Eine weltweite Studie von Hitachi Vantara zeigt: Deutsche IT-Entscheider setzen bei künstlicher Intelligenz auf Sicherheit, Governance und langfristige Strategien... und sind damit erfolgreicher als der globale Durchschnitt. Der Clou: Das war nicht immer so.
Eine erste KI-Euphorie bei deutschen Unternehmen ist verflogen, nun geht es mit Fokus auf Sicherheit, Kontrolle und Datensouveränität an die Umsetzung.
(Bild: GPT-Image / KI-generiert)
100 Prozent der befragten deutschen Unternehmen nutzen bereits künstliche Intelligenz (KI). Entscheidender ist die Frage, wie erfolgreich sie damit sind – und da liegt Deutschland mittlerweile über dem internationalen Durchschnitt. Die Gründe dafür deuten auf eine fundamentale Kurskorrektur hin.
Die weltweite Studie von Hitachi Vantara, für die 1.244 IT-Entscheider und C-Level-Führungskräfte in 15 Ländern befragt wurden, offenbart einen bemerkenswerten Wandel: Noch 2024 waren deutsche Unternehmen bei KI euphorischer als der Durchschnitt – und bei der Infrastruktur nachlässiger. Ein Jahr später hat sich das Bild gedreht. Die Euphorie ist einer nüchternen Professionalität gewichen, die Infrastruktur wurde massiv ausgebaut. Das Ergebnis: eine höhere Erfolgsquote bei KI-Projekten.
Die Ausgangslage: Komplexität als Dauerzustand
KI-Einsatz bei deutschen Unternehmen im globalen Vergleich: Kernzahlen der Hitachi Vantara-Studie 2025.
(Bild: Thomas Schumacher)
Die Dateninfrastruktur deutscher Unternehmen wächst rasant. 81 Prozent der Befragten berichten, dass die Komplexität ihrer Systeme „schnell“ oder „extrem schnell“ zunimmt – ein Wert, der dem globalen Durchschnitt von 80 Prozent entspricht. Doch bei der Bewältigung dieser Komplexität zeigen sich deutliche Unterschiede.
Deutsche Unternehmen verwalten überdurchschnittlich große Datenmengen: 29 Prozent speichern zwischen 100 und 200 Petabyte, verglichen mit nur 16 Prozent weltweit. Diese Datenmassen erfordern robuste Infrastrukturen – und genau hier setzt der deutsche Ansatz an.
Private Cloud first: Der Kontrollreflex
Mehr deutsche Unternehmen nutzen die Private Cloud für operative Daten verglichen mit dem globalen Durchschnitt.
(Bild: Thomas Schumacher)
Bei der Datenspeicherung zeigt sich ein klares Muster: Deutsche Unternehmen bevorzugen die Private Cloud. 65 Prozent speichern ihre operativen Daten in privaten Cloud-Umgebungen, deutlich mehr als der globale Durchschnitt von 57 Prozent. Bei sensiblen und personenbezogenen Daten steigt dieser Wert sogar auf 74 Prozent.
Die Public Cloud hingegen spielt eine untergeordnete Rolle: Nur 31 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen sie für operative Daten – weltweit sind es 40 Prozent. Besonders bei personenbezogenen Daten ist die Zurückhaltung ausgeprägt: Lediglich 21 Prozent setzen hier auf öffentliche Cloud-Dienste.
Diese Präferenz für kontrollierte Umgebungen spiegelt nicht nur regulatorische Anforderungen wider, sondern auch ein grundsätzliches Sicherheitsdenken. 66 Prozent der deutschen Befragten geben an, spezifische Anforderungen an die Datensouveränität zu haben, die beeinflussen, wo und wie KI-Workloads betrieben werden.
Der Vorjahresvergleich: Vom Mitläufer zum Musterknaben
Der Blick auf die Vorjahresstudie offenbart das Ausmaß der Kurskorrektur und widerlegt das Klischee vom zögerlichen Deutschland. 2024 sah die Lage völlig anders aus: Der Anteil deutscher Unternehmen, die sensible Daten in der Private Cloud speichern, lag bei 38 Prozent – unterhalb des damaligen globalen Durchschnitts von 52 Prozent. Gleichzeitig nutzten 39 Prozent die Public Cloud für sensible Daten, mehr als der globale Schnitt.
Bei der KI-Euphorie war Deutschland an der Spitze: 85 Prozent sahen KI bereits als großflächig eingeführt oder kritisch für ihre Aufgaben, das war ein europäischer Spitzenwert. Und 68 Prozent setzten auf Partnerschaften mit großen Systemintegratoren wie Accenture oder Deloitte. Kurz: Deutschland war 2024 kein Sonderfall, sondern Mainstream mit Euphorie-Bonus.
Innerhalb eines Jahres hat sich auch dieses Bild gedreht:
Kennzahl
2024
2025
Veränderung
Private Cloud für sensible Daten
38%
74%
+36 PP
Public Cloud für sensible Daten
39%
21%
-18 PP
KI "kritisch für unsere Funktion"
47%
40%
-7 PP
Partnerschaften als Erfolgsfaktor
68%
22%
-46 PP
"Skilled AI Team" als Erfolgsfaktor
38%
55%
+17 PP
Security als Top-Priorität
35%
51%
+16 PP
Die Interpretation liegt nahe: Deutsche Unternehmen haben 2024 mit KI experimentiert und dabei gelernt, dass Erfolg eine solide Infrastruktur braucht. 2025 haben sie die Konsequenzen gezogen: Daten raus aus der Public Cloud, rein in kontrollierte Umgebungen. Weniger Abhängigkeit von externen Partnern, mehr Investition in eigene Teams. Weniger Euphorie, mehr Substanz.
Governance als Wettbewerbsvorteil
Der vielleicht markanteste Unterschied zeigt sich bei der Data Governance. Während weltweit nur 29 Prozent der Unternehmen ihre Governance-Prozesse vollständig in alle Arbeitsabläufe integriert haben, sind es in Deutschland 40 Prozent, ein Vorsprung von elf Prozentpunkten.
Stand: 08.12.2025
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Dieser strukturierte Ansatz zahlt sich aus: 77 Prozent der deutschen IT-Verantwortlichen sind zuversichtlich, dass ihre Infrastruktur resilient genug ist, um nach einem Ransomware-Angriff alle Daten wiederherzustellen. Global liegt dieser Wert bei nur 67 Prozent. Auch bei der Erkennung von Datenlecks zeigen sich deutsche Unternehmen selbstbewusster: 68 Prozent glauben, Sicherheitsverletzungen rechtzeitig erkennen zu können.
Der Reifegrad: Solide Mitte statt Spitzengruppe
So schätzen deutsche Unternehmen den Reifegrad ihrer Dateninfrastruktur für den KI-Einsatz ein.
(Bild: Thomas Schumacher)
Bei der Bewertung des eigenen Reifegrads ordnen sich deutsche Unternehmen überwiegend in der Mitte ein. 47 Prozent stufen ihre Dateninfrastruktur als „definiert“ ein: Richtlinien und Rahmenwerke existieren, sind aber noch nicht vollständig optimiert oder automatisiert. Global liegt dieser Wert bei 35 Prozent.
Auffällig ist die Zurückhaltung an der Spitze: Nur 4 Prozent der deutschen Befragten sehen sich in der höchsten Kategorie „optimiert“, in der KI-gesteuerte, selbstverwaltende Infrastrukturen den Betrieb prägen. Weltweit sind es immerhin 10 Prozent.
Diese Selbsteinschätzung ist weniger Ausdruck von Rückständigkeit als vielmehr von Realismus. Deutsche IT-Entscheider scheinen höhere Maßstäbe anzulegen, bevor sie sich als „optimiert“ bezeichnen; eine Haltung, die zum vorsichtigen Gesamtbild passt.
Die Studien-Methodik
Hitachi Vantara befragte weltweit 1.244 IT-Entscheider und C-Level-Führungskräfte in 15 Ländern zu Dateninfrastruktur, KI-Adoption und Cybersicherheit. In Deutschland nahmen 77 Führungskräfte an der Studie teil, davon 32 Prozent aus dem C-Level und 68 Prozent aus IT- und Cybersecurity-Funktionen. Die befragten Unternehmen beschäftigen mindestens 1.000 Mitarbeiter.
KI-Strategie geht auf
Deutsche Unternehmen berichten bei KI-Projekten etwas öfter von Erfolgen als der internationale Durchschnitt.
(Bild: Thomas Schumacher)
Die entscheidende Frage lautet: Führt der deutsche Ansatz zu besseren Ergebnissen? Die Studie liefert eine klare Antwort: Ja.
79 Prozent der deutschen Unternehmen berichten von erfolgreichen KI-Projekten, das sind vier Prozentpunkte mehr als der globale Durchschnitt von 75 Prozent. Nur ein Prozent musste Misserfolge verbuchen, während 19 Prozent eine Mischung aus Erfolg und Rückschlägen erlebten.
Die Erfolgsfaktoren unterscheiden sich dabei von anderen Märkten. Deutsche Unternehmen nennen überdurchschnittlich oft qualifizierte KI-Teams (55 Prozent) und gutes Projektmanagement (43 Prozent) als Gründe für den Erfolg. Auffällig: Nur 22 Prozent sehen Partnerschaften mit externen KI-Anbietern als Erfolgsfaktor – global sind es 37 Prozent. Deutsche Unternehmen bauen offenbar stärker auf interne Kompetenzen.
Der lange Atem: KI als Forschungsprojekt
Deutsche Unternehmen behandeln KI eher wie ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt und erwarten den Return on Investment erst langfristig.
(Bild: Thomas Schumacher)
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der zeitliche Horizont. 76 Prozent der deutschen Befragten behandeln KI wie ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt und erwarten den Return on Investment erst langfristig. Global teilen 71 Prozent diese Sichtweise.
Diese Geduld korreliert mit einer gewissen ROI-Skepsis: 45 Prozent der deutschen IT-Entscheider stimmen der Aussage zu, dass sich der ROI von KI gar nicht berechnen lässt. Weltweit sind nur 37 Prozent dieser Meinung. Bemerkenswert dabei: Nur 11 Prozent widersprechen dieser Aussage aktiv, der niedrigste Wert aller untersuchten Länder.
Diese Haltung ist weniger Resignation als Pragmatismus. Wer KI als langfristiges Transformationsprojekt begreift, löst sich vom Druck kurzfristiger Erfolgsnachweise und schafft Raum für nachhaltige Implementierungen.
Wo der Schuh drückt: Herausforderungen und Handlungsbedarf
Trotz der Erfolge sehen deutsche Unternehmen Handlungsbedarf. 87 Prozent benötigen externe Unterstützung bei ihrer Dateninfrastruktur, weniger als der globale Durchschnitt von 94 Prozent, aber immer noch eine deutliche Mehrheit.
Die konkreten Hilfebedarfe verteilen sich auf mehrere Bereiche: IT-Mitarbeiter-Schulung (33 Prozent), Datenaufbereitung (30 Prozent), nachhaltige Implementierung (28 Prozent) und den Aufbau von KI-Modellen (26 Prozent). Auffällig niedrig ist der Bedarf bei der Schulung von Endanwendern: Nur 13 Prozent sehen hier Unterstützungsbedarf, verglichen mit 25 Prozent global.
Bei den Sicherheitsbedenken zeigt sich ein interessantes Bild: Deutsche IT-Verantwortliche sorgen sich weniger um die Unfähigkeit, Daten nach Ransomware-Angriffen wiederherzustellen (21 Prozent gegenüber 35 Prozent global). Dafür bereitet ihnen die Absicherung von Budgets für Sicherheitstools (30 Prozent) und das Vertrauen von Kunden und Investoren nach Cyberangriffen (28 Prozent) mehr Kopfzerbrechen.
Die Zukunft: Moderate Erwartungen, solide Planung
Beim Blick nach vorn zeigen sich deutsche Unternehmen zurückhaltender als ihre internationalen Pendants. Die erwartete Beschleunigung der KI-Investitionen in den nächsten zwei Jahren liegt bei 62 Prozent und damit deutlich unter dem globalen Durchschnitt von 70 Prozent. Auch bei den Speicheranforderungen (64 Prozent versus 69 Prozent global) und der Einstellung KI-kompetenter Mitarbeiter (59 Prozent versus 68 Prozent global) sind die Erwartungen moderater.
Diese Zurückhaltung sollte nicht als mangelnder Ehrgeiz missverstanden werden. Sie passt zum deutschen Muster: lieber solide planen und zuverlässig liefern, als große Versprechen machen und nachbessern müssen.
Die Erwartungen künftiger Änderungen sind bei deutschen Unternehmen eher zurückhaltend.
(Bild: Thomas Schumacher)
Die Hitachi Vantara-Studie zeichnet das Bild einer bemerkenswerten Kurskorrektur. 2024 waren deutsche Unternehmen bei KI euphorischer als der Durchschnitt, ihre Infrastruktur war aber fragmentiert. Ein Jahr später hat sich das Verhältnis umgekehrt. Das Ergebnis ist eine höhere Erfolgsquote bei KI-Projekten, verbunden mit größerem Vertrauen in die eigene Cyber-Resilienz. Der deutsche Weg ist kein angeborener Kulturreflex, sondern das Resultat einer bewussten strategischen Entscheidung: Erst experimentieren, Schwachstellen erkennen, dann konsolidieren.
Dies sieht auch Petra-Maria Grohs, VP Sales & Managing Director Germany bei Hitachi Vantara, so: „Deutsche Unternehmen setzen auf Kontrolle und Datensouveränität und sind damit erfolgreicher. Das bestätigt unseren Ansatz, hybride Infrastrukturen anzubieten, die Leistung mit lokaler Datenhaltung verbinden.“ Grohs zufolge zeige die Studie vor allem: „KI-Erfolg hängt nicht davon ab, wer die schnellste Cloud hat, sondern wer seine Daten im Griff hat.“
Für Technologieanbieter bedeutet das: Der deutsche Markt hat gelernt. Statt schneller Erfolge zählen jetzt Sicherheit, Kontrolle und Datensouveränität. Wer diese Prioritäten versteht und bedient, findet in deutschen Unternehmen Partner, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und überdurchschnittliche Erfolgsaussichten mitbringen.
*Der Autor Thomas Schumacher ist Gründer und Geschäftsführer der Agentur Public Footprint.