Der Magistratsbeschluss zur Aktualisierung des Gewerbeflächenentwicklungsprogramms (GEP) mit Ausweisung von Flächen für den Rechenzentrumsneubau hat im Jahr 2022 für viel Aufsehen gesorgt. Gleichwohl galt die Aktualisierung des GEP nur als Auftakt eines größeren Vorhabenpakets des Frankfurter Magistrats, um Datacenter künftig stadt- und klimaverträglich zu integrieren.
Die Stadt Frankfurt am Main weist 'Eignungsgebiete' für die Ansiedlung von Rechenzentren aus.
(Bild: Stadtplanungsamt Frankfurt am Main 61.32)
Hans-Georg Dannert ist der Leiter des Klimareferats der Stadt Frankfurt am Main. Er stellt sich stellvertretend für das Dezernat Klima, Umwelt und Frauen den Fragen von Harald Lutz über aktuelle Entwicklungen und den Stand der Dinge in der Mainmetropole.
Politik - insbesondere des Stadtplanungsamtes - ist es, für die Stadt Frankfurt am Main eine differenzierte und vielfältige Industrie- und Gewerbestruktur zu erhalten, und nicht etwa neben dem Bankensektor nun mit den Rechenzentren zwei alles dominierende Wirtschaftssektoren zu schaffen. Dennoch ist der Magistratsbeschluss wohl eher als ein symbolischer Akt zu verstehen. Denn ohne gleichzeitig Änderungen im Baurecht vorzunehmen, können und werden nach wie vor neue Datacenter auch in so genannten „Ausschlussgebieten“ im vergleichsweise kleinen Stadtgebiet der Metropole am Main oder in nur als „eingeschränkte Eignungsgebiete“ (siehe: PDF) ausgewiesenen Zonen gebaut.
Das Credo von Hans-Georg Dannert, Leiter des Klimareferats der Stadt Frankfurt am Main, stellte sich stellvertretend für das Dezernat Klima, Umwelt und Frauen: „Für Stadt und Region perspektivisch einheitliche Forderungen für die Ansiedlung neuer Rechenzentren formulieren“
(Bild: Umweltamt Frankfurt)
Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Hans-Georg Dannert: Anlass für die Erarbeitung eines Rechenzentrumskonzeptes war der starke Zubau der Rechenzentren in der Stadt Frankfurt. Dieser bringt neben einer noch stärkeren Nachfrage nach Gewerbeflächen auch Auswirkungen auf Stadtbild und Stadtklima sowie einen insgesamt sehr hohen Strombedarf mit sich.
Rechenzentren sind mittlerweile der größte „Einzelverbraucher“ im Sektor Gewerbe/Industrie und liegen noch vor dem Frankfurter Flughafen. Die aus der Kühlung der Rechenzentren entstehenden Abwärmemengen bleiben bislang ungenutzt und führen zu einer Klima- und Umweltbelastung.
Das Rechenzentrumskonzept ist im Rahmen der Aktualisierung des Gewerbeflächenentwicklungsprogrammes entstanden. Es weist zulässige Flächen für den Bau neuer Rechenzentren aus. Bauvorhaben auf anderen Flächen sind entsprechend mit einem Risiko behaftet.
Natürlich gibt es auch Bauanfragen für Standorte, die außerhalb der ausgewiesenen Rechenzentrums-Cluster-Gebiete liegen. Die Investorinnen und Investoren können sich frühzeitig von den für die Gebiete zuständigen Sachbearbeiter:innen in den entsprechenden Ämtern beraten lassen.
Für Bauanträge indes, die vor dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung beschieden wurden, greift das Rechenzentrumskonzept nicht. Die ausgewiesenen Vorranggebiete für Rechenzentren werden schrittweise mit neuen Bebauungsplänen hinterlegt.
Gleichwohl galt „die Aktualisierung des Gewerbeflächenentwicklungsprogramms (GEP) als nur ein Teil eines größeren Vorhabenpakets des Frankfurter Magistrats, um Datacenter künftig stadt- und klimaverträglich zu integrieren“, betonte noch vor einem Jahr (auf sanften Druck von Umweltverbänden) die Klima- und Umweltdezernentin der Stadt, Rosemarie Heilig. Neue Rechenzentren sollten daher mindestens nach dem Standard „Blauer Engel“ zertifiziert sein. Als nächster Schritt sei geplant, Leitlinien zu entwickeln, die sich unter anderem mit den Themen städtebauliche Qualität, Klima- und Umweltverträglichkeit sowie Ressourcenverbrauch auseinandersetzen. Ist in dieser Richtung mittlerweile irgendetwas passiert?
Hans-Georg Dannert: Tatsächlich gibt es die Leitlinien für die Rechenzentren in einem fortgeschrittenen Entwurfsstadium und wurde bereits der Branche vorgestellt. Als Nächstes werden die Leitlinien der Politik vorgestellt, die über sie entscheiden wird.
Vieles von dem, was dort enthalten ist – insbesondere die energetischen Anforderungen bezüglich der Abwärmenutzung und der Energie-eEfizienz – steht bereits in dem demnächst verabschiedeten Energie-Effizienzgesetz der Bundesregierung. Damit ist ein Teil der Vorgaben der Leitlinie gesetzlich verbindlich geregelt. Die Orientierung an Vorgaben des Blauen Engels werden in den Leitlinien empfohlen (siehe beigefügte PDF-Datei: „Entwurf Leitlinien der AG Rechenzentren für Bau und Einrichtung neuer Rechenzentren in Frankfurt am Main“).
Wie werden diese umwelt- und klimaverträglichen Leitlinien oder ein ergänzender Magistratsbeschluss für den Bau neuer Rechenzentren in Frankfurt am Main im Detail aussehen?
Hans-Georg Dannert: Inhaltlich gibt es gestalterische und städtebauliche Anforderungen, Anforderungen zur Begrünung und zur Ressourceneffizienz sowie Nachhaltigkeit. Wie schon gesagt, müssen erst noch die aktuellen Abstimmungen abgeschlossen sein. Außerdem sind die parlamentarischen Abläufe einzuhalten.
Müssen nicht auch ältere Bestandsrechenzentren und auch oftmals wenig Energie- effiziente Kleinstrechenzentren in eine klimaverträgliche Datacenter-Politk mit einbezogen werden?
Hans-Georg Dannert: In dem von Ihnen genannten Beschluss zum Gewerbeflächenentwicklungsprogramm (GEP) wurde eine stadtweite Machbarkeitsuntersuchung für die Integration von Abwärme aus Rechenzentren in die Wärmeversorgung der Stadt beschlossen. Eine erste Untersuchung dazu hat die Stadt für das Cluster in dem Gewerbegebiet Wilhelm-Fay-Straße abgeschlossen. Allerdings zeigte sich dort, dass Rechenzentren in der Vergangenheit wenig „abwärmenutzungsfreundlich“ gebaut wurden, so dass die Nutzung der Abwärme nur mit sehr großem Aufwand möglich ist.
Die aktuelle Frankfurter Stadtregierung aus einem Bündnis vier doch sehr unterschiedlicher Parteien ist ein fragiles Gebilde. Ist es nicht wahrscheinlich, dass die innovativen Konzepte und Initiativen des Planungsamtes (SPD) oder des Klima- und Umweltdezernates (Grüne) für eine nachhaltige Datacenter-Standortpolitik im Magistrat ähnlich Schiffbruch erleiden wie die ursprünglich sehr ambitionierten Bestrebungen um ein EnEfG auf Bundesebene?
Hans-Georg Dannert: Das Energie-Effizienzgesetz wurde an vielen Stellen geändert und nachge-bessert, aber es bietet für uns die Grundlage für die Forderungen, die wir an die Bran-che haben. Das Rechenzentrums-Cluster-Konzept basiert auf dem Gewerbeflächenentwicklungsprogramm und hatte zum Anlass mit den knappen Gewerbeflächen in Frankfurt am Main ausgeglichen umzugehen. Insofern besitzt die Entwicklung der Rechenzentrums-Cluster eine breite Unterstützung.
Stand: 08.12.2025
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Wie wird oder kann es aus ihrer Sicht für die Stadt Frankfurt am Main und ggf. auch für die Region mittelfristig weitergehen?
Hans-Georg Dannert: Sinnvoll wäre, wenn in der Region vergleichbare Forderungen an die Rechenzentrumsbranche für die Ansiedlung neuer Rechenzentren gestellt werden. Dazu hat der Regionalverband eine übergeordnete Arbeitsgruppe gegründet, in der die Stadt Frankfurt am Main gemeinsam mit anderen großen Städten der Region wie Offenbach und Hanau sowie auch kleineren Kommunen zusammenarbeitet. Ziel ist es, für alle Kommunen im Rhein-Main-Gebiet, in denen es Neuansiedlungen von Rechenzentren gibt, Leitlinien zur Ansiedlung von nachhaltigen Rechenzentren bereitzustellen.