On-premises ist in seiner traditionellen Interpretation ein geschäftliches Auslaufmodell. Cloud-Computing in der heute praktizierten Form ist aber nicht unbedingt die Alternative der Zukunft.
Der on-premises-Gedanke kann in der Blockchain-Technologie eine neue Form erhalten.
(Bild: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay)
Auf den ersten Blick scheint es eindeutig zu sein, was „on premises“ in der IT bedeutet: Ein Unternehmen bezieht seine Rechenkapazitäten nicht als Dienstleistung aus der „Wolke“, sondern hat das „Eisen“ gekauft und im eigenen Haus „geparkt“.
Auch die Programme, die man benötigt oder zu benötigen meint, sind gekauft und man kann mit ihnen im Rahmen der Lizenzbedingungen machen, was man will, zum Beispiel auch unbenutzt vergessen oder nur teilweise benutzen. Und wenn etwas bei der in Benutzung befindlichen Software nicht funktioniert, greifen die hauseigenen Spezialisten ein, zumindest ist das der Idealfall. Denn alles soll im eigenen Haus bleiben, Hardware, Software, die Daten und die Information, was man wie und wo mit ihnen macht.
Eine solche rigorose on-premises-Philosophie ist nicht gerade billig; denn man hat in einem solchen Umfeld schon aus Sicherheitsgründen immer mehr im Haus als man konkret benötigt – das betrifft sowohl Material als auch Menschen – und diese Philosophie ist spätestens dann, wenn es um den Support geht, heute kaum noch vollständig verwirklicht. Denn spätestens dann dürften auch „on-premises-Überzeugungstäter“ in gewissem Umfang auf externe Dienstleister zurückgreifen.
On-premises versus Dienstleistungs-Einkauf
Ökonomisch sinnvoll ist jedenfalls ein „Alles-selber-Machen-wollen-Konzept“ in der IT schon lange nicht mehr. Die gesamte IT-Kultur ist längst auf die passgenaue Bereitstellung von Dienstleistungen ausgerichtet. Das Spektrum reicht von Software-as-a-Service bis zu Platform- oder Infrastruktur-as-a Service.
Die IT ist im Übrigen hinsichtlich der ausgefeilten Service-Orientierung und Service-Strukturierung Vorreiter für die ganze Industrie. In ein paar Jahren werden – so unsere Voraussage – in den meisten Fertigungsbereichen immer weniger Maschinen aller Art „on -premises“ laufen, sondern schlicht eine bestimmte Anzahl jeweils benötigter Maschinenbewegungen eingekauft werden, um beispielsweise einen Kühlschrank, ein Auto oder auch ein Flugzeug zu produzieren.
Sicherheitsbedenken oder regulatorische Auflagen wie Datenschutzvorgaben können durch gut aufgesetzte vertragliche Vereinbarungen mit entsprechenden Sanktionierungen erfüllt werden. Bei der Vergabe der Dienstleistungen wird es sicher regionale Schwerpunktsetzungen geben – nicht jeder wird aus jeder beliebigen Region seine Dienstleister holen -, aber „on-premises“ in der oben skizzierten Form ist ein geschäftliches Auslaufmodell.
Das Vorsorgeprinzip gilt für die Cloud ebenso wie für „on-premises“
Schon heute setzen nach einer aktuellen Studie, die die Berater von KPMG in Zusammenarbeit mit dem Branchenverband Bitkom gemacht haben, 76 Prozent der Unternehmen in Deutschland ab 20 Mitarbeitern auf Cloud-Lösungen. Darüber hinaus dürften viele so genannte on-premises-Lösungen von einem externen Dienstleister betrieben werden („Hosting“).
Auch bei den externen Rechenzentren geht der Trend zu Dienstleistung. Co-Location-Varianten gibt es mittlerweile zuhauf. Und was mögliche Datenverluste betrifft, wie sie vor Kurzem durch den Großbrand in einem Cloud-Rechenzentrum in Straßburg entstanden sind, so ist dieser Vorfall kaum ein Argument gegen IT-Dienstleistung, sondern eher dafür, gute, wasserdichte Verträge zu machen und nicht am falschen Platz zu sparen. Letztere Regel trifft im Übrigen auf "on premises" ebenso zu wie auf (Cloud-)Dienstleistungen.
Der Trend in der IT geht eindeutig in die Cloud in ihren verschiedenen Ausprägungen. Die meisten IT-Anbieter versuchen noch unentschlossene Kunden mit verschiedenen Produkt- und Vertragsangeboten in die Cloud zu hieven, und ein Softwareriese wie SAP will – nachdem der Aktienkurs letztes Jahr eingebrochen ist – in den nächsten Jahren erklärtermaßen eher auf Marge verzichten als nicht noch zügiger seine Kunden in die Cloud migrieren.
Ob indes die Cloud in drei bis fünf Jahren noch so wie heute aussehen wird, darf füglich bezweifelt werden. Es besteht nach Meinung des Autors eine große Wahrscheinlichkeit, dass die beiden Pole „on-premises“ und „Cloud“ (auch mit den oben genannten Varianten dazwischen) in den nächsten Jahren bezüglich ihrer Anziehungskraft zunehmend schwächer werden und durch die Pole „zentral versus dezentral“ abgelöst werden.
Vor-Ort-Rechenzentren (Edge Computing) und Maschine-Maschine-Vernetzung werden diese Entwicklung vorantreiben. Nach Einschätzung des Autors wird bei dieser Entwicklung in der IT-Welt immer weniger Platz sein für zentrale Gewalten in Form von „Cloud-Riesen“, vielmehr werden den Marktteilnehmern durch Techniken wie die Blockchain neue Freiheitsgrade zuwachsen, eventuell „in Tateinheit“ mit eigens dafür geschaffenen Verrechnungseinheiten („Krypto-Währungen“), die ebenfalls auf der Blockchain-Technologie basieren. Auf diesem Wege könnte „on-premises“ eine neue Implementation und Interpretation erhalten und insofern durchaus nicht zum „alten Eisen“ gehören.
Stand: 08.12.2025
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