QCT wächst mit Kundenorientierung, gutem Design und viel technischem Sachverstand

Quanta Cloud Technology expandiert und verdrängt die (Ex-)Auftraggeber

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Quanta Cloud Technology baut Server, die sich an den OCP-Prinzipien orientieren: Die Komponenten sollen einfach ein- und ausbar sein, der Stromverbrauch gering und die Lesitung hoch und zuverlässig.
Quanta Cloud Technology baut Server, die sich an den OCP-Prinzipien orientieren: Die Komponenten sollen einfach ein- und ausbar sein, der Stromverbrauch gering und die Lesitung hoch und zuverlässig. (Bild: Ariane Rüdiger)

Der 2012 gegründete taiwanesische ehemals reiner Auftragsfertiger Quanta Cloud Technology (QCT) entstand aus der ehemaligen Enterprise Solution Business Unit von Quanta Computer Inc.. Doch der neben dem ODM- erwuchs ziemlich schnell das Direktgeschäft und so fertigt QCT nicht nur für Facebook und andere, sondern ist ein bevorzugter Partner von Intel und produziert x86-Enterprise- und -Cloud-Technik unter eigenem Label: Storage, Switches, Server, Management. Nun expandiert QCT in Europa. Die Etablierten sollten sich warm anziehen.

Über Jahre gab es auf dem Server-Markt eigentlich nur zwei, drei große Namen. Allen voran HP und Dell – heute HPE und Dell EMC – sowie IBM, das seine Aktivitäten in dieser Richtung teilweise an Lenovo abgegeben hat. Doch nicht nur Lenovo reüsssiert. Inspur legt kräfig zu, Huawei kommt, Asus zieht ins Rechenzentrum und nun gibt auch QTC im europäischen Markt Gas. Die über viele Jahre praktizierte Auslagerung der Produktion an günstige asiatische Auftragsfertiger trägt nun halt Früchte – für die Auftragsfertiger.

Mike Yang, Vice President und General Managerbei Quanta Computer: „Bei den großen Cloud- und Hosting-Provider sind wir bereits die Nummer 1. Aber wir wollen mehr Marktanteile.“
Mike Yang, Vice President und General Managerbei Quanta Computer: „Bei den großen Cloud- und Hosting-Provider sind wir bereits die Nummer 1. Aber wir wollen mehr Marktanteile.“ (Bild: Jason Chi Photography)

Die Quanta Computer Inc. wurde 1988 gegründet und fertigte laut Wikipedia damals bereits beispielsweise mehr als 30 Prozent aller verfügbaren Notebooks weltweit. llerdings trugen diese, unterschiedliche und oft sehr bekannte Markennamen. Heute fertigt das Unternehmen, wie Vice President und General Manager Mike Yang ausführt, unter anderem Kommunikations-, Netzwerk-und Cloud-Computing-Technik. „Das ist einmalig, dass wir von Storage, und Networking, über Computer-Power bis zum Management alles im eigenen Haus fabriziren“, sagt er. Quanta beschäftigt mehr als 90.000 Mitarbeiter.

2012 wurde die Tochterfirma QCT (Quanta Cloud Technology) gegründet, eine der inzwischen 16 Tochterfirmen im Quanta-Konzern, die wiederum eine gleichnamige GmbH als Tochterfirma hat. Deren Standort ist Düsseldorf, und sie soll das Geschäft im Raum EMEA aufrollen. Aktuell arbeiten dort über 21 Mitarbeiter, die Mitarbeiterzahl soll aber noch in diesem Jahr auf 40 steigen. In Aachen befindet sich ein Technologiezentrum und eine Fertigung für Rack-Systeme.

Was Quanta für die hierzulande etablierten Hardware-Lieferanten gefährlich macht, ist erstens seine enge Verzahnung sowohl mit Speerspitzen der IT-Forschung wie MIT oder Harvard. Zweitens unterhält QCT mit Intel als wichtigstem Lieferanten von Server-Prozessoren eine sehr enge Kooperation – so bekam QCT laut Stephan Gillich, Direktor technisches Computing bei Intel, sehr früh Exemplare der neuen Prozessorserie „Xeon Scalable Platform“ zum Ausprobieren und Integrieren in seine aktuellen Server-Produkte.

QCT setzt zweite Server-Generation mit Intel Xeon Scalable Prozessoren auf

Hardware für das Cloud Computing

QCT setzt zweite Server-Generation mit Intel Xeon Scalable Prozessoren auf

13.07.17 - Quanta Cloud Technology (QCT), Anbieter von Cloud-Computing-Hardware sowie Software und Dienstleistungen für Rechenzentren, stellt eine Reihe neuer Server-Produkte vor, die mit der jüngsten Generation hochleistungsfähiger „Intel Xeon Scalable“-Prozessoren ausgerüstet sind. Damit erweitert QCT insbesondere sein Produktportfolio für Cloud Service Provider (CSP). lesen

„Wir haben für diese Prozessorserie Tonnen möglicher Systementwürfe im Schrank“, sagt James Jau, Vice President R&D bei QCT.

Auch hierzulande fand eine Präsentation der zweiten Generation der QCT-Server-Produkte statt, am 26. Juli in München. Die Rechner tragen die Labels „Quanta Grid“ und „Qanta Plex“ statt. Das ist ziemlich zügig wenn man bedenkt, dass Intel diese neue Plattform offiziell erst am 12. Juli der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Früher waren nur Tyan und Advantech dran – Tyan kündigte gar schon am 11. Juli an, man werde bald Server mit Prozessoren der Scalable-Serie im Programm haben. Spätestens zur „Mobile World 2018“ will QCT dort weitere Lösungen, unter anderem fürs Edge, vorführen.

Schon heute arbeiteten mehr als 1.000 Entwicklungsingenieure daran, die Möglichkeiten der neuen Architektur in individualisierte Produkte für die Anforderungen spezifischer Anwendungen umzusetzen – handele es sich nun um Deep oder Machine Learning, Hochleistungsrechnen oder schlicht höchste Skalierbarkeit, wie sie schnell wachsende Cloud-Anbieter brauchen. Das Entwicklungsteam soll zudem noch in diesem Jahr um weitere 500 Ingenieure wachsen.

Für den konservativen Markt in Deutschland müssen asiatsche Firmen viele Vorurteile bezüglich Qualität und Sicherheit überwinden. Da hillft es, dass es an Erfahrung und Referenzen beileibe nicht mangelt. Quanta fertigt alles – Server, Netztechnik, Storage und auch Racks – schon seit vielen Jahren, wenngleich für andere und nun unter eigenem Label, mit eigenem Design. „Kaum jemand kann diese Vielfalt aus eigener Fertigung und Entwicklung vorweisen“, sagt QCT-Chef Yang.

Kundenorentierung statt Friss-oder-Stirb

Außerdem – und das ist vielleicht der wichtigste Punkt - wisse QCT aus seinen Jahren als reiner Auftragsfertiger besser als viele andere Hersteller, was Kundenorientierung bedeute. Früher konnten die Erfindungen der Entwicklungsingenieure ohne viel Geplänkel mit den Anwendern in neue Produkte umgesetzt werden, die man den Herstellern dann in der Regel höchstpreisig aus den Händen riss.

Diese Zeiten seien längst vorüber, doch die alte Mentalität des Laborforschers sei bei den klassischen IT-Playern noch präsent und im Cloud-Zeitalter möglicherweise hinderlich. Denn im Moment geben nicht mehr die genialen Entwicklungsdiven der Computerbauer den Takt vor, sondern die gnadenlosen Anforderungen der Cloud-Provider, die sich notfalls ihre eigenen Server bauen oder bauen lassen – ganz ohne die Phalanx der etablierten Hersteller.

So arbeitet QCT schon lange intensiv an dem von Facebook ins Leben gerufenen Open Compute Project (OCP) mit und brachte 2013 mit „Rackgo X“ seine erste OCP-inspirierte Rack-Architektur auf den Markt, der inzwischen weitere folgten. Man unterhält auch enge Beziehungen zu anderen Cloud- Anbietern und -Rechenzentren.

Anlässlich der Präsentation der zweiten Server-Generation von QCT, die auf Intel Xeon Scalabe basiert, stellten sich der weltweit angesehene und bestens vernetzte James Jau, Vice President of R&D bei QCT, (links), Rainer Sträter, Vice President Global Platform Hosting bei 1&1, sowie Stephan Gillich, Director Technical Computing, Analytics, and AI GTM EMEA bei Intel dem Diskurs.
Anlässlich der Präsentation der zweiten Server-Generation von QCT, die auf Intel Xeon Scalabe basiert, stellten sich der weltweit angesehene und bestens vernetzte James Jau, Vice President of R&D bei QCT, (links), Rainer Sträter, Vice President Global Platform Hosting bei 1&1, sowie Stephan Gillich, Director Technical Computing, Analytics, and AI GTM EMEA bei Intel dem Diskurs. (Bild: Ulrike Ostler)

In Deutschland ist man beispielsweise inzwischen im Geschäft mit 1&1, dessen Hosting-Plattform partiell von QCT stammt. „Unsere dedizierten Server lassen wir zwar nach wie vor von einem deutschen Integrator nach eigenen Entwürfen fertigen, wir sind aber von der Kooperation mit QCT positiv beeindruckt und können uns durchaus vorstellen, sie auszubauen“, berichtete Rainer Sträter, Head of Global Platform Hosting bei der 1&1 Internet SE anlässlich der Präsentation in München. Eines der Kaufargumente: „Wir können Einfluss nehmen.“

Und dieser Einfluss kann weit reichen. So ist Intel wiederum am Feedback nicht nur von QCT und anderen Hardwarebauern interessiert, sondern auch an dem ihrer Kunden.

Das is das System, das 1&1 derzeit einsetzt. Rainer Sträter, VP Global Plattform Hosting bei 1&1, stellt heraus, wie wichtig die einfache Handhabung von Komponenten in einem Betrieb ist, der Tausende an Rechnern zu betreiben hat. Im hinteren Teil des Bildes, sind die "Schuhe" für die PCI-Karten erkennbar. Einfach klicken, einstecken und fertig ist der Einbau.
Das is das System, das 1&1 derzeit einsetzt. Rainer Sträter, VP Global Plattform Hosting bei 1&1, stellt heraus, wie wichtig die einfache Handhabung von Komponenten in einem Betrieb ist, der Tausende an Rechnern zu betreiben hat. Im hinteren Teil des Bildes, sind die "Schuhe" für die PCI-Karten erkennbar. Einfach klicken, einstecken und fertig ist der Einbau. (Bild: Ulrike Ostler)

Der Erfolg

Der Lohn der Mühen: Zumindest HPE und IBM verlieren zweistellig Marktanteile im Server-Markt, der Anteil der sonstigen Hersteller, hinter denen sich auch Quanta versteckt, ist nach Zahlen von Marlktanalysten zum vierten Quartal 2016 auf rund 34 Prozent angestiegen; laut IDC sind es etwa 25 Prozent. Das ist keine Marginalie.

Die weltweiten Server-Verkäufe laut Gartner.
Die weltweiten Server-Verkäufe laut Gartner. (Bild: Gartner)

Beim Design hat QCT sichtbar versucht, dringliche Probleme von Providern zu berücksichtigen. Das drückt sich in scheinbar unwichtigen Kleinigkeiten aus, die aber im Alltag von Administratoren mit Tausenden zu verwaltender Server erhebliches Gewicht haben. So ist der Austausch von Komponenten wie Lüfter, Festplatten, PCI-Karten oder DIMM-Modulen grundsätzlich ohne jedes Werkzeug möglich und so einfach und wenig kraftraubend, dass sie nur noch Sekunden dauern, wie in München vorgeführt (und von den Gästen der Veranstaltung selbst nachgemacht) wurde.

Außermdem bleibt die neue Systemgeneration im laufenden Betrieb kühler als die alte, trotz größerer Komponentendichte. Alan Chang, Produktmanager QCT: „Wir haben das gesamte Layout und die Kühltechniken überarbeitet. So montieren wir sechs Doppelventilatoren mit kleineren Rotoren und daher größerer Drehgeschwindigkeit statt der üblichen fünf, was mehr Kühleffizienz bedeutet.“ Der Idle-Verbrauch wurde auf knapp über 40 Watt begrenzt. Cheng: „Viele Server arbeiten meistens nicht und sollen dann möglichst wenig verbrauchen.“

Der „QuantaPlex T22SF-1U“ für zwei Server-Knoten. Zwei davon passen nebeneinander in ein 19-Zoll-Rack mit einem Meter Tiefe. An den Seitenist viee Platz für die Belüftung. Der schwarze Steg zeigt an, dass es einklipsfähige Bauteile gibt, die den Luftstrom leiten.
Der „QuantaPlex T22SF-1U“ für zwei Server-Knoten. Zwei davon passen nebeneinander in ein 19-Zoll-Rack mit einem Meter Tiefe. An den Seitenist viee Platz für die Belüftung. Der schwarze Steg zeigt an, dass es einklipsfähige Bauteile gibt, die den Luftstrom leiten. (Bild: Ulrike Ostler)

Ein Beispiel für die konsequente Umsetzung von OCP-Prinzipien, die größtmögliche Unabhängigkeit der Kompoenenten und Flexibiltät fordern, ist der „QuantaPlex T22SF-1U“ für zwei Server-Knoten: So nutzen die Knoten keine gemeinsamen Komponenten, arbeiten also vollkommen unabhängig voneinander.

QCT-Computerknoten für den High-Density-Multinode-Server „Quanta Plex T22SF-1U“ mit an der Rückseite montiertem, flexibel verschiebbaren Laufwerksträger für zwei ohne Werkzeug einsetzbare SSD-Laufwerke.
QCT-Computerknoten für den High-Density-Multinode-Server „Quanta Plex T22SF-1U“ mit an der Rückseite montiertem, flexibel verschiebbaren Laufwerksträger für zwei ohne Werkzeug einsetzbare SSD-Laufwerke. (Bild: Quanta Cloud Technolgy)

Das Rack enthält für jeden Knoten redundante Stromversorgungen und Lüfter (2 +1Ü). Gleichzeitig sind die Knoten-Blades so gestaltet, dass sie sowohl in den rechten als auch in den linken Einschub des Gehäuses passen. Das funktioniert, weil der Cage für die beiden vorgesehenen SSD-Festplatten am Ende des Knotenmoduls auf einer Schiene montiert ist und sich daher je nachdem, ob das Modul rechts oder links im Gehäuse steckt, geführt von einer Schiene, an die passende Position verschiebt.

Hier passen die 2 SSDs hinein; Einbau und Ausbau erfolgt ohne Schrauben und Basteln.
Hier passen die 2 SSDs hinein; Einbau und Ausbau erfolgt ohne Schrauben und Basteln. (Bild: Ulrike Ostler)

Federn am Cage stabilisieren ihn nahe der Mittenposition, aus der er nur so weit wie gerade nötig verschoben wird. „So muss man für diesen Rechner jeweils nur ein Knotenmodul vor Ort in Reserve halten statt mindestens zwei“, erklärt ein QCT-Mitarbeiter.

Weitere Geräte:

Zu den neuen Geräten gehören drei hocheffiziente Compute-Server für Aufgaben wie HPC, vier hochskalierbare Servermodelle für Anwendungen wie VDI, Hyperskalierung oder vSAN, zwei Systeme für AI-Aufgaben mit bis zu acht GPUs und vier Storage-Server, die mit Aufgaben wie Hadoop, Big Data oder hyperskalierbarer Storage am besten fertig werden. Zwei Modelle aus der hochskalierbaren Serie „QuantaPlex T42“ und zwei der HPC-Systeme unter dem Label Quanta Grid sind bereits global verfügbar, der Rest der Server kommt im Herbst.

William Shih, Country Manager EMEA, will von Düsseldorf aus den deutschen und europäischen Markt erschließen. Der Manager, der zuvor für Acer tätig war, wird sich zunächst um Provider und auch Enterprises kümmern – der Mittelstand wird weiter über Distis bedient. „Wir bieten Produkte, die etwa so viel kosten wie die von HP. Unser derzeit hier noch recht kleiner Marktanteil soll sich jedes Jahr verdoppeln bis verdreifachen.“

„Ich möchte den Umsatz jährlich verdoppeln bis verdreifachen“, sagt William Shih. Er soll für QCT von Düsseldorf aus das EMEA-Geschäft aufbauen.
„Ich möchte den Umsatz jährlich verdoppeln bis verdreifachen“, sagt William Shih. Er soll für QCT von Düsseldorf aus das EMEA-Geschäft aufbauen. (Bild: Ariane Rüdiger)

Das ist bei einem von Shih aktuell angenommenen Anteil eigener Produkte am deutschen Serve-Markt von 0,5 Prozent sicher noch keine Bedrohung, könnte sich aber schnell dazu auswachsen, wenn die Wachstumswünsche des Unternehmens sich erfüllen oder gar übertroffen werden.

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44809558 / Server)