Der schlimmste Fehler beim Einstieg und Betrieb Multicloud-Landschaften Ein Cloud-Plattformteam holt erst die volle Leistung aus den Tools

Von M.A. Jürgen Höfling 5 min Lesedauer

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Automatisierung ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für den Aufbau großer (Multi-)Cloud-Landschaften. Was noch dazu gehört, erfahren verrät die Spezialistin Sarah Polan, Field Chief Technical Officer EMEA bei Hashicorp, im Interview.

Gut, wenn Unternehmen für ihr Multicloud-Business eine, vom Cloud-Anbieter unabhängige Plattform einrichten. noch besser ist es, wenn es ein Plattformteam gibt, das Produktentwickler mit Grundlagentechniken unterstützt. (Bild:  frei lizenziert: kalhh /  Pixabay)
Gut, wenn Unternehmen für ihr Multicloud-Business eine, vom Cloud-Anbieter unabhängige Plattform einrichten. noch besser ist es, wenn es ein Plattformteam gibt, das Produktentwickler mit Grundlagentechniken unterstützt.
(Bild: frei lizenziert: kalhh / Pixabay)

Wenn es um die Automatisierung umfassender Multicloud-Umgebungen geht, ist das Unternehmen Hashicorp weltweit wohl eine der ersten Adressen. Das gilt zumindest für alle Anwender, die sich nicht freiwillig in die totale Abhängigkeit von einem der großen Cloud-Provider begeben wollen.

Überhaupt gibt es durchaus Kompromisse zwischen Freiheit und Abhängigkeit; denn inzwischen hat Hashicorp viele Kooperationen mit einigen der großen Cloud-Provider aufgebaut, speziell Microsoft und Amazon Web Services. Damit lassen sich beide Welten gut miteinander verbinden .

Wie der Weg in die Cloud gelingt

Die einzelnen Produkte von „Hashicorp Cloud Platform“ reichen mittlerweile von der großen Draufsicht auf die gesamte Infrastruktur („Terraform“) über einem Blick aus der Nähe speziell auf die Netzwerkdienste mithilfe des Produkts „Consul“ bis hin zu verschiedenen Produkten für Sicherheit („Vault“ und „Boundary“).

Infrastrukturautomatisierung ist einerseits unabdingbar für den Betrieb großer Multicloud-Umgebungen, andererseits muss eine solche hochgradige Automatisierung durch menschliche Expertise und Engagement im jeweiligen Unternehmen ergänzt werden. Wie Expertin Polan im nachfolgenden Interview erläutert, muss es unbedingt ein Cloud-Plattformteam im Unternehmen geben, damit die „Reise in die Cloud“ ein Erfolg wird.

Sara Polan
ist ursprünglich als Opernsängerin ausgebildet und war auch als solche tätig. Allerdings veranlassten familiäre Umstände sie zu einem Karrierewechsel.

Polan interessierte sich schon lange für Technologie. Da sie erkannte, dass Musik an sich eine Art von Code ist, beschloss sie im Alter von 31 Jahren, programmieren zu lernen. Sechs Jahre später ist Sarah Polan nun als CTO bei Hashicorp tätig, Anbieter von Software zur Automatisierung von Multicloud-Infrastrukturen.

Bildquelle: Hashicorp

Wie sollte ein Unternehmen vorgehen, damit der Weg in die Cloud und in der Cloud ein Erfolg wird?

Sarah Polan: Der Weg in die Cloud sollte unserer Erfahrung nach in der Regel einem Muster folgen, das durch drei Phasen gekennzeichnet ist. Zuerst kommt die taktische Phase, in der Teams neue Cloud-Ressourcen isoliert bereitstellen, um Ad-hoc-Projekte zu unterstützen. Im Laufe der Zeit führt dies zu einer Vielzahl unterschiedlicher Arbeitsabläufe, die es schwierig machen, Vorschriften einzuhalten und die gleichzeitig eine hohe Kostenbelastung mit sich bringen.

Das zwingt das jeweilige Unternehmen, in eine zweite Phase zu gehen, in der Cloud-Prozesse standardisiert werden. In dieser Phase, so zusagen in der strategischen Phase, legen die Unternehmen eine Organisations- und Kontrollebene über ihren Cloud-Bestand an. Dies geschieht am besten mit einem Cloud-Plattformteam, das dabei eine koordinierende und steuernden Rolle übernimmt.

Sobald dieses Team die Cloud-Plattform erfolgreich aufgebaut hat, können Unternehmen in die letzte Skalierungsphase der Cloud-Reife eintreten, in der das Cloud-Betriebsmodell auf breiter Basis im Unternehmen angewendet wird, einschließlich privater Cloud-Systeme und eigener lokaler Rechenzentren.

Wo sehen Sie die größten Fallstricke auf dem eben beschriebenen Weg?

Sarah Polan: Die größten Fallstricke auf diesem Weg treten auf, wenn Unternehmen ihren Cloud-Bestand ausbauen und ihre neuen Anwendungen ohne die zentral koordinierende Funktion eines Cloud-Plattformteams erweitern. Dies kann zu Kostenüberschreitungen, der Verschwendung von Ressourcen, erhöhten Sicherheitsrisiken und allgemeiner Desorganisation führen. Das Cloud-Plattformteam ist ein wesentlicher Bestandteil, um durch die Schaffung einer zentralisierten Cloud-Plattform Ordnung in diese komplexe Gemengelage zu bringen.

Wie gehen die Besten unter Ihren Kunden vor, um aus den Werkzeugen von Hashicorp das Optimum bezüglich Kosten- und Risikostruktur bei gleichzeitig zügiger Umsetzung herauszuholen?

Sarah Polan: Die Produkte von Hashicorp arbeiten umfassend zusammen und decken alle Aspekte der Cloud-Infrastruktur ab - Bereitstellung, Vernetzung, Sicherheit und Anwendungen. Um das Beste aus diesen Produkten herauszuholen, müssen mit ihnen konsistente, wiederverwendbare Workflows erstellt werden, die von einem zentralen Plattformteam entwickelt und verwaltet werden.

Wie sollte ein Unternehmen, das ganz am Anfang von Multi-Cloud-Computing steht, anfangen?

Sarah Polan: Ich habe es schon zu Beginn des Gesprächs gesagt: Der Weg in die Cloud beginnt oft mit einzelnen Fragestellungen, die durch eine neue Cloud-Infrastruktur gelöst werden sollen. Ein Beispiel wäre die die Entwicklung neuer Anwendungen, um einen neuen Markt zu erschließen. Am besten ist es, zunächst in kleinem Maßstab zu experimentieren und zu bauen, um dann mit einem Cloud-Plattformteam auf eine umfassendere und organisierte Weise zu expandieren. Dies kann dann in konsistente Arbeitsabläufe übergehen, die über mehrere Cloud-Umgebungen hinweg skalierbar sind.

Die „Hashidays 2023“ brachten die stetig wachsende Gemeinde der Multicloud-User in Europa zusammen. Autor Jürgen Höfling hat Sara Polan dort getroffen und interviewt. (Bild:  Hashicorp)
Die „Hashidays 2023“ brachten die stetig wachsende Gemeinde der Multicloud-User in Europa zusammen. Autor Jürgen Höfling hat Sara Polan dort getroffen und interviewt.
(Bild: Hashicorp)

Welches sind die größten Fehler, die Unternehmen beim Weg in die Multicloud-Welt machen können?

Sarah Polan: Der größte Fehler, den Unternehmen bei der Umstellung auf Multicloud machen können, ist, jede Cloud-Umgebung separat zu betrachten. Der Vorteil der Verwendung von Cloud-unabhängigen Tools (wie sie von Hashicorp angeboten werden) besteht darin, dass Unternehmen gemeinsame Arbeitsabläufe und Prozesse entwickeln können, die auf jede einzelne Cloud angewendet werden können, was Kosten und Ressourcen spart und gleichzeitig konsistente, sichere Implementierungen gewährleistet.

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Worauf müssen stark regulierte Unternehmen beim Weg in die Multicloud besonders achten?

Sarah Polan: Für Unternehmen in stark regulierten Branchen ist es besonders wichtig, dass ihre Cloud-Infrastruktur insgesamt konsistent ist. Die Richtlinien und Arbeitsabläufe bei der Cloud-Infrastruktur, bei den Tools und den Systemen müssen standardisiert sein. Dies verhindert Mehrfachimplementierungen zwischen Clouds und Tools, die zu Sicherheitsrisiken und mangelnder Compliance führen können.

Können Multicloud-Prozesse so intuitiv gestaltet werden, dass die allermeisten Aufgaben oder zumindest viele Aufgaben als User Self Service gestaltet werden können? Das wäre dann auch ein Mittel gegen den oft beklagten Fachkräftemangel.

Sarah Polan: Viele der Prozesse im Zusammenhang mit der Verwaltung von Multicloud-Infrastrukturen lassen sich automatisieren, und genau darauf sind die Produkte von Hashicorp ausgelegt. Aber es handelt sich immer noch um große, komplexe und kritische Systeme, sie brauchen eine menschliche Überwachungsstrategie.

Deshalb noch einmal: Es muss ein Plattformteam geben, das konsistente Tools und Arbeitsabläufe entwickelt, die manuelle Prozesse eliminieren und durch Self-Service-Tools ersetzen, so dass die Nutzer im Unternehmen die tatsächliche Komplexität der Cloud in ihrer täglichen Arbeit nicht spüren.

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