Datenhoheit, Sicherheit, Unabhängigkeit und Flexibilität gehören zur Datacenter-Planung Digitale Souveränität im „Dreiklang“

Ein Gastbeitrag von Peter auf dem Graben* 3 min Lesedauer

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Fast täglich stolpre ich über die Debatte der „digitalen Souveränität“. Egal ob in unzähligen Blogs, Beiträgen oder Fachartikeln. Das Thema bewegt sich schwungvoll nach vorne. Diesem schließe ich mich an, höre interessiert zu und reflektiere auf meine über 30-jährige Erfahrung in der IT zurück und beobachte aufmerksam die derzeitigen Veränderungen, gerade auf die Zeit, in der ich leistungsstarke Systeme zur Virtualisierung von Rechenzentren konzipiert und gebaut habe.

Der Autor auf Peter dem Graben sieht  digitale Souveränität als Dreiklang: Software – Infrastruktur -- Datenhohheit.(Bild: ©  Assem - stock.adobe.com /KI-generiert)
Der Autor auf Peter dem Graben sieht digitale Souveränität als Dreiklang: Software – Infrastruktur -- Datenhohheit.
(Bild: © Assem - stock.adobe.com /KI-generiert)

In all diesen Diskussionen über Digitale Souveränität wird für mich häufig nur ein Teilbereich betrachtet. Die digitale Souveränität betrachte ich als Form von „Dreiklang“: Software – Infrastruktur -- Datenhohheit.

Für Peter auf dem Graben gehören zur digitalen Souveränität drei Bereiche: Die Infrastruktur, die Software und die Datenhoheit. (Bild:  DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG)
Für Peter auf dem Graben gehören zur digitalen Souveränität drei Bereiche: Die Infrastruktur, die Software und die Datenhoheit.
(Bild: DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG)

Für meinen Geschmack sehe ich viel zu selten die dringende Notwendigkeit eines integrierten Ansatzes.

Software, wird diskutiert als strategische Option meistens in Richtung „Open Source“ um mehr Transparenz und Flexibilität zu bekommen. Richtig so und genau einer der entscheidenden Punkte!

Keine Frage, hier muss angefangen werden, da hier die Basis der benötigten Infrastruktur definiert wird. Ist dieses Thema geklärt, stehen viele Betroffene mit ihren nächsten Fragen im Raum ihrer digitalen Souveränität, nämlich die zentralen Komponenten, die für das Hosting der gerade gefunden Softwarelösungen benötigt werden.

Leider enden hier die öffentlichen Diskussionen meist, anstatt, wie in Planungsprojekten üblich eine saubere Übergabe und Weiterführung auf die nächste Ebene zu zeigen.

Infrastruktur bedeutet in diesem Kontext die Betrachtung der physischen Kontrolle kritischen Systeme, auf denen Unternehmensstrukturen abgebildet und betrieben werden. Die Infrastruktur kann sich nun noch in Themenbereiche des Rechenzentrums und IT-Infrastruktur aufteilen.

Bei der separat betrachteten IT-Infrastruktur gibt es einige auf den Herstellersteller bezogene Abhängigkeiten, die es zu beachten gibt. Bei der Rechenzentrums-Infrastruktur stellt sich in der Regel zunächst die Frage: Wo befinde ich mich derzeit und wo muss beziehungsweise möchte ich hin?

Datacenter-Standort und -Eigentümer sind entscheidend. Muss hier eine Änderung erzielt werden, scheinen zunächst viele Türen offen zu stehen. Es gibt jedoch zahlreiche Hürden und Fragen, die geklärt werden müssen und Einschränkungen bieten.

Bei der Bedarfsermittlung entstehen beispielsweise Fragen wie:

  • Wo, wie, wie groß, wie stark, wie sicher, welches Budget?
  • Wie sieht mein derzeitiger Grad der Virtualisierung aus?
  • Betreibe ich meine IT-Infrastruktur besser in den „eigenen Hallen“ oder suche beziehungsweise finde ich eine geeignetes Co-Location für meinen Bedarf?
  • Kann ich meinen IT-Bedarf in Cloud-Infrastrukturen wie Hyperscaler oder bei europäische Cloud-Dienstleistern finden?
  • Welche Netzwerk- und Hardware-Abhängigkeiten gibt es und sollte es geben?
  • Sind Sicherheiten und Compliances zertifiziert?
  • Wie steht es um Resilienz und Redundanz?
  • Wie ist der Umgang mit Energie-Effizienz und Nachhaltigkeit
  • und und und …

Während bei den Fragen der Infrastruktur noch viele Antworten und auch Fragen im Raum stehen, schließen sich unmittelbar weitere Themen an: Datenhoheit über meine unternehmenskritischen digitalen Assets.

Sobald ich mit meiner Infrastruktur meine „eigenen heiligen Hallen“ verlasse, vertraue ich meine sensiblen Daten einem „Partner“ an. Es werden Verträge formuliert und vereinbart. Um sicher zu sein, werden Anwälte zur Vertragsprüfung zur Hilfe und Einsicht in Zertifikate der Lokation genommen. Schnell fällt auf, dass es Rechtsunsicherheit für Unternehmen gibt, da zum Beispiel Cloud Act und DSGVO einen Konflikt zwischen US-Recht und EU-Datenschutz darstellen.

Dies schränkt den Speicherort meiner Daten deutlich ein. Es stellt sich die Frage: EU versus Drittstaaten? Viele Türen meiner anfänglichen Möglichkeiten schließen sich zusehend.

Ach so, da gibt es ja noch die Verschlüsselung und Zugriffsrechte. Diese müssen technisch und rechtlich betrachtet werden und schnell kommen weitere Fragen hinzu!

Wie sich an diesen paar Beispielen und Fragen erkennen lässt, sind die Schritte Infrastruktur und Datenhoheit im Dreiklang mitunter komplex und erfordern Flexibilität. Diese wiederum erfordert den Eingriff in die Rechenzentrumsplanung.

*Der Autor
Peter auf dem Graben ist Senior Data Center Consultant bei der DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG. Sein Fazit lautet: Die Datacenter-Planung bietet klare Unterstützung und umfangreiche Möglichkeiten, aus einer unter Umständen Anfangs unübersichtlichen Lage ein Konzept mit Berücksichtigung aller erforderlichen Bedarfe und Sicherheiten zu erstellen. Leider erschweren politische Rahmenbedingungen wie internationale Abkommen und EU-Richtlinien Entscheidungen zusätzlich und machen den „Dreiklang“ komplexer als er ohnehin schon wäre.

Bildquelle: DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG

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