Quantencomputer könnten dank ihrer enormen Rechenleistung selbst modernste Verschlüsselungsverfahren aushebeln. Um diesem Szenario zuvorzukommen, entwickeln Partner unter Führung der Keequant GmbH einen neuen Ansatz zur sicheren optischen Datenübertragung in drahtlosen Netzwerken mit Hilfe von Licht und Quantenschlüsseln. Das Projekt „Quinsida“ wird vom BMBF mit einer Summe von 2 Millionen Euro gefördert.
Im Projekt „Quinsida“ entwickeln die Forschenden Technologien zur drahtlosen Quantenkommunikation zwischen mehreren Geräten innerhalb eines Raumes.
(Bild: Fraunhofer IPMS)
Mit der Quantentechnologie stehen in vielen technischen Bereichen die nächsten großen Sprunginnovationen bevor. Neben Quantencomputern, Quantenbildgebung und Quantenuhren steht vor allem die Quantenkommunikation und die Quantenverschlüsselung für eine sichere und private Datenkommunikation im Fokus der Entwicklungen. Dabei sollen klassische Verschlüsselungsansätze, die auf rechnerischer Komplexität beruhen, durch neuartige Ansätze zur Quantenschlüsselverteilung in Kombination mit Post-Quanten-Kryptographie ersetzt werden.
Diese Art von Kodierungsoll selbst mit beliebig viel Zeit und Rechenleistung nicht geknackt werden können. Da die existierende Kryptographie bereits in naher Zukunft durch die immer größeren Rechen-Power von Quantencomputer bedroht ist, müssen Lösungsansätze rechtzeitig entwickelt werden, um einer unsicheren Übergangszeit vorzubeugen.
Die bisherige Forschung konzentrierte sich auf eine sichere Datenkommunikation über weite Strecken für Anwendungen in der globalen Dateninfrastruktur, zur Vernetzung von behördlichen oder militärischen Einrichtungen oder zum Informationsaustausch mit Satelliten. Die Verbindungen zum Endnutzer auf dem letzten Kilometer werden bislang jedoch noch immer mit den klassischen Technologien bedient und sind damit weiterhin angreifbar.
Schutz für die Endanwender
Um dies zukünftig zu verhindern, wurde das Projekt „Quinsida – Quantenbasierte Infrastruktur Netze für Sicherheitskritische drahtlose Datenkommunikation“ ins Leben gerufen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt hat eine geplante Laufzeit vom September 2022 bis 31.August 2025.
Mit der so genannten Li-Fi-Technologie können sich Nutzer über kurze Distanzen mittels optischer Signale miteinander vernetzen. Im Vergleich zur bekannten Wi-Fi-Technologie, die auf Funkwellen basiert, durchdringen die optischen Signale keine Wände und können so auf einen definierten Bereich ausgelegt werden. Damit erlaubt die Li-Fi-Technologie die volle Ausnutzung der verfügbaren spektralen Datenbandbreite in diesem Bereich ohne Störungen von außen.
Unabhängig davon wird die neuartige Technologie der Quantenkryptographie weltweit vorangetrieben. Im Speziellen geht es hier um die Quantenschlüsselverteilung (englisch: quantum key distribution, QKD), welche es ermöglicht, einen kryptographischen Schlüssel zu verteilen, dessen Sicherheit informationstheoretisch bewiesen werden kann. Dies steht in Kontrast zu bestehenden kryptographischen Verfahren, deren Sicherheit auf rechnerischer Komplexität beruht und durch aufkommende Quantencomputer gefährdet wird.
Die Projektpartner
Keequant GmbH: Das Kerngeschäft des Startup-Unternehmen auf dem Gebiet der quantensicheren Kommunikation sind die Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Systemen zur Quantum Key Distribution (QKD) sowie von entscheidenden Komponenten der Quantentechnologie.
Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS: Das Institut beruft sich auf über 15 Jahre Entwicklungserfahrung von optisch-drahtlosen (Li-Fi) Lösungen. Speziell auf dem Gebiet der Integration optoelektronischer Komponenten existiert am Fraunhofer IPMS eine langjährige, breite Erfahrungsbasis.
Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF: Das Institut betreibt anwendungsorientierte Forschung auf dem Gebiet der Photonik und entwickelt innovative optische Systeme zur Kontrolle von Licht – von der Erzeugung und Manipulation bis hin zu dessen Anwendung. In der angewandten Forschung zur Quantentechnologie für wissenschaftliche und industrielle Anwendungen erforscht es abhörsichere Quantenkommunikation, rauscharme Quantenabbildungssysteme sowie fortschrittliche Ionenfallen für Quantencomputer.
Infosim GmbH & Co. KG: Das Hauptprodukt „Stablenet“ des international tätigen IT-Unternehmens mit Hauptsitz in Würzburg ist eine multi-technology und multi-vendor Software für Automated Network and Service Management. Es ist an zahlreichen Forschungsprojekten zu zukünftigen Netzwerktechnologien beteiligt. Die Schwerpunkte liegen im Bereich drahtloser Zugangstechnologien, 5G/6G, AIOps und IoT/I4.0.
Bescom Elektronik GmbH: Das unabhängige Ingenieur- und Systemhaus im Bereich sichere Kommunikation für sicherheitskritische Infrastrukturen (KRITIS) gehört zu den Innovatoren im Bereich der Campus-Netze und realisiert hochsichere Kommunikationslösungen für Betriebe unterschiedlicher Branchen und Größen.
Telco Tech GmbH:Das Unternehmen ist im DACH Markt mit der „Liss“-Produktfamilie als spezialisierter Lösung zum optimalen und kostengünstigen Schutz des Netzwerkes und der IT-Infrastruktur etabliert. Durch den Betrieb von Firewalls in der Industrie, bei Bundesbehörden, Schule und Krankenhäusern ist sie mit immer neuen Bedrohungsszenarien konfrontiert. Daher kommen die im Projekt zu entwickelnden Verschlüsselungsverfahren als künftige zusätzliches Sicherheits-Feature in der hauseigenen Produktfamilie sehr zu pass.
Stand: 08.12.2025
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Bei der Quantenschlüsselverteilung werden beim Erzeugen der Schlüssel Quantenzustände in Form von Licht präpariert und zwischen den Teilnehmern im Netzwerk ausgetauscht. Beim Empfang der Quantenzustände werden diese gemessen und nachbearbeitet, so dass auf beiden Seiten identische, aber gegenüber einem Angreifer geheime Schlüssel entstehen.
Das Vorhaben Quinsida kombiniert erstmals beide Technologien zu einem 'QKD over Li-Fi'-System. Dies ermöglicht es die bisher typischerweise eher im Gebäude-zu-Gebäude-Szenario angedachte QKD auch bis zum Endnutzer zu tragen.
Imran Khan, Managing Director der Keequant GmbH, sagt zur Zielsetzung des Vorhabens: „Intention des Projekts ist die Demonstration eines quantenbasierten Datenkommunikationsnetzwerks, welches drahtlos und flexibel mehrere Endnutzer an eine sichere Backbone-Infrastruktur anschließt oder welches separat als sicheres Campus-Netzwerk eingesetzt werden kann." Dabei soll unter Nutzung eines flexiblen drahtlosen Datenkommunikationsnetzwerks im Punkt zu Multipunktszenario eine gleichzeitige Absicherung der einzelnen Kommunikationskanäle auf Basis von Quantenschlüsseln gewährleistet werden.
Die Nutzung eines optischen Kommunikationsnetzwerkes bietet im Gegensatz zu funkbasierten Ansätzen den Vorteil, dass jeder Teilnehmer, der sich im optisch drahtlosen Kommunikationskanal (Li-Fi Kanal) anmeldet auch für den Quantenkanal sichtbar ist. Damit ist sichergestellt, dass es auch zu einem sicheren Schlüsselaustausch kommen kann.
Um den Li-Fi Kanal und den Quantenkanal voneinander zu trennen, werden unterschiedliche Wellenlängen des Lichts verwendet. Diese Trennung lässt sich durch den Empfänger mittels einer entsprechenden optischen Filterung gegen Interferenzeinflüsse optimieren.
Das bereits vorgestellte Konzept eines quantenbasierten Infrastrukturnetzes für sicherheitskritische, drahtlose Datenkommunikation ist ein völlig neuer interdisziplinärer Ansatz, der bisher weder in wissenschaftlichen Veröffentlichungen noch in aktuellen Marktlösungen vorgestellt wurde. Der Ansatz soll von den Projektpartnern vor allem im Hinblick auf sicherheitskritische Anwendungen, wie die Ausstattung öffentlicher Versorgungseinrichtungen, wie Banken, Krankenhäuser, Energieversorger, öffentliche Dienste, Telekommunikationsknoten und Regierungseinrichtungen, untersucht werden.
Ein umfassender Ansatz
Hierbei wird besonderes Augenmerk auf die Sicherheit des Gesamtsystems bei gleichzeitiger, interdisziplinärer Integration von Netzwerk-Management-Software, klassischer Kryptographie (Stichwort: Post-Quanten-Kryptographie), QKD-Technologie und Li-Fi-Technologie gelegt.
Am Ende des Projekts ist eine entsprechende Demonstration des Gesamtsystems geplant, welche die Technologien im Verbund zusammenführen soll und damit bisher unerforschte und unerreichte Anwendungsfälle ermöglichen kann. Diese sollen im Anschluss an das Vorhaben durch die beteiligten Firmen verwertet und in die sicherheitskritischen Anwendungen eingebracht werden.
Durch den Endnutzerfokus ist eine breite Anwendung und damit ein sehr großes Marktpotenzial und Innovationspotenzial erkennbar. Die in den nächsten Jahren entstehende drastische Kostenreduktion in der QKD durch Produktion in mittleren Stückzahlen wird zudem eine breitere Marktdurchsetzung erlauben.
Weiterhin führt die interdisziplinäre Vernetzung zwischen den verschiedenen Communities (QKD, Optik, Telekommunikation, Sicherheit) zu einer nahtlosen Integration der neuartigen Technologien in bestehende Sicherheitstechnologien. Dies macht es Endnutzern leicht die Technologie in bestehende Infrastruktur zu übernehmen.