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Treibhausgasemissionen Was ist das Greenhouse Gas Protocol?

Von Andreas Th. Fischer 3 min Lesedauer

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Aktuelle Trends wie die stark zunehmende Nutzung der generativen KI führen dazu, dass der Energiehunger von Rechenzentren ins Unermessliche steigt. Das sorgt nicht nur für höhere Kosten. Auch die direkten und indirekten CO₂-Emissionen nehmen dadurch kräftig zu. Aber wie hoch sind sie wirklich?

Treibhausgas-Emissionen lassen sich mit dem GHG Protocol erfassen.(Bild:  Pexels)
Treibhausgas-Emissionen lassen sich mit dem GHG Protocol erfassen.
(Bild: Pexels)

Das Greenhouse Gas Protocol, abgekürzt GHG Protocol, ist ein international anerkanntes Rahmenwerk, das zur Messung, Berichterstattung und Reduzierung von Treibhausgasemissionen genutzt wird. Seine Entwicklung wird zusammen vom World Resources Institute (WRI) und dem World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) koordiniert.

Während das WRI eine vom Umweltanwalt James Gustave Speth im Jahr 1982 gegründete Non-Profit-Organisation mit Sitz in Washington D.C. ist, wurde das WBCSD 1995 vom Schweizer Unternehmer Stephan Schmidheiny initiiert. Bis heute kümmert sich die Organisation vor allem um die Interessen von Unternehmen bei etwa internationalen UN-Klimakonferenzen.

Auf Basis des GHG Protocols wurden nach Informationen des Instituts für Energie- und Klimapolitik Arrhenius (PDF) weltweit zahlreiche weitere nationale sowie regionale Programme wie The Greenhouse Gas Protocol for the U.S. Public Sector, The Climate Registry, The World Wildlife Fund Climate Savers oder Local Governments for Sustainability (ICLEI) entwickelt. Auch der 2006 vorgestellte ISO-Standard 14064 verwendet als Grundlage das Greenhouse Gas Protocol.

Geschichte des GHG Protocols

Ende der 1990er Jahre erkannten sowohl das WRI als auch das WBCSD die Notwendigkeit eines internationalen Standards für die Treibhausgasbilanzierung und -berichterstattung von Unternehmen. Gemeinsam mit Konzernen wie BP und General Motors veröffentlichten sie 1998 einen ersten Bericht mit dem Titel „Safe Climate, Sound Business“, in dem unter anderem ein Aktionsplan zur Bekämpfung des Klimawandels aufgestellt wurde.

Weitere industrielle Partner wie der Ölkonzern Shell sowie Umweltgruppen wie der World Wide Fund For Nature (WWF) und das Pew Center on Global Climate Change wurden später mit ins Boot geholt. Gemeinsam veröffentlichten sie 2001 die erste Version des Greenhouse Gas Protocol. Seitdem wurde es mehrmals überarbeitet und erweitert.

Inhalte des Greenhouse Gas Protocol

Das GHG Protocol unterstützt Unternehmen und mittlerweile auch öffentliche Organisationen dabei, Emissionen aus Strom- und anderen Energie-Einkäufen zu messen und dabei möglichst alle Emissionen zu berücksichtigen. Dazu enthält es Werkzeuge und andere Hilfsmittel, mit denen Unternehmen ihre Treibhausgasemissionen berechnen können.

2008 setzten laut der Studie „Voluntary global business initiatives and the international climate negotiations: A case study of the Greenhouse Gas Protocol“ 60 Prozent der Global-Fortune-Unternehmen das GHG Protocol ein, neun Jahre später waren es sogar schon 90 Prozent.

Treibhausgas-Emissionen werden im GHG Protocol in CO₂-Äquivalenten (CO₂e) ausgedrückt. Durch sie wird der Effekt verschiedener Treibhausgase vergleichbar, da für jedes Gas ein sogenanntes globales Erwärmungspotential (Global Warming Potential, GWP) festgelegt wird.

Kategorien im GHG Protocol

Das Greenhouse Gas Protocol enthält mehrere Kategorien, sie werden „Scope“ genannt:

Scope 1 betrifft direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen. Beispiele dafür sind etwa mit Diesel oder Gas betriebene Notstromgeneratoren in Rechenzentren, Produktionsanlagen in der Industrie, aber auch Firmenfahrzeuge.

Scope 2 sind dagegen indirekte Emissionen aus zugekaufter Energie, also vor allem Strom und Fernwärme. Sie sind im Datacenter in der Regel die größte CO₂-Quelle. Einen erheblichen Einfluss auf die Höhe der Treibhausgas-Emissionen hat die Wahl zwischen konventionellem und erneuerbarem Strom.

Scope 3 umfasst weitere indirekte Emissionen, wie sie etwa beim Transport der benötigten Server, Netzwerkinfrastruktur oder Kühlelementen sowie bei Geschäftsreisen der Mitarbeiter auftreten.

Verpflichtend ist dabei aber nur die Erfassung der Emissionen nach Scope 1 und 2. Die CSRD-Richtlinie (Corporate Sustainability Reporting Directive) der EU zur Nachhaltigkeitsberichterstattung geht daher einen Schritt weiter und schließt auch den Scope 3 mit ein. In Deutschland sind etwa 15.000 Unternehmen von der CSRD-Berichtspflicht betroffen.

Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit

Rechenzentrumsbetreiber haben mehrere Möglichkeiten, um ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken. Dazu gehören etwa eine Steigerung der Effizienz durch eine bessere Kühlung, eine Umstellung auf erneuerbare Energien sowie Optimierungen beim Lebenszyklus der eingesetzten Hardware. So können die Server und andere Infrastrukturkomponenten etwa länger genutzt, recycelt oder refurbished werden.

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Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten und Chancen. So verlangen immer mehr Kunden CO₂-neutrale Cloud- und Hosting-Lösungen. Auf der anderen Seite setzt der Zugang zu grünen Finanzierungsinstrumenten wie den Green Bounds oft eine Bilanzierung nach GHG-Protocol-Standard voraus.

Damit ist das GHG Protocol für die Betreiber von Rechenzentren ein wichtiger Standard. Es hilft ihnen nicht nur bei der Erfüllung der regulatorischen Vorgaben bei Treibhausgas-Emissionen, sondern verbessert auch ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Entwicklung nachhaltiger IT-Angebote.

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