Neue Strategie, neue Lösungen bei SAP HANA XSA – die webbasierte IDE für SAP

Ein Gastbeitrag von Mathias Klare * 4 min Lesedauer

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SAP befindet sich im Wandel, forciert durch die „Cloud-First“-Strategie und öffentlich sichtbar durch Angebote wie GROW oder RISE. Mit HANA XSA treiben die Walldorfer nun auch die Nutzung webbasierter Entwicklungsumgebungen voran.

In Kombination mit dem SAP Business Application Studio soll das „HANA Extended Application Services advanced model (XSA)“ die Cloud-basierte Entwicklung für SAP abbilden.(Bild:  SAP)
In Kombination mit dem SAP Business Application Studio soll das „HANA Extended Application Services advanced model (XSA)“ die Cloud-basierte Entwicklung für SAP abbilden.
(Bild: SAP)

Schon seit geraumer Zeit arbeitet SAP an einer klareren, strategischen Ausrichtung. Das dahinterliegende Motto: Cloud-First! Dies zeigt sich vor allem in der Produktpolitik. Der Walldorfer Softwarekonzern setzt seine Prioritäten eindeutig auf das cloudbasierte ERP-System SAP S4/HANA und weitere, ergänzende Lösungen – etwa die SAP Business Technology Platform (SAP BTP).

Gleichzeitig kündigt SAP schon heute den Ausstieg aus altbewährten Lösungen an. So soll der Support von SAP ECC nach derzeitiger Planung im Jahr 2030 auslaufen. Gleiches gilt für das SAP Manufacturing Execution System (SAP MES) sowie SAP Manufacturing Integration and Intelligence (SAP MII).

Diese Richtungsentscheidung pro Cloud ist für jede(n) gut sichtbar. Doch auch in den Tiefen der Lösungen versucht SAP, die Modernisierung voranzutreiben – beispielsweise innerhalb der angebotenen Entwicklungsumgebungen.

HANA XSA versus HANA XSC

Lange bildete HANA XSC (Extendend Application Service Classical Model) eine der zentralen Entwicklungsumgebungen im SAP-Umfeld. Das Konzept dieses Modells orientierte sich dabei an Objekten, die Programmierer und Programmiererinnen datenbanknah in Schemata und Paketen entwickelten.

Von diesem Konzept rückt SAP nun ebenfalls planmäßig ab. Die strategische Neuausrichtung „Cloud-First“ findet sich somit nun auch auf der „Mikroebene“. Dadurch wird der Umstieg auf den designierten Nachfolger HANA XSA (Extended Application Service Model) – über längere Zeit schon parallel offeriert –vermutlich zum nächsten Major-Release von HANA obligatorisch.

Für die Walldorfer ist dies mit einem dezidierten Paradigmenwechsel verbunden; denn mit HANA XSA und dem Business Application Studio – dazu später mehr – setzt der Softwarekonzern künftig primär auf eine webbasierte Entwicklungsumgebung (Integrated Development Environment, IDE), die technisch auf isolierte Applikationen und SAP HANA Deployment Infrastructure (HDI) Container setzt.

Webbasierte IDEs

Der grundsätzliche Funktionsumfang von HANA XSA ist dabei deutlich größer als bei HANA XSC – und wird derzeit stetig weiterentwickelt. Ein erster, deutlicher Unterschied besteht bereits in der verwendeten Entwicklungsumgebung – sowie in einigen neuen Features wie NodeJS und HTML5.

Um diese für die Zukunft neu aufzustellen, kehrt SAP dem vorherigen Tool HANA Studio den Rücken und orientiert sich in Richtung webbasierter, integrierter Entwicklungsumgebungen. Diese Designentscheidung soll Medienbrüche verringern. Zudem wird die neue Umgebung von SAP zentral gewartet und ist jederzeit über einen Browser erreichbar.

Unternehmen müssen daher eigene IDE-Software weder vorhalten noch regelmäßig aktualisieren. Wollen Unternehmen XSA Cloud-basiert nutzen, greifen sie stattdessen auf das Business Application Studio (BAS) zurück. Dieses ist fester Bestandteil der Business Technology Platform (SAP BTP), die SAP in Angebotspaketen wie RISE derzeit stark vorantreibt.

Entwickeln im Business Application Studio

Prinzipiell ist die Verwendung der BAS sehr intuitiv: Entwicklerinnen und Entwickler erstellen ein neues Projekt und fügen Features und Funktionalitäten wie zum Beispiel Datenbank-Artefakte oder NodeJS über „Module“ hinzu.

Aufbauend auf einer übersichtlichen Ordnerstruktur können sie schließlich Designtime Objekte wie Calculation Views, Tabellen und Table Functions anlegen. Sobald die Entwickelnden die so entstandenen Artefakte aktivieren, legt das System korrespondierende Runtime-Projekte an. So weit, so (alt)bekannt.

Allerdings enden hier die Gemeinsamkeiten zwischen den unterschiedlichen Entwicklungslogiken – denn HANA XSA verschärft die Trennung zwischen einzelnen Objekten deutlich stärker als der Vorgänger. Jeder Entwickelnde kann daher seine lokale Version eines Designtime-Objektes sehen und eigenständig Änderungen vornehmen.

Damit die Arbeit verschiedener Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit unterschiedlichen Entwicklungsständen dennoch konsistent bleibt, greift HANA XSA auf die Quellcodeverwaltung mit Git zurück, dass dafür entsprechende Repositories mit eigenen Branches und Commits zur Verfügung stellt.

Git als zentrale Verwaltung

Tatsächlich ist das dahinterstehende Grundprinzip von Git dabei einfach. Bei den Repositories als den zentralen Ablageorten gibt es einen Hauptstrang, den sogenannten Master, in dem das System aktuelle Entwicklungen ablegt. Sobald Programmierende nun allerdings beispielsweise neue Features implementieren oder bestehende Bugs korrigieren möchten, legen sie dafür einen entsprechenden Strang (Branch) an und arbeiten dort in einer lokalen Kopie.

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Ist die Bearbeitung schließlich final, können sie via „merge“ in den Hauptstrang übernommen werden. Sofern es dabei zwischen verschiedenen Änderungen zu Konflikten kommt, merkt das System dies an. So behalten alle Beteiligten den Überblick über Widersprüche und können diese zeitnah beseitigen.

HANA XSA: Vorteile, Ausblick und Fazit

Kurzfristig sind Neuerungen wie durch HANA XSA für viele Developer häufig sicherlich ärgerlich. Immerhin führt es dazu, dass sie nicht ausschließlich auf das Tagesgeschäft konzentrieren können, sondern parallel dazu die neue Entwicklungsumgebung und die damit einhergehende Logik verstehen müssen. Mittel- bis langfristig kann sich dies dennoch deutlich auszahlen.

Auch bei HANA XSA ist dies der Fall. So führt die zentrale Verwaltung des BAS zum Beispiel dazu, dass SAP deutlich einfacher auf Erweiterungs- und Anpassungswünsche seitens der Entwicklungsteams eingehen kann als bei dezentralen Systemen. Mit der Zeit kann der Funktionsumfang deutlich evolvieren und sich so schrittweise den Gepflogenheiten der User anpassen. Dies erleichtert perspektivisch die Arbeit.

Git bietet zudem eine Logik, die verteilte Arbeit erleichtert. Mit den Branches dort lassen sich so nun bequem verschiedene Arbeitsschritte parallelisieren – und das Entwicklungstempo erhöhen. Dabei sorgen die Features von Git gleichzeitig dafür, dass technische Konflikte frühzeitig erkannt und bearbeitet werden können.

Durch in das System integrierte Features wie NodeJS besteht zudem die Möglichkeit, unmittelbar auf den von den Entwicklerinnen und Entwickler definierten Objekten neue SAP Fiori Reports mit SAPUI5 zu erstellen. Doch dies ist sicherlich ein eigenes Thema.

Halten wir fest: SAP schafft mit HANA XSA gute Voraussetzungen für eine zukunftsfähige und adaptive Entwicklungsumgebung, die prinzipiell viele neue Features ermöglicht. Freilich bleibt abzuwarten, inwieweit SAP diese Chance ergreifen wird und seinen Extended Application Service kontinuierlich pflegt und künftig verbessert.

* Über den Autor
Mathias Klare ist Senior SAP Analytics Berater beim Digital Engineering-Unternehmen Nagarro. Zu seinen Tätigkeitsschwerpunkten gehören unter anderem SAP BW und SAP HANA sowie Datenbankentwicklungen aller Art.

Bildquelle: Nagarro

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