Während digitale Technologien für viele Branchen und Aspekte erhebliche Verbesserungen bringen können, argumentiert die Mitglieder der Sustainable Digital Infrastructure Alliance (SDIA), dass es an den notwendigen Informationen und der Transparenz über die ökologischen und sozialen Auswirkungen digitaler Produkte und Dienstleistungen fehlt. Sie verlangen einen klaren Fahrplan zur Senkung der Umweltbelastung durch die IT-Industrie - jetzt!
Ein Kampf gegen Chemtrails? Bloße Spiegelfechtereien, die von eigenen Fehlverhalten ablenken sollen? Jedenfalls wehren sich manche Anbieter von Cloud- und Datacenter-Dienstleistungen aber auch IT-Lieferenaten gegen Transparenz ihrer Öko-KPIs vehement.
Als Gesellschaft müssen wir in der Lage sein, eine wissenschaftliche Analyse durchzuführen und die Fakten und Beweise zu ermitteln, damit unsere Gesetzgeber fundierte Entscheidungen treffen können, die mit den Zielen des ´Green Deal` übereinstimmen. Daten sammeln, sie für alle zugänglich machen, ehrgeizige Ziele setzen: Für die SDIA ist es unerlässlich, dass die IT-Branche ihren Fußabdruck misst und transparent macht, bevor er gesenkt werden kann.
Wenn man der Industrie und den Unternehmen zuhört, die für den Ausbau der unserer digitalen Wirtschaft zugrunde liegenden Infrastruktur verantwortlich sind, verweisen sie auf die steigende Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen - angetrieben durch Digitalisierung, Telearbeit und Ähanlichem. Leider sind diese Verbraucher und Unternehmen noch nicht in der Lage, ihren Konsum digitaler Produkte und Dienstleistungen mit den durch die digitale Infrastruktur verursachten Umweltauswirkungen zu verbinden.
Wenn es um Umwelttransparenz geht, gehen die Betreiber digitaler Infrastrukturen nicht mit gutem Beispiel voran. Das macht es für die übrige Wertschöpfungskette schwierig, ihre Umweltauswirkungen zu bewerten und zu reduzieren.
Max Schulz
Interessanterweise könnte die IT-Branche viel von anderen Wirtschaftszweigen lernen, in denen Transparenz schon fast zur ´neuen Normalität` geworden ist. Nehmen wir zum Beispiel die Auto- und Automobilbranche - die Regulierung hat die Transparenz der Treibhausgasemissionen für den Verbraucher erhöht. Hat dies zu mehr Innovation in der Automobilbranche geführt? Auf jeden Fall, wie das Aufkommen des Elektroautos und die Verbesserung der thermischen Effizienz von Verbrennungsmotoren zeigen.
Im Energiesektor herrscht fast vollständige Transparenz hinsichtlich der Umweltauswirkungen der Strom- und Wärmeerzeugung. Diese Auswirkungen sind auf das Bewusstsein der Verbraucher und Unternehmen zurückzuführen - wenn ein Unternehmen Strom verbraucht, ist es sich der damit verbundenen Umweltauswirkungen bewusst.
All dies zeigt, dass Transparenz ein wirksames Regulierungsinstrument ist, das es dem Markt ermöglicht, sich auf wichtige gesellschaftliche Anliegen wie den Klimawandel einzustellen.
Interessenskonflikte
Während in Brüssel wichtige Diskussionen über Energie-Effizienz und Ressourcenverbrauch geführt werden, setzt die digitale Infrastrukturbranche ihre Lobbyarbeit fort, um die Erwartungen zu senken und konkrete kurzfristige Änderungen bei der transparenten Berichterstattung über Umweltdaten oder den Betrieb ihrer Anlagen zu vermeiden. Und das, obwohl sie öffentlich kühne Behauptungen über ihre Ambitionen, ´klimaneutral` zu werden, aufstellt.
Ohne Transparenz ist es nicht möglich, eine dieser Behauptungen öffentlich zu überprüfen. Auch wenn die IT für uns alle nicht greifbar erscheint, so hat sie doch enorme Auswirkungen auf unsere Umwelt und die Gesellschaft, die gemessen und verwaltet werden müssen, so wie wir dies auch für den Verkehrssektor oder andere Branchen tun.
Wenn wir uns die digitale Infrastruktur ansehen - einschließlich der Betreiber von Rechenzentren und der Anbieter von Cloud-Infrastrukturen - sind undurchsichtige Praktiken und Greenwashing immer noch die goldene Regel gegenüber offenen Daten und Transparenz. Oft hören wir, dass Transparenz und Sicherheit in der Rechenzentrumsbranche nicht Hand in Hand gehen können, weil die Anlagen und Geschäftsgeheimnisse so kritisch sind. Das ist unsinnig.
Die Freigabe solcher Parameter wie: GPS-Koordinaten, Höhenlage, Fläche, Typ des Rechenzentrums (klein bis hyperskalig), standardisierte Effektivitätsindikatoren (Effektivität des Stromverbrauchs, Effektivität des Wasserverbrauchs) und die von der Infrastruktur verbrauchte Energie- oder Wassermenge gefährden nicht den Datenschutz der Kunden. Die gleichen und sogar noch transparentere Informationen über die Umweltauswirkungen werden für Kraftwerke auf der ganzen Welt veröffentlicht, die wohl kritischste Infrastruktur in unserer Gesellschaft. Die digitale Infrastruktur sollte nicht vertraulicher behandelt werden als der Energiesektor in Europa.
Die andere Gefahr, die sich aus der Intransparenz und den Marketing-Behauptungen ´kohlenstofffrei"` und ´kohlenstoffneutral` ergibt, besteht darin, dass sie die Erstellung und den Verbrauch immer neuer Software, Daten und digitaler Produkte vorantreibt, ohne dass man sich um die Umweltkosten kümmern muss. Schaut man sich jedoch die zugrundeliegenden Anlagen an, so sieht man neuen Zement, Stahl und Hunderttausende von Servern, die seltene Metalle und Erden enthalten. Das aber bedeutet für unseren Planeten spürbare Umweltkosten. Diese Kosten und Auswirkungen müssen quantifiziert und auf verantwortungsvolle und harmonisierte Weise in der gesamten EU gemeldet werden.
Stand: 08.12.2025
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Einige Fakten machen unbestreitbar deutlich, dass die Beibehaltung des derzeitigen Status quo kein nachhaltiger Weg ist:
n den Niederlanden beispielsweise kann ein Rechenzentrum die gleiche Energiemenge verbrauchen wie 370.000 Haushalte.
Aus den wenigen verfügbaren Zahlen geht hervor, dass im Jahr 2014 etwa 626 Milliarden Liter Wasser für Rechenzentren in den USA verbraucht wurden, und es wird berichtet, dass einige Rechenzentrumsbetreiber mehr als die Hälfte ihres Wassers aus Trinkwasserquellen beziehen.
Als Folge dieser mangelnden Transparenz ist die Berechnung des Energieverbrauchs von Rechenzentren nach wie vor höchst umstritten - es wird berichtet, dass sie 1 bis 2 Prozent der weltweiten Elektrizität verbrauchen, aber einige Studien deuten darauf hin, dass dieser Wert deutlich höher sein könnte.
Außerdem wird prognostiziert, dass sich der Energieverbrauch von Rechenzentren bis 2030 verdoppeln wird.
Als Gesellschaft sollten wir die ökologischen und sozialen Auswirkungen des digitalen Sektors kennen, es ist Zeit für Transparenz.
Max Schulz hat die SDIA mitgegründet und ist unermüdlich in Sachen Nachhaltigkeit unterwegs. Mit einem Hintergrund als Software-Ingenieur und Cloud-Experte bringt er Erfahrung bei der Transformation der digitalen Wirtschaft mit.
(Bild: Privat)
Die EU-Institutionen und die nationalen Behörden tragen die Hauptverantwortung dafür, dass die entsprechenden Transparenzverpflichtungen für Rechenzentren auf dem europäischen Kontinent nicht länger optional sind. Diese Transparenz ist kein Selbstzweck, sondern eine Voraussetzung, um auf der Grundlage einer rigorosen Tatsachenermittlung und Datenerfassung ehrgeizige öffentliche Maßnahmen zu entwickeln, die Europa (wieder) in eine führende Position bei der Eindämmung von Ressourcenknappheit und Klimawandel bringen - und damit die Grundlagen für eine nachhaltigere, gemeinsame digitalisierte Zukunft schaffen.
Über SDIA
Die 2019 gegründete Sustainable Digital Infrastructure Alliance e.V. (SDIA) mit Sitz in Hamburg ist ein gemeinnütziger Branchenverband mit mehr als 100 Mitgliedern und Partnern, der den Übergang zu einer nachhaltigen digitalen Wirtschaft vorantreiben will. Die SDIA bringt Interessenvertreter aus verschiedenen Branchen und Bereichen zusammen, sowohl aus dem öffentlichen als auch aus dem privaten Sektor, um ihre Roadmap für eine nachhaltige digitale Infrastruktur bis 2030 zu verwirklichen. Sie soll einen ganzheitlichen, systemorientierten Ansatz zur Lösung der Herausforderungen bieten, denen sich die IKT-Nachhaltigkeit gegenübersieht - von der Energieversorgung über Rechenzentren bis hin zu Glasfasernetzen und Software.
* Max Schulze ist einer der Gründer der Allianz für nachhaltige digitale Infrastruktur (SDIA).