Wachstum, Stromanschlüsse und Baukonzepte „Wir sind kein Hyperscaler. Und das ist unser Vorteil“

Von Paula Breukel 4 min Lesedauer

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NorthC betreibt 25 Rechenzentren mit 140 Megawatt gesicherter Kapazität in der Benelux- und DACH-Region und wächst weiter: sechs Übernahmen, vier Neubauprojekte. DataCenter-Insider hat mit Managing Director Donald Badoux gesprochen.

Der Managing Director DACH Donald Badoux erklärt, dass Colocation-Anbieter wie NorthC einen Vorteil haben, wenn es um Stromvergabe geht. Aber auch die geopolische Lage spiele europäischen Anbietern in die Karten.(Bild:  NorthC)
Der Managing Director DACH Donald Badoux erklärt, dass Colocation-Anbieter wie NorthC einen Vorteil haben, wenn es um Stromvergabe geht. Aber auch die geopolische Lage spiele europäischen Anbietern in die Karten.
(Bild: NorthC)

NorthC ist ein Rechenzentrumsbetreiber mit Sitz in den Niederlanden. Im September 2024 übernahm NorthC sechs Rechenzentren von Colt Technology Services. Fünf der übernommenen Standorte befinden sich in Deutschland: Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München. Colt Technology Services ist ein Telekommunikationsanbieter, der sich auf sein Kerngeschäft Netzwerke konzentrieren wollte.

Zusammen mit den bestehenden Standorten in Nürnberg und München betreibt NorthC nun sieben Rechenzentren in Deutschland und baut aktuell vier Standorte hierzulande. Damit entsteht Schritt für Schritt ein Netzwerk von Rechenzentren, die zusammen eine Plattform bilden.

Von der Colt-Übernahme...

Im Gespräch mit DataCenter-Insider bezeichnet Donald Badoux, der Managing Director DACH bei NorthC, die Übernahme als Quantensprung: von einem bayerisch fokussierten Betreiber zu einem bundesweiten Netzwerk. Doch der Betriebsübergang fand ohne Personal statt: NorthC musste alle Techniker selbst einstellen. Seit September 2024 sind somit 26 neue Mitarbeiter, in Technik, Vertrieb, Kundenbetreuung und IT, hinzugekommen.

Über den Interviewpartner

Donald Badoux


Den Einstieg ins Rechenzentrumsgeschäft machte Badoux bei Equinix. Zuvor war er bereits viele Jahre in der IT- und Telekommunikationsbranche tätig, unter anderem bei Verizon Business, wo er zuletzt als Geschäftsführer Deutschland tätig war.

Bei Equinix erlebte er den Übergang vom Colocation-Geschäft für Mittelstand und DAX-Unternehmen zu den ersten großen Hyperscaler-Projekten.

Danach folgten vier Jahre bei Energieversorgung Offenbach, wo er Abwärmeverträge mit Rechenzentrumbetreibern verhandelte. Seit Januar 2025 ist er als Managing Director DACH bei NorthC tätig.

Die übernommenen Rechenzentren entsprechen noch nicht dem internen NorthC-Standard, der auf Tier-3-Zertifizierung nach EN 50 600 sowie vollständiger Redundanz ausgelegt ist. Ein eigenes Projektmanagement-Team arbeitet derzeit daran, physische Sicherheitsschranken, Card-Reader-Systeme, zusätzliche Generatoren und USV-Anlagen nachzurüsten, wie Badoux im Gespräch schilderte.

...bis zu Greenfield-Projekten

Parallel zur Integration der übernommenen Standorte treibt NorthC vier Neubauprojekte voran: an der Mainzer Landstraße in Frankfurt, in Neu-Isenburg, in Maintal bei Hanau sowie in Berlin, wo eine ehemalige Druckerei am Wasserwerk komplett entkernt und zum Rechenzentrum umgebaut wird.

In Neu-Isenburg setzt NorthC auf modulare Bauweise: Das Unternehmen arbeitet mit dem Hersteller Codalto zusammen und plant zunächst vier vorgefertigte Datenraummodule mit je 750 Kilowatt und somit insgesanmt 3 Megawatt IT-Kapazität. Ausbaustufen bis zu sieben Modulen sind vorgesehen. Notstromgeneratoren und Kühlgeräte werden modular ergänzt, was einen phasenweisen Aufbau ermöglicht, wie Badoux erklärt. In Neu-Isenburg liegt auch ein städtebaulicher Vertrag vor, der Nachhaltigkeits- und Ästhetikanforderungen berücksichtigt. Ein Bürogebäude soll hier mit einer Holzfassade optisch aufgewertet werden.

Das Projekt an der Mainzer Landstraße dagegen folgt klassischer Bauweise mit Betonhülle und technischer Gebäudeausstattung. Badoux beschreibt die Kombination beider Ansätze als bewusste Strategie: Die Blueprint lege technische Standards, Nachhaltigkeitsanforderungen und ästhetische Vorgaben fest. Nicht jedes Projekt erfordere dieselbe Bauform.

Stromvergabe: Warum kleinere Betreiber oft bevorzugt werden

Die Verfügbarkeit von Netzanschlusskapazität ist im Frankfurter Raum eine der größten Herausforderungen. Badoux schildert den Vergabemechanismus: Netzbetreiber wie Netzdienste Rhein-Main (NRM) nehmen Anfragen mehrerer Betreiber entgegen und verteilen verfügbare Kapazitäten ohne zu diskriminieren. Hyperscaler beantragen häufig 50 bis 100 Megawatt. Erhalten sie nicht die volle Menge, ziehen sie das Projekt nach Badoux' Erfahrungen zurück. Verbleibende Kapazitäten gehen dann an Betreiber wie NorthC, die 4 bis 7 Megawatt anfragen, da sie kleinere Standorte planen.

In Neu-Isenburg gestaltet sich die Lage günstiger: Stadtwerk Neu-Isenburg und der Netzbetreiber Eno (Tochter von Evo Offenbach) bauen ihr 110-kV-Netz aus. NorthC und erhalten.Nachbar Goodmann haben beide verbindliche Stromzusagen Die Kapazitäten sind vertraglich gesichert.

Kühlung und KI: hybride Ansätze für steigende Rack-Dichten

Mit der KI-getriebenen Nachfrage steigen die thermischen Anforderungen an Rechenzentren. Badoux sieht Racks mit 50 bis 100 Kilowatt als realistische Größe für die eigene Kundschaft. Einzelne Anbieter testen bereits Racks bis 500 Kilowatt oder ein Megawatt, was er für den Mittelstand und DAX-Kunden auf Sicht von fünf Jahren jedoch für nicht relevant hält.

NorthC plant daher hybride Kühlinfrastrukturen, also eine Kombination aus Wasser- und Luftkühlung, da eine vollständige Umrüstung auf Flüssigkühlung besonders in Bestandsgebäuden aufwändig ist. Bei Neubauten wie Berlin, wo eine komplette Entkernung vorgesehen ist, lässt sich Liquid Cooling von Anfang an einplanen, sagt er.

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Die Frage nach der Abwärme – Zwischen Pflicht und Praxis

Das Energie-Effizienzgesetz schreibt Rechenzentren die Bereitstellung von Abwärme vor. NorthC liefert Wärme bis zur Grundstücksgrenze und sucht anschließend Abnehmer bei Stadtwerken oder Industrienachbarn. Voraussetzung ist das Interesse des Netzbetreibers. Lehnt dieser ab, entfällt die Pflicht.

In München läuft bereits ein entsprechendes Projekt. In Offenbach kooperiert der lokale Netzbetreiber Evo mit mehreren Rechenzentrumbetreibern. Abwärme wird dort auf bis zu 90 Grad hochgepumpt und ins Fernwärmenetz eingespeist. Für Neubaugebiete mit Fußbodenheizung genügen laut Badoux auch niedrigere Vorlauftemperaturen.

Europäische Identität als geopolitischer Faktor

Die geopolitische Situation gegenüber den USA beschreibt Badoux als Wachstumstreiber. Kunden, darunter öffentliche Einrichtungen, fragen zunehmend nach der Eigentümerstruktur und bevorzugen einen europäischen Investor.

NorthC wird seit Januar 2025 von DWS Deutsche Bank als bisherigem Investor übernommen und wechselt zum französischen Infrastrukturmanager Antin Infrastructure Partners, der auch Eurofiber (Niederlande) und Glasfasernetzwerke in England hält. Der Eigentümerwechsel soll Kapital für schnelleres Wachstum bringen, möglicherweise auch in neue Länder, wie Badoux andeutet.

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