NorthC betreibt 25 Rechenzentren mit 140 Megawatt gesicherter Kapazität in der Benelux- und DACH-Region und wächst weiter: sechs Übernahmen, vier Neubauprojekte. DataCenter-Insider hat mit Managing Director Donald Badoux gesprochen.
Der Managing Director DACH Donald Badoux erklärt, dass Colocation-Anbieter wie NorthC einen Vorteil haben, wenn es um Stromvergabe geht. Aber auch die geopolische Lage spiele europäischen Anbietern in die Karten.
(Bild: NorthC)
NorthC ist ein Rechenzentrumsbetreiber mit Sitz in den Niederlanden. Im September 2024 übernahm NorthC sechs Rechenzentren von Colt Technology Services. Fünf der übernommenen Standorte befinden sich in Deutschland: Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München. Colt Technology Services ist ein Telekommunikationsanbieter, der sich auf sein Kerngeschäft Netzwerke konzentrieren wollte.
Zusammen mit den bestehenden Standorten in Nürnberg und München betreibt NorthC nun sieben Rechenzentren in Deutschland und baut aktuell vier Standorte hierzulande. Damit entsteht Schritt für Schritt ein Netzwerk von Rechenzentren, die zusammen eine Plattform bilden.
Im Gespräch mit DataCenter-Insider bezeichnet Donald Badoux, der Managing Director DACH bei NorthC, die Übernahme als Quantensprung: von einem bayerisch fokussierten Betreiber zu einem bundesweiten Netzwerk. Doch der Betriebsübergang fand ohne Personal statt: NorthC musste alle Techniker selbst einstellen. Seit September 2024 sind somit 26 neue Mitarbeiter, in Technik, Vertrieb, Kundenbetreuung und IT, hinzugekommen.
Über den Interviewpartner
Donald Badoux
Den Einstieg ins Rechenzentrumsgeschäft machte Badoux bei Equinix. Zuvor war er bereits viele Jahre in der IT- und Telekommunikationsbranche tätig, unter anderem bei Verizon Business, wo er zuletzt als Geschäftsführer Deutschland tätig war. Bei Equinix erlebte er den Übergang vom Colocation-Geschäft für Mittelstand und DAX-Unternehmen zu den ersten großen Hyperscaler-Projekten. Danach folgten vier Jahre bei Energieversorgung Offenbach, wo er Abwärmeverträge mit Rechenzentrumbetreibern verhandelte. Seit Januar 2025 ist er als Managing Director DACH bei NorthC tätig.
Die übernommenen Rechenzentren entsprechen noch nicht dem internen NorthC-Standard, der auf Tier-3-Zertifizierung nach EN 50 600 sowie vollständiger Redundanz ausgelegt ist. Ein eigenes Projektmanagement-Team arbeitet derzeit daran, physische Sicherheitsschranken, Card-Reader-Systeme, zusätzliche Generatoren und USV-Anlagen nachzurüsten, wie Badoux im Gespräch schilderte.
Parallel zur Integration der übernommenen Standorte treibt NorthC vier Neubauprojekte voran: an der Mainzer Landstraße in Frankfurt, in Neu-Isenburg, in Maintal bei Hanau sowie in Berlin, wo eine ehemalige Druckerei am Wasserwerk komplett entkernt und zum Rechenzentrum umgebaut wird.
In Neu-Isenburg setzt NorthC auf modulare Bauweise: Das Unternehmen arbeitet mit dem Hersteller Codalto zusammen und plant zunächst vier vorgefertigte Datenraummodule mit je 750 Kilowatt und somit insgesanmt 3 Megawatt IT-Kapazität. Ausbaustufen bis zu sieben Modulen sind vorgesehen. Notstromgeneratoren und Kühlgeräte werden modular ergänzt, was einen phasenweisen Aufbau ermöglicht, wie Badoux erklärt. In Neu-Isenburg liegt auch ein städtebaulicher Vertrag vor, der Nachhaltigkeits- und Ästhetikanforderungen berücksichtigt. Ein Bürogebäude soll hier mit einer Holzfassade optisch aufgewertet werden.
Das Projekt an der Mainzer Landstraße dagegen folgt klassischer Bauweise mit Betonhülle und technischer Gebäudeausstattung. Badoux beschreibt die Kombination beider Ansätze als bewusste Strategie: Die Blueprint lege technische Standards, Nachhaltigkeitsanforderungen und ästhetische Vorgaben fest. Nicht jedes Projekt erfordere dieselbe Bauform.
Stromvergabe: Warum kleinere Betreiber oft bevorzugt werden
Die Verfügbarkeit von Netzanschlusskapazität ist im Frankfurter Raum eine der größten Herausforderungen. Badoux schildert den Vergabemechanismus: Netzbetreiber wie Netzdienste Rhein-Main (NRM) nehmen Anfragen mehrerer Betreiber entgegen und verteilen verfügbare Kapazitäten ohne zu diskriminieren. Hyperscaler beantragen häufig 50 bis 100 Megawatt. Erhalten sie nicht die volle Menge, ziehen sie das Projekt nach Badoux' Erfahrungen zurück. Verbleibende Kapazitäten gehen dann an Betreiber wie NorthC, die 4 bis 7 Megawatt anfragen, da sie kleinere Standorte planen.
Kühlung und KI: hybride Ansätze für steigende Rack-Dichten
Mit der KI-getriebenen Nachfrage steigen die thermischen Anforderungen an Rechenzentren. Badoux sieht Racks mit 50 bis 100 Kilowatt als realistische Größe für die eigene Kundschaft. Einzelne Anbieter testen bereits Racks bis 500 Kilowatt oder ein Megawatt, was er für den Mittelstand und DAX-Kunden auf Sicht von fünf Jahren jedoch für nicht relevant hält.
NorthC plant daher hybride Kühlinfrastrukturen, also eine Kombination aus Wasser- und Luftkühlung, da eine vollständige Umrüstung auf Flüssigkühlung besonders in Bestandsgebäuden aufwändig ist. Bei Neubauten wie Berlin, wo eine komplette Entkernung vorgesehen ist, lässt sich Liquid Cooling von Anfang an einplanen, sagt er.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Die Frage nach der Abwärme – Zwischen Pflicht und Praxis
Das Energie-Effizienzgesetz schreibt Rechenzentren die Bereitstellung von Abwärme vor. NorthC liefert Wärme bis zur Grundstücksgrenze und sucht anschließend Abnehmer bei Stadtwerken oder Industrienachbarn. Voraussetzung ist das Interesse des Netzbetreibers. Lehnt dieser ab, entfällt die Pflicht.
In München läuft bereits ein entsprechendes Projekt. In Offenbach kooperiert der lokale Netzbetreiber Evo mit mehreren Rechenzentrumbetreibern. Abwärme wird dort auf bis zu 90 Grad hochgepumpt und ins Fernwärmenetz eingespeist. Für Neubaugebiete mit Fußbodenheizung genügen laut Badoux auch niedrigere Vorlauftemperaturen.
Europäische Identität als geopolitischer Faktor
Die geopolitische Situation gegenüber den USA beschreibt Badoux als Wachstumstreiber. Kunden, darunter öffentliche Einrichtungen, fragen zunehmend nach der Eigentümerstruktur und bevorzugen einen europäischen Investor.
NorthC wird seit Januar 2025 von DWS Deutsche Bank als bisherigem Investor übernommen und wechselt zum französischen Infrastrukturmanager Antin Infrastructure Partners, der auch Eurofiber (Niederlande) und Glasfasernetzwerke in England hält. Der Eigentümerwechsel soll Kapital für schnelleres Wachstum bringen, möglicherweise auch in neue Länder, wie Badoux andeutet.