Eco-Studie erwartet 389 Milliarden Euro Umsatz bis 2030 Internetwirtschaft wächst trotz Wirtschaftstief

Von Daniel Schrader 3 min Lesedauer

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E-Commerce, Smart Industries, aber auch große Datacenter sind Wachstumstreiber der deutschen Internetwirtschaft. KI-Technologien setzen sich deutlich, aber erst allmählich durch, so die Ergebnisse der Eco-Studie. Der Branchenverband verweist zudem auf Bremsfaktoren und fordert bessere Standortbedingungen für Anschlussfähigkeit im internationalen Wettbewerb.

Die deutsche Internet-Wirtschaft, auch die Datacenter-Branche, wächst trotz schwacher Wirtschaft weiter, aus Eco-Sicht aber gebremst durch mangelhaft attraktive und förderliche Standortbedingungen (Symbolbild). (Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Die deutsche Internet-Wirtschaft, auch die Datacenter-Branche, wächst trotz schwacher Wirtschaft weiter, aus Eco-Sicht aber gebremst durch mangelhaft attraktive und förderliche Standortbedingungen (Symbolbild).
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Eine Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little (ADL) im Auftrag des Verbands der Internetwirtschaft Eco (basierend auf 30 Interviews mit führenden Branchenakteuren und einer Auswertung statistischer Sekundärquellen) erwartet für die deutsche Internetwirtschaft einen jährlichen Umsatzanstieg von fast zehn Prozent von aktuell 245 Milliarden Euro auf 389 Milliarden im Jahr 2030.

Haupttreiber und für knapp 40 Prozent der Branchenerlöse verantwortlich seien digitale Transaktionsprodukte, vor allem E-Commerce-Plattformen. Stark zeigt sich auch das weite Feld der Smart Industries von Streaming über Gaming bis hin zu Automotive und Industrial IoT, gefolgt von digitaler Werbung und Vermittlung. Das stärkte Wachstum aus bescheidenen Ausgangspositionen erleben deutsche Cybersecurity-Unternehmen sowie Cloud-Anbieter.

Im europäischen Vergleich schwächle Deutschland laut den Studienergebnissen bei der Glasfaserabdeckung (mit 42 Prozent auf Platz 25 in Europa) und der Cloud-Adoption (in den Niederlanden und Schweden laufen über 70 Prozent der Anwendungen in der Cloud), trotz Wachstum beim europäischen Cloud-Angebot. Kritisch sei auch die knappe Stomverfügbarkeit bei hohen Preisen und ein öffentliches Stromnetz, das beträchtliche Investitionen fordere.

KI setzt sich erst allmählich durch

KI-Technologien (Künstliche Intelligenz) prägen dabei laut den Studienautoren besonders die deutsche Forschung schon heute stark und verbreiten sich zunehmend auch in Unternehmen. Stand 2025 nutzen aber insgesamt 28 Prozent von KMUs überhaupt KI – deutlich weniger als in Dänemark oder Schweden (41 respektive 36 Prozent). Die Verankerung von KI-Anwendungen im operativen Geschäft stehe der deutschen Internetwirtschaft in vielen Fällen somit erst noch bevor.

Gerade das für KI-Investitionen eingesetzte Risikokapital in Deutschland hinke den USA und China, aber auch dem Vereinigten Königreich deutlich hinterher. Vor allem im Maschinenbau, in der Automobilindustrie und der Prozessautomation gehöre KI-Einsatz hingegen bereits zum Alltag.

Datacenter-Investitionen steigen, eilen aber der Nachfrage hinterher

Auch die IT-Anschlussleistung deutscher Rechenzentren wird weiter steigen, prognostisch um rund die Hälfte bis 2030 und damit auf 3,7 Gigawatt. Momentan investieren Betreiber in Deutschland knapp 3 Milliarden Euro jährlich in neue Datacenter-Infrastruktur und über zehn Milliarden in IT-Hardware.

Hyperscaler und große Colocation-Rechenzentren prävalieren dabei deutlich. Bis 2030 rechnen die Studienautoren mit mindestens 10 und wahrscheinlicher mit über 20 Milliarden jährlicher Investitionen allein in die Datacenter-Infrastruktur. Neben Frankfurt habe sich Berlin-Brandenburg dabei bereits als zweiter Datacenter-Hotspot etabliert, ein Rechenzentren-Cluster im Rheinland wachse rapide.

Das Angebot wird aber auch weiterhin der konstant steigenden Nachfrage hinterhereilen. „Die Industrie erwartet mindestens den dreifachen Bedarf“, so ADL-Partner Nejc Jakopin. Treibende Faktoren seien laut den Eco-Sprechern Béla Waldhauser und Volker Ludwig „das fortschreitende Training und Anpassen generativer und agentischer KI-Modelle, die Standardisierung von Multi- und Hybrid-Cloud- Architekturen innerhalb von Unternehmen sowie die Vernetzung von Datenströmen in Industrie, Mobilität und Gesundheitswesen.“ Laut den Studienautoren bremsen „Stromzuteilungen [und] Flächenverfügbarkeit […] den Ausbau neuer Standorte“, daneben aber auch „das Energie-Effizienz-Gesetz“ mit Vorgaben zu Power Usage Effectivness und Abwärmenutzung.

Eco-Verband fordert bessere Standortbedingungen

Als Branchenverband versteht Eco die Studienergebnisse nicht nur als positive Wirtschaftsnachrichten, sondern auch als Warnung an die Politik. „KI und Automatisierung lassen die Nachfrage nach Rechenleistung und schnellen Netzen explodieren. Die aktuellen Bedingungen am Standort Deutschland erlauben es uns aber gar nicht, die entsprechenden Kapazitäten zeitgerecht dem Markt zur Verfügung zu stellen“, betont der Eco-Vorstandsvorsitzende Oliver Süme.

„Deutschlands digitale Wettbewerbsfähigkeit ist tief industriell verankert, aber weder breit genug noch global sichtbar“, beklagt auch der ADL-Partner Lars Riegel. Angesichts hoher Strompreise, Investitionslücken und komplexer Planungsverfahren fordert der Verband „Zugang zu bezahlbarem grundlastfähigem Strom“, „Investitionen in digitale Infrastruktur“ sowie „Synchronisierung von Rechenzentren-Strategien auf Bundes- und Landesebene im Austausch mit der Wirtschaft“.

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