CeBIT 2017: Premiere für digitale Pioniere

Volkswagen nutzt Quantencomputer

| Redakteur: Ulrike Ostler

Die VW-Spezialisten vom Volkswagen Code Lab in San Francisco sitzen an dem Entwurf für das Quantencomputer-Projekt zur Verkehrsflussoptimierung.
Die VW-Spezialisten vom Volkswagen Code Lab in San Francisco sitzen an dem Entwurf für das Quantencomputer-Projekt zur Verkehrsflussoptimierung. (Bild: Volkswagen AG)

Die Volkswagen Konzern-IT arbeitet mit dem Quantencomputing-Spezialisten D-Wave Systems an einem Forschungsprojekt zur Verkehrsflussoptimierung. Damit erprobt der Volkswagen Konzern als weltweit erstes Automobilunternehmen die Nutzung von Quantencomputern. Auf der CeBIT hat das System Premiere.

In dem Forschungsprojekt haben IT-Experten der Volkswagen Labs aus San Francisco und München erstmals auf einem D-Wave-Quantencomputer ein Smart-Mobility-Programm entwickelt. Quantencomputer können hochkomplexe Aufgaben um ein Vielfaches schneller lösen als herkömmliche Super-Rechner. Bisher wird Quantencomputing in der Wissenschaft, von wenigen staatlichen Organisationen sowie vorwiegend im Luft- und Raumfahrtsektor eingesetzt.

Auf der CeBIT 2017 in Hannover werden Volkswagen und D-Wave Systems ihre strategische Zusammenarbeit bekanntgeben und in einer Weltpremiere ein Software-Programm zeigen, das auf einem Quantencomputer Verkehrsflüsse optimiert. Dazu haben Experten des Volkswagen Code Labs in San Francisco und des Volkswagen Data Labs in München Daten von rund 10.000 Taxis aus Beijing verwendet.

So genannte Data Scientists und Spezialisten in Sachen Künstliche Intelligenz (KI) haben erfolgreich eine Algorithmus entwickelt, mit dem sich die Reisezeit in allen öffentlichen Taxis Bejigs optimieren lässt. Nach ihrer Darstellung eignen sich Quantencomputer von Haus aus sehr gut für Projekte dieser Art, weil sie nativ für Optimierungen geschaffen sind.

In der Pipeline

Vereinfacht dargestellt, geht es in Optimierungen immer darum, eine bestimmte Ressource, etwa Zeit, Geld oder Energie in der bestmöglichen Art und Weise zu nutzen – in einem vorgegebenen Szenario. Die Komplexität solcher Aufgaben und damit die notwendige Rechenkapazität wächst exponential mit der Anzahl der Faktoren, die zu berücksichtigen sind. Das aber bringt die bisherigen Computertechnik an ihre Grenzen.

Die IT-Experten der Volkswagengruppe erwarten über das aktuelle Projekt hinaus eine große Bandbreite an möglichen Anwendungen, etwa im automomen Fahren, beim Einsatz von Robitics im Unternehmen, also KI-unterstützte Prozesskontrollen, in der smarten Fabrik, maschnellem Lernen und intelligenten Mobility-Konzepten.

Dementsprechend sind bereits weitere Projekte zusammen mit D-Wave angedacht. Zu den ersten Aufgaben aber gehört es, Spezialisten anzuheuern beziehungsweise Spezial-Know-how einzukaufen. Die Experten sollen Applikationen testen und Algorithmen entwickeln, um der D-Wave-Technik das enormen Potenzial zu entlocken. Außerdem oder auch gerade deswegen plant die Volkswarengruppe, die Kooperation mit Universitäten und Forschungsinstituten im Bereich Quantencomputing zu intensivieren.

Pionierarbeit

Dr. Martin Hofmann, CIO des Volkswagen Konzerns, sagt: „Wir leisten digitale Pionierarbeit. Quantencomputer-Technologie kann uns enorme Fortschritte in allen wichtigen IT-Zukunftsthemen bringen. Dafür schaffen wir die Voraussetzung und lernen, die Stärken eines Quantencomputers sinnvoll zu nutzen. Die Kooperation mit D-Wave ist deshalb ein Meilenstein auf dem Weg in die digitale Zukunft unseres Unternehmens. Und sie zeigt: Nirgendwo ist IT heute spannender als bei Volkswagen.“

Robert „Bo“ Ewald, President D-Wave International, sagt: „Unsere Kooperation ermöglicht es Volkswagen, realitätsnahe Anwendungen auf Quantencomputern zu erproben. Das erste gemeinsame Forschungsprojekt bringt unsere Quantencomputing-Experten mit den Automotive KI-Spezialisten von Volkwagen zusammen. Sie verbinden traditionelles Computing mit den Möglichkeiten des Quantencomputing und gehen damit gemeinsam neue Wege, um neue Herausforderungen zu meistern. Es ist ein großartiges Beispiel dafür, wie das Computing der Zukunft aussehen kann.“

Auf der CeBIT: Die offizielle Präsentation des Beging-Showcase findet am 20. März 2017 ab 13.30 Uhr am Volkswagen-Stand in Halle 11 statt.

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