Rundumschlag: Cisco Live EMEA Mit G300 strebt Cisco zu neuen Geschwindigkeitshorizonten

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 6 min Lesedauer

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Auf der Hausmesse und -konferenz „Cisco Live EMEA“ in Amsterdam hat der Netzgigant schnelle Chips, Switches, Router und Fortschritte bei AgenticOps beziehungsweise agentischen Applikationen für die Netzverwaltung vorgestellt.

Auf der diesjährigen „Cisco Live EMEA“ in Amsterdam präsentierte der Netzgigant die jüngste seiner Switches und Router für KI-Infrastrukturen.(Bild:  Cisco)
Auf der diesjährigen „Cisco Live EMEA“ in Amsterdam präsentierte der Netzgigant die jüngste seiner Switches und Router für KI-Infrastrukturen.
(Bild: Cisco)

AI und die dafür nötige Netzwerkhardware haben im Mittelpunkt der diesjährigen Cisco Live EMEA in Amsterdam gestanden. Jeff Schultz, Senior Vice President und Portfolio Manager macht bei einer Pressepräsentation im Vorfeld klar, worum es geht: „Die Infrastruktur ist derzeit das größte Hindernis für eine erfolgreiche Implementierung der nächsten und übernächsten AI-Generation.“

Er meint damit vor allem agentische AI, von der Schultz vermutet, sie werde schon im laufenden Jahr in vielen Unternehmen eingesetzt werden. Gerade erst am Start ist die so genannte physische KI. Diese Form der KI analysiert laufend in Echtzeit beispielsweise Maschinen- oder Verkehrsdaten und leitet etwa Steuerungsimpulse daraus ab.

Physische KI im Kommen

Physische KI wird benötigt zur Automatisierung komplexer Produktionsvorgänge, zur Steuerung etwa von Stromnetzen, des fließenden Verkehrs, aber auch zur Überwachung von Patienten und in ähnlichen anspruchsvollen Umfeldern. Damit sie funktionierten kann, sind sehr leistungsfähige Infrastrukturkomponenten einschließlich einer hochleistungsfähigen Verbindungstechnik nötig.

Zudem wird die AI hier in der Regel räumlich verteilt eingesetzt, um näher an den Daten zu sein. Auch das fordert die Technologie der verwendeten Komponenten heraus: Sie müssten neben der nötigen Leistung auch sehr sicher sein, um Missbrauchsversuchen vorzubeugen, betonte Schmidt.

Cisco setzt auf Plattform-Vorteil

Die neuen Cisco-Produkte bezeichnet er als „Infrastrukturschicht für das KI-Zeitalter“, aus dem sich ein Plattformvorteil ziehen ließe: Je mehr Cisco-Anwendungen ein Kunde nutze, desto mehr habe er davon. Dass das vor allem auf Cisco zutrifft, ist nicht extra erwähnt.

Hinsichtlich der Rechenzentrumsinfrastruktur habe Cisco neue Technologien bei „Silizium, Systemen, Optik, Software und Betriebsmodellen“ im Gepäck, sagt Kevil Wollenweber, SVP und General Manager Datacenter und Internet Infrastructure. Ein wichtiges Ziel der Neuerungen sei, die nötige Sicherheit bei Netzwerken zu erreichen.

Silicon One: Auf zu neuen Geschwindigkeitshorizonten

Basis für die neuen Hochleistungen ist das strategische Projekt „Silicon One“, das Cisco seit einigen Jahren umsetzt. Der Hersteller entwickelt unter diesem Label eigene Chips mit mehr Bandbreite, mehr Parallelverarbeitung und programmierbaren Funktionen auf dem Chip, die sich den Anforderungen anpassen. Das verlängert die Lebensdauer der Hardware.

Der Chip „Cisco G300“ aus der „Silicon-One“-Serie ist mit seiner Switching-Leistung von über 100 Tb/s auf die Anforderungen des KI-Zeitalters zugeschnitten.(Bild:  Cisco)
Der Chip „Cisco G300“ aus der „Silicon-One“-Serie ist mit seiner Switching-Leistung von über 100 Tb/s auf die Anforderungen des KI-Zeitalters zugeschnitten.
(Bild: Cisco)

Im Zentrum steht dabei der Switching-Chip „G300“, der eine Switching-Leistung von 102,4 Terabit pro Sekunde (Tb/s) bringt und 1,6 Tb/s-Ethernet unterstützt. Er bildet die fünfte Generation von Switching-Chips im Rahmen der Strategie und ist in 3 Nanometer-Technologie gefertigt. Er kann unter anderem LPO (linear pluggable optics)-Karten mit 800 Gb/s pro Port treiben.

Switches mit den G300-Chips

Der Chip steckt in vier neuen höchstleistungsfähigen Datacenter-Switches er Serien „Cisco N9000“ und „8000“: den luftgekühlten „N9364-SG3“/„Cisco 8133“ (der zweite Produktname bezeichnet die zugehörige Line Card) und dem wassergekühlten Pendant „N9364-SG3“/„Cisco 8132“. Während die luftgekühlte Version drei Höheneinheiten braucht, kommt die wassergekühlte Variante mit zwei Units aus. Beide haben 64 1,6 TBit/s-Ports.

Laut Cisco braucht man mit der neuen Gerätegeneration nur noch ein Sechstel der Switches. Die Effizienz soll um 70 Prozent steigen.

Schnelle Router mit P200

Das Pendant zum Datacenter-Chip G300 ist der Routerchip „P200“. Er leistet 51,2 Tb/s Full Duplex, wenn er als zentrale Router-Hardware eingesetzt wird. Seine Pufferspeicher lassen sich außerdem für den Betrieb als Linecard-Router mit 25,6 Tb/s konfigurieren. Er eignet sich neben traditionellen Routern und Switches auch für modulare und verteilte Designs.

Die neuen optischen Transceiver von Cisco leisten 1,6 Terabit pro Sekunde und können an den „G300“-Chip aus der „Silicon-One“-Serie angebunden werden. (Bild:  Cisco)
Die neuen optischen Transceiver von Cisco leisten 1,6 Terabit pro Sekunde und können an den „G300“-Chip aus der „Silicon-One“-Serie angebunden werden.
(Bild: Cisco)

Dieser Chip lässt sich mit den neuen Routern der Cisco-9000-Serie und der erweiterten Cisco-8000-Serie verwenden. Beispiele sind der „Cisco N9364-SP2R“/„Cisco 8223“ als fest konfiguriertes Gerät mit 64 800 GbE-Ports und der „Cisco N9836 SP2R“/„Cisco 88-LC2-36EF-M“ mit modularen Linecards zu je 32 Ports mit 800 GbE.

Optische Transceiver mit 1,6-Tb/s-Optik

Für diese Geräte bringt Cisco zwei neue optische Transceiver auf den Markt, die die verfügbaren Geschwindigkeiten merklich erhöhen. Der Cisco OSFP 1,6 T Optics liefert laut Cisco höchste Leistung und Zuverlässigkeit. Integriert sind eine neuartige, auf digitaler Signalverarbeitung basierende Diagnostik und entsprechende Monitoring-Fähigkeiten.

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Außerdem erweitert Cisco sein Portfolio durch das optische Transceivermodul „Cisco 800G LPO“ für 800G-Netze. Der Transceiver spart mittels AI-Algorithmen erheblich Energie: Sein Energiebedarf liegt laut Cisco nur noch bei der Hälfte des Vorläufers, der der integrierten Systeme sinkt um rund ein Drittel.

AI-sichere, agentenfähige Netze mit Nexus One

Weiter stattet Cisco Nexus One für das AI-Zeitalter aus. Dazu kommen verbesserte Verwaltungsmechanismen und Sicherheitsfunktionen.

Das Management verteilter Netzwerkinfrastrukturen erfolgt wahlweise aus der Cloud heraus (Nexus Hyperfabric), über APIs oder über ein On-Premises-Dashboard, jeweils über eine einheitliche Oberfläche. Dabei darf die verwendete Cisco-N9000-Hardware Cisco Silicon One oder „Nvidia Spectrum X“ verwenden. Als Netz-Betriebsystem kommen entweder Nexus, „Sonic“ oder „ACI“ in Frage.

Zwei neue „Nexus“-Switches, einer davon komplett wassergekühlt, mit dazugehörigen Line Cards verdoppeln die Bandbreite gegenüber den Vorläufermodellen.(Bild:  Cisco)
Zwei neue „Nexus“-Switches, einer davon komplett wassergekühlt, mit dazugehörigen Line Cards verdoppeln die Bandbreite gegenüber den Vorläufermodellen.
(Bild: Cisco)

Intelligenter Pakettransport mit fortschrittlichen aufs einzelne Paket bezogenen Loadbalancing-Mechanismen erhöht die Transportleistung laut Cisco um 38 Prozent. Nexus One ermöglicht jederzeit den Einblick in alle laufenden AI-Prozesse und eine regelbasierende Kontrolle des Netzbetriebs.

Splunk ist ab März in Nexus One integriert. Schon ab 18. Februar sind drei auf Splunk gehostete Modelle, nämlich „Cisco Deep Time Series Mode“ (beta), „Cisco Foundation AI Security Model“ und „GPT OSS“ (20B and 120B) verfügbar. Sie bieten Analytik und schlussfolgernde Mechanismen für das Management der Infrastruktur. Mit dem „Splunk MCP Server“ lassen sich AI-Systeme sicher an Splunk anbinden.

Zusätzliche Plattformsicherheit ohne Aufpreis

Ciscos Networking-Plattform hilft seit Herbst 25 nicht nur bei akuten Störsituationen durch Troubleshooting, sondern übernimmt inzwischen auch die Suche nachden Ursachen. Dazu kommt der Abgleich an einem Normalstandard, so dass auf Störungen hinweisende Abweichungen frühzeitig erkannt werden.

Außerdem wurde die Plattform um neue Sicherheitsfunktionen ergänzt und bietet jetzt eine Ende-zu-Ende-Sicht auf KI-Anwendungen. Für diese Features müssen Anwender nichts extra bezahlen.

In „IOS XE 26“ wurde zudem Security Service Insertion realisiert, die dynamische Anwendung von Firewall-Funktionen auf beliebigen Netzdatenströmen. Zudem bietet Cisco mit genereller Verfügbarkeit noch im ersten Quartal dieses Jahres quantensichere Verschlüsselung (PQC) mit Leitungsgeschwindigkeit an. Damit seien alle Netzwerkschichten ausgestattet, auch die untersten. Verfügbar ist PQC auf Switches „Cisco 8100“ und Campus-Varianten für kleinere Umgebungen.

Ciscos Pläne und Produkte bei AgenticOps

Große Pläne hat Cisco hinsichtlich agentischer Technologien, die das Netz-Management erheblich vereinfachen sollen. DJ Simpath, SVP AI Software und Plattformen bei Cisco, erläuterte das näher. In Zukunft würden in der Regel ganze Ensembles aus Modellen zusammenarbeiten und ihre agentischen Fähigkeiten bündeln.

Erste agentenbasierte Lösungen seien AI Assistant, „AI Canva“ sowie „Cisco Cloud Control“ (letztere beiden derzeit Early Access). An entsprechende Umgebungen sollen zukünftig auch Systeme von Drittherstellern eingebunden werden können.

Agentenbasierte Applikationen.

Anwender von „Splunk Observability Cloud“ können ab 25. Februar von „AI Agent Monitoring“ profitieren. Im März kommt die Analyse des digitalen Nutzererlebnisses dazu.

DJ Simpath, Senior Vice President AI Software und Plattformen bei Cisco: „In Zukunft arbeiten Ensembles von Modellen zusammen."(Bild:  Rüdiger)
DJ Simpath, Senior Vice President AI Software und Plattformen bei Cisco: „In Zukunft arbeiten Ensembles von Modellen zusammen."
(Bild: Rüdiger)

Dem Schutz von AI-Agenten vor Außeneingriffen, aber auch davor, in der Außenwelt unerwünschte Wirkungen zu entfalten, dient „Cisco AI Defense“. Dieses Werkzeug übernimmt die Überwachung aller im Unternehmen aktiven KI-Komponenten.

SASE für agentische AI

Der sicheren Kommunikation der Agenten mit der Außenwelt dient Cisco Secure Access mit MCP (Model Context Protocol). Das Tool kann Agenten und Menschen unterscheiden und klassifiziert automatisch KI-Traffic.

In der Software lassen sich zweckbezogene Regelgruppen definieren, die dann auf den entsprechend klassifizierten Verkehr angewandt werden. Auch in „Cisco Security Cloud Control“ werden agentische Applikationen abgebildet. Tom Giles, SVP Security, bezeichnet diesen Ansatz als „SASE für AI mit AgenticOps“.

Mehr Intelligenz bei der Kollaboration

Auch Ciscos Teamarbeitsprodukte sollen intelligenter werden. „Webex“ wurde beispielsweise durch einen automatisierten Übersetzer angereichert. Das „Webex Customer Center“ nutzt jetzt AI-basierte Weiterleitung und Terminierung. Außerdem gibt es zwei neue intelligente Workspaces: das Raumsystem „Cisco Room Kit Pro G2“ und das Desktop-System „Desk Pro G2“.

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