Alles auf Proxmox? Nein. VMware: Nach dem Waldbrand …

Ein Gastbeitrag von Jens Reichelt* 6 min Lesedauer

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Wir schreiben das Jahr 2024. „VMware vSphere“ beherrscht mehr als 50 Prozent des Weltmarktes bei CI- und HCI-Technik und ist in acht Monaten für viele Kunden zur Last geworden. Allein die Produkt- und Preispolitik des Eigentümers Broadcom treibt die Kunden weg. Welche Pflänzlein sprießen auf den verbrannten Flächen?

Mit welchem Tool lassen sich VMware-Installationen am einfachsten migrieren? ens Reichelt ist CEO und Mitbegründer der Cosifan Computersysteme GmbH schlägt „Unified Virtualisation Environment“ (UVE) der Berliner Firma OSL vor. (Bild:  Bundi - stock.adobe.com / KI-generiert)
Mit welchem Tool lassen sich VMware-Installationen am einfachsten migrieren? ens Reichelt ist CEO und Mitbegründer der Cosifan Computersysteme GmbH schlägt „Unified Virtualisation Environment“ (UVE) der Berliner Firma OSL vor.
(Bild: Bundi - stock.adobe.com / KI-generiert)

Auch acht Monate nach der Kündigung aller Verträge von VMware mit Partnern und Kunden herrscht keine Klarheit über die Zukunft der zentralen Virtualisierungs-Software im Rechenzentrum. Mancher sieht sich nach Ablauf der bisherigen Subscriptions (SnS) einer enormen Kostensteigerung gegenüber.

Von den über 4000 Partnern in Deutschland bleiben vermutlich nur 33 übrig, die nun alle bisherigen VMware-Kunden bedienen sollen. Das ist für viele Partner und Kunden Anlass, sich mittelfristig nach Alternativen umzusehen, von denen es einige gibt. Natürlich bietet keine eine 1:1-Lösung zu vSphere und wesentliche Änderungen sind auch mit zusätzlichen Aufwänden zu evaluieren.

Gibt es Alternativen? Ja, aber..., wie so oft.

Auf DataCenter-Insider kamen schon VMware vSphere Alternativen zur Betrachtung (siehe zum Beispiel: „Hyperkonvergente VMware-Teilalternative vorgestellt Stormagic liefert HCI-System für Edge und KMU“ oder „Folgen der Übernahme von VMware durch Broadcom; Welche Optionen Portworx, virtualisiertes Red Hat Openshift und Kubevirt bieten“ oder „Die Broadcom-Übernahme zeigt Folgen; Nutanix Next: VMware-Migration im Fokus “....., die auch Gartner analysiert:

hatte:

  • „Nutanix Cloud Platform“,
  • „Scale Computing Platform“,
  • „Starwind Virtual SAN“, „
  • HyperV Windows Server 2022 Edition“,
  • „HPE Simplivity“,
  • „Dell VxRail“,
  • „StorMagic SvSAN“,
  • „SMTX OS“,
  • „Citrix XEN-Server„“ .....

Erstaunlicherweise unberücksichtigt blieb bisher das „Unified Virtualisation Environment“ (UVE) der Firma OSL aus Berlin. Dabei ist „OSL UVE“ ist etwas für Anwender der bisherigen „vSphere Essentials Plus“, „Standard“- und teilweise „Enterprise“- Lizenzen sowie vSAN. Es ist ein SDDC-Produkt (Software Defined Data Center) mit HCI und Linux-basiert auf Standard-Hardware.

Die Preisgestaltung des Mittelständlers OSL unterscheidet sich wohltuend von aktuellen Praktiken anderer. Dabei ist OSL keineswegs Neuling am Markt der Rechenzentrum-Software. Das Unternehmen ist aber weniger bekannt und ohne Marketing-Millionen unterwegs - ein wahrer „hidden champion“ mit tollen Ideen. Wir als Cosifan Computersysteme GmbH arbeiten schon viele Jahre mit OSL und deren Lösungen bei großen und kleineren IT-Kunden, in Unternehmen und öffentlicher Verwaltung.

Was ist OSL Unified Virtualisation Environment?

OSL UVE ist eine für den Betrieb vollvirtualisierter VM-Infrastrukturen ausgelegte HCI auf der Basis einer eigenen und plattformneutralen Cluster-, Speichervirtualisierungs-, und Netzwerk-I/O-Technologie. Einfachheit und geringe Komplexität sind gegeben, weil man ohne designfremde Zusatzprodukte dritter Anbieter auskommt.

Die hochintegrierte Verbindung aus Server-, Speicher- und Netzwerkvirtualisierung unter dem Dach einer Steuerungs-Software wird mit in einer Web-GUI administriert. Nicht die Beschäftigung mit, sondern die Anwendung der HCI steht im Vordergrund.

Anders als landläufig bekannte HCI‐Angeboten verzichtet UVE auf ein Brick‐Design mit global verteiltem Storage, sondern setzt auf ein Client-Server- Modell mit immer gleichen (kurzen) Datenpfaden, was Latenzen verkürzt und den Verzicht auf dedizierte Cache-Disks und Ähnlichem ermöglicht.

Typische Konfiguration OSL Unified Virtualisation Environment (UVE) – Ein SDDC mit HCI (Bild:  Cosfan Computersysteme GmbH)
Typische Konfiguration OSL Unified Virtualisation Environment (UVE) – Ein SDDC mit HCI
(Bild: Cosfan Computersysteme GmbH)

Das hat den Vorteil, keinerlei Datenlast für Storage-Replikationen und -Transfers (node to node) im Netzwerk und auf den Hypervisor-Nodes (UVC) zu haben. Ebenso gibt es kein verteiltes Storage-Filesystem oder den Zwang zu zentralen SAN-Strukturen, auch zum Beispiel kein „Ceph“ als Zusatzprodukt.

Aus den Server-Köpfen (UVS) wird bereits virtualisiertes Block-Storage über Ethernet (UVN) verteilt. Die Hypervisor-Nodes (UVC) können ihre Leistung ganz den VMs bereitstellen, da dort keine zusätzliche Storage-Verwaltungs-VM läuft.

Das Betriebssystem ist „Linux“ oder „Solaris“, als Hypervisor kommt „KVM“ zum Einsatz. Auch „Virtualbox“ oder „XEN“ sind möglich, dies sogar gemischt in einer Konfiguration. Die Architektur ist in sich redundant, flexibel und skalierbar.

Der Modernisierungs-Ansatz

Bei der Änderung bestehender CI oder HCI im Zuge einer Modernisierung oder Abkehr von einer eingeführten Lösung muss man zwangsläufig die IT-Strategie betrachten. Nur den Hypervisor zu sehen, greift sicher zu kurz. Das ist nicht neu.

Wesentlich ist jedoch das Storage der Zukunft und seine technische Struktur, Skalierbarkeit, Durchsatz und Latenz. Nicht selten ist eine separate Storage-Virtualisierung im Einsatz, die neben der CI ebenso hohe Kosten verursacht. Das können Lösungen von Datacore oder Storage-Herstellern sein, die evtuell komplexe Tiering-Architekturen oder “nur” Storage-Redundanzen bieten. Vielleicht sind auch nur große besonders kostenintensive Storages historisch bedingt noch vorhanden. Die Vielfalt ist groß und auch nicht leicht zu ändern.

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Und dann ist da noch das große Thema Backup und Disaster Recovery.

Auf der anderen Seite bieten aktuelle Storage-Virtualisierungen sehr viel Flexibiltät auf modernen und vor allem schnellen Speichern nach Bedarf und mit planbaren Kosten. Es gibt also viel zu bedenken.

Ein Pilotprojekt

Natürlich ist es sinnvoll, vor die finale Entscheidung zu einer neuen Infrastruktur-Lösung die Evaluierung in einem Pilotprojekt zu setzen. Hier gewinnt man Erkenntnisse und Anforderungsdefinitionen für die endgültige Infrastruktur gern auch gemeinsam mit OSL und deren Partnern. Optional ist noch die Erfahrung von Nutzern interessant, welche die OSL UVE-Lösung schon länger im Einsatz haben und von VMware vSphere migriert hatten.

Interessant ist, dass 90 Prozent der Kunden der OSL UVE-Kunden von VMware kommen, die schon vor 2024 migriert hatten. Für Pilot-Tests bietet OSL kostenfreie Lizenzen an, bei Fragen zum OS erfolgt ebenso Support.

Planung der Infrastruktur Technik

Naturgemäß bieten sich zwei Lösungen zur Einführung an:

  • 1. Ein kompletter Neuaufbau eines OSL UVE neben der bestehenden Infrastruktur. Es ist sicher der bequemste Weg auf der grünen Wiese zu bauen.
  • 2. Alternativ bietet die Weiternutzung bestehender ESX-Nodes als UVC in neuer Struktur an.
    Nach Ergänzung der bestehenden Infrastrukur um nötige Komponenten (UVS mit lokalem SSD-Storage, UVN) ist ein schrittweiser Umbau der „ESX“-Nodes zum UVE möglich, insbesondere wenn man viele ESX-Nodes betreibt.

Aus der Storage-Planung ergeben sich die nötigen Storage-Ressourcen. In der Regel genügen gute SSD in den Server-Köpfen (UVS) bis ca. 300 Terabyte Netto-Bedarf bei vierfach redundanter Speicherung oder auch sehr viel mehr in anderen Sicherungs-Leveln oder externen SSD-Shelves.

Storage-Planung und Inbetriebnahme

In die Storage-Planung werden der Bedarf für die produktiven VMs, deren permanente Spiegel sowie die Backup- und Test-Ressourcen aufgenommen. Dabei können auch unterschiedliche Leistungsanforderungen an den Storage für HDD oder SSD berücksichtigt werden.

Das OSL UVE stellt als HCI den virtualisierten Storage bereit. Dieser ist immer Block-basiert und die Übertragung in einem Ethernet- oder Infiniband-LAN erfolgt mit dem eigenen Block-Protokoll, “RSIO” genannt, sehr effizient. Es können grundsätzlich vorhandenen SAN-Infrastrukturen angeschlossen werden, egal ob einfaches FC-Storage mit SATA-Disks oder Netapp Metrocluster!

In der Regel ist ein externes SAN nicht erforderlich, was sich sehr positiv auf die resultierende Kostenplanung auswirkt. Will man ein SAN weiter betreiben, so kann man es anschließen.

OSL UVE: kleine Konfiguration für Virtuelle Maschinen und Storage integriert in einem SDDC auf 8H; CPU: 2x 48 cores, RAM: 2x 512 GB, SSD: 2x 48TB netto, voll redundant(Bild:  lizenziert by CosiFan)
OSL UVE: kleine Konfiguration für Virtuelle Maschinen und Storage integriert in einem SDDC auf 8H; CPU: 2x 48 cores, RAM: 2x 512 GB, SSD: 2x 48TB netto, voll redundant
(Bild: lizenziert by CosiFan)

Die Kunden können wählen: Aufbau und Inbetriebnahme mit eigenem know how oder migrationsbereite Installation durch einen OSL-Partner. Nur der Installateur sollte Linux Kenntnisse haben.

Die Migration der VMs und der Betrieb

Will man die monolithischen Anwendungen in den VMs nicht ändern, bietet sich eine einfache VM-Migration an. Das erfolgt mit der Kopie der „.vmdk“-Laufwerke aus dem „vCenter“-Export, wenn diese vom Typ „Thick“ sind, ansonsten mit den bewährten Konverter-Mitteln die „qemu“ (KVM) mitbringt. Das tägliche VM-Geschäft des Operators wird mit Start/Stop/Migration/Kopie/Löschen/ usw. und den Storage-Operationen über die Web-GUI des SDDC abgewickelt. Einzelne Operatoren und Organisationseinheiten können mit unterschiedlichen Rechten versehen werden.

Bei Bedarf erhält man von den OSL Partnern massiv Unterstützung. Kunden benötigen kein eigenes Know-how in der Tiefe oder in Linux und können sogar auf die Software-Entwicklung Einfluss nehmen. Wo gibt es das schon? Unsere Kunden sind sehr zufrieden.

 GUI des Datacenter-Operator(Bild:  lizenziert by CosiFan)
GUI des Datacenter-Operator
(Bild: lizenziert by CosiFan)

SL UVE punktet gegenüber VMware vSphere mit einem simplen Design, deutlich einfacherer Hardware-Architektur (kostengünstiger, einfacher im Betrieb) und impliziter Cluster-fähiger Speichervirtualisierung. Sie ist kein mit vSphere vergleichbarer Funktionsgigant, ist aber mit seiner Speichervirtualisierung und dem Cluster bei gehobenen Anforderungen an Verfügbarkeit für vielleicht 90 Prozent der deutschen vSphere-Rechenzentrumsbetreiber eine interessante Alternative.

*Der Autor
Jens Reichelt ist CEO und Mitbegründer der Cosifan Computersysteme GmbH . Sein Fazit lautet: Es ist Zeit Kontrolle über die IT und die Daten der eigenen Infrastruktur zurück zubekommen! Stichwort “digitale Souveränität” Ein modernes SDDC made in Germany ohne große Komplexität auf Linux-Basis im Rechenzentrum mit knappen IT-Personal ist möglich!

Bildquelle: Cosifan Computersysteme GmbH

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