Die KI macht aus Startups Unicorns Deutsche Einhörner

Von Ulrike Ostler 4 min Lesedauer

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Die Deutschen sind gut als Erfinder in Sachen Technik, sogar Informationstechnik, lautet ein gängiges Vorurteil, nicht aber so sehr, wenn es um die Vermarktung derselben geht. Das Unternehmen Bestbrokers, das unter anderem ein Spiel anbietet, das den Börsenhandel simuliert, hat sich nun auf die Suche nach deutschen Unicorns gemacht.

Bestbrokers liestet Überflieger in der Unternehmensbewertung. (Bild:  frei lizenziert: susan-lu4esm /  Pixabay)
Bestbrokers liestet Überflieger in der Unternehmensbewertung.
(Bild: frei lizenziert: susan-lu4esm / Pixabay)

Als Unicorns, deutsch: Einhörner, werden Privatunternehmen mit einem Wert von 1 Milliarde Dollar bezeichnet. Anhand von Daten der Business-Analytics-Plattform „CB Insights“ hat das Team von Bestbrokers herausgefunden, dass in diesem Jahr 31 der 202 milliardenschweren Start-ups in Europa in Deutschland ansässig sind, mit einer Gesamtbewertung von 82,35 Milliarden Dollar. Bemerkenswert sei, dass über die Hälfte dieser Unternehmen ihren Hauptsitz in Berlin haben.

Die Ausnahme und doch an der Spitze ist Celonis, ein in München ansässiges Datenverarbeitungsunternehmen mit einer Bewertung von 13 Milliarden Dollar. Es erreichte den Einhorn-Status bereits am 26. Juni 2018 und ist derzeit das einzige Decacorn in Deutschland. Der Begriff bezeichnet ein Unternehmen mit einem Wert von über 10 Milliarden US-Dollar.

Weitere Erkenntnisse aus dem Bericht:

Im Jahr 2024 wird es in Deutschland 31 Einhorn-Unternehmen geben, im Jahr 2023 waren es noch 29. Damit ist Deutschland das zweitgrößte Land in Europa, was Einhörner angeht, hinter Großbritannien mit 54 Milliarden-Dollar-Startups. Frankreich zählt 27 Unicorns.

Die deutschen Einhorn-Unternehmen machen 15,35 Prozent der Gesamtzahl der Einhörner auf dem alten Kontinent aus, aber sie tragen zusammen mit 82,35 Milliarden Dollar zur gesamten Einhorn-Bewertung in Europa bei, die sich auf 544,7 Milliarden Dollar beläuft. Dies entspricht einem Anstieg von 1,75 Prozent gegenüber 2023, als die Bewertung der deutschen Einhörner zusammen 80,93 Milliarden Dollar betrug.Auf Platz zwei hinter Celonis rangiert die Berliner Digitalbank N26, die mit 9,23 Milliarden Dollar bewertet wird, und auf Platz drei der Münchner HR-Software-Anbieter Personio.

Der globale Trend

Viele der privaten Unternehmen, die in diesem Jahr den Status eines Einhorns erreichen, sind - wenig überraschend, so der Bericht - KI-Startups. Von den 28 Unternehmen, deren Marktwert bis Ende Mai 2024 eine Milliarde Dollar überstiegen hat, entwickeln zwölf entweder Systeme der Künstlichen Intelligenz - etwa generative KI und große Sprachmodelle - oder setzen sie zumindest in großem Umfang in ihren Hauptprodukten und -dienstleistungen ein.

Eines dieser Unternehmen ist das in Sunnyvale ansässige Unternehmen Figure, das humanoide Allzweckroboter entwickelt. Das Unternehmen wurde 2022 gegründet und ist nach der Beschaffung von 854 Millionen Dollar an Risikokapital und Angel-Investoren wie Intel Capital, OpenAI Startup Fund, Bezos Expeditions und dem Amazon Industrial Innovation Fund bereits 2,68 Milliarden Dollar wert.

Ein weiteres interessantes KI-Einhorn ist laut BestbrokersCognition AI, ein Unternehmen aus San Francisco, das KI-Software entwickelt hat, die wie ein Software-Ingenieur funktioniert. Es handelt sich um eine KI, die programmieren und möglicherweise eines Tages selbst neue KI entwickeln kann. Das Unternehmen wurde im Jahr 2023 gegründet und hat bisher 196 Millionen Dollar eingesammelt. Sein Marktwert wird auf 2 Milliarden Dollar geschätzt.

Perplexity.ai ist einer der jüngsten Neuzugänge in der Herde der KI-Einhörner. Das Unternehmen, das das Google-Monopol bei der Internet-Suche wackeln lässt, hat in seiner vierten Finanzierungsrunde weitere 62,7 Millionen Dollar aufgebracht und hat im April 2024 eine Bewertung von mehr als 1 Milliarde Dollar erreichen.

Die größten privatwirtschaftlichen Unternehmen

Die Zahl der Unicorns haben im Mai 2024 die Zahl 1.241 erreicht, wobei der chinesische Social-Media-Gigant Bytedance die Rangliste nach Marktwert anführt. Das Unternehmen hinter Tiktok wird gefolgt vom US-amerikanischen Raumfahrtunternehmen SpaceX und dem Unternehmen OpenAI, das KI für die breite Masse zugänglich gemacht hat.

Die weltweit wertvollsten Unicorns im Jahr 2024(Bild:  CB Insights/ BestBrokers)
Die weltweit wertvollsten Unicorns im Jahr 2024
(Bild: CB Insights/ BestBrokers)

Aufgeteilt auf Länder weisen die Vereinigten Staaten mehr Einhörner als jedes andere Land auf, „und das war schon immer der Fall“, setzt der Bericht hinzu. Im Jahr 2024 stammen mehr als die Hälfte aller Einhorn-Startups aus den USA, nämlich 662, mit einem Gesamtwert von mehr als 2,153 Billionen Dollar.

Die 'Einhorn-Hauptstädte' im Jahr 2024(Bild:  CB Insights/ Bestbrokers Juni 2024)
Die 'Einhorn-Hauptstädte' im Jahr 2024
(Bild: CB Insights/ Bestbrokers Juni 2024)

Viele dieser Unternehmen wurden von Einwanderern gegründet oder anderswo gegründet, zogen aber später in die USA um. Die Anzahl der chinesischen Unicorns liegt bei 169 mit einem Gesamtwert von 641,7 Milliarden Dollar. In Indien sind 71 Einhörner im Wert von 192,24 Milliarden Dollar zu Hause.

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Nach Angaben in dem CB-Insights-Bericht schaffen es nur wenige Unternehmen eine Bewertung von 1 Milliarde Dollar oder mehr zu erreichen. Laut einer Analyse von Ilya Strebulaev und der Venture Capital Initiative in Stanford aus dem Jahr 2023 bleiben Unternehmen im Durchschnitt acht Jahre lang Einhörner.

Diejenigen, die sich dafür entscheiden, privat zu bleiben, also nicht an die Börse zu gehen, können eine größere Kontrolle über ihr Unternehmen ausüben; haben mehr Autonomie und müssen sich gegenüber weniger Aktionären verantworten. Darüber hinaus gibt es auch geringere Anforderungen an die Berichterstattung.

Laut Bericht waren bis vor einigen Jahrzehnten Börsengänge (IPOs) die beste Möglichkeit der Kapitalbeschaffung. Inzwischen wendeten sich jedoch viele Unternehmen an Risikokapitalfonds und den privaten Markt. So können sie ihre Investoren selbst auswählen, anstatt Aktien an die Öffentlichkeit zu verkaufen, was unweigerlich bedeute, dass sie die hohen Erwartungen der Aktionäre erfüllen müssten.

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