Maschinen, Menschen, Monitore Was heißt „Sicherheit von Rechenzentren im Jahr 2023“ – und was kommt 2024?

Von M.A. Jürgen Höfling 5 min Lesedauer

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Das funktionale Gebilde „Rechenzentrum“ ist im Wandel und desgleichen die Sicherheitsaspekte in und um das Rechenzentrum. Dieser Wandel stellt nicht zuletzt hohe Anforderungen an die Menschen, die in diesem Umfeld arbeiten.

Der stetige Wandel in und um das Rechenzentrum herum stellt hohe Ansprüche an alle Beteiligten.(Bild:  Cliff Hang /  Pixabay)
Der stetige Wandel in und um das Rechenzentrum herum stellt hohe Ansprüche an alle Beteiligten.
(Bild: Cliff Hang / Pixabay)

Der Titel dieses Artikels stellt eine scheinbar einfache Frage, die sich bei näherem Hinsehen und Nachdenken aber zunehmend „verkompliziert“. Was bitte ist genau „Sicherheit“, ja mehr noch: Was bitte ist in Cloud- und Edge-Zeiten genau ein Rechenzentrum? Na ja, wenigstens ist die Jahresangabe in der Frage exakt definiert. Trotz allem ist die obige Frage nicht unsinnig, man kann sie aber nur approximativ beantworten, wie fast alle Fragen aus unserer Arbeits- und Lebenswelt.

Versicherungsprämie für / statt Rechenzentrumssicherheit

Eine solche approximative Beantwortung ergibt sich fast von selbst, wenn man einmal durchspielt, was man als Rechenzentrumsbetreiber – sei es als Cloud-Provider, als Co-Location-Anbieter oder als Einrichtung für die eigene Unternehmens-IT – an Versicherungsprämien zu zahlen fähig und vor allem auch willens ist, um sich auf diesem Weg mehr Sicherheit quasi zu erkaufen. Auch wenn sich die Antwort „ganz von selbst“ ergibt, wird sie je nach Risikoabschätzung und persönlicher Risikobereitschaft ganz verschieden ausfallen.

Wer meint, sich auf sein Wissen und seinen Instinkt in puncto Sicherheit gut verlassen zu können, und zudem glaubt, gut vorgesorgt zu haben, wird eher wenig an Risiken durch Versicherungsprämien reduzieren wollen. Wer das unbestimmte oder auch sehr bestimmte Gefühl hat, dass „in seinem Laden“ sicherheitsmäßig nicht alles zum Besten steht, wird mehr Prämien zahlen oder vielleicht auch schlussfolgern, dass er oder sie schleunigst Sicherheitsmaßnahmen ergreifen sollte, statt immer höhere Prämien zu zahlen.

Der Gesetzgeber hält sich in der Regel mit dem Vorschreiben von Versicherungspflichten zurück. Vermutlich ist dabei ein leitender Gedanke, dass es in der Regel nur die zweitbeste Lösung ist, Risiken durch Prämienzahlung und nicht durch entsprechende Maßnahmen an Ort und Stelle zu minimieren.

Der Artikel entstammt dem eBook „Mit Sicherheit - teuer und nicht ausreichend“, das Leser von der Redaktion DataCenter-Insider als Ganzes zum kostenlosen Download angeboten bekommen.

eBook: Mit Sicherheit - teuer und nicht ausreichend

Mit Sicherheit - teuer und nicht ausreichend
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  • Auch das neue IT-Sicherheitsgesetz 2.0 sieht beispielsweise keine allgemeine Versicherungspflicht für Betreiber kritischer Infrastrukturen vor. Es wird jedoch eine Versicherungsverpflichtung für Betreiber kritischer Infrastrukturen in den Bereichen Energie, Telekommunikation, Verkehr und Gesundheit eingeführt, die sich gemäß § 8b IT-Sicherheitsgesetz 2.0 auf Grundlage von Kriterien wie der Unternehmensgröße oder der Bedeutung für die öffentliche Versorgung dafür qualifizieren.

    Das Rechenzentrum in seinen Ausprägungen

    Sicherheit im Rechenzentrum kennt nur eine Näherungslösung, gehört also in den Bereich der „ungenauen Mathematik“, die in vielen Lebensbereichen freilich immer wichtiger wird. Wie steht es aber nun mit dem „Rechenzentrum“? Wird auch dies immer mehr zu einer Näherungslösung in der Wolke?

    Ja und Nein: Für einen Anwender, der sich je nach Bedarf Rechenleistung kauft und dessen Mitarbeiter irgendwo auf der Erde zuhause oder im Café Central oder Oriental arbeiten, mag das Rechenzentrum tatsächlich eher „wolkig“ wirken. Ganz und gar nicht wolkig ist für ihn und seine Mitarbeiter der Begriff Sicherheit. Die wollen er und sie im Übrigen nicht als Näherungslösung, sondern als Produkteigenschaft, ohne die ein bestimmtes Produkt nichts taugt.

    In dem beschriebenen Produktions- und Arbeitsambiente hat das Rechenzentrum eine genau definierte Gesamtfunktionalität, ja es IST ein solches Funktionspaket. Und Sicherheit ist Teil dieses Funktionspakets und kann durch Service Level Agreements exakt beschrieben werden. Vor allem wird dadurch auch genau festgelegt, welche vertraglichen Auswirkungen Abweichungen von den im Vertrag fixierten Zusagen haben. Nur nebenbei: derartige Verträge werden künftig vermutlich immer öfter den Charakter von „Smart Contracts“ haben, also codierten Prozessen in der Blockchain, bei der die Vertragsstrafen ebenfalls durch einen Algorithmus definiert und abgerechnet wird.

    Es steht zu vermuten, dass künftig Rechenzentren in ihren materiellen Ausprägungen immer variantenreichere Formen annehmen werden und dass sie in fünf bis zehn Jahren weitgehend anders aussehen als heute, aber traditionelle Banken und Postämter wird es demnächst ja auch nicht mehr geben, wohl aber deren Funktionalität.

    Rechenzentrumssicherheit in ihren vielen Ausprägungen

    Insofern könnte es gut sein, dass viele Details in ein paar Jahren nicht mehr oder zumindest nicht mehr in der derzeitigen Ausprägung relevant sein werden. Gleichwohl werden aber die Prinzipien, die dieser Ausprägung zugrunde liegen, weiter gültig sein.

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    Eines dieser Prinzipien ist die Forderung nach möglichst ganzheitlicher Betrachtungsweise. Ein modernes Schließsystem, bei dem eine Tür in einem vergessenen Winkel zu integrieren vergessen wurde, mag sicherheitsmäßig vielleicht angehen, aber wenn Cyber-Sicherheit „hui“ ist, der Objektschutz (wie immer dieses Objekt in Zukunft aussieht) aber „pfui“, dann ist diese Diskrepanz mehr als problematisch.

    Ein weiterer Sicherheitsaspekt in einer Welt, die trotz aller politischen und wirtschaftlichen Konkurrenzkämpfe und kriegerischen Auseinandersetzungen rechenzentrumsmäßig tendenziell im Moment doch eher als ein globales Ganzes wahrgenommen wird, ist die geopolitische Sicherheit. Wird es zunehmend zu einer geografischen beziehungsweise geopolitischen Segmentierung von Rechenzentrumskapazitäten kommen? Wie ist dann ein Chemie-Komplex der BASF in Guangdong oder ein Airbus-Werk in Schanghai „IT-mäßig“ einzuschätzen?

    Beides sollen hier nur Beispiele sein, um das Problem zu illustrieren. Und wenn ja, wie geht man vor, wenn sich geopolitische Verbindungen einerseits auflösen und andererseits neu geknüpft werden? Das kann nämlich schneller passieren, als man denkt. Gibt es dann eine neue Art von Software-definierten Rechenzentren, die je nach geopolitischer Couleur neu „zusammengesteckt“ werden? Man sollte dies nicht für eine fantasievolle Zukunftsschau ohne Realitätsbezug halten. Neben den bisherigen ökonomischen Spielern aus Europa, Asien und Nordamerika werden zunehmend Afrika und Südamerika das ohnehin schon labile Gleichgewicht ins Wanken bringen, zumal auch die oben angeführte traditionelle Triade keineswegs homogen ist.

    Menschen als Gefahr und Rettung

    Trotz aller Künstlichen Intelligenz, die vermutlich in Zukunft eine immer größere Rolle für die Sicherheit des funktionalen Gebildes namens Rechenzentrum spielen wird, geht es in Fragen der Sicherheit auch und nicht zuletzt um Menschen. Im Artikel 2 („Sicherheitspolitik ist Personalpolitik“) geht es deshalb um Talentsuche und Talententwicklung im Bereich Rechenzentrumssicherheit und um eine Mitarbeiterführung auf Augenhöhe, die Loyalität und Kompetenz erkennt und anerkennt.

    Menschen sind immer Gefahr und Rettung zugleich: Sie können durch fahrlässige oder vorsätzliche Fehlentscheidungen Havarien und Katastrophen verursachen; sie können aus Kurzsichtigkeit, Feigheit oder Dummheit einer räuberischen Erpressung nachgeben und mit der Lösegeldzahlung weiteren Erpressungen Vorschub leisten; sie können aber auch verantwortungsbewusst, vorausschauend und mutig handeln und mit neuen Ideen die Sicherheit von Rechenzentren verbessern.

    Nicht zuletzt sind menschliche Entscheidungen essenziell für die Zukunftssicherheit von Rechenzentren und die Erhaltung von Wohlstand und Wohlergehen auf unserem kleinen Planeten.

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