Datacenter-Ausfälle und Schäden Hardware ist größte Problem­quelle für Knock-outs

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Nur ein Viertel aller Rechenzentren ist im Jahr 2022 ohne Schaden durchs Jahr gekommen – Hauptursache sind Hardwareprobleme. Die zwei Ergebnisse stammen aus einer aktuellen Untersuchung der Technogroup zu Herausforderungen und Strategien von Datacenter-Betreibern im deutschsprachigen Raum.

Hardware, Software und menschliche Fehler sind die wichtigsten Gründe für Störungen und -Ausfälle in Rechenzentren des deutschsprachigen Raums.(Bild:  Technogroup)
Hardware, Software und menschliche Fehler sind die wichtigsten Gründe für Störungen und -Ausfälle in Rechenzentren des deutschsprachigen Raums.
(Bild: Technogroup)

Eine aktuelle Studie der Technogroup befasst sich mit Herausforderungen von Rechenzentrumsbetreibern und Lösungsstrategien. Besonders interessant: Die 406 Befragten kommen zur Hälfte aus Deutschland und ansonsten aus Österreich und der Schweiz.

Der Schwerpunkt liegt bei typischen Mittelständlern (500 bis 5.000 Mitarbeiter). Nur rund 20 Prozent der Teilnehmer stammen aus Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern.

Nur ein Viertel hat 2022 keine Störungen erlebt

Nur ein Viertel der Befragten können auf ein störungsfreies Datacenter-Jahr 2022 zurückblicken. Dominante Störungs- oder Ausfallursache ist defekte Hardware (42 Prozent) gewesen, gefolgt von fehlerhafter Software (39 Prozent) und menschlichen Fehlern (35 Prozent).

Beunruhigende 33 Prozent haben Störungen und Unterbrechungen aufgrund externer Einflüsse verzeichnet. Davon entfallen 21 Prozent auf Cyber-Angriffe und 12 Prozent auf Umwelteinwirkungen wie Stromausfälle. Mehrfachnennungen sind bei den Ausfallursachen möglich.

Menschliche Fehler (Platz 3, 35 Prozent) werden besonders häufig von den von den Infrastruktur- und Betriebsverantwortlichen der Rechenzentren aufgeführt (59 Prozent). Das verwundert nicht, da sie solche Fehler direkt beobachten oder als erste darauf aufmerksam werden.

Umgang mit der Chipkrise

Technogroup interpretiert die zahlreichen Hardware-Ausfälle als mögliche Folge der bestehenden Lieferkettenprobleme im Gefolge von Corona und Ukraine-Krieg. Auch die Chip-Sanktionen der USA könnten, so Arnd Krämer, Geschäftsführer der Technogroup, die Situation erschweren.

Die wichtigsten Ursachen für Datacenter-Ausfälle und -Störungen im deutschsprachigen Raum 2022. Ganz oben: Hardware.(Bild:  Technogroup)
Die wichtigsten Ursachen für Datacenter-Ausfälle und -Störungen im deutschsprachigen Raum 2022. Ganz oben: Hardware.
(Bild: Technogroup)

Der Chipmangel beeinträchtigt zwischen 20 und 28 Prozent der Unternehmen stark, am wenigsten die kleinsten und am meisten die größten. Die Lieferengpässe sind vor allem durch Akzeptanz längerer Lieferzeiten (61 Prozent), höhere Preise und das Verschieben von Anschaffungen (je 47 Prozent) kompensiert worden. Weitere Methoden: Infrastrukturerweiterungen werden verschoben, immerhin 28 Prozent weichen auf Refurbished-Hardware aus, 19 Prozent mieten oder leasen Hardware.

Mehr Nachhaltigkeitsbewusstsein

Gleichzeitig steigt das Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen: 84 Prozent halten das Thema für sehr oder eher wichtig. Dabei sind Österreich (88 Prozent) und die Schweiz (89 Prozent) „grüner“ als Deutschland (80 Prozent).

In Deutschland ist der IT-Bereich nur bei 37 Prozent der Befragten Teil des unternehmensweiten Nachhaltigkeitskonzepts – in Österreich sind es 61 Prozent, in der Schweiz 39 Prozent. Das deutsche IT-Verhalten ist also keineswegs besonders grün.

Wichtigste Nachhaltigkeitsmaßnahmen sind umfassende Green-IT-Konzepte (43 Prozent), Hardware-Recycling (42 Prozent), eine gezielte Reduktion des ökologischen Fußabdrucks (41 Prozent) und der Verkauf gebrauchter Hardware zur Weiternutzung (30 Prozent) oder als Gebrauchtware (25 Prozent).

Refurbished-Hardware wird beliebter

Dabei ist Second-Use-Hardware in Österreich und der Schweiz (34 Prozent) beliebter als in Deutschland (22 Prozent). Mieten und Leasen ziehen 28 Prozent der österreichischen, 21 Prozent der schweizerischen und 14 Prozent der deutschen Befragten vor.

Deutsche Unternehmen sind weder von Gebraucht-Hardware noch von Mieten oder Leasen besonders begeistert.(Bild:  Technogroup)
Deutsche Unternehmen sind weder von Gebraucht-Hardware noch von Mieten oder Leasen besonders begeistert.
(Bild: Technogroup)

Immerhin 19 Prozent setzen viel, 42 Prozent etwas Refurbished-Hardware en. 35 Prozent verzichten darauf. 2020 waren das noch 78 Prozent. Wer es nicht tut, verweist vor allem auf Garantiefragen und Qualitätsunsicherheiten (je 49 Prozent). Weitere Gründe sind vermutete Wartungsprobleme, die Herstellerverträge und die Firmwareversorgung, bestehende Firmenrichtlinien und fehlendes Angebot.

Schäden: Viele verlieren bis 100.000 Euro

Die Schäden bei Störungen und -Ausfällen im Rechenzentrum haben sich 2022 pro Unternehmen auf überwiegend unter 100.000 Euro (79 Prozent) summiert. Davon haben 14 Prozent überhaupt keinen finanziellen Schaden.

Wer Pech hat, ist allerdings auch mit erheblich mehr dabei: 100.000 bis unter 500.000 Euro verlieren 12 Prozent, über 500.000 Euro vier Prozent. Erstaunliche fünf Prozent können den Schaden nicht beziffern.

Deutsche Unternehmen sind weder von Gebraucht-Hardware noch von Mieten oder Leasen besonders begeistert.(Bild:  Technogroup)
Deutsche Unternehmen sind weder von Gebraucht-Hardware noch von Mieten oder Leasen besonders begeistert.
(Bild: Technogroup)

Davon, wie hoch Schäden sind, bekommen die Verantwortlichen (CIO/I&O-Verantwlrtliche, Abteilungs- und Teamleiter) naturgemäß um so mehr mit je höher sie in der Unternehmenshierarchie angesiedelt sind. Am wenigsten wissen operativ tätige Personen über die Schäden – hier geben nur 33 Prozent Schäden über 50.000 Euro an, obwohl sie im Gesamtkontingent zu 46 Prozent vorkommen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu RZ- und Server-Technik

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Die Auswirkungen des Fachkräftemangels

Menschliche Fehler, so Technogroup, könnten durch den Fachkräftemangel gehäuft auftreten sein. Er führe zu Fehl- oder Unterbesetzungen und Überlastung.

Am meisten klagen die größten Unternehmen. Hier sehen sich 37 Prozent durch den Fachkräftemangel stark beeinträchtigt. Bei den Unternehmen mit Belegschaften zwischen 100 und 250 gilt das für 16 Prozent, die Werte steigen mit der Größe an (250 bis 500: 27 Prozent, 500 bis 5000: 35 Prozent, Durchschnitt 31 Prozent).

Ein wenig fühlen sich aber im Durchschnitt 51 Prozent beeinträchtigt. Gar nicht vom Fachkräftemangel betroffen wähnen sich 14 Prozent der Großunternehmen, aber 24 Prozent der kleineren Firmen. Dies lässt sich unter Umständen so interpretieren, dass kleinere Unternehmen bestehenden Personallücken flexibler begegnen, zum Beispiel durch Weiterbildung eigener Kräfte.

Deutschland leidet besonders

Der Fachkräftemangel ist laut Technogroup in Deutschland am größten: Hier sagen 37 Prozent der Befragten, er beeinträchtige sie stark, 48 Prozent verzeichnen eine geringe Beeinträchtigung und 14 Prozent sehen sich nicht betroffen.

Die Daten für Österreich: 31 Prozent stark, 45 Prozent gering, 24 Prozent nicht tangiert. In der Schweiz sehen sich 18 Prozent stark in Mitleidenschaft gezogen, 65 Prozent gering und 14 Prozent gar nicht.

Qualitäts- und Garantie-Unsicherheiten sind die wichtigsten Gründe dafür, keine runderneuerte Hardware zu verwenden.(Bild:  Technogroup)
Qualitäts- und Garantie-Unsicherheiten sind die wichtigsten Gründe dafür, keine runderneuerte Hardware zu verwenden.
(Bild: Technogroup)

Die Unternehmen, die angeben, von Fachkräftemangel im Rechenzentrum betroffen zu sein, sollen beantworten, inwieweit Outsourcing von Standardaufgaben hilfreich sein könnte. 18 Prozent sind sich hier sicher, dass das Auslagern hilfreich ist, 54 Prozent halten es für wahrscheinlich, 20 Prozent für unwahrscheinlich und 5 Prozent schließen das sicher aus. Besonders outsourcing-freundlich zeigen sich die I&O-Verantwortlichen; 39 Prozent von ihnen halten Outsourcing für sicher hilfreich.

Operative Kräfte misstrauen dem Outsourcing

Von den Teamleitern finden dagegen 18 Prozent, Outsourcing helfe wahrscheinlich nicht und 10 Prozent sind sich sicher, dass es nichts nützt. Bei den operativen Kräften zweifeln sogar 41 Prozent am Outsourcing-Sinn und 7 Prozent sind sicher, dass es keine geeignete Maßnahme darstellt. Das kann damit zu tun haben, dass sie dadurch ihre Funktion bedroht sehen.

Operatives Personal hält vom Outsourcing der Standardaufgaben wenig.(Bild:  Technogroup)
Operatives Personal hält vom Outsourcing der Standardaufgaben wenig.
(Bild: Technogroup)

Am ehesten setzen Unternehmen mit 250 bis 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf Outsourcing; hier sind sich 28 Prozent ganz sicher und weitere 55 Prozent relativ sicher über dessen Erfolg.

Bei allen anderen Unternehmensgrößen liegen die Zustimmungswerte darunter. Am geringsten sind sie bei den Unternehmen über 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit 63 Prozent für ganz sicher/wahrscheinlich, dass Outsourcing nützt.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:49487083)