Ohne Data Scientists Kleine Teams in KMUs können KI

Von Robert Menzlow* 3 min Lesedauer

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Die zunehmende Verfügbarkeit von KI-Werkzeugen hat die Einstiegshürden für Unternehmen drastisch gesenkt. Was früher spezialisiertes Wissen in Statistik, Maschinellem Lernen und Dateninfrastruktur erforderte, lässt sich heute mit schlanken Tools und methodischem Vorgehen umsetzen – auch in kleinen Teams.

Kleine Entwicklerteams brauchen dem KI-Goliath keinen übermäßigen Respekt zollen. Mit den richtigen Werkzeugen, Prozess-Know-how und realistischen Erwartungen ist er zu bezwingen. (Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Kleine Entwicklerteams brauchen dem KI-Goliath keinen übermäßigen Respekt zollen. Mit den richtigen Werkzeugen, Prozess-Know-how und realistischen Erwartungen ist er zu bezwingen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Dennoch bleibt der Eindruck verbreitet, KI sei ein Thema für Konzerne mit dedizierten Data-Science Abteilungen und hohem Budget. Für viele mittelständische Unternehmen bedeutet das: Interesse ja, aber Umsetzung unklar.

Dabei zeigt sich in der Praxis ein differenzierteres Bild. Auch ohne Data Scientists lassen sich produktive KI-Lösungen entwickeln – vorausgesetzt, die Voraussetzungen auf technischer, organisatorischer und kultureller Ebene stimmen. Entscheidend ist weniger der Zugriff auf hochspezialisiertes Personal, sondern das Zusammenspiel aus Software-Entwicklungskompetenz, Domänenwissen und einem realistischen Erwartungs-Management.

Vom Prozessverständnis zur Anwendung

Im Zentrum steht die Fähigkeit, operative Herausforderungen in strukturierte, an die Daten angelehnte Fragestellungen zu übersetzen. Kleine Entwicklerteams, die ohnehin eng mit den Fachbereichen zusammenarbeiten, bringen dafür meist die nötige Nähe zum Geschäft mit. Sie kennen die Prozesse, die Systemlandschaft und die typischen Reibungspunkte, etwa repetitive Entscheidungen, datenbasierte Routinen oder manuelle Auswertungen.

Genau dort liegt das Potenzial für Automatisierung durch KI. Der erste Schritt ist daher meist kein technischer, sondern ein analytischer:

  • Welche Aufgaben im Tagesgeschäft folgen klaren Regeln, wiederholen sich häufig und verursachen spürbaren Zeitaufwand?
  • Welche dieser Aufgaben erfordern kein strategisches Urteil, sondern lediglich konsistente Verarbeitung von Informationen?

Das können Prüfprotokolle, Lieferabgleiche, Klassifikationen oder einfache Prognosen sein. Wichtig ist, den Fokus nicht auf den größten Use Case zu legen, sondern auf denjenigen, der mit vertretbarem Aufwand einen greifbaren Effekt verspricht.

Die technische Umsetzung mit begrenzten Ressourcen

Sobald ein geeigneter Anwendungsfall identifiziert ist, geht es um Daten. In vielen Fällen liegen diese bereits vor – oft verteilt, unstrukturiert oder systemgebunden, aber dennoch nutzbar. Die Herausforderung besteht darin, sie zugänglich und interpretierbar zu machen.

Low-Code-Plattformen und AutoML-Werkzeuge ermöglichen es heute, ohne tiefgehende mathematische Kenntnisse erste Modelle zu trainieren, zu testen und zu integrieren. Entscheidend ist hier nicht die maximale Modellgüte, sondern die Anschlussfähigkeit an reale Abläufe.

Dabei darf die technische Umsetzung nicht isoliert betrachtet werden. Die Integration der Lösung in bestehende Systeme, ob ERP, Monitoring oder Web-Interfaces, ist oft der aufwendigere Teil. Nur wenn das Ergebnis im Arbeitsalltag sichtbar und nutzbar wird, entsteht tatsächlicher Mehrwert. Es braucht also nicht nur ein Modell, sondern auch Schnittstellen, Visualisierung, Rückmeldemechanismen und gegebenenfalls eine Benutzeroberfläche.

Organisatorische Unterstützung als Voraussetzung

Ein häufig unterschätzter Erfolgsfaktor ist die Einbindung der Organisation. Fachabteilungen müssen bereit sein, Daten zu teilen, Abläufe offen zu legen und sich auf Veränderungen einzulassen. Gleichzeitig braucht es Rückendeckung auf der Leitungsebene. Ohne ein Mindestmaß an Offenheit und Unterstützung durch die Geschäftsführung bleibt die KI-Initiative oft ein isoliertes IT-Projekt.

Entscheidend ist, dass der Beitrag der Entwicklerteams nicht als technische Spielerei wahrgenommen wird, sondern als Teil der strategischen Weiterentwicklung des Unternehmens. Nur so entsteht die nötige Legitimität, um Prozesse zu hinterfragen und bestehende Praktiken datenbasiert weiterzuentwickeln.

Die gute Nachricht: Viele kleine KI-Projekte zeigen Wirkung, ohne große Aufmerksamkeit zu erzeugen. Sie verbessern Entscheidungen, standardisieren Abläufe oder entlasten Teams von repetitiven Tätigkeiten. Sie tun genau das, was KI in Unternehmen tun sollte, ohne dabei wie KI aufzutreten.

Der Vorteil kleiner Teams

Gerade in kleinen Teams liegt darin ein Vorteil: Sie agieren nah am Prozess, können iterativ arbeiten und auf Rückmeldungen reagieren. Nicht als große Transformation, sondern als kontinuierlicher, pragmatischer Fortschritt.

*Der Autor
Robert Menzlow ist Geschäftsführer von Brayn.io. Er fasst zusammen: Für mittelständische Unternehmen ergibt sich daraus ein klarer Weg: KI-Projekte sind auch ohne spezialisierte Data Scientists möglich, wenn technische Grundlagen vorhanden sind, die Fachabteilungen mitziehen und die Unternehmensleitung bereit ist, die Teams dabei strukturell zu unterstützen. So wird aus Entwicklungskompetenz ein Instrument für echte datengetriebene Wertschöpfung.

Bildquelle: Bayin.io

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