Die turbulente geopolitische Landschaft fordert von den Unternehmen ein erhöhtes Maß an Wachsamkeit. Das regulatorische Klima wird dementsprechend immer strenger. Können Souveräne Clouds Abhilfe schaffen und wer hat schon so etwas hingekriegt?
Weltumpsannendes Cloud-Computing, shared sources auf der einen Seite, Datenschutz und Governance auf der anderen: ein Zwickmühle. Lösen 'Souvereign Clouds' das Dilemma auf?
(Bild: Thomas Francois - stock.adobe.com)
Eine souveräne Cloud ist eine sichere, mit der Rechtsordnung konforme nationale Cloud. Sie erfüllt die aktuellen Anforderungen im Hinblick auf die nationale Datenresidenz und Datenhoheit.
Souveräne Clouds bieten kontinuierlichen Schutz und sichere Zugangskontrollen, um digitale Vermögenswerte der nationalen Wirtschaft zu wahren und neue Möglichkeiten für das nationale Wachstum zu eröffnen. Das ist so zumindest das Ziel. Damit dieses noble Ziel gelingen kann, müssen die Daten der gerichtlichen Kontrolle und Autorität eines einzigen Nationalstaates oder einer föderierten Wirtschaftszone (wie der EU) unterliegen – jener Gerichtsbarkeit, wo sie erfasst und gespeichert werden.
Die Verantwortlichen in Unternehmen müssen hierzu geeignete Rahmenbedingungen schaffen, die für die Einhaltung von Konformitätsstandards zum Schutz der Daten Sorge tragen. Ganz oben auf der Zu-Erledigen-Liste steht die Einrichtung eines Informationssicherheits-Management-Systems (ISMS).
Keine rein "deutsche" Vorsicht
Regulatorische Maßnahmen zur Datenlokalisierung nehmen an Intensität zu. Der Trend hat sich weltweit etabliert und nimmt aufgrund der geopolitischen Lage an Intensität sogar noch zu.
Im Jahr 2017 hatten gerade einmal 35 Länder insgesamt 67 solcher Auflagen, hat die ITIF (Information Technology and Innovation Foundation) nachgerechnet. Vier Jahre später gab es 144 Beschränkungen in 62 Ländern. Nach Angaben der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) haben 80 Prozent der Länder weltweit Datenschutzgesetze erlassen oder ausgearbeitet.
Für die Unternehmen schaffen diese Restriktionen nicht unerhebliche Hürden. Das reflektiert sich dann folglich in der Jahresbilanz der betreffenden Organisationen und in der nationalen Wirtschaftsleistung.
Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit
Unter Verwendung einer Skala, die auf OECD-Marktregulierungsdaten basiert, kommt die ITIF zu dem Ergebnis, dass ein Anstieg der Datenrestriktivität eines Landes um nur einen Punkt die Bruttohandelsleistung um 7 Prozent verringert, die Produktivität um 2,9 Prozent verlangsamt und die nachgelagerten Preise über fünf Jahre um 1,5 Prozent erhöht. So geht die Wettbewerbsfähigkeit flöten.
Die Speicherung, Sicherung und Verwaltung von Daten und das Lebenszyklus-Management innerhalb einer Cloud-Bereitstellung für Unternehmen mit internationaler Präsenz in diesem restriktiven regulatorischen Klima ist wahrlich nicht ohne. Bereits die Kosten für die Umsetzung der Vorgaben der DSGVO sind für viele Organisationen erdrückend. Einem PwC-Bericht zufolge rechnen die Verantwortlichen mit mehr als 1 Million Dollar (etwa 900 000 Euro) an einmaligen Ausgaben. Satte 12 Prozent der Befragten in der PwC-Erhebung würden einmalig mehr als 10 Millionen Dollar investieren.
Die Kosten der laufenden Konformität mit den Auflagen der DSGVO liegen den Betroffenen genauso schwer im Magen. So gaben 88 Prozent der Befragten an, mehr als 1 Million US-Dollar „provisioniert“ zu haben. 40 Prozent der Organisationen (vor allem im Finanzwesen) müssten mehr als 10 Millionen US-Dollar aus dem Hut zaubern.
In der Zwickmühle
Kein Wunder, denn es steht eine Menge Geld auf dem Spiel. Die Resultate einer Umfrage ließen Veritas-Analysten schlussfolgern, dass Unternehmen im Zusammenhang mit ihrer DSGVO-(Nicht-)Konformität um ihre Existenz „fürchten“ müssten – weltweit. Die DSGVO jetzt aber beiseite: Auch unabhängig davon stecken Unternehmen schon ohnehin in einer Zwickmühle.
Die FY22 H2 „Benchmark Study on Digital Momentum“ von VMware ergab, dass 73 Prozent der Unternehmen bereits zwei öffentliche Clouds nutzen; 26 Prozent verlassen sich auf drei oder mehr. Bis 2024 erwarten 81 Prozent der Unternehmen, dass sie auf den Multicloud-Ansatz setzen werden. Sie müssen die Multicloud mit der gesetzlich vorgeschriebenen Souveränität vereinbaren (siehe dazu auch den Beitrag „„Mist, wir sind in der Multicloud!“ - ein Statusbericht“).
Ausbruch aus „dem Teufelskreis der Angst“
VMware will den Unternehmen mit 'Sovereign Clouds' unter die Arme greifen, ohne die Datenmobilität im Rahmen der Multicloud zu beeinträchtigen. Mit VMware sollen sich die Unternehmen ruhigen Gewissens auf die Quadratur des Kreises einlassen können. In dieser Lösung konvergieren nämlich mehrere Akteure und Technologien: der lokale Cloud-Anbieter, die Technologieplattform von VMware, Hyperscaler und unternehmenseigene Arbeitslasten auf Kubernetes.
Stand: 08.12.2025
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Der lokale Anbieter von VMwares Sovereign Cloud soll dafür geradestehen, dass die betreffenden Daten unter souveräner Kontrolle bleiben und der erzwungene Zugriff durch ausländische Behörden nicht in Frage kommt. Nicht-souveräne Anbieter bleiben außen vor.
VMwares Technologieplattform gewährleistet die nahtlose Portabilität von Daten und Arbeitslasten mit der hierzu erforderlichen Interoperabilität. So können die Unternehmen ihre containerisierten Anwendungen auf jeder Cloud-Infrastruktur ausführen, auf der Kubernetes läuft.
Unternehmen haben die Möglichkeit, die Dienste öffentlicher Clouds hinzuzuziehen, ohne die Offenlegung von Daten oder Metadaten zu riskieren. VMwares Zertifizierung „Cloud Verified“ ist bei der Wahl des Anbieters ein guter Startpunkt. Mit „VMware Cloud Foundation“ kann auch die Multicloud in dem aktuellen regulatorischen Klima greifbare Realität werden, so der Anbieter. Und tatsächlich haben es Unternehmen wie die Porsche Informatik GmbH, ein Tochterunternehmen der Porsche Holding mit Hauptquartier im österreichischen Salzburg und Teil des Volkswagen-Konzerns, vorgemacht.
Mit Mikrosegmentierung zu souveräner Zero Trust Security
Mit dem Software-definierten Rechenzentrum von VMware konnte die Porsche Informatik GmbH die eigene IT-Infrastruktur auf eine neue Stufe der Leistungsfähigkeit und Datensouveränität heben. Das Netzwerk muss in 27 Ländern rund um die Uhr bereitstehen, damit Neuwagen konfiguriert, Ersatzteile bestellt und die Logistik gesteuert werden kann. Mit granularer Micro-Segmentierung konnte Porsche eine Zero Trust Security-Umgebung souverän implementieren.
VMware-Technik ermöglicht intelligente Netzwerksegmentierung, Anwendungsisolation und zustandsbezogene L7-Kontrollen in internen Firewalls, um erweiterten Schutz vor Bedrohungen zu gewährleisten und konsistente Richtlinien für Workloads in der privaten und öffentlichen Cloud durchzusetzen. Sie umfasst „NSX Distributed IDS/IPS“, ein verteiltes Intrusion Detection and Prevention System für den Ost-West-Netzwerkverkehr mit einer fortschrittlichen Bedrohungserkennungs-Engine, die speziell für die Erkennung von lateralen Bedrohungen in Multicloud-Umgebungen entwickelt wurde.
VMware nutzt eine agentenlose Architektur, die direkt auf dem Hypervisor aufsetzt. Diese Technologie ist immun gegen Malware, die Host-Agenten unterwandern kann. Sie ist nebenbei frei von dem betrieblichen Overhead, der mit dem Einsatz von Agenten einhergeht.
Peter Friedwagner, Head of Infrastructure and Common Platforms bei Porsche Informatik.
(Bild: Porsche Informatik)
Bei Porsche
Mikro-Segmentierung ermöglicht eine feinkörnige Kontrolle der Datenflüsse zwischen einzelnen Workloads zum Absichern der Ost-West Kommunikation. „Die VMware Lösungen sind das Herzstück, das unsere Infrastruktur antreibt,” kommentiert Peter Friedwagner, Head of Infrastructure and Common Platforms bei Porsche Informatik.
Peter Friedwagner und sein Team transformierten die Anwendungslandschaft mithilfe von „Kubernetes“ und „Red Hat Openshift“. Sie mussten ihren Ansatz für die Cloud-Überwachung umstellen, um Abhängigkeiten im gesamten Stack zu verfolgen, und wählten Cloud-Monitoring von Dynatrace. Dieses Beispiel illustriert die Vorteile der VMware-Lösung im Hinblick auf die Wahrung der Workload-Portabilität.
Datenhochburg Rechenzentrum: Perimeter-basierte Sicherheit und Mikrosegmentierung auf Anwendungsebene im Vergleich.
(Bild: VMware)
VMware war im Übrigen im vergangenen Jahr (2022) das erste globale Technologieunternehmen, das sich „Structura-X“ anschloss. Die Rede ist hierbei von einem Leuchtturmprojekt von GaiaX, welches eine „Föderation von Infrastrukturen“ schaffen soll.
Konkret besteht das erklärte Ziel der Initiative in der Industrialisierung der GaiaX-Referenzarchitektur. Es geht hierbei darum, digitale Infrastrukturen und Datenräume zu schaffen, welche die GaiaX-Grundsätze der Portabilität, Reversibilität und Interoperabilität befolgen. Die Initiative gibt den Teilnehmern die Möglichkeit, gemeinsam an praktischen Lösungen für die digitale Souveränität zu arbeiten.
VMware kann eine Menge eigene Expertise beitragen: von der hybriden Cloud-Plattform „VMware Cloud Foundation“ über der Netzwerkvirtualisierer „NSX“, die Infrastrukturkontrolltechnologie „VMware Aria Automation“ bis hin zum Softwareportfolio der „Tanzu“-Familie mit „Greenplum“ und Data Services. Die digitale Souveränität hat bei VMware einen hohen Stellenwert.
Kein Wunder, dass andere in VMwares Fußstapfen treten wollen, darunter die drei Hyperscaler Microsoft, AWS und Google.
Von Grund auf: föderierte Souveränität
Mit „CatenaX“ entsteht in Europa im Rahmen von GaiaX ein „vertrauenswürdiges, kollaboratives, offenes und sicheres Datenökosystem“ für die Auto-Industrie. Zum ersten Mal arbeitet die gesamte Wertschöpfungskette der Branche – von Rohstofflieferanten über Erstausrüster (OEMs) bis hin zu End-of-Life-Partnern wie Recyclern – weltweit mit Software- und Lösungsanbietern zusammen, um ein gemeinsames Service-Ökosystem zu schaffen.
Es soll durchgängige Datenketten für zentrale Geschäftsprozesse der Branche ermöglichen und dabei die Datensouveränität der Teilnehmer wahren. Google Cloud bringt ihre Lösungen in Partnerschaft mit lokalen vertrauenswürdigen Anbietern wie T-Systems in Deutschland und S3NS in Frankreich zum Tragen.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor für CatenaX ist die Verfügbarkeit von Datenraumkonnektoren wie dem „Eclipse Data Space Connector“ (EDC). Die Konnektoren dienen dazu, Partnerunternehmen in dem jeweiligen Wirtschaftszweig unter Wahrung der Datensouveränität miteinander zu verbinden, um sichere Datenflüsse zu ermöglichen.
Die Rolle von GaiaX
Die International Data Spaces Association (IDSA) hat es sich zur Aufgabe gemacht, den technologischen Unterbau für ein sicheres System der gemeinsamen Datennutzung zu erschaffen, in dem „alle Beteiligten den vollen Wert ihrer Daten realisieren können“, ohne auf ihre Souveränität zu verzichten. Die Organisation hat hierzu den IDS-Standard (kurz für: International Data Spaces) für einen „offenen, transparenten und selbstbestimmten Datenaustausch“ geschaffen. IDS ist ein zentrales Element der GaiaX-Architektur.
Die IDSA hat ihren registrierten Sitz beim Fraunhofer Forum Berlin, ein Hauptquartier in Dortmund und zählt derzeit über 130 Mitglieder. Gemeinsam mit Dawex, einem führenden Technologieunternehmen für Datenaustausch und Datenmarktplätze, leitet sie die GaiaX-Arbeitsgruppe für Data Exchange Services, um einen globalen Standard für vertrauenswürdige Datenverbindungen zu definieren.
Datensouveränität ist ein zentrales Thema sowohl bei IDSA als auch bei CatenaX.
Das Fazit des Autorenduos
Die Datensouveränität einer Nationalwirtschaft stellt im digitalen Zeitalter einen Grundpfeiler der Wettbewerbsfähigkeit dar. Souveräne Clouds sollen der digitaltransformierten Wirtschaft zu mehr Datensouveränität verhelfen.
Für international tätige Organisationen gehören sie ins Pflichtenheft, für andere wachstumsorientierte Unternehmen sicherlich auf die Wunschliste. Inwiefern sie sich in der Praxis bewähren, wird sich erst noch erweisen müssen. So weit, so gut.
* Das Autorenduo Anna Kobylinska und Filipe Pereia Martins arbeitet für McKinley Denali Inc. (USA).