Klimaneutralität, gestiegene Energiepreise und auseinandergerissene Lieferketten. Der Datacenter-Markt ist von vielen Trends getrieben. Umso wichtiger ist es, einen sozial und ökologisch nachhaltigen Rechenzentrumsbetrieb zu gewährleisten.
Dass Eis, Wurst, Käse, Champagner und Möhren zur Aufbewahrung nicht in den Ofen gehören, ist jedem ersichtlich. Dass Server, Router, Storage-Devices und Switches in getrennte Klimazonen gehören, sollte ebenso selbstverständlich sein. Einhausungen ermöglichen solche Klimazonen im Rechenzentrum.
(Bild: koldunova - stock.adobe.com)
In einem Rechenzentrum geht es heutzutage nicht nur darum, Rechenleistung und starke Prozessoren sowie Storage-Systeme bereitzustellen, sondern auch eine effiziente, nachhaltige und sichere Umgebung zu managen. Das geht weit über den Energie-effizienten Serverbetrieb hinaus. Auch das Gebäude und somit auch das Gebäudeleitsystem spielen eine wesentliche Rolle.
Vom Cooling und Energie-Management über rechtzeitige Alarmierungen, geht es hier um ein holistisches Monitoring aller Systeme. Dazu müssen viele Daten zusammengeführt und in Echtzeit ausgewertet werden.
Michael Sauerzapf, verantwortlich für Datacenter Infrastructure and Facility bei der REWE International AG, erläutert, was es bedeutet, in volatilen Zeiten den Rechenzentrumsbetrieb zu leiten. Er benennt seine Einschätzung dazu und gewährt exklusive Einblicke in seine Lösungsstrategien.
Über Michael Sauerzapf
Die derzeitige Position, die Michael Sauerzapf bekleidet, ist die des Rechenzentrumsbeauftragten der REWE International AG.
(Bild: Steve Brookland)
Michael Sauerzapf ist ein IT-Problemlöser mit einer soliden Basis in der IT Infrastruktur. Seine berufliche Reise hat ihn unter anderem von Böhringer Ingelheim, wo er als Principal System Engineer die Integration von komplexen Laborsystemen in die vorhandene IT Infrastruktur begleitet und umgesetzt hat, über die Flughafen Wien AG, als IT Operations Admin, mit Systemintegration, System- und Datacenter Überwachung zu seiner Aufgabe als Rechenzentrumsbeauftragter der REWE International AG geführt. In dieser Funktion trägt er heute die Verantwortung über die Sicherstellung des Datacenter-Betriebes und kümmert sich um Energie-Management- und Innovationsthemen.
Expert:innen haben Rechenzentren in Europa als einen der am schnellsten wachsenden Energieverbraucher identifiziert. „Wir im Rechenzentrum sind einer der größten Stromverbraucher in der IT-Industrie. Uns Gedanken hinsichtlich Nachhaltigkeit, Energie-Effizienz und Energie-Management zu machen, ist daher Pflicht“, so Michael Sauerzapf.
Aber es bestehe auch eine Verpflichtung den Unternehmen und der Wirtschaft gegenüber, Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit zu garantieren. Hier steht die Sicherstellung des Betriebes für Sauerzapf immer im Vordergrund. Denn: „Ohne IT kein Geschäft”. Das ist in vielen Branchen Realität.
Die Verantwortung zur Nachhaltigkeit und der unternehmenseigene Nutzen passen ihm zufolge aber gut zusammen. Die Ausfallsicherheit muss gegeben sein, gleichzeitig muss das Energie-Management professionalisiert und im Auge behalten werden.
Hier und dort
Dieser Trend ist auch international zu bemerken. Laut Uptime Institute haben nur 3 Prozent aller Unternehmen und Verantwortlichen aller Rechenzentrumsbetreiber:innen im DACH-Raum gesagt, dass sie nicht in die bestehende Infrastruktur investieren werden. Im Umkehrschluss investieren also 97 Prozent.
Auch die REWE International AG hat Sanierungen vorgenommen. Sauerzapf hat sich besonders dafür eingesetzt: „Zum einen ist der sichere Betrieb das Wichtigste, aber ich sehe auch ein steigendes Risiko bei nicht mehr verfügbaren Ersatzteilen für veraltete Kälte-Anlagen. Das war für uns ein maßgeblicher Treiber für diese Entscheidung zur Modernisierung.“ (Auf der Veranstaltung „Forum IT: Data Center Austria“ können Leser Michael Sauerzapf persönlich antreffen - siehe: Kasten. DataCenter-Insider ist Medienpartner. )
Der Nachhaltigkeitsaspekt kommt immanent daher: „Ein effizienteres Cooling spart natürlich sehr viel Energie und trägt einen wesentlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit des gesamten Rechenzentrums bei.“
Die Einhausung
Die Lösung für die REWE International AG ist ein intelligentes und effizienteres Cooling durch Kaltgangeinhausungen. Diese Investition erlaubt eine bessere und gezieltere Steuerung der Klimatechnik. Dabei hat die alte Anlage ausgedient und wird komplett ersetzt, inklusive aller notwendigen Installationen und Verrohrungen.
Das Ganze funktioniert aber nicht ohne neue Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik, die ebenfalls neu verbaut wird. Denn eines ist sicher: Mit den richtigen Anlagen und guter Software ist viel an Effizienz zu gewinnen.
Stand: 08.12.2025
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ForumIT: Data Center Austria
Bei Besuch der Veranstaltung "IHM Forum" bekommen Leser von DataCenter-Insider 20 Prozent Rabatt auf die Teilnahmegebühr.
(Bild: imh-forum)
Die Veranstaltung „ForumIT: Data Center Austria“ will Besuchern ermöglichen, über den Tellerrand zu schauen und neue Ideen zu sammeln. Zugleich ist es ein Treffen von Branchenexperten und potenziellen Geschäftspartnern, also eine Gelegenheit zum Networking.
Das Event findet in Wien an zwei Tagen, am 6. und 7. September 2023, in dem Hotel 'Roomz Vienna Prater' statt.
Inhaltlich stehen auf der vollen Agenda Chancen und Risiken durch die gesetzlichen EU-Effizienzanforderungen an die Rechenzentren, Künstliche Intelligenz, deren Möglichkeiten, aber auch um deren Macht und die Verantwortung von denen, die sie nutzen, um die Digitalisierung der elektrischen Energieversorgung, die NIS 2.0 Direktive ebenso wie um die Dauerbrenner Abwärme, Kühlung und USV sowie eine ganzheitliche Betrachtung auf das Datacenter bis hin zum Rechenzentrumsbau - jetzt und in Zukunft.
Auch Michael Sauerzapf können Besucher dort treffen. Am 7. September hält er um 09:45 Uhr einen Vortrag zu „Lebensmittel Handel im Umbruch: Strategische Ausrichtung eines Rechenzentrums“. Es geht um
„Energie-Effizienz und Nachhaltigkeit im Rechenzentrum“,
„das Rechenzentrum als Enabler des Unternehmens“
„das eigene Rechenzentrum – Ballast oder Freiheit?“
Leser von DataCenter-Insider bekommen bei Anmeldung einen Rabatt von 20 Prozent.
Die Erneuerung der Kältetechnik ohne Ausfall im laufenden Betrieb stellt dabei eine besondere Herausforderung dar: Das braucht gute Koordination, da eine ständige Kälteversorgung gewährleistet sein muss. Eine besonders wichtige Rolle spielte dabei die Planung wie die vorhandenen Gegebenheiten bestmöglich genutzt werden können. Bei einer Außentemperatur von 12 Grad, kann die Luft auch gleichzeitig zum Kühlen verwendet werden.
Diese Dinge schon in der Entwurfsphase zu beachten und versuchen Synergien zu schaffen, ist ausschlaggebend. Fein-Tuning und gutes Einstellen der Kaltgangeinhausungen ist ebenfalls essenziell, dabei kommt es auf ein gutes Delta zwischen den Kaltgängen und Warmgängen an.
Zusammengefasst: Eine der wichtigsten Stellschrauben, um Energie zu sparen und nachhaltiger zu werden ist es, Cooling und Energie sinnvoll und zielgerichtet aufzuwenden. Denn bei der Klimatechnik gilt: Jede Minute, in der die Kompressoren nicht laufen müssen, ist gesparte Energie. Das trägt zur Nachhaltigkeit bei und bietet einen wirtschaftlichen Vorteil.
IT-OT Konvergenz ist ausschlaggebend
Neben dem Nachhaltigkeitsgedanken sind aber auch die steigenden Energiepreise regelmäßig auf der Tagesordnung: Es ist natürlich eine große Herausforderung, im Rechnungszentrumsbetrieb diesen Spagat zu schaffen.
Das Spannende dabei sei, dass der Datacenter-Betrieb rund um die Uhr aufrecht sein muss, erläutert Sauerzapf, und ergänzt: „Die Verfügbarkeit muss gegeben sein, also redundant und hochverfügbar. Die Runtime zu reduzieren kommt daher als Energiesparmaßnahme nicht in Frage. Was wir jedoch können, ist die Energie intelligenter zu steuern, sprich effizienter zu nutzen. Dazu brauchen wir neben aktuellen Anlagen und Software auch genaue Daten. Zum Beispiel zur Versorgung über die Netzqualität und spezielle Daten über den Betrieb des Rechenzentrums. Das geht nur mit speziellem Monitoring und einer Echtzeitüberwachung.“ Auf Basis dieser Daten könne man eingreifen und das Rechenzentrum effizienter steuern.
Die IT-OT-Konvergenz werde somit immer ausschlaggebender. Darunter versteht Sauerzapf die Integration von Systemen der Informationstechnologie (IT) zur Bewältigung datenzentrischer Aufgaben mit Systemen der Betriebstechnologie (OT, Operational Technology) für die Überwachung von Ereignissen, Prozessen und Geräten.
Gefragtes Know how
Deshalb ist aktuell IoT-Know-how auch bei der REWE International AG sehr gefragt und das heißt auch, dass überlappende Teams immer mehr zur Selbstverständlichkeit werden. Generell sieht Sauerzapf am Data-Center-Markt ein Bedürfnis an noch mehr OT-Wissen zum Betreiben einer IT-Infrastruktur, aber auch immer mehr IT-Wissen in OT-Fachabteilungen.
Die Idee dahinter ist immer dieselbe: Egal wie groß oder klein eine IT-Infrastruktur oder ein Rechenzentrum ist, um die Effizienz nachhaltig zu steigern, muss man wissen, wo man anfangen muss. Wie so oft steht am Anfang die Erhebung des Ist-Zustands. Daran sieht man, wie effizient agiert wird und wo gegebenenfalls angesetzt werden muss. Auch das geht aber nicht ohne qualitativ hochwertige Daten. Erst wenn die Überwachung der Infrastruktur gegeben ist, kann man gezielt Aktionen setzen, planen, investieren und aussagekräftige Prognosen erstellen.
Diese gezielten Aktionen seien essenziell, da ein Rechenzentrum, so Sauerzapf, keine Blackbox sei, in der Server wohnen. „In Wirklichkeit ist das Rechenzentrum nicht nur das Herz einer modernen IT, sondern auch das zentrale Nervensystem, indem künftig speziell die IT-OT-Konvergenz, IoT-Themen und Operation and Technology gesteuert und überwacht werden.“