Software-definierte Fahrzeugplattformen Der Volkswagen-Rivian-Deal im Detail

Von CTO und CISO Anna Kobylinska und Filipe Pereira Martins Filipe Martins & Anna Kobylinska 3 min Lesedauer

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Für reichlich Aufsehen hat die Ankündigung der Volkswagen Group gesorgt, ein Joint Venture mit Rivian begründen zu wollen. Doch was genau kann das kalifornische Electric-Vehicle-Software-Startup zur Strategie des Automobilkonzerns beitragen?

Volkswagen und Rivian wollen gemeinsam eine zukunftsträchtige Software-definierte Fahrzeugplattform entwickeln.(Bild:  Rivian)
Volkswagen und Rivian wollen gemeinsam eine zukunftsträchtige Software-definierte Fahrzeugplattform entwickeln.
(Bild: Rivian)

Volkswagen investiert bis zu 2 Milliarden US-Dollar in das Gemeinschaftsunternehmen; die erste Hälfte Ende 2024 und die andere Hälfte Ende 2026. Das gesetzte Ziel ist es, gemeinsam Softwaretechnologie und eine elektrische/elektronische (E/E) Architektur der nächsten Generation für elektrische Fahrzeuge (Electric Vehicles, EVs) zu entwickeln.

Zusätzlich zum Joint Venture will Volkswagen in den Jahren 2024 bis 2026 bis zu 3 Milliarden US-Dollar in Rivian direkt investieren. Volkswagen steigt dadurch zum Hauptaktionär von Rivian auf und verdrängt Amazon von dieser Position auf Platz zwei. Die strategische Partnerschaft verschafft dem deutschen Automobilriesen Zugang zur Software und der EV-Entwicklungsplattform von Rivian.

Das Vorhaben zielt darauf ab, die Pläne für Software-definierte Fahrzeugplattformen (SDV für Software Defined Vehicle) der Volkswagen Group zu beschleunigen und den Übergang zu Rivians zonenbasierten Fahrzeugarchitektur zu ermöglichen. Die Partnerschaft bringt Rivians Software und Elektronikplattform auf eine breite Palette von Fahrzeugen des Volkswagen-Konzerns.

Technische Ausprägung der Rivian-Plattform

Volkswagen-Group-CEO Oliver Blume (links) und Robert „RJ“ Scaringe, Gründer und CEO von Rivian.(Bild:  Rivian / Volkswagen Group)
Volkswagen-Group-CEO Oliver Blume (links) und Robert „RJ“ Scaringe, Gründer und CEO von Rivian.
(Bild: Rivian / Volkswagen Group)

Die Entwicklerplattform von Rivian gilt als einzigartig in der Industrie. Rivian teilt das elektrische System des Fahrzeugs in architektonische Zonen auf. Anstatt mehrere Kabel für verschiedene Funktionen im gesamten Fahrzeug zu verlegen, zentralisiert sich die Verarbeitung der Daten in bestimmten Zonen. Dies reduziert die Komplexität und verbessert die Zuverlässigkeit und Leistung der Software.

Die Plattform von Rivian ist hoch skalierbar und unterstützt eine breite Palette von Fahrzeugtypen und Konfigurationen. Entwickler können so Softwarelösungen erstellen, die mit minimalen Anpassungen eine große Vielzahl von Modellen und Marktsegmenten abdecken.

Die Plattform von Rivian ist stark auf Softwareintegration ausgerichtet. Sie ermöglicht nahtlose Updates und kontinuierliche Verbesserungen und erleichtert nicht zuletzt die Einführung neuer Funktionen per Over-the-Air-Update. Dies hilft sicherzustellen, dass Fahrzeuge während ihres gesamten Lebenszyklus technologisch auf dem neuesten Stand bleiben.

Rivian bietet Entwicklern eine umfassende Palette an Werkzeugen und Ressourcen, einschließlich leistungsstarker APIs (einschließlich Electrafi/Teslafi und rivian-python-api) und detaillierter Dokumentation. Rivians Plattform legt großen Wert auf eine außergewöhnliche Entwicklererfahrung. Sie unterstützt fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme, moderne Infotainment-Funktionen und personalisierte Benutzeroberflächen basierend auf Unreal Engine.

Rivian nutzt die „Nvidia Drive“-Plattform, um fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme (ADAS) und autonome Fahrfunktionen zu implementieren. Rivian nutzt die Simulationsumgebungen von NVIDIA, um Fahrfunktionen in virtuellen Welten zu testen und zu validieren. Dies hat zum Ziel, die Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und die Sicherheit zu verbessern.

Rivian nutzt intern Lösungen von NVIDIA im Bereich künstlicher Intelligenz (KI) und Deep Learning für Objekterkennung, Umfeldwahrnehmung und Echtzeit-Entscheidungsfindung. Durch die Partnerschaft mit Volkswagen gewinnt Rivians Entwicklungsplattform an Akzeptanz und Reichweite.

Auswirkungen auf Cariad

Cariad, die Softwaresparte von Volkswagen, hat eine Reihe von Führungskräften von Rivian eingestellt, darunter den Chief Software Officer, den Chief Product Security Officer, zwei Vizepräsidenten und zwei Hauptingenieure. Fast alle anderen Neueinstellungen kamen ebenfalls aus leitenden Softwarepositionen bei Rivian, viele davon in diesem Jahr.

Diese Talente werden nun Teil des SDV Hub im kalifornischen Mountain View sein, wo Cariad an der nächsten Generation der Softwarearchitektur arbeitet, Codename „Software 2.0“. Dieses Betriebssystem ist für alle Marken der VW Group vorgesehen. Cariad entstand im Jahr 2020 und beschäftigt heute rund 6.500 Ingenieure und Entwickler weltweit.

Das Ziel besteht in der Erschaffung einer einheitlichen Software- und Technologieplattform für alle Marken des Volkswagen-Konzerns. Dies umfasst ein einheitliches Betriebssystem, eine einheitliche E/E-Architektur und eine Automotive Cloud. Das Unternehmen entwickelt zudem digitale Funktionen für das Fahrzeug: Fahrassistenzsysteme, hochautomatisierte Fahrfunktionen und eine einheitliche Infotainment-Plattform. Ein Marktplatz für Drittanbieter-Anwendungen rundet das Ökosystem ab. Volkswagen und Rivian wollen ihre jeweiligen Fahrzeuggeschäfte weiterhin getrennt betreiben.

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