Frank Zachmann ist seit September 2022 der Managing Director in der Region Deutschland Österreich und der Schweiz von NorthC Datacenters, einem Co-Location Provider aus den Niederlanden. Das Unternehmen hat sich die Gründung zahlreicher Edge-Rechenzentren vorgenommen. Wie das vonstatten gehen soll, was daran smart, öko und einmalig ist, breitet er im Interview mit Ulrike Ostler, Chefredakteurin von DataCenter-Insider, aus.
Viele Teile ergeben ein Ganzes - jedenfalls ist das von NorthC geplant: viele Rechenzentren in Europa auf Tier-II-Standorte verteilt, mit regionalen Ansprechpartnern und Öko-Design aber mit gleicher Qualität und einheitlichem Zugang, eben einer Plattform.
(Bild: Xaver Klaussner - stock.adobe.com)
Frank Zachmann ist ein echter Branchenpionier. Er verfügt über 25 Jahre Erfahrung und gestaltet bereits seit dem Ende der 90er Jahre den Markt der Co-Location-Anbieter in Deutschland aktiv mit. Er arbeitete unter anderem als Vice President Business Development EMEA für Co-Location-Betreiber Equinix sowie als Group Director Marketing & Strategy beim Konkurrenten Interxion.
Branchenpionier Frank Zachmann ist als Managing Director bei NorthC sowohl für die Leitung und das Management der deutschen Gesellschaft als auch für die Expansion der NorthC-Gruppe in der gesamten DACH-Region verantwortlich.
(Bild: NorthC)
Herr Zachmann, Sie sind ein bekanntes Gesicht in der Datacenter-Brache. Geht es Ihnen gut und was treibt Sie zu NorthC?
Frank Zachmann: Mir geht es auch deswegen gut, weil ich jetzt seit dem 1. September in Amt und Würden bei NorthC bin. Allerdings haben NorthC und ich uns schon seit über eineinhalb Jahren annähern können, so dass ich das Unternehmen schon bei den ersten Überlegungen unterstützt habe, wie man denn eine Portfolio an Rechenzentren in den deutschsprachigen Märkten aufbauen kann – sozusagen ein Support und Kennenlernen behind the scenes.
Und im Rahmen dieser Zusammenarbeit bin ich dann auch auf den ein- oder anderen früheren Weggefährten getroffen, der die Idee gut findet, dass das, was wir an anderer Stelle mit etwas größerem Footprint in der Riege der üblichen Verdächtigen und den üblichen Locations aufbauen, auf einen kleineren, flexibleren und dezentraleren Maßstab zu bringen. Das war ja das, wofür ich mich auch während meiner Beratungszeit schon interessiert habe: Wie lässt sich die physikalische Infrastruktur, kleiner, smarter und dezentraler verteilen? Nachdem ich dann das dritte Mal gefragt wurde, ob ich nicht direkt einsteigen möchte, konnte ich dann auch nicht mehr widerstehen.
Wo kommt NorthC her? Von wem wurde sie ins Leben gerufen?
Frank Zachmann: Die Firma ist jetzt etwas mehr als vier Jahre alt und hat ihren Sitz in Holland, in Amsterdam. Sie entstand 2019 durch die Fusion von TDCG und NLDC, zwei niederländischen Rechenzentrumsanbietern. Somit hatten wir von Anfang an bereits Kunden, mit denen wir wachsen konnten. Durch die Fusion wurde das Unternehmen zum größten lokalen Rechenzentrumsanbieter. Seit 2020 trägt das Unternehmen die Firmenbezeichnung NorthC.
Das Unternehmen hat die Absicht, zum führenden Anbieter regionaler Rechenzentrumsdienste in Europa zu werden, mit einem Netzwerk von miteinander verbundenen Einrichtungen und Fachwissen auf nationaler Ebene, beginnend mit dem Wachstum in der überwiegend deutschsprachigen DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz). Das soll unter anderem erlauben, Co-Location kleinteiliger anzubieten, eben für die Unternehmen einer Region.
Angefangen hat es wie gesagt in den Niederlanden, wo wir nicht wie die Konkurrenz in die Amsterdamer Gegend wollten, sondern zum Beispiel auch mit Hubs nach Groningen und Rotterdam. Heute verfügt NorthC in den Niederlanden mittlerweile über 11 Rechenzentren im ganzen Land. Das ist also eine Erfolgsgeschichte.
Welche Größe haben die niederländischen Rechenzentren?
Frank Zachmann: Der Blueprint liegt bei 4 oder 5 Megawatt pro Datacenter.
Das Wachstum für NorthC kommt dann hauptsächlich durch die Internationalisierung?
Frank Zachmann: Ja, mittlerweile ist daraus ein europäisches Unterfangen geworden. Auch die Stoßrichtung war klar - mit Deutschland als dem größten und wichtigsten Markt und letztlich mit dem gesamten deutschsprachigen Raum.
So ist NorthC im April 2022 durch die Übernahme von den drei Rechenzentren sowie den Connectivity Services von Netrics in den Schweizer Markt eingetreten: Zwei Rechenzentren befinden sich in Münchenstein, in der Nähe von Basel, und eines in Biel – mit einer Gesamtfläche von rund 13.000 Quadratmetern, über 7,5 Megawatt Stromkapazität und Möglichkeiten zur weiteren Expansion. Die Rechenzentren sind über ein High Speed Backbone-Netz auf Glasfaserbasis miteinander verbunden.
Nehmen die wie sie sagen 'dezentralisierten Rechenzentren' anderen Datacenter-Betreibern Geschäft weg oder sehen Sie in dieser Organisation einen zusätzlichen neuen Markt?
Frank Zachmann: Das ist aus meiner Sicht ein ganz neuer Markt. Wenn man den verschiedenen Studien glauben mag, sind das in den kommenden Jahren Hunderte von Megawatt, die mit solchen Rechenzentren dazukommen werden. Dahinter steckt zu einem die Logik, dass das Datenvolumen exponentiell wächst, während die Serverzahlen aufgrund der zunehmenden Rechnerleistungsfähigkeit linear steigen. Also braucht man mehr Kapazität. Auf der anderen Seite steht die Absicht mehr in die Fläche zu gehen, um näher an den Kunden zu rücken. Aber es ist eindeutig additiv und nicht als Ersatz oder Wettbewerb zu sehen.
Stand: 08.12.2025
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Es gibt auch unter den großen Anbietern von Rechenzentrumsdienstleistungen unterschiedliche Vorgehensweisen: Die einen haben am liebsten Großkunden, an die gleich komplette Hallen vermietet werden. Die anderen mögen es kleinteiliger, mit vielen verschiedenen Kunden. An wen richten Sie ihr Angebot? An die Mittelständler?
Frank Zachmann: Wir als NorthC sehen das als ein Mix aus beidem. Wir können von einigen Konzernen berichten, die sagen: Mensch das ist ja prima, dann haben wir auch eine Plattform, von der wir auch einmal 1 Megawatt oder 2 Megawatt bedienen können und kommen heraus aus den üblichen Availability-Zones der Hyperscaler und können das ein- oder andere Testbed wagen. Zum anderen wollen auch die großen Co-Location-Anbieter in die Fläche gehen, in einem Markt, den wir heute schon bespielen.
Aber auch in diesem Umfeld ist NorthC nicht alleine unterwegs. Was unterschiedet das Unternehmen, die Rechenzentren, die Angebote von der Konkurrenz?
Frank Zachmann: Es gibt drei Kategorien von Alleinstellungsmerkmalen.
Erstens bin ich der Meinung, dass sich gerade erst neue Player bilden, die anders als bisherige Rechenzentrumsbetreiber eine ganze Plattform darstellen - mit gleichen Services zu derselben Qualität, mit einem Zugang durch ein Portal.
Wenn wir zweitens speziell über NorthC reden, versuchen wir das Prinzip der Regionalität auch zu leben. Zum Beispiel haben wir regionale Ansprechpartner, aber das komplette Know-how eines international agierenden Co-Location und Connectivity-Anbieters.
Und drittens legen wir ganz besonders großen Wert auf das Thema Sustainabilility. Dazu gehört, dass, entgegen der landläufigen Meinung, Rechenzentren dieser Größenordnung noch weitaus effizienter arbeiten können. Wir werden das Thema ESG (Environmental, Social and Governance) auch ganz anders bespielen.
Während die gesamte Branche von den Themen CO2-Reduktion und Abwärmenutzung getrieben wird, haben wir längst damit begonnen. So ist es fest verdrahtet, dass wenn wir neue Standorte erschließen, Abwärmenutzung in die Verträge aufnehmen. In unserer Agenda ist festgelegt, dass wir bis 2030 die gesamte Plattform, also alle Dienste und Rechenzentren, CO2-neutral aufbauen. In den Niederlanden ist die Versorgung von 13.000 Haushalten mit Abwärme bereits realisiert. Dazu kommen Fabrik- und Gewerbe-Einheiten. In Deutschland planen wir Ähnliches.
Dieses Interview ist aufgezeichnet worden und gibt es als #3: Frank Zachmann: "Wir sind anders", über die dezentralen Rechenzentren von NorthC
Die Folge #3 der DataCenter-Insider-Podcasts steht auch über Apple und in Spotify zur Verfügung
Wie hoch beziehungsweise niedrig liegt denn der PUE-Wert der NorthC-Rechenzentren, da Sie ja die Energie-Effizienz erwähnen?
Frank Zachmann: Die deutschen Rechenzentren liegen derzeit bei 1,5. Einzelne Standorte weisen einen Effizienzgrad von 1,2 aus. Das, was andere als Design-PUE auf dem Papier stehen haben, können wir im Betrieb ausweisen. Das wird auch bei dem in Frankfurt so sein, den wir uns gerade notariell gesichert haben und der schon existiert.
Wie viele Standorte sollen es in Deutschland werden?
Frank Zachmann: Intern handle ich mit den Zahlen 12/25, also: Ich möchte zwölf Standorte in der DACH-Region innerhalb der kommenden drei Jahre errichten - im Großraum Berlin, im Großraum Hamburg, im Großraum Rhein-Ruhr, im Großraum Frankfurt-Rhein Main in der Stuttgarter Gegend, in Hannover und Leipzig und/oder Dresden um Möglichkeiten in Deutschland zu nennen.
Es gibt zwei mögliche Restriktionen. Sie brauchen Strom - und auch 5 MW sind nicht gerade wenig - und sie brauchen die Connectivity, um wie die großen Co-Location-Anbieter als Cloud-Hub fungieren zu können; denn Co-Location alleine bietet kein ausreichendes Geschäft mehr.
Frank Zachmann: Auch bei NorthC sind Co-Location und Connectivity die beiden großen Säulen. Die Roadmap sieht vor, dass wir die Standorte so vernetzen, dass wir einerseits ein virtuelles Netz an Rechenzentren haben, und andererseits die Anbindungen an die typischen Exchange-Points wie DE-CIX, AMS-IX, Mega-Port realisieren können, um die Anbindungen an die Cloud-Provider darstellen zu können.
Und ja, die von Ihnen genannten Kriterien sind genau die, mit denen wir die künftigen Standorte festlegen. Wir möchten die Glasfaser-Infrastruktur bereits vorher sehen, wenn es sich um Brownfield handelt, oder suchen die Nähe, wenn wir über Greenfield-Ansiedlung nachdenken. Was uns die Planung vereinfacht ist, dass wir größenmäßig in einer charmanten Nische stecken.
Für Kommunen ist eine Datacenter-Ansiedlung interessant, wenn sich der Firmensitz dort befindet, so dass die Gewerbesteuer dort bezahlt wird. NorthC ist von Haus aus dezentral angelegt und der Firmensitz liegt in den Niederlanden. Warum sollten Bürgermeister und Gemeinderäte begeistert sein, wenn Sie anklopfen?
Frank Zachmann: Die erste Hürde besteht darin, ob Kommunen Rechenzentrumsansiedlung überhaupt spannend finden und Rechenzentren sind ein sichtbarer Punkt der Digitalisierung. Aber wir können nicht viele verschiedene Hauptstandorte bilden. Doch was wir können ist über städtebauliche Vereinbarungen so etwas wie Abwärmenutzung anzubieten oder auch den Bau von Solaranlagen.
Was aber auch entsteht, wo sich Rechenzentren ansiedeln, sind Fortbildungszentren, digitale Begegnungsstätten. So sind harte Dollars das eine, das Gesamtpaket, das wir schnüren und damit die Attraktivität einer Gemeinde erhöhen können, das andere.
Verfügt NorthC über eigene Glasfaserstrecken?
Frank Zachmann: Wir haben lediglich aus historischen Gründen, die ein oder andere Strecke in der Schweiz.
Sie planen die Abwärmenutzung mit ein, sagen Sie. Bisher fehlen aber Wärmenetze. Bauen Sie die Gewächshäuser, die Schwimmbäder, die Erdbeer- und Spargelfelder auch, um Abnehmer zu haben?
Frank Zachmann: Wenn ich kleinere Wärme-Energie-Einheiten habe, lässt sich diese auch besser verteilen, als wenn ich ein 100-Megawatt-Datacenter betreibe. Wir sehen einen Verbund mit der direkten Umgebung. Heute Morgen habe ich über ein Konzept für den Nürnberger Standort gesprochen, das sowohl die Energie-Erzeugung als auch die Wärmelieferung beinhaltet.
Dort befinden wir uns in einem klassischen Gewerbegebiet, also sind viele Gewerbehallen um das Rechenzentrum herum. Es kämen also Solarpanele und Windanlagen für unser Gebäude in Frage - das haben wir uns mit einem Gutachter angeschaut - als auch auf den Logistikhallen vor Ort. Wir nutzen diese regenerative Energie und geben die Wärme etwa an ein Boarding-Haus und die Hallen ab.
Wer plant? Wer hat die Hand auf dem Austausch? Also: Wie werden Kosten und Lasten geteilt?
Frank Zachmann: Das ist eine Standort-bezogene Frage. In Nürnberg wird sich eine Interessengemeinschaft bilden. In den Niederlanden sind wir tatsächlich in ein Cross-Sharing-Modell mit dem örtlichen Versorger gegangen. Aber ja, wir sind tatsächlich bereit, in solche Projekte Geld zu schmeißen.
Wie verhalten sich Abschreibungen und Risiken der mittelgroßen Rechenzentren, die NorthC betreiben will, im Vergleich zu denen großer Rechenzentren?
Frank Zachmann: Wir haben ein geringeres Klumpenrisiko; denn das Investment vorab ist kleiner. Außerdem gibt es keinen zwingenden Skaleneffekt, zum Beispiel kann der Stromeinkauf trotz geringerer Menge günstiger sein. Auch der Grunderwerb ist unter Umständen günstiger, weil sich die Rechenzentren nicht im Sweet Spot von Frankfurt befinden müssen.
Wie sieht es denn mit passenden Equipment aus: Rückkühler, USV, Netzersatzanlagen....? Die großen Rechenzentrumsbetreiber beklagen mangelnde Modularität. Ist das Problem bei kleineren Rechenzentren größer?
Frank Zachmann: 1. Wir haben eine große Auswahl 2. Wir sind gut vernetzt. 3. Es gibt praktisch keine Lieferschwierigkeiten - und alles, weil wird nicht riesig sind. Auch die Leerstandsrisiken sind geringer, so dass wir zudem genauer planen können, was wir tatsächlich benötigen.
Wenn Sie ein Rechenzentrum ganz neu bauen, planen Sie mit so genannten Ankerkunden?
Frank Zachmann: Da gilt die salomonische Aussage: Sowohl als auch. Wir wollen wachsen und erschließen einen Standort quasi im Vorlauf, sichern uns also Grund und Boden oder auch ein komplettes Bestandsrechenzentrum. Aber wir bauen auch nach Bedarf des Kunden, nach dem Motto: Sag mir, was du brauchst und wir bauen in der Lieferzeit für deine bestellten Server.
Wie halten Sie es mit der Sicherheit? Georedundanz ist bei so vielen Rechenzentren sicher ein Thema. Können Sie bei der Redundanz in jedem einzelnen der Rechenzentren sparen?
Frank Zachmann: Ich persönlich bin der Meinung, dass beim Betrieb von zwei Rechenzentren eine höhere Sicherheit erlangt werden kann, als bei dem Versuch, ein Rechenzentrum komplett abzudichten. Dabei steigen die Kosten extrem und trotzdem ist keine 100prozentige Sicherheit an einem Standort zu erlangen.
Aber: Wir machen keine Abstriche bei der Qualität und halten Branchenstandards ein.
Also keine Experimente wie der Verzicht auf Redundanz oder USV-Anlagen?
Frank Zachmann: Wir versuchen, etwa das Beste aus den Datacenter-Komponenten herauszuholen, So sind wir der erste Co-Location-Anbieter in Europa, der Netzersatzanlagen mit grünem Wasserstoff betreibt, um nachhaltiger zu wirtschaften.
Wir sehen aber auch, dass es Batterietechnik gibt, die um einen zweistelligen Prozentsatz effektiver arbeitet, als die heute üblichen. Wir versuchen halt, im Bereich Nachhaltigkeit führend zu sein. Wir könnten auch eine direkte Wasserkühlung von Rechnern bauabschnittsweise realisieren, wir sind darauf vorbereitet. Allerdings wird sich diese Kühlmethode in den kommenden drei bis fünf Jahren nicht flächendeckend durchsetzen.
Wie dicht darf bei Ihnen ein Rack gepackt sein - 1, 2, 7, oder 20 Kilowatt?
Frank Zachmann: Tatsächlich haben wird Anfragen, die gehen in den 15-kW-Bereich. Das ist ein Bereich, in dem die Wärme noch mit klassischen Methoden abgeführt werden kann. Doch unterm Strich reichen 2 kW pro Quadratmeter im Co-Location aus. Das entspricht etwa 5 kW pro Rack, mit dem wir kalkulieren.
Muss es immer ein dedizierter Rechenzentrumsbau sein oder tun es auch Bestandsimmobilien oder gar Windräder, wie sie Windcores nutzt?
Frank Zachmann: Ja, mit solchen Konzepten befassen wir uns auch, obwohl etwa Rechenzentren in Windmühlen noch mehr Edge bedeuteten als die typischen 5-MW-Datacenter in einer Tier-II-Region von NorthC. Die Frage ist, ob man nicht solche Einrichtungen ergänzend dazu nutzen kann.