Balancieren will gelernt sein Quantentechnologie und KI zwischen Hast und Bedachtsamkeit, zwischen Innovation und Regulatorik

Von Dr. Jakob Jung 2 min Lesedauer

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Bitkom-Konferenz „AIDAQ“ hat gezeigt: Europas Technologiebranche sucht Balance zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Rechtskonformität.

Beim „AI, Data & Quantum Summit“ des Branchenverbands Bitkom im vergangenen Oktober hat es geheißen: Flagge zeigen. Hier sind allerdings nur die des Konferenzzentrums zu sehen. (Bild:  Jakob Jung)
Beim „AI, Data & Quantum Summit“ des Branchenverbands Bitkom im vergangenen Oktober hat es geheißen: Flagge zeigen. Hier sind allerdings nur die des Konferenzzentrums zu sehen.
(Bild: Jakob Jung)

Die Bitkom-Konferenz AIDAQ, Akronym für AI, Data & Quantum Summit, hat eine zentrale Herausforderung für Europas Technologiesektor offenbart: Wie lassen sich disruptive Innovationen in Künstlicher Intelligenz und Quantencomputing mit den strengen regulatorischen Anforderungen der EU vereinbaren?

Datenschutz als Innovationshemmnis?

Besonders deutlich wird die Diskrepanz zwischen technologischem Potential und rechtlichen Rahmenbedingungen beim Thema Datenschutz. Antonio Krüger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) äußert sich kritisch: „In Deutschland übertreiben wir es mit Datenschutz.“ Diese Aussage spiegelt die wachsende Sorge wider, dass zu restriktive Vorgaben den Mehrwert digitaler Zwillinge und KI-Anwendungen beschränken könnten.

Die Bitkom-Konferenz hat am Alexanderplatz in Berlin direkt neben dem Fernsehturm stattgefunden. (Bild:  Jakob Jung)
Die Bitkom-Konferenz hat am Alexanderplatz in Berlin direkt neben dem Fernsehturm stattgefunden.
(Bild: Jakob Jung)

Die Bundesdruckerei hat mit mit ihrem 'Innovation Hub' einen pragmatischen Lösungsansatz präsentiert: Synthetische Datengeneration und Differential Privacy sollen Datenschutzprobleme ausräumen und gleichzeitig robuste KI-Modelle ermöglichen. Die Quantum-inspirierten Anwendungen nutzen „Tensor“-Netzwerke, um die Lücke zwischen Forschung und Branchenanforderungen zu schließen – ein Beispiel für Compliance-konforme Innovation.

Fragmentierte Regulierungslandschaft

Ana Paula Assis¸ SVP and Chair IBM EMEA and Growth Markets, warnt vor einer Wiederholung der GDPR-Problematik: „Die Durchsetzung ist fragmentarisch – in Deutschland (alleine) gibt es 18 Datenschutzbehörden." Sie appelliert, diese Komplexität nicht auf die KI-Regulierung zu übertragen und zu Grundprinzipien zurückzukehren. Die Forderung nach einem einheitlichen europäischen Regulierungsrahmen hat sich durch viele Diskussionsbeiträge auf der Bitkom-Veranstaltung gezogen.

EU-Kommissar Roberto Viola betont zwar Europas führende Position bei Quantentechnologie und KI-Anwendungen, mahnte jedoch: „Wir sollten nicht den gleichen Fehler machen wie bei der Internet-Revolution.“ Die geplante KI-Initiative für verschiedene B2B-Branchen soll demnächst vorgestellt werden – mit dem erklärten Ziel, Innovation nicht durch Überregulierung zu ersticken.

Souveränität als rechtliches Kernprinzip

Das Thema digitale Souveränität dominierte insbesondere die Quantencomputing-Diskussion. JOS Quantum aus Frankfurt präsentierte mit „GeQo“ einen souveränen Software-Stack, der Quantum-sichere Kommunikation ermöglicht. Die Kooperation mit der Deutschen Börse für Risiko-Analysen unterstreicht die Relevanz für den Finanzsektor, der besonders strengen Compliance-Anforderungen unterliegt.

Fujitsus Strategie, ausschließlich japanische Komponenten ohne chinesische oder US-amerikanische Beteiligung zu nutzen, illustriert den wachsenden Trend zu technischer und technologischer Autonomie. Dies entspricht auch rechtlichen Anforderungen in sensiblen Bereichen wie Verteidigung und öffentlicher Verwaltung.

OVHCloud-CEO Benjamin Revcolevschi fordert mehr europäisches Engagement. (Bild:  Jakob Jung)
OVHCloud-CEO Benjamin Revcolevschi fordert mehr europäisches Engagement.
(Bild: Jakob Jung)

Governance als Erfolgsfaktor

Microsoft-CEO Agnes Heftberger skizziert einen dreistufigen Entwicklungspfad für Quantencomputing: Foundation, Resilience und Scale. Dabei betonte sie die Notwendigkeit europäischer Governance-Strukturen. Bitkom entwickelte eigens einen Souveränitätsindex, um Fortschritte messbar zu machen.

Staatssekretär Thomas Jarzombek indes fordert klare KPIs für Universitäten und Unternehmen, während OVHCloud-CEO Benjamin Revcolevschi auf die harte Realität hinweist: „Europa hat nur 30 Prozent Marktanteil im Cloud-Bereich und hohe Abhängigkeit von den USA.“ Seine Forderung nach souveränen Standards und transparenteren Ressourcen-Allokationen findet breite Unterstützung.

*Der Autor
Dr. Jakob Jung Dr. Jakob Jung ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Er zieht folgendes Fazit: Die Konferenz hat deutlich: Europas Weg zur technologischen Führerschaft erfordert nicht weniger, sondern intelligentere Regulierung – mit klaren, durchsetzbaren Standards statt fragmentierter Zuständigkeiten. Nur so lässt sich der Spagat zwischen Innovation und Rechtskonformität bewältigen.

Bildquelle: Jakob Jung

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