Materialkosten sind im europäischen Vergleich ein besonders deutsches Problem. Europaweit entscheidend: Fachkräftemangel, extremes Wetter, Bedenken über die Auftragslage. Dem Einsatz nachhaltigerer Ansätze sprechen Bauleiter in Deutschland eine hohe Relevanz zu, zeigen sich aber bei ihren Umsetzungserfahrungen gespalten.
Datacenter-Umsetzer nennen Materialkosten, Fachkräftemangel, Wetterextreme und eine unsichere Auftragslage als ihre größten Sorgen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Steigende Kosten für Material und Ausrüstung liegen im Ranking der Hindernisse beim Rechenzentrenbau noch vor dem Fachkräftemangel, Unsicherheiten am Auftragsmarkt und extremen Wetterbedingungen. Beurteilt haben die schwerwiegendsten Probleme die Umsetzer von Rechenzentrenprojekten in Deutschland im Rahmen einer Erhebung des Anbieters mobiler Energie-, Kühl- und Heizinfrastruktur Aggreko.
Dafür hat das Marktforschungsunternehmen Censuswide 2024 insgesamt 495 Bauleiter von Datacenter-Projekten in acht europäischen Schlüsselmärkten befragt, darunter 52 Spezialisten in Deutschland. Mehr als die Hälfte von ihnen (Mehrfachantworten waren generell möglich) gibt Materialkosten als entscheidenden Besorgnisfaktor an.
Dass dies ein besonders akutes Problem für deutsche Datacenter-Umsetzer darstellt, zeigt ein Vergleich mit den europaweiten Ergebnissen. Hier nennen 33 statt 52 Prozent der Befragten Materialkosten als bedeutende Sorgen. Für Bauleiter in nordischen Staaten stellt eher der Fachkräftemangel ein Hauptproblem dar, für ihre Kollegen in Frankreich eine unsichere Auftragslage.
Trotz Datacenter-Boom – Bedenken wegen Auftragsperspektiven
Die wichtigsten Ergebnisse der Aggreko-Befragung deutscher Datacenter-Bauleiter
(Bild: Aggreko)
Die Kosten für Baustoffe in Deutschland steigen nicht zuletzt aufgrund eines Produktionsrückgangs in vielen Sektoren, die für den Rechenzentrumsbau entscheidend sind, so Aggreko. Hinzu kämen instabile Lieferketten.
Genauso kritisch für neue Datacenter-Projekte sind auch aus Aggreko-Perspektive Stromengpässe – diese waren allerdings nicht Teil der Befragung. Gemeinsam bieten diese Faktoren eine plausible Erklärung dafür, dass trotz des Baubooms im Datacenter-Markt 38 Prozent der befragten Bauleiter angeben, dass ein erwarteter Rückgang bei neuen Projekten sich bereits heute auf ihrer Tätigkeit auswirkt.
Zugleich liefern die Ergebnisse eine sehr spezifische Perspektive der Projektumsetzer, die Erfahrungen der Entwickler und Kunden ergänzen kann. Das zeigt sich im Fokus der Bauleiter auf Ausrüstungsprobleme (zwei Drittel beklagen Ineffizienzen auf der Baustelle durch falsch dimensionierte Ausrüstung) und in den berichteten Beeinträchtigungen durch extreme Wetterbedingungen: 27 Prozent der Bauleiter in Deutschland betonen extreme Hitze, 29 Prozent verweisen auf Frostphasen.
Umweltfreundlichere Technologien setzen sich stärker durch – unter deutlichen Rentabilitätsbedenken
Ob sich umweltfreundlichere Infrastrukturprodukte auch aus Sicht der Auftragsausführer bereits wirtschaftlich rentieren, ist unter den befragten Bauleitern in Deutschland umstritten. Während ein Drittel angibt, nachhaltigere Infrastrukturansätze gerade mit Aussicht auf niedrigere Betriebskosten umzusetzen, erklärt die Hälfte der Bauleiter hohe Kosten zu einem wichtigen Bremsfaktor.
Dabei setzen 31 Prozent der befragten Bauleiter in Deutschland in ihren Datacenter-Projekten ölfreie Druckluft-Kompressoren ein, während bei 23 Prozent Batteriespeichersysteme und bei 21 Prozent grüne Kraftstoffe wie Wasserstoff und Bioethanol zum Einsatz kommen. Für 35 Prozent der Respondenten spielen nachhaltigere Technologien hingegen überhaupt keine nennenswerte Rolle – das sind 7 Prozent mehr als im europäischen Vergleich.
Die Antworten von 52 befragten Datacenter-Bauleitern in Deutschland auf die Frage: Welche Hindernisse gibt es – falls überhaupt – bei der Nutzung neuer „grünerer“ Technologien vor Ort? (Mehrfachauswahl möglich).
(Bild: Censuswide / Aggreko / Canva)
Auch diese Ergebnisse bestätigen, dass bei vielen Rechenzentrenbauten jenseits von Leuchtturm-Projekten Rentabilitätsbedenken beim Einsatz nachhaltigerer Strom-, Kühlungs- und Backup-Ansätze oft weiterhin überwiegen. Pauschalisieren lässt sich das allerdings nicht. Immerhin geben 37 Prozent der Bauleiter an, umweltfreundlichere Technologien primär auf ausdrücklichen Kundenwunsch einzusetzen. Eine knappe Hälfte der Befragten betont zudem, dass auch aus ihrer Perspektive die Reduktion von Kohlenstoffemissionen ein zentrales Motiv für den Einsatz grünerer Technologien sei.
Nachhaltigkeit ist europaweites Thema, Regulierungsverstöße gehören aber zum Alltag
Bauleiter in Deutschland sind zudem aktiv in die Messung des ökologischen Fußabdrucks der von ihnen errichteten Rechenzentren involviert. Während 55 Prozent dabei auf Informationen ihrer Zulieferer vertrauen, nutzen darüber hinaus 66 Prozent der Befragten Lebenszyklen-Analysen, 63 Prozent direktes Monitoring und ebenfalls 63 Prozent zusätzlich KI-Tools (Künstliche Intelligenz) zur Bestimmung des Umwelteinflusses.
Nur für 11 Prozent der Befragten ist dieser nicht relevant. Gleichzeitig geben aber beeindruckende 81 Prozent der Respondenten an, dass gesetzliche Compliance-Anforderungen nicht immer auf der Baustelle umgesetzt werden – mehr als im europäischen Vergleich (77 Prozent).
Generell stimmen dabei deutsche Bauleiter mit ihren europäischen Kollegen überein, dass Nachhaltigkeit sich in den letzten drei Jahren zu einem immer relevanteren Thema entwickelt hat (83 Prozent respektive 78 Prozent). Bei spezifischeren Fragen zeichnet sich ein stärker differenziertes Bild.
Stand: 08.12.2025
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So zählen zwischen britischen Datacenter-Bauleitern gesetzliche Anforderungen (37 Prozent) deutlich vor Kundenwünschen und Emissionsreduktion zum wichtigsten Grund für den Einsatz nachhaltigerer Ansätze. Bei ihren französischen und irischen Kollegen belegen Umwelt-Motive hingegen noch deutlicher als bei deutschen Umsetzern die ersten Positionen zwischen den Antworten. Die relativ kleinen Respondentengruppen (52 Bauleiter in Deutschland und Großbritannien, 59 in Frankreich) sollten dabei allerdings relativierend beachtet werden.