Ineffiziente Kommunikation am Arbeitsplatz kann schwerwiegende Folgen haben. Die aktuelle Studie vom Unternehmen Grammarly, durchgeführt von Statista+, zeigt, dass fast ein Drittel deutscher Angestellter aufgrund dieses Problems bis zu fünf Stunden pro Woche verliert.
Nach Angaben von Grammarly könnte eine KI-gestützten Kommunikationsassistenz durchschnittlich 19 Arbeitstage – oder fast einen ganzen Arbeitsmonat – pro Mitarbeiter und Jahr - an Produktivität einbringen, Zeit, die sonst nutzlos verrint.
Daraus resultieren wirtschaftliche Einbußen für Unternehmen in Höhe von über 11 Tagen Produktivitätsverlust pro Jahr. Führungskräfte berichten sogar von gescheiterten Geschäftsabschlüssen (15 Prozent).
Im Zuge der Internationalisierung der deutschen Wirtschaft wächst auch die Bedeutung des Englischen als notwendiges Werkzeug für die berufliche Kommunikation. Doch die mangelnden Sprachkenntnisse der Mitarbeiter stellen nach wie vor eine Herausforderung für global agierende Unternehmen in der Bundesrepublik dar.
Die Studie lässt jedoch hoffen: Die Befragten berichten über den Einsatz von KI-Tools als vielversprechende Lösung zur Verbesserung der Arbeitskommunikation und Produktivität. Es folgt ein Bericht, welche täglichen Hürden beim schriftlichen Austausch zu den vermeidbaren Kosten für Unternehmen führen und wie intelligente Technologien bei ihrer Überwindung helfen können.
Über die Studie
Die Studienergebnisse basieren auf einer Online-Umfrage, die Statista zwischen dem 22. November und dem 27. Dezember 2023 in Deutschland im Auftrag von Grammarly vorgenommen hat. An der Umfrage haben sich sich 1.100 Beschäftigte beteiligt, darunter 100 Führungskräfte aus unterschiedlichen Altersgruppen und Beschäftigungsverhältnissen, die mindestens 24 Stunden pro Woche arbeiten. Diese Mitarbeiter sind in diversen Arbeitsmodellen tätig und nutzen Englisch neben anderen Sprachen zur Kommunikation am Arbeitsplatz.
Geänderte Anforderungen
Die effektive Kommunikation ist für Unternehmen unerlässlich, um den Anforderungen der sich wandelnden Geschäftswelt gerecht zu werden. Der berufliche Austausch erfährt eine grundlegende Veränderung, charakterisiert durch eine nie dagewesene Geschwindigkeit sowie zunehmende Kommunikationswege. Fachkräfte in Deutschland verwenden bereits 30 Stunden ihrer wöchentlichen Arbeitszeit (75 Prozent) für die Kommunikation über zahlreiche Plattformen.
Davon wird die meiste Zeit mit 13,4 Stunden geschrieben, was auf ein Jahr gerechnet 77 Arbeitstagen entspricht – Tendenz steigend. Über zwölf Monate hinweg hat jeder zweite Angestellte (59 Prozent) einen Anstieg des schriftlichen Kommunikationsaufwands registriert. Dieser Austausch ist heute schon anspruchsvoll, aber wird noch komplexer, wenn er in einer Fremdsprache erfolgt: Englisch wird immer häufiger verwendet, wenn Unternehmen global agieren oder Fachkräfte aus dem Ausland einstellen.
In Deutschland ist dieser Trend deutlich spürbar. Laut der neuen Grammarly-Studie verwenden Fachkräfte die Sprache vorwiegend für die Verständigung mit ausländischen Kunden (65 Prozent), mit Kollegen an internationalen Standorten (35 Prozent) und die Zusammenarbeit mit multinationalen Teams vor Ort (30 Prozent).
Gleiten auf dem Reibeisen
Doch nicht alles verläuft reibungslos in deutschen Unternehmen. Drei von vier (75 Prozent) befragten Fachkräften melden bereits heute negative Auswirkungen aufgrund ineffizienter schriftlicher Abläufe. Sei es mangelnde Sprachkompetenz, zeitaufwändige Korrekturen unverständlicher Nachrichten oder der ineffiziente Gebrauch von KI-Tools: Zeitverlust, erhöhte Unternehmenskosten, Produktionseinbußen, Kundenabwanderung und schwindende Jobzufriedenheit stellen deutsche Unternehmen vor enorme Herausforderungen.
Die Auswirkungen ineffizienter Kommunikation sind dramatisch: Ein Viertel der befragten Führungskräfte gibt an, dass dies zu höheren Betriebskosten führt. Das resultiere bei 15 Prozent sogar in geplatzten Geschäftsabschlüssen.
Zwei Drittel der Befragten in Deutschland verlieren deswegen wöchentlich bis zu zwei Stunden Arbeitszeit, was Unternehmen jährlich 11,5 Arbeitstage pro betroffenem Mitarbeiter kostet. Besonders alarmierend ist, dass 29 Prozent der Angestellten sogar von drei bis fünf Stunden Zeitverlust pro Woche berichten, mit einem Spitzenwert von 38 Prozent bei 'Gen Z'. Einer der Hauptgründe ist die Unklarheit der empfangenen Nachrichten, die zu aufwendigen Abstimmungen führt (44 Prozent
).
Jeder zweite schreibt länger, wenn auf Englisch formuliert werden muss
Bei der Geschäftskommunikation auf Englisch steht die Sprachkompetenz im direkten Verhältnis zum Zeitverlust: Während 72 Prozent der Führungskräfte fließend bis verhandlungssicher sind, ist jeder dritte Angestellte (33 Prozent) lediglich konversationssicher.
Rund 63 Prozent der Angestellten mit geringen Englischkenntnissen benötigen entsprechend länger für das Verfassen von Nachrichten in der Fremdsprache. Jeder zweite Befragte erlebt generell einen höheren Zeitaufwand beim schriftlichen Austausch auf Englisch (49 Prozent).
Fachkräfte berichten von Schwierigkeiten damit, Gedanken klar auszudrücken (41 Prozent). Etwa 39 Prozent haben Probleme mit der Grammatik und jeder Vierte ist unsicher über den passenden Tonfall seiner Nachrichten im beruflichen Kontext.
Hinter den Zahlen verbergen sich echte menschliche Erfahrungen. Viele Fachkräfte fühlen sich wegen schlechter Kommunikation am Arbeitsplatz gestresst (35 Prozent). Besonders die junge Generation Z steht unter großem Druck, davon berichten 45 Prozent der Altersgruppe.
Stand: 08.12.2025
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Dies kann sich negativ auf ihre Arbeitszufriedenheit auswirken und sogar die langfristige Bindung an das Unternehmen gefährden. Ein Drittel der Angestellten berichtet davon. Jeder Zehnte erwägt aus diesem Grund sogar einen Jobwechsel. Für ein Viertel aller Befragten führt ineffiziente Kommunikation zu Produktivitätseinbußen wie etwa verpassten Deadlines, längeren Projektlaufzeiten oder verzögerter Problemlösung.
Hilfe in Aussicht
Ein wachsender Anteil deutscher Fachkräfte (60 Prozent) setzt bereits auf KI-Tools, um die schriftliche Kommunikation zu optimieren. Hauptanliegen für Führungskräfte sind dabei die Reduktion des Zeitaufwands für Schreibaufgaben (48 Prozent) und die Steigerung der Produktivität (46 Prozent). Auch Angestellte greifen zunehmend auf die Technologie zurück, um vor allem Grammatik-, Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler zu vermeiden (58 Prozent), was sich positiv auf die Qualität der Nachrichten auswirkt.
Erste Ergebnisse berichten über verkürzte Schreibzeit (55 Prozent) durch KI-Schreibassistenten. 47 Prozent der Befragten nutzen sie auch, um Nachrichten umzuformulieren und auf Verständlichkeit zu optimieren. Aus der Ferne wird die Verständigung noch schwerer: Fachkräfte, die entweder hybrid oder vollständig remote arbeiten, verwenden daher KI-Tools zur Verbesserung der Kommunikation häufiger als jene, die ausschließlich im Büro arbeiten.
Gewollt aber nicht gekonnt
Trotz des nachgewiesenen Nutzens von KI-basierten Lösungen für die Kommunikation am Arbeitsplatz besteht eine Diskrepanz zwischen deren Bereitstellung im Unternehmen und der tatsächlichen Anwendung durch Mitarbeiter. 85 Prozent der deutschen Führungskräfte haben diese Techniken in ihrem Unternehmen eingeführt, aber nur 58 Prozent der Angestellten nutzen sie aktiv.
Auch die Kompetenz in puncto KI-Anwendung scheint ein Faktor im Bezug auf die Kluft zwischen Verfügbarkeit und Anwendung der Tools zu sein. Jeder fünfte Befragte weist darauf hin, dass es in Teams daran mangelt. Grammarly-CEO Roy-Chowdhury erläutert: „Ein unkoordinierter und sporadischer Einsatz von KI kann zu einer signifikanten Lücke zwischen der Einführung solcher Tools und ihrer tatsächlichen Nutzung durch die Mitarbeiter im Unternehmen führen.” Er fährt fort: „Eine umfassende Strategie für die KI-Implementierung und gezielte interne Schulungen, um die KI-Affinität der Mitarbeiter zu fördern, sind wesentliche Schritte, um diese Kluft zu überbrücken.”
Trotz offenkundigen Wissens über das Potenzial generativer KI sind Bedenken bezüglich dieser Technologie verbreitet: Datenschutz (47 Prozent), Sicherheit von Firmendaten (45 Prozent) und Qualitätskontrollen (41 Prozent) sind die größten Sorgenbereiter. „Daher sind klare Richtlinien für die Auswahl eines vertrauenswürdigen KI-Anbieters wichtig, um sensible Unternehmensdaten zu schützen”, folgert Roy-Chowdhury.
Trotz erwähnten Bedenken stehen 84 Prozent der Führungskräfte der Einführung generativer KI am Arbeitsplatz positiv gegenüber. Die Mehrheit der deutschen Unternehmen, die bereits KI-Technologie zur Verbesserung ihrer Kommunikation nutzen, plant, deren Einsatz weiter zu verstärken, indem sie die eingeführten Tools auf mehrere Teams ausweiten oder zusätzliche Werkzeuge einführen.