Suchen

IDC-Analyst Meyer: „Automatisierung und Software-Skills bringen Rechenzentren Erfolg“

Ein Admin, 30 Server – und die Aufgabenlast steigt. Was tun?

Seite: 3/3

Firmen zum Thema

Was zeichnet die Spitzenreiter aus?

Thomas Meyer: Am besten fahren unserer Ansicht nach Rechenzentren, die Server-Virtualisierung mit einem geeigneten Infrastruktur-Management verbinden, die prioritär in Automatisierung investieren – in Wissen und in Produkte, gleichzeitig aber die Lizenzkosten im Griff behalten Ihre Mitarbeiter brauchen gute Programmierkenntnisse und sollten lange im Unternehmen bleiben. Fluktuation ist bei den weniger gut aufgestellten Unternehmen ein großes Problem.

Wo sollten Unternehmen ansetzen, die selbst ihre Leistung verbessern möchten?

Thomas Meyer: Für alle ist wichtig, dass sie alle Säulen des Rechenzentrums ansehen: Infrastrukturhardware, Infrastruktursoftware, Anwendungen und Workloads sowie ihre Facilities. Denn hier kann man bei einer Modernisierung wirklich viel Geld sparen, das dann für andere Zwecke verfügbar ist.

Bildergalerie

Für alle gilt, sich auf eine überschaubare Zahl von Projekten zu konzentrieren. Weniger ist oft mehr. Weiter sollten die Unternehmen virtualisierten Umgebungen besser verwalten und zumindest die Tools der Systemhersteller nutzen. Außerdem sollten die RZ-Betreiber eine einheitlichen Speicherstratregie entwickeln, denn das ist aus unserer Sicht ebenfalls ein erfolgsentscheidender Faktor.

Gelten diese Regeln für alle, oder muss man doch differenzieren zwischen den erfolgreichen RZ-Betreibern und denen, die noch Defizite haben?

Thomas Meyer: Es gibt durchaus spezifische Ratschläge für die einzelnen Gruppen: Nachzügler sollten zum Beispiel besonders darauf achten, dass sie wenige Projekte angehen, die aber gut umsetzen. Denn für mehr haben sie oft weder die Mitarbeiter noch das Geld.

Sie sollten von alter Hardware auf Standard-x86-Architekturen migrieren, die Server-Wartung zentralisieren, grundlegende Mechanismen für die Server-Virtualisierung und die von den Herstellern angebotenen Management-Umgebungen einsetzen. Außerdem müssen sie in gemeinsam genutzten Speicher investieren.

Die Nachzügler setzen am besten bei der oft mangelhaften Sicherung des Speicher-Backends an, indem sie in Sicherungs-Tools investieren, die zu ihrer Virtualisierungsumgebung kompatiblen sind. Sie sollten möglichst auf Verwaltungs-Tools aus einer Hand standardisieren und ihre Mitarbeiter so schulen, dass sie die Möglichkeiten der Virtualisierungsumgebung auch wirklich verstehen und nutzen können.

Dann können sie anfangen, ihre Workloads zu optimieren und ihre Facilities mit einfacheren Vorrichtungen wie Kalt- und Warmgängen auszurüsten, um das Verhältnis von Rechen- zu Kühlenergie zu verbessern.

Die durchschnittlichen Firmen müssen vor allem den Kenntnisstand ihrer IT-Mitarbeiter erhalten und ausbauen. Wichtig sind insbesondere interne Softwarekenntnisse, damit sie beispielsweise intern unternehmensspezifische Analysesoftware entwickeln können, aus der sich en Wettbewerbsvorteil ergeben könnte.

Automatisierungsvorhaben und IT-Ausgaben sollten sich an den Geschäftszielen orientieren und auf Wettbewerbsvorteile zielen. Außerdem sollten sie ihre Investitionen auf diesen Gebieten wie geplant um fünf Prozent pro Jahr steigern, statt zu sparen. Denn diese Ausgaben rechnen sich, genau wie Investitionen beispielsweise in neue Kühltechniken.

In der Studie schaut man auch weiter in die Zukunft. Wo sehen Sie auf mittlere Sicht die wichtigsten Trends, die RZ-Betreiber beachten sollten?

Thomas Meyer: Am wichtigsten ist sicher der Trend, zumindest Teile der IT-Aufgaben in die Cloud auszulagern. Das ist von strategischer Bedeutung, sollte aber das Management der Unternehmen nicht verleiten, auf die Schnelle die IT-Budgets herunterzufahren.

Denn wichtige Teile der IT werden noch lange intern bleiben, was bedeutet, dass in Zukunft hybride Infrastrukturen verwaltet werden müssen und man klare Kriterien für die Cloud-Provider-Auswahl und den Einsatz von Cloud-Services entwickeln muss.

Daneben gibt es Trends wie Workload-optimierte Server, Flash-Speicher, modulare Stacks auf der Hardwareseite, SaaS-Management-Tools und vereinheitlichte Management-Umgebungen bei der Infrastruktursoftware, In-Memory- sowie NoSQL-Datenverarbeitung und SaaS-Angebote bei den Anwendungen.

SAP wird immer öfter auf nur einer Plattform mit einer CPU laufen. Schließlich stehen ein Siegeszug moderner Kühltechniken und modulare Strategien beim Aufbau von Datenzentren bevor, weil das einfach Geld spart, das sonst keinerlei greifbaren Nutzen bringt.

(ID:30693970)