Interview mit Scott Sellers über „Post-Oracle“ Java-Optimiereung kann Kosten sparen

Ein Gastbeitrag von Daniela Fichtl 5 min Lesedauer

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Angesichts hoher Lizenzgebühren planen viele Unternehmen den Ausstieg aus dem Java-Angebot von Oracle. Doch das allein reicht nicht, um nachhaltig Kosten zu sparen, meint Scott Sellers, CEO und Co-Founder von Azul, einem Java-Anbieter mit Open-Source-Lizenzen. Wer zusätzlich seine Java-Umgebung optimiert, kann Cloud-Ausgaben senken und die Produktivität steigern.

"Azul" bedeutet wörtlich "blau" und ist das spanische und portugiesische Wort für die Farbe; es wird aber auch als Name für eine Stadt in Argentinien, eine brasilianische Fluglinie, ein bekanntes Brettspiel und in vielen anderen Eigennamen verwendet, die sich auf die Farbe Blau beziehen.(Bild: ©  Chaikit - stock.adobe.com / KI-generiert)
"Azul" bedeutet wörtlich "blau" und ist das spanische und portugiesische Wort für die Farbe; es wird aber auch als Name für eine Stadt in Argentinien, eine brasilianische Fluglinie, ein bekanntes Brettspiel und in vielen anderen Eigennamen verwendet, die sich auf die Farbe Blau beziehen.
(Bild: © Chaikit - stock.adobe.com / KI-generiert)

Welches sind die größten Kostentreiber, mit denen Java-Anwendungsunternehmen derzeit konfrontiert sind?

Scott Sellers: Für Oracle-Java-Kunden stehen zunächst die massiven Preissteigerungen bei den Lizenzgebühren im Fokus. Denn seit Oracle diese nicht mehr nach Verbrauch, sondern nach Mitarbeiterzahl berechnet, sind die Kosten für viele Unternehmen geradezu explodiert. Dabei fallen unter „Mitarbeiter“ auch alle Auftragnehmer, die interne Geschäftsprozesse unterstützen.

81 Prozent der im aktuellen Azul 2026 State of Java Survey & Report befragten Unternehmen sind daher bereits dabei, ihre Oracle-Java-Anwendungen oder einen Teil davon zu einer 'OpenJDK'-Distribution zu migrieren. Wenn man eine OpenJDK-Distribution wählt, die vollkompatibel mit Oracle Java ist, lässt sich der Umstieg problemlos meistern. Auf diese Weise können Unternehmen rund 70 Prozent der Lizenzkosten sparen.

Der zweite große Kostentreiber, der IT-Entscheider umtreibt, sind die Cloud-Gebühren. Während Unternehmen zunehmend Workloads in die Cloud verschieben, stellen sie fest, dass ihre Ausgaben aus dem Ruder laufen. Viele suchen daher nach Lösungen, um die Cloud-Kosten zu optimieren, etwa indem sie interne Richtlinien für das Cloud-Asset-Management einführen oder eine FinOps-Funktion implementieren. Ein Hebel, der oft noch unterschätzt wird, ist die Optimierung der Java-Umgebung mit einer High-Performance Java Runtime, mit der Unternehmen bis zu 20 Prozent oder mehr ihrer Cloud-Kosten einsparen können.

Über Scott Sellers

Scott Sellers, CEO und Co-Founder von Azul, verfügt über mehr als 30 Jahre erfolgreiche Führungserfahrung in der Hightech-Branche.

Scott Sellers ist CEO und Co-Founder von Azul. (Bild:  Azul)
Scott Sellers ist CEO und Co-Founder von Azul.
(Bild: Azul)

Vor der Gründung von Azul Systems war Scott Sellers Mitbegründer von 3dfx Interactive, einem Pionier im 3D-Grafikbereich für PCs und Spielekonsolen. Unter seiner Leitung brachte das Unternehmen sieben preisgekrönte Produkte auf den Markt und entwickelte 14 verschiedene Grafikprozessoren. Nach einem erfolgreichen Börsengang wurde 3dfx von Nvidia übernommen.

Scott Sellers schloss sein Studium an der Princeton University mit magna cum laude und Phi Beta Kappa-Ehren ab. Er hält acht Patente im Bereich High Performance Graphics und Computing und ist ein regelmäßig geladener Keynote-Speaker auf Branchenkonferenzen.

Wie wirkt sich denn Java auf die Cloud-Kosten aus?

Scott Sellers: Java ist nach wie vor eine der meistgenutzten Programmiersprachen im Enterprise-Umfeld und steckt in zahlreichen geschäftskritischen Anwendungen. Entsprechend häufig laufen Java-Workloads heute auch in der Cloud – sei es, weil bestehende Anwendungen migriert wurden oder weil neue, Cloud-native Services entstehen. Durch ihre Plattformunabhängigkeit eignet sich Java ideal für Hybrid- und Multi-Cloud-Szenarien, was ihre Verbreitung zusätzlich verstärkt.

Laut unserem aktuellen Java Report sagen 43 Prozent der Unternehmen, dass mehr als die Hälfte ihrer gesamten Cloud-Computing-Ausgaben auf JVM-basierte Workloads entfallen. Damit wird klar: Jede Ineffizienz in der Java-Umgebung wirkt sich direkt und spürbar auf die monatliche Cloud-Rechnung aus.

Gleichzeitig haben 74 Prozent der Unternehmen mehr als 20 Prozent ungenutzte Cloud-Rechenkapazität. Das zeigt, dass hier erhebliches Einsparpotenzial liegt.

Azul State of Java Survey & Report 2026
  • 92 Prozent sind besorgt über die Oracle-Java-Preise
  • 81 Prozent migrieren bereits ganz oder teilweise von „Oracle Java“ zu „OpenJDK“
  • 62 Prozent nutzen Java für KI-Funktionalitäten
  • 41 Prozent setzten zur Senkung der Cloud-Compute-Kosten auf High-Performance Java-Plattformen

Hier geht zum vollständigen Azul-Bericht: „State of Java Survey & Report“

Wie kann welche Optimierung der Java-Umgebung Cloud-Kosten sparen?

Scott Sellers: Bisher dimensionieren Unternehmen ihre Rechen- und Speicherressourcen in der Cloud sehr großzügig, weil sie Lastspitzen abfangen und Performance-Probleme vermeiden möchten. Dadurch zahlen sie aber dauerhaft für Kapazitäten, die sie im Alltag kaum benötigen. Dieses Geld fehlt dann an anderer Stelle, zum Beispiel für Innovationsprojekte oder die Modernisierung von Anwendungen.

Indem Unternehmen ihre Java-Umgebung optimieren, können sie den Ressourcenbedarf besser an die tatsächlichen Anforderungen anpassen. Die Rechnung ist ganz einfach: Je schneller Java-Anwendungen laufen, desto weniger Ressourcen verbrauchen sie und desto geringer sind die Kosten für den Betrieb dieser Anwendungen.

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Ein weiterer wichtiger Hebel ist die Elastizität. Wenn Java-Instanzen schneller hoch- und 'runterfahren, kann man dynamisch skalieren und muss keine laufenden Ressourcen vorhalten.

Die Befragten geben an, dass 43 Prozent ihrer Kosten für öffentliches, privates und hybrides Cloud Computing auf JVM-basierte Workloads entfällt. (Bild:  Azul 2026 State of Java Survey & Report)
Die Befragten geben an, dass 43 Prozent ihrer Kosten für öffentliches, privates und hybrides Cloud Computing auf JVM-basierte Workloads entfällt.
(Bild: Azul 2026 State of Java Survey & Report)

Welche Möglichkeiten haben Unternehmen, die Java-Performance zu steigern?

Scott Sellers: Ein naheliegender Ansatz ist die Optimierung des Programmcodes, etwa im Zuge einer Cloud-Migration. Das kostet allerdings viel Zeit und ist aufwändig.

Deutlich effizienter ist eine Modernisierung der Laufzeitumgebung. Verschiedene Java Virtual Machines unterscheiden sich teils erheblich in ihrer Performance. Wer auf eine JVM wechselt, die Java-Code in bestehenden oder neuen Anwendungen schneller ausführt – in der Branche als High-Performance Java Runtime bezeichnet – kann Anwendungen beschleunigen, ohne auch nur eine Zeile neu zu programmieren. Möglich wird das durch intelligente Kompilierungs- und Optimierungstechniken, die die vorhandenen Ressourcen besser ausnutzen.

Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf die Infrastruktur: Hyperscaler stellen regelmäßig neue, leistungsfähigere vCPU-Generationen bereit – häufig zum gleichen Preis wie ältere Instanzen. Ein Wechsel ermöglicht mehr Performance bei weniger Ressourcen.

Das klingt gut, löst aber das Problem der Überprovisionierung noch nicht. Wie schafft es ein Unternehmen, Spitzenlasten effizienter abzufedern?

Scott Sellers: Der Schlüssel liegt darin, Performance-Engpässe zu vermeiden, ohne dass man unnötig viele Ressourcen vorhalten muss. Dies gelingt mit einer High-Performance Java Runtime, die Applikationen stabiler und gleichmäßiger ausführt. Dadurch kann jede Instanz mehr Last tragen, bevor die Performance leidet.

Bisher dimensionieren die meisten Unternehmen ihre vCPUs so, dass die Java-Anwendungen selbst bei Lastspitzen nur etwa 30 Prozent der verfügbaren Kapazitäten ausnutzen. Indem man die maximale Auslastung erhöht, lässt sich die Arbeit auf weniger Instanzen verteilen. Bei einer Steigerung von 30 auf 40 Prozent könnten Unternehmen bereits ein Viertel ihrer Instanzen abschalten.

Meist schwankt die Auslastung im Tagesverlauf erheblich. Wie können Unternehmen besser skalieren?

Scott Sellers: Entscheidend ist die Fähigkeit, Java-Instanzen schnell hoch- und 'runterzufahren. Nachts brauchen Anwendungen zum Beispiel meist weniger als die Hälfte der verfügbaren Ressourcen.

Bisher verzichten viele Unternehmen aber auf Autoscaling, weil sie Angst vor Warm-up-Problemen haben. In der Regel benötigen neue Instanzen nämlich nach dem Start einige Sekunden oder Minuten Anlaufzeit, bis sie schnell und fehlerfrei funktionieren.

Bei modernen High-Performance JVMs entfällt diese Aufwärmphase dagegen, da neue Instanzen bereits mit vorkompilierten und erprobten Profilen gestartet werden. So lässt sich eine automatische Skalierung ohne Performance-Einbußen realisieren.

Was würden Sie Java-Anwendern für die Zukunft empfehlen?

Scott Sellers: Schöpfen Sie alle Möglichkeiten aus, um Ihre Java-Umgebung performanter, stabiler und sicherer zu machen. Es lohnt sich, JVMs zu vergleichen und eine moderne High-Performance-Plattform zu wählen, die Java-Anwendungen schneller ausführt, die Auslastung verbessert und Autoscaling unterstützt.

Am Ende spart eine optimierte Java-Umgebung nicht nur Cloud-Kosten, sondern erhöht auch die Effizienz sowohl in Backend-Systemen als auch in kundenorientierten Anwendungen. So können Unternehmen ihre Produktivität steigern und die Customer Experience verbessern.

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