Diese Red Flags deuten auf Legacy-Systeme hin 5 Anzeichen für ein notwendiges Replatforming

Ein Gastbeitrag von Thomas Kühnel* 7 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Schluss machen ist hart. Aber in einer dysfunktionalen Beziehung zu bleiben, ist auch keine Alternative - so ziemlich jeder hat das schon einmal erlebt. Ähnlich verhält es sich bei Unternehmen und ihren veralteten Commerce-Plattformen.

Moderne Plattformen steigern Effizienz durch Automatisierung und offene Schnittstellen und bleiben dabei anpassungsfähig und skalierbar.(Bild:  Megan_Rexazin_Conde /  Pixabay)
Moderne Plattformen steigern Effizienz durch Automatisierung und offene Schnittstellen und bleiben dabei anpassungsfähig und skalierbar.

Legacy-Systeme bereiten oft mehr Kopfschmerzen, anstatt wirkliche Business Treiber zu sein. Dennoch halten viele Unternehmen an ihren veralteten Systemen fest - immer „nur noch ein Jahr, und wirklich nur noch ein Jahr“. Ein Replatforming-Projekt mit seinen Herausforderungen scheint eine zu hohe Hürde zu sein. Aber wie man sich im Privatleben nicht mit „Okay“ zufriedengeben sollte, verhindert ein Festhalten an alten Systemen oft echtes Wachstum.

Unternehmen müssen sich fragen: Ist unsere derzeitige Plattform langfristig wirklich die Richtige? Oder sind wir in einer selbstgefälligen „Beziehung” gefangen, die unser Wachstum hemmt? Hier sind fünf Red Flags, die zeigen, ob es an der Zeit ist, sich von der aktuellen Plattform zu trennen – und eine Lösung zu finden, die das Unternehmen voranbringt.

1. Das End-of-Life der Plattform rückt gefährlich nahe

Ein Hauptgrund für Unternehmen, sich für eine neue Plattform zu entscheiden, ist das Auslaufen ihrer bisherigen Software. Wenn eine Lösung ihr End-of-Life erreicht, stellt der Anbieter keine Updates oder Support mehr zur Verfügung. Dies birgt große Sicherheitsrisiken, da neue Schwachstellen nicht mehr behoben werden. Die weitere Verwendung von End-of-Life-Software ist fahrlässig und macht die Systeme anfällig für kostspielige Datenlecks.

Die harte Realität ist jedoch, dass viele Unternehmen immer noch Software weit über das Ende ihrer Lebensdauer hinaus verwenden – oft, weil sie diese im Laufe der Zeit stark an ihre Anforderungen angepasst haben. Dies ist ein Zeichen dafür, dass es an sich an der Zeit ist, zu einer neuen Plattform zu wechseln.

Auch unregelmäßige, größere Updates durch den Anbieter können ein Grund sein, dass sich ein Wechsel lohnen könnte. Wenn eine Plattform seit einiger Zeit nicht mehr aktualisiert wurde und dann aber ein größeres Update kommt, kann es sein, dass inzwischen zusätzlich eingebaute Funktionalitäten nach der Migration auf die neue Version erneut aufgesetzt werden müssen. Für manche Unternehmen kann daher ein Replatforming die bessere Option sein - umso mehr, wenn das neue System über stringentere Update-Zyklen verfügt.

2. Die Führungsebene will mehr moderne Features aber die IT-Abteilung sagt, das System könne das gar nicht abbilden

Standardlösungen funktionieren gut, wenn es um Standardaufgaben geht. Wenn man jedoch - auf Wunsch des Managements - abseits davon etwas Neues hinzufügen möchte, sind sie meist zu schwerfällig und starr dafür.

Viele Plattformen haben Probleme bei der Integration von anderen Systemen oder kommen mit dem Wachstum des Unternehmens nicht nach. Manuelle Workarounds und Prozesse entstehen und verhindern den Fortschritt. Darüber hinaus bieten Standardsysteme eventuell Funktionen, die gar nicht benötigt werden. Auch wenn das wie eine Kleinigkeit erscheinen mag: Wer will schon für etwas bezahlen, das er gar nicht braucht?

Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wird die IT-Abteilung trotzdem eine (kurzfristige) Lösung finden, um die Wünsche der Führungsebene zu erfüllen. Aber zu welchem Preis? Ein kleinteilig zusammengeschustertes Gewirr von Abhängigkeiten, die im Laufe der Zeit weiter zunehmen werden, das System schwer zu warten machen und beim nächsten großen Update wieder hinfällig sind.

Ganz aktuell erkennen Unternehmen die Chancen, die in (generativer) KI stecken. Etwa, um neue Funktionalitäten einzuführen und effizienter zu arbeiten. Die Stärke von KI entfaltet sich jedoch vor allem aus der Analyse von Daten - am besten aus allen Unternehmensbereichen. Wenn die Unternehmensdaten überall verstreut gespeichert sind und die vorhandene Infrastruktur sie überhaupt nicht vollständig nutzt, ist es durchaus ratsam, zunächst ein Replatforming durchzuführen, um die Datenströme in einer kohärenten Plattform zu konsolidieren. So können Unternehmen die Wirkkraft von KI auch wirklich entfesseln.

Was bedeutet das? Im Grunde genommen müssen zunächst die Hausaufgaben erledigt werden, bevor man loslegen kann. Ein Replatforming kann dabei helfen, die richtige Grundlage und Infrastruktur dafür zu schaffen, mit generativer KI wirklichen Mehrwert zu schaffen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu RZ- und Server-Technik

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Erst die Hausaufgaben erledigen!

3. Maintenance und Updates alleine fressen alle Ressourcen auf

Vernetzte Legacy-Infrastrukturen machen Updates zu einer großen Herausforderung. Oft sind die Update-Prozesse nicht automatisiert und erfordern umfangreiche manuelle Prüfung, Bereitstellung und Monitoring. Diese Abhängigkeit von manueller Arbeit lässt die Wartungskosten mit der Zeit in die Höhe schnellen. Schlimmer noch: Kritische Sicherheits-Patches werden aufgrund von Ressourcenbeschränkungen verschoben oder übersprungen, wodurch die Systeme Risiken ausgesetzt sind.

Das liegt meistens an den starken Anpassungen und verflochtenen Abhängigkeiten, die in veraltete Systeme vorherrschen. Wenn nicht klar ist, wie sich eine Änderung auf die Systemlandschaft auswirken wird, führt jede Aktualisierung zu Unsicherheit und potenziellen Ausfällen. Gleichzeitig werden durch den Verzicht auf Updates wertvolle neue Funktionen und Optimierungsoptionen verschenkt. Das Ergebnis: eine ausweglose Situation mit endlosen Wartungskosten, nur um das System am Laufen zu halten.

Vor einer langfristigen Bindung erst einmal die Alternativen prüfen

Red Flags zu erkennen, erfordert einen genauen Blick auf die Infrastruktur. Beispielsweise können regelmäßige Assessments helfen, festzustellen, ob eine Plattform wirklich noch alle Geschäftsanforderungen abdeckt. Ein guter Zeitpunkt für so eine Bewertung ist das Ende des Vendor Lock-ins der Software. Bevor man sich auf eine erneute langfristige Verpflichtung einlässt, sollte man mögliche Alternativen sorgfältig prüfen.

Klar, ein Replatforming von Altsystemen zu einer modernen Plattform ist ein großes Projekt, jedoch sind die langfristigen Vorteile der Modernisierung in Form von niedrigeren Gesamtbetriebskosten (TCO) und mehr Flexibilität nicht von der Hand zu weisen. Ein Replatforming kann den Bedarf an fortlaufenden komplexen Workarounds und manueller Wartung beseitigen und stattdessen auf Automatisierung und Wartungsfreundlichkeit ausgelegt werden. Durch die Einsparungen bei den Gemeinkosten werden Ressourcen frei, um sich auf zusätzliche Innovationen zu konzentrieren.

4. Die Plattform ist ein Wachstumshindernis

Wenn das Geschäft läuft, sollte es auf gar keinen Fall die Plattform sein, die weiteres Wachstum verhindert. Plattformen, die nicht mitwachsen können, werden zu einer Belastung. Manche Lösungen, die anfänglich gut mit dem Volumen zurechtkommen, geraten bei zunehmendem Traffic und Transaktionszahlen ins Wanken.

Gerade Legacy-Lösungen fehlt es oft an eben jener vertikalen Skalierbarkeit, aber auch horizontale Flexibilität lässt meist zu wünschen übrig. Wenn beispielsweise das Produktgeschäft durch einen Mietservice ergänzt werden soll, um zusätzliche Einnahmen zu generieren, erfordert das neue Prozesse, Datenstrukturen und Zahlungsabwicklung. Vielleicht ist die derzeitige Plattform jedoch nicht in der Lage, dies zu stemmen.

Eine Umstellung auf eine robustere, flexiblere Lösung kann daher ratsam sein, bevor eine starre Infrastruktur das Wachstum aufhält. Anstatt Chancen aufgrund von Plattformbeschränkungen zu verpassen, kann man mit einer flexiblen Lösung vertikal und horizontal expandieren und neue Märkte erschließen.

5. Schlechte Performance als Signal für tieferliegende Probleme

Langsame Plattformen frustrieren die Kundschaft und beeinträchtigen den Umsatz. Eine Plattform, die nur wenig Umsatz erzielt, ist natürlich ein alarmierendes Zeichen. Wenn man das zugrunde liegende Problem nicht gleich ausfindig machen kann, sollten die Ladezeit der Seite, die Absprungraten und die mobile Version des Online-Shops überprüft werden.

Die Ladezeit einer Seite wirkt sich direkt auf die Conversion Rate aus. Studien zeigen, dass eine Verzögerung von nur einer Sekunde die Abbruchrate von Einkäufen verdreifacht. Die Website-Geschwindigkeit beeinflusst zudem auch die SEO-Rangliste, wobei die obersten Google-Ergebnisse stets in weniger als zwei Sekunden laden. Lange Ladezeiten erhöhen die Absprungrate der Kunden.

Das Gleiche gilt für mobile Geräte: Die mobile Nutzungserfahrung ist entscheidend geworden. Suchmaschinen bevorzugen mobile freundliche Websites, und die Nutzerinnen und Nutzer erwarten einen nahtlosen Übergang. Nicht reaktive Plattformen dagegen verprellen Kunden. Kein gutes Zeichen, zumal immer mehr mit Smartphones geshoppt wird.

Performance-Probleme können symptomatisch für größere zugrundeliegende Faktoren sein. Starre Altsysteme und komplexe Architekturen haben trotz aller Optimierungsbemühungen oft einfach nicht die Möglichkeit mehr Leistung zu bringen. Eine neue Performance-orientierte Plattform muss her.

Die Zeichen kommen bekannt vor?

Wenn man eines dieser Warnsignale auch bei sich sieht, sollte ernsthaft ein Replatforming-Projekt in Betracht gezogen werden. Der Austausch eines bestehenden Systems ist zwar eine Herausforderung, aber die langfristigen Vorteile überwiegen in der Regel die kurzfristigen Herausforderungen. Veraltete Plattformen mit verworrenen Abhängigkeiten können dazu führen, dass sich Migrationen wie ein riskantes Jenga-Spiel anfühlen. Mit der richtigen Plattform hingegen ist man flexibel und sicher für die Zukunft aufgestellt.

Durch ein Replatforming erhält man ein agiles Fundament, das mit den strategischen Wachstumsplänen in Einklang steht. Moderne Plattformen steigern Effizienz durch Automatisierung und offene Schnittstellen und bleiben dabei anpassungsfähig und skalierbar. Neue Innovationen können problemlos eingeführt werden, anstatt durch eine starre Infrastruktur blockiert zu werden.

Durch ein proaktives Replatforming kann man aktuelle Probleme lindern und sein Unternehmen für einen dauerhaften Erfolg positionieren. Mit einer Infrastruktur, die auf Wachstum ausgelegt ist, anstatt einzuschränken, werden die Möglichkeiten grenzenlos.

* Über den Autor
Thomas Kühnel ist Co-CTO von Turbine Kreuzberg.

Bildquelle: HannaBeckerPhotography / Turbine Kreuzberg

(ID:50026287)