Produkte.

Wer prüft und wie lange behalten Zertifikate ihre Gültigkeit?

Energie-effizienz-Label für Hardwareprodukte werden in der Regel von unabhängigen Organisationen oder staatlichen Stellen festgelegt. In Deutschland ist die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) für die Prüfung der Energie-Effizienz von Elektrogeräten zuständig.

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Auf europäischer Ebene gibt es das Energy-Labeling-Program. Hier werden Energie-Effizienzklassen für verschiedene Produktkategorien festgelegt. Die Gültigkeitsdauer der Energie-Effizienz-Label ist je nach Produkttyp unterschiedlich. Elektrogeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen und Fernseher haben in der Regel eine Gültigkeitsdauer von 10 Jahren. Computer-Hardware wie Laptops, Monitore und Drucker können kürzere Gültigkeitszeiträume haben.

Mithilfe der Energie-Effizienzklassen können verschiedene Produkte miteinander verglichen werden. Es ist jedoch darauf zu achten, dass vergleichbare Geräte (zum Beispiel ähnliche Größe, Ausstattung und Leistung) miteinander verglichen werden, um eine genauere Auswahl treffen zu können.

Welche Hardware ist derzeit zu empfehlen?

Hier sind einige zufällige Energie-effiziente IT-Hardware-Beispiele für Rechenzentren:

Server:

  • HPE (Hewlett Packard Enterprise) ist ein bekannter Anbieter von Servern und IT-Infrastruktur. „HPE Proliant DL380 Gen10“: Dieser Server ist für seine Energie-Effizienz bekannt und bietet eine hohe Leistung bei geringem Stromverbrauch.
  • „Dell Poweredge R740“: Ein weiterer energieeffizienter Server, der in Rechenzentren weit verbreitet ist.
  • Netzwerkgeräte:
  • „Cisco Catalyst 2960-L“: Ein Energie-effizienter Ethernet-Switch, der in Rechenzentren eingesetzt wird.
  • „Juniper EX2300“: Ein weiterer Switch mit Fokus auf Energie-Effizienz.

Monitore:

  • „Dell Ultrasharp U2415“: Dieser Monitor zeichnet sich durch ein IPS-Panel aus und bietet eine hohe Bildqualität bei geringem Energieverbrauch.
  • „LG 27UK850-W“: Ein 27-Zoll-Monitor mit 4K-Auflösung, der ebenfalls Energie-effizient ist.

Zu beachten ist, dass die Energie-Effizienz nicht nur von der Hardware abhängt, sondern auch von der richtigen Konfiguration und Bedienung. Es ist wichtig, die Geräte richtig zu konfigurieren und zu verwalten, um ihre Energie-Effizienz zu maximieren.Oft geben schon die technische Datenblätter von Servern und Routern Aufschluss.

* Die Autorin: Steffi Burgard ist freie IT-Journalistin und lebt in Stuttgart.

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