Sprachmodelle wie „GPT-3“ revolutionieren unser gesamtes menschliches Zusammenleben, ja das Wesen unseres Menschseins. Zeit, dass aus Europa nicht nur exzellente Experten in diesem Bereich kommen, sondern dass der alte Kontinent auch die Notwendigkeit eigener KI-Modelle auf diesem Feld erkennt. Jetzt geht es um „OpenGPT-X“.
In Zukunft interagiert der Mensch mit humanoiden Maschinen
(Bild: von Gerd Altmann auf Pixabay)
Wirklicher Mensch oder (bloß) humanoider Automat? Wurde eine solche Fragestellung in den letzten Jahrzehnten fast nur in fiktionalen Medien abgehandelt - ein bekanntes Beispiel ist der Roman „Do Androids Dream of Electric Sheep?“, von Philip Dick, auf dem die Blade Runner-Filme beruhen beziehungsweise davon inspiriert sind - so ist sie seit ein paar Jahren in der gesellschaftlichen Wirklichkeit angekommen.
Sprachproduktionssysteme wie GPT-3 erzeugen mittlerweile natürlich-sprachliche Strukturen (Sätze, Paragrafen, Artikel oder womöglich auch ganze Romane), die menschliches Weltverständnis sowie menschliche Denk- und Formulierungsstrukturen in geradezu verblüffender Weise widerspiegeln. Auf das GPT-3-System kann über eine kostenpflichtige API zugegriffen werden. Unter anderem erhält man über diese Schnittstelle eine Schalttafel, mit der Länge, Vielfalt, Eigenwilligkeit, Ironie-Ebene und weitere Parameter der „Text-Temperatur“ gesteuert werden können.
Dadurch lassen sich mit der Maschine Dialoge führen, die von zwischenmenschlicher Kommunikation in der Regel nicht zu unterscheiden sind. Das System verfügt neben dem syntaktisch-semantischen Regelapparat einer bestimmten Sprache über ein ungeheuer umfangreiches Vokabular, das auch Redensarten, übertragene Sprachverwendung, Sprichwörter und Fachtermini enthält.
Das ist aber nur die Basis. Der Clou ist die oben erwähnte „Text-Temperatur“. Hinter diesem Begriff stecken die eigentlichen Feinheiten des Textverstehens von GPT-3, durch die das System „humanoid“ wird. Es kann Frotzeleien von ernsthafter Rede ebenso unterscheiden wie Ironie und andere „Meta-Verwendungen“ von Sprache. Dass das manchmal auch schiefgehen kann, sagt nur sehr bedingt etwas über die Qualität des Sprachproduktionssystems aus, sind doch Missverständnisse ein häufiges und sehr typisches Merkmal auch zwischenmenschlicher Rede.
Sprung-Innovation im Bereich geistiger Tätigkeiten
Was hat das alles mit dem OpenGPT-X-Projekt zu tun, um das es in diesem Erklärstück geht? Nun ja, Sprachproduktionssysteme wie GPT-3 sind Grundlage für eine gewaltige Sprunginnovation („Disruption“) im Bereich geistiger Tätigkeiten, deren wirtschaftliches und gesellschaftspolitisches Momentum andere Sprunginnovationen, etwa in der Fertigungstechnik oder der Halbleitertechnik noch deutlich übertreffen dürfte.
Journalisten, Rechtsanwälte, Ärzte, Banker Schriftsteller, ja auch Politiker sollten sich darauf einstellen. Es werden deren Berufe und viele andere nicht nur umstrukturiert, sondern das Mensch-Sein als solches wird „dekonstruiert“.
Gleichzeitig findet diese Entwicklung im Moment aber hauptsächlich in der asiatischen und (US-)amerikanischen Wissenschafts-Community statt. Nicht dass es in Europa kein Potenzial gäbe, das ist aber in hohem Maße bei Google, Apple und Co. engagiert. Damit gefährdet Europa nicht nur seine Wirtschaftskraft, sondern auch seine geistigen und ethischen Werte und seine digitale Souveränität.
OpenGPT-X soll die KI-Datensouveränität für Europa sichern
Mit dem Anfang 2022 begonnenen Forschungs- und Entwicklungsprojekt OpenGPT-X, das unter anderem mit 15 Millionen Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert wird, soll nun unter Federführung zweier Fraunhofer-Institute („Intelligente Analyse- und Informationssysteme, IAIS“ und „Integrierte Schaltungen, IIS“) eine auf der Basis europäischer Werte gebaute „Sprach-KI“ entstehen. Neben den beiden Fraunhofer-Instituten gehören zu dem Gründungs-Konsortium zehn Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medienbranche.
Neben der Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit soll OpenGPT-X als EU-Projekt auch die Datensouveränität hiesiger Unternehmen und den Datenschutz ihrer Kunden wahren. Das sei eine große Herausforderung, denn wie alle KI-Anwendungen basierten KI-Sprachmodelle auf der Verarbeitung großer Datenmengen, die je nach Kontext auch Unternehmens- und Kundendaten enthielten, so das Konsortium in einer Pressmitteilung letztes Jahr.
„Damit derlei sensible Daten nicht außerhalb von Europa verarbeitet werden, werden die OpenGPT-X-Sprachanwendungen über den dezentralen Cloud-Stack von GaiaX zur Verfügung gestellt, die derzeit nach europäischen Werten und Sicherheitsstandards entsteht. Die neue Sprach-KI soll künftig in drei GaiaX-Domänen bereitgestellt werden, in Mobilität, Finanzwirtschaft und Medien“, heißt es in der Verlautbarung weiter.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Nur im Verbund lässt sich die Aufgabe stemmen
Auch wenn das alles ein bisschen nach der üblichen „Forschungsprojekt-Antrags-Prosa“ klingt, ist doch zu hoffen, dass bei dem Projekt Substanzielles und Verwertbares für die europäische Industrie herauskommt. Das gilt besonders für die kleinen und mittleren Betriebe, die die europäische und besonders auch die deutsche Industrie anders an in Asien und USA stützen. Diese sollen erklärtermaßen von OpenGPT-X profitieren.
Hoffnungsvoll stimmt den Autor diese Zeilen vor allem, dass mit dem Heidelberger Startup Aleph Alpha und seinem kenntnisreichen und energiegeladenen Chef Jonas Andrulis, einem ehemaligen KI-Teamleiter bei Apple, offenbar eine gute Mischung aus US-amerikanischem Unternehmertum, gemischt mit europäischen gesellschaftspolitischen Werten, im OpenGPT-X-Projekt an Bord sind.
Bislang hätten viele deutsche KI-Applikationen eigentlich nur US-Modelle adaptiert. Aleph Alpha entwickle demgegenüber eigene Modelle von Null aufwärts. Dazu sei einiges an Forschungsarbeit notwendig, die man zusammen mit Partnern durchführen wolle, sagt Andrulis.
Einschätzung vom Experten
Der Heidelberger KI-Spezialist und Unternehmer hebt besonders eine Eigenschaft der „humanoiden“ KI-Sprachmodelle a la GPT-3 hervor, die eine vertrauensvolle Kooperation ungemein erleichtere. Da bei dieser Technologie eine Anlernphase der KI entfalle, seien faktisch keine annotierten Daten notwendig.
Partnerunternehmen könnten insofern die Vorteile einer generalisierenden KI nutzen, ohne im Vorfeld eigene Daten für das Training preisgeben zu müssen. Und auch die Tatsache, dass Aleph Alpha ein deutsches Unternehmen sei, komme dem Datenschutz und der Informationssicherheit entgegen. Andererseits seien diese Modelle rechenleistungshungrig wie kaum eine andere Anwendung, so dass die Rechnerkapazitäten einer Verbundforschung wie sie beispielsweise OpenGPT-X biete, viel Schub für gute Ergebnisse böten.