Die Zahl der Rechenzentren wird weltweit steigen, prognostiziert das Borderstep Institut. Für das Wachstum sorgen die Digitalisierung, Cloud und Künstliche Intelligenz. Auch die Betriebsvariante Edge Computing soll zulegen. Dazu Ralph Hintemann, Senior Researcher und Partner beim Borderstep Institut, eine gemeinnützige private Forschungseinrichtung, die sich mit Digitalisierung, Innovation und Nachhaltigkeit beschäftigt.
Dr. Ralph Hintermann und Autor Jürgen Frisch unterhalten sich über die jüngsten Trenfs im Datacenter-Geschehen. Cloud, Edge und KI spielen eine Rolle.
Anlässlich der Veranstaltung „Forum IT: Data Center Austria“, die am 10. und 11. September in Wien stattfindet, stellt sich Hintemann einem Interview mit Autor Jüren Frisch, das Datacenter-Insider als Folge #38 im DataCenter-Diaries Podcast zur Verfügung stellt.
Wie entwickelt sich der Rechenentrumsmarkt weltweit, in Deutschland und speziell bei unseren österreichischen Nachbarn?
Ralph Hintemann: Also der Rechenzentrumsmarkt ist bis vor ein paar Jahren in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen worden. Aber mit zunehmender Digitalisierung, insbesondere auch mit der zunehmenden Nutzung von Cloud-Diensten, die dazu führen, dass große, sehr große Rechenzentren gebaut werden, haben wir da eine deutlich höhere Aufmerksamkeit bekommen.
Angesichts ihres hohen Bedarfs an Rechenleistung gilt seit zwei Jahren auch die Künstliche Intelligenz als Wachstumstreiber.
Ralph Hintemann: Da ist sehr viel Fantasie in dem Markt. Wie viel Rechenleistung wir für Künstliche Intelligenz brauchen, ist im Nebel verbogen. Aber tatsächlich treibt das den Markt noch einmal zusätzlich
Auf Länderebene gibt es bei Künstlicher Intelligenz deutliche Unterschiede. Die USA und China führen, während Europa, Deutschland und Österreich gerade erst starten.
Ralph Hintemann:Ja, vor allen Dingen in USA und in China ist das Wachstum enorm. Auch in Europa legt KI zu. Allerdings ist fällt das aktuell noch deutlich geringer aus als in anderen großen Regionen der Welt. Doch auch in Deutschland und Österreich fangen wir an, Rechenzentren für Künstliche Intelligenz aufzubauen. Aber keiner weiß bisher genau, in welchem Ausmaß das stattfinden wird.
Ein klarer Trend, der sich auf jeden Fall fortsetzt, ist die Zunahme von Cloud-Diensten durch die Hyperscaler. Also wir werden sehr viel mehr große Hyperscale-Cloud-Rechenzentren bekommen.
Eine hohe Zahl an Rechenzentren beschleunigt die Digitalisierung, bringt aber andererseits auch Probleme mit sich. Eines davon ist der hohe Energiebedarf.
Ralph Hintemann: Wir haben enormes Wachstum im Bereich des Strombedarfs - das ist vor allen Dingen in den USA und wahrscheinlich auch in China der Fall. In Europa ist die Entwicklung nicht ganz so schnell, aber auch hier haben wir ein sehr starkes Wachstum, auch durch die stärkere Nutzung von Cloud-Diensten und Digitalisierung insgesamt. In Deutschland ist davon auszugehen, dass sich der Strombedarf von Rechenzentren bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent gegenüber heute erhöhen wird. Für Österreich fällt der Anstieg wahrscheinlich nicht ganz so stark aus, dennoch deutlich.
Auch die Kühlung der Rechenzentren mit Trinkwasser sorgt für Probleme. So warnt beispielsweise die Stadt Frankfurt davor, dass sie ab dem Jahr 2030 die Versorgung mit Trinkwasser nicht mehr aufrecht erhalten kann, wenn das Wachstum der Hyperscaler-Rechenzentren im gegenwärtigen Tempo anhält.
Ralph Hintemann: Rechenzentren setzen Wasser, zumeist Trinkwasser für die Kühlung ein, zum Beispiel wird es verdunstet und durch die Verdunstung entsteht Kälte. Und das heißt: Die Adiabatik kann Energie einsparen, weil etwa über Kühlmaschinen weniger Kälte bereit gestellt werden muss.
Das ist aber nur eine technische Option und macht längst nicht jedes Rechenzentrum. In Deutschland sind das wahrscheinlich ein Viertel is zu einem Drittel der Rechenzentren, die wirklich mit Verdunstungskühlung arbeiten.
Einladung zum Forum IT: Data Center Austria
In der kommenden Woche findet in Wien die Veranstaltung „Forum IT: Data Center Austria“ statt, am 10. und 11. September 2024. Veranstalter ist der österreichische Konferenz- und Seminaranbieter IMH; DataCenter-Insider ist Medienpartner.
Deshalb kann die Redaktion für Kurzentschlossene ein Freiticket anbieten (Auf den Link klicken und E-Mail mit den Kontaktdaten absenden). Bei mehreren Bewerbern entscheidet bis Freitagmittag, 12:00 Uhr, das Los.
Themen sind unter anderem:
„Sicherheit, Effizienz und KI: Die Triade des modernen Datacenter“
„Rechenzentren im Wandel der Zeit: Eine Marktanalyse“
„Nachhaltige und sichere Backup-Energie für Rechenzentren“
„Vorgaben der Energie-Effizienzrichtlinie (EED III)“
„Klimaneutralität im Rechenzentrum: Nachhaltige Lösungen mit Beton – Dekarbonisierung der Bauwirtschaft“
„Cloud Region Österreich “
„DCIM hoch 3: Die Revolution für ihren zukunftssicheren und effizienten Data Center Betrieb!“
„DORA/NIS-2/RCE/CRA – Was bedeuten die neuen Richtlinien für Ihr Unternehmen und die IT-Infrastruktur?“
Um den im deutschen Energie-Effizienzgesetz geforderten PUE-Wert von 1,2 (PUE = Power Usage Effectiveness) einzuhalten, muss vor allem die Kühlung sehr effizient arbeiten, oder?
Ralph Hintemann: Das ist ein sehr scharfer Grenzwert, wenn man mit dem aktuellen Stand der Technik vergleicht. Und da ist davon auszugehen, dass in Deutschland sehr viele neu gebaute Rechenzentren jetzt mit Verdunstungskühlung arbeiten, um diesen Grenzwert zu erreichen. Das heißt also, der Wasserverbrauch wahrscheinlich massiv ansteigen wird.
Wie steht es mit der Nutzung von Brauchwasser?
Ralph Hintemann: Das Problem ist, dass die Nutzung noch einmal aufwändiger für die Rechenzentren wird. Damit stellt sich die Frage: Rechnet sich das?
Stand: 08.12.2025
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Für den Fall, dass ich keinen klaren Grenzwert habe , wie in Österreich, ist wahrscheinlich der etwas höhere Energieverbrauch möglicherweise das kleinere Übel für Rechenzentren, weil sie auf Verdunstungskühle verzichten, wenn sie ein Trinkwasser nutzen können oder dürfen.
Wie steht es mit Inhouse- beziehungsweise Enterprise-Rechenzentren?
Ralph Hintemann: Das ist zwar kein wachsender Markt, wird aber durchaus noch in fünf bis zehn Jahren eine große Bedeutung haben. Die Situation in Österreich und in Deutschland ist ähnlich. Gerade das Künstliche Intelligenz wird vielleicht dazu führen, dass Unternehmen gezielt KI Hardware aufbauen, weil sie die Daten nicht außerhalb verarbeiten lassen wollen und misstrauisch sind, wer darauf zugreifen könnte
Wie steht es mit Edge Computing als Treiber für die Inhouse-Datenverarbeitung?
Ralph Hintemann: Ja, gerade für Produktionssteuerung wird eine Menge IT am Standort des Unternehmens behalten. Also gibt es auch künftig On-premise-Lokationen. Der Markt bricht auch nicht ein. Allerdings leiden Prognosen zum Thema Edge-Computing unter dem Problem, dass jeder Experte unter dem Begriff Edge etwas anderes versteht. Während einige wirklich davon ausgehen, das sind ganz kleine Computer, wo die ein halbes Rack oder möglicherweise nur ein einziger Server bedeuten, sprechen andere von Edge-Rechenzentren.
Wenn große Hyperscaler etwa in Österreich einen Standort aufbaut, ist das auch ein Edge-Standort, obwohl die Größenordnung ganz und gar nicht dieselbe ist. Wir sprechen einmal von Leistungsaufnahmen im Kilowattbereich, im letzteren Fall von Megawatt