Nach Ankündigung und Planung folgt in Dorfen nun der nächste Yexio-Schritt: Beim symbolischen Spatenstich für das dritte Rechenzentrum des Betreibers rückt die politische Dimension in den Vordergrund. Zum Baustart kam Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.
Spatenstich für das Yexio-Rechenzentrum in Dorfen (v. l.): Thomas Kirchberger (Niederlassungsleiter NL Building München, HOCHTIEF Infrastructure GmbH), Christoph Dümpelmann (Niederlassungsleiter NL High-Tech Projects, HOCHTIEF Infrastructure GmbH sowie Geschäftsführer der Hochtief Data Center Construction GmbH), Eva Lupprian (Senior Manager Project Development, Hochtief Data Center Partner GmbH), Heinz Grundner (1. Bürgermeister Stadt Dorfen), Hubert Aiwanger (Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie), Bernd Holtwick (CFO/COO, Hochtief PPP Solutions), Stephan Küßner (Managing Director, Palladio Partners), Klaus Steiner (Geschäftsführer, Stadtwerke Dorfen GmbH), Sulin Khalid (Projektkoordinatorin, Hochtief Engineering), Martin Bayerstorfer (Landrat Landkreis Erding).
(Bild: Paula Breukel)
Im Gewerbegebiet von Dorfen an der A94 kamen am Freitag der vergangenen Woche Vertreter aus Kommunal- und Landespolitik, die Stadtwerke Dorfen, Hochtief, Palladio Partners und weitere Projektbeteiligte zusammen. Für Hochtief ist Dorfen das dritte Yexio-Rechenzentrum.
Der erste Standort in Heiligenhaus ist bereits in Betrieb, der Campus in Bad Lippspringe soll im Sommer folgen. In Dorfen startet der Standort mit zwei Megawatt IT-Leistung. Ein Ausbau auf vier Megawatt ist vorgesehen.
Dritter Standort, klarer Ausbaupfad
Marius Mählmann, Geschäftsführer von Hochtief Data Center Partner, ordnete Dorfen als dritten Baustein eines standardisierten Modells ein. Sein Punkt: Hochtief baut hier kein Einzelstück, sondern ein wiederholbares Produkt für regionale Rechenzentrumsinfrastruktur.
Der Standort ist als Edge-Rechenzentrum ausgelegt, also als kleinere Einheit nahe an regionalen Lasten und Anwendungen. Gerade im Umfeld der Metropolregion München sieht Hochtief dafür tragfähige Rahmenbedingungen.
Hinzu kommt der regionale Ansatz beim Bau. Mählmann machte deutlich, dass Hochtief auch lokale Unternehmer einbinden will, etwa bei den Erdarbeiten. Der Standort soll nicht isoliert entstehen, sondern in die bestehende Wirtschaftsstruktur vor Ort eingebettet werden.
Kühlung und Abwärme tragen das Standortmodell
Technisch rückte vor allem das Kühl- und Energiekonzept in den Vordergrund. Das Rechenzentrum soll überwiegend mit Liquid Cooling, also Flüssigkühlung in einem geschlossenen Kreislauf, arbeiten. Das ist für rechenintensive IT relevant, weil sich solche Systeme effizienter kühlen lassen als luftbasierte Ansätze. Gleichzeitig fällt in hohem Maß nutzbare Wärme an.
Mählmann verwies darauf, dass das Wärmenetz im Zuge der Erschließung des Gewerbegebiets bereits mitgedacht wurde. Die Abwärme aus dem Rechenzentrum lässt sich damit in die lokale Wärmeversorgung einspeisen.
Klaus Steiner, Geschäftsführer der Stadtwerke Dorfen, führte diesen Kreislauf im Panel weiter aus: Erneuerbar erzeugter Strom geht ins Rechenzentrum, dort entsteht Wärme, die über Wärmepumpen in das kommunale Netz eingebunden werden kann. Gerade im Sommer kann das aus Sicht der Stadtwerke bestehende Erzeugung entlasten. Die Verbindung aus Rechenzentrum, Wasserkühlung und lokaler Wärmenutzung mache aus dem Gebäude nicht nur einen IT-Standort, sondern einen Teil der kommunalen Energie-Infrastruktur.
Dezentralität ist ein Argument
Im einer Panel-Diskussion, moderiert von Eva Lupprian, Senior Manager Project Development, Hochtief Data Center Partner und Klaus Steiner, Geschäftsführer der Stadtwerke Dorfen, rückte eine eine zweite Ebene ins Blickfled: die Debatte um Resilienz und Dezentralisierung. Ausgangspunkt war die Frage, wie sich kritische digitale Infrastruktur künftig aufstellen muss. In diesem Zusammenhang verwiesen die Beteiligten auch auf das veränderte Sicherheitsumfeld im Landkreis Erding. Moderation und Panel stellten den Zusammenhang zwischen Katastrophenabwehr, digitaler Infrastruktur und dezentralen Strukturen ausdrücklich her.
Hochtief knüpft daran mit einer klaren Betreiberlogik an. Statt ausschließlich auf große zentrale Standorte zu setzen, geht das Unternehmen mit Yexio in die Fläche. Bernd Holtwick, CFO und COO bei Hochtief PPP Solutions, gab zu bedenken: „In der aktuellen Situation sollten wir zunächst das Konzept von großen, zentralen Rechenzentren überdenken.“ Er verwies darauf, dass in Frankfurt die Rechenzentrumslandschaft bereits zu konzentriert sei.
Neben Sicherheitsfragen müsse daher auch die energiewirtschaftliche Infrastruktur in Betracht gezogen werden, etwa die Abhängigkeit von Umschaltwerken. Jedes Rechenzentrum hänge an ein bis zwei dieser Knotenpunkte. Fällt dort die Versorgung aus, fehlt der Strom.
Holtwick plädierte deshalb für mehr Redundanz und Dezentralität. Kleinere Standorte wie die von Yexio ließen sich zudem einfacher ausbauen, managen und integrieren. Genau so beschrieb es auch Palladio Partners beim Spatenstich: Heiligenhaus sei der Start gewesen, mit dem zweiten Projekt beginne die Skalierung, Dorfen ist nun das dritte wesentliche Element dieser Strategie.
Unterstützt wird das Vorhaben von Palladio Partners. Stephan Küßner, Managing Director bei Palladio Partners, betonte, dass die Gelder auch aus der Altersvorsorge stammen und daher lege das Investmentunternehmen höchsten Wert darauf, dass „Geld dort angelegt wird, wo es eine langfristige planbare Sicherheit gibt“, so Küßner.
Der Expansionskurs und die Energieversorgung
Marian Rappel, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft, machte deutlich, dass die Energiewende derzeit durch hohe Kosten, langsamen Netzausbau und fehlende Netzanschlüsse ins Stocken gerate. Gerade Rechenzentren zeigten dieses Problem, weil Standorte oft lange auf Strom warteten.
Stand: 08.12.2025
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Das Projekt in Dorfen stellte er deshalb als Gegenmodell heraus: lokal verankert, mit Abwärmenutzung und konkretem Nutzen für die Kommune. Solche dezentralen Strukturen stärken aus seiner Sicht nicht nur die Akzeptanz vor Ort, sondern auch Resilienz und Unabhängigkeit in der Energieversorgung.
Hubert Aiwanger betonte die Bedeutung des Spatenstichs in Dorfen
Hubert Aiwanger, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie betonte die wirtschaftliche Relevanz des Projekts und dessen Bedeutung für die digitale Infrastruktur der Region. Aiwanger ordnete Rechenzentren als Teil der Grundinfrastruktur ein. Sinngemäß stellte er den Ausbau digitaler Infrastrukturen mit klassischen Verkehrsinfrastruktur wie die Eisenbahn gleich.
Auch aus kommunaler Sicht lief die Einordnung in diese Richtung. Der erste Bürgermeister von Dorfen, Heinz Grundner, betonte den positiven auf den Standort Dorfen im Landkreis Erdingen. Er sieht das Yexio-Rechenzentrum als große Chance für den Standort und verwies auf den Standortfaktor Digitalisierung, den bereits laufenden Breitbandausbau und die Möglichkeit, die im Rechenzentrum entstehende Abwärme in das lokale Wärmenetz einzubinden.
Yorizon setzt auf souveräne Cloud als Ergänzung
Als Hauptmieter ist erneut Yorizon vorgesehen. Sabrina Breidert, Head of Sales, zeigte den Anspruch des hauseigenen Cloud-Anbieters auf: Die Cloud soll souverän sein und als Ergänzung von Hyperscalern dienen. Die Zielrichtung liegt bei sensiblen Daten, kritischen Infrastrukturen und Szenarien, in denen geringere Abhängigkeiten gewünscht sind.
Die Inbetriebnahme des Edge-Rechenzentrums ist für Mitte 2027 geplant.