Europäische KI-Offensive Bayern bewirbt sich für europäische KI-Gigafabrik Blue Swan

Von Paula Breukel 2 min Lesedauer

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Der Freistaat Bayern hat bei der EU-Kommission sein Interesse an der KI-Gigafactory „Blue Swan“ bekundet. Das Rechenzentrum mit 100.000 KI-Chips soll bei Schweinfurt entstehen – und Europas digitale Souveränität stärken.

Visualisierung des Projekts „Blue Swan“: Der blaue Schwan steht symbolisch für eine kontrollierte, technologisch getriebene Disruption, als positiver Gegenentwurf zum „Black Swan“. Bayern will damit Europas digitale Souveränität stärken.(Bild:  Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)
Visualisierung des Projekts „Blue Swan“: Der blaue Schwan steht symbolisch für eine kontrollierte, technologisch getriebene Disruption, als positiver Gegenentwurf zum „Black Swan“. Bayern will damit Europas digitale Souveränität stärken.
(Bild: Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)

Mit dem Projekt „Blue Swan“ will sich Bayern als Standort für eine der geplanten europäischen Gigafactories im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) positionieren. Die Interessenbekundung wurde durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst bei der EU-Kommission eingereicht. Ziel ist es, eine KI-Großinfrastruktur mit 100.000 spezialisierten Chips für das Training hochkomplexer Basismodelle aufzubauen. Das ist ein Vielfaches der Leistung bestehender KI-Zentren in Deutschland.

Als möglicher Standort wird ein Gelände bei Schweinfurt ins Spiel gebracht. Die dort vorhandene Netzinfrastruktur – etwa durch das ehemalige Kernkraftwerk Grafenrheinfeld – biete laut Ministerium günstige Voraussetzungen für Aufbau und Betrieb eines Energie-intensiven Rechenzentrums.

[Anm. d. Red.:) Ob das allerdings überhaupt von Erfolg gekrönt sein kann, darf bezweifelt werden: Immer hin hat eine am Donnerstag der vergangenen Woche anlässlich des 30. Geburtstags des Internet-Knotens DE-CIX veröffentlichete Studie der Dstream Group den Digitalstandort Frankfurt am Main im weltweiten Vergleich auf Platz 1 gesetzt und es handelt sich bei dem Vorhaben Blue Swan um kein Förderprogramm für strukturschwache Regionen (siehe: „Happy Birthday DE-CIX! Platz 1 für den Digitalstandort Frankfurt - im weltweiten Vergleich).

Infrastruktur als strategisches Ökosystem

Laut Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume allerdings geht es bei Blue Swan nicht allein um Rechenleistung. Die geplante Gigafactory soll als strategisches Ökosystem dienen, das wissenschaftliche Exzellenz, industrielle Anwendungen und unternehmerische Innovation miteinander verknüpft. Bayern verweist hierbei auf Einrichtungen wie das Munich Center for Machine Learning (MCML), das Munich Institute for Robotics and Machine Intelligence (MIRMI) und das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ), das über langjährige Erfahrung im Energie-effizienten High Performance Computing (HPC) verfügt.

Neben Forschung und Lehre stehen auch sicherheitskritische und gesellschaftlich relevante KI-Anwendungen im Fokus: zum Beispiel in den Bereichen Gesundheit, Mobilität, Sicherheit und Verteidigung. Das bayerische Konzept hebt außerdem die Rolle der privaten Wirtschaft hervor. Erste Absichtserklärungen (Letters of Intent) möglicher Nutzer liegen laut Ministerium bereits vor.

Erfahrener Rechenzentrumsentwickler an Bord

Mit an Bord ist auch die Investa Gruppe, ein seit über zwei Jahrzehnten aktiver Entwickler von Rechenzentren in Europa. Deren CEO Rupprecht Rittweger verweist auf die Bedeutung integrierter Partnerschaften: Großprojekte wie Blue Swan erforderten tragfähige Netzwerke zwischen staatlichen Stellen, Forschungseinrichtungen und Technologieunternehmen. Neben technischer Infrastruktur zielt das Projekt auf langfristige wirtschaftliche Impulse – etwa für die Fachkräfte-Entwicklung und für Folge-Ansiedlungen im Technologiesektor.

Vergleichbare Projekte in Deutschland

Bereits bestehende oder geplante Großrechenzentren mit KI-Schwerpunkt finden sich unter anderem in Stuttgart und Jülich. Dort werden jedoch deutlich geringere Chipkapazitäten realisiert. Auch die IT-Tochter der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) gilt laut Medienberichten als potenzieller Wettbewerber um einen der EU-Standorte. Anders als andere Bundesländer hat sich Bayern offiziell bei der Kommission positioniert.

Die Entscheidung der EU über die Standorte wird voraussichtlich 2026 getroffen. Bis dahin soll das Konzept weiter konkretisiert und das bayerische Partnernetzwerk ausgebaut werden.

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