Falk Weinreich, General Manager DACH von OVHcloud, im Gespräch „Wir haben Jahrzehnte Erfahrung mit Wasserkühlung“

Von M.A. Jürgen Höfling 4 min Lesedauer

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Der europäische Cloud-Service-Provider OVHcloud setzte bei seinen weltweit installierten Rechenzentren (fast) immer schon auf Wasserkühlung. Jetzt ist man bereit, die breite Expertise in diesem Bereich innerhalb des „Open Compute Project“ mit der Community zu teilen.

OVHcloud leistete Pionierarbeit bei der Wasserkühlung im Rechenzentrum und ist langjähriger Vorreiter eines nachhaltigen Ansatzes. Im Foto eines der Datacenter in Roubaix.(Bild:  Xavier POPY / OVHcloud)
OVHcloud leistete Pionierarbeit bei der Wasserkühlung im Rechenzentrum und ist langjähriger Vorreiter eines nachhaltigen Ansatzes. Im Foto eines der Datacenter in Roubaix.
(Bild: Xavier POPY / OVHcloud)

Mit über 30 Rechenzentren auf dem Globus, von Australien, Singapur und Indien bis nach Deutschland und Frankreich, wo sich die Zentrale befindet, ist der Cloud-Service-Provider OVHcloud unter den ersten zehn Akteuren weltweit, wie Falk Weinreich, General Manager der DACH-Region, in einem Podcast-Aufzeichnung der DataCenter Diaries, sagt. Freilich sei man nach den Schwergewichten aus den USA und China trotz der prominenten Platzierung immer noch eine Art „kleines gallisches Dorf“, fügt er charmant dazu.

Der DataCenter-Diaries-Podcast #29: „Falk Weinreich erläutert die Wasserkühlung in den Servern von OVHcloud“ gibt das Gespräch von Ulrike Ostler, Chefredakteurin von DataCenter-Insider, und dem OVHcloud-Manager wieder.

Die Podcast-Folge #29 von DataCenter Diaries findet sich auf Spotify, Apple Podcasts, Deezer, Amazon Musik und Google Podcasts.

OVHcloud ist indes nicht nur ein weltweit beachteter Cloud-Service-Anbieter, sondern hat auch in puncto Technologie einiges zu bieten. Nicht zuletzt setzte das Unternehmen in den hauseigenen Rechenzentren schon zu Zeiten konsequent auf Wasserkühlung, als dieses Konzept beim Mitbewerb noch kaum eine Rolle spielte. „Die Gründer von OVHcloud sahen damals vor fast zwanzig Jahren in der Wasserkühlung vor allem einen ökonomischen Vorteil, nachträglich spiegelt sich darin auch ökologische Weitsicht, erläutert Weinreich.

Nota bene: Auch heute wird die übergroße Zahl der weltweit installierten Rechenzentren noch luftgekühlt, obwohl zum Beispiel Wasser eine etwa 4-mal größere Wärmekapazität hat als Luft. Eigentlich verrückt.

Die spezifische Wärmekapazität gibt an, wie viel Wärme-Energie ein Material pro Masseneinheit benötigt, um seine Temperatur um eine bestimmte Menge zu erhöhen. Die spezifische Wärmekapazität von Wasser beträgt etwa 4,18 Joule pro Gramm Kelvin, während die spezifische Wärmekapazität von trockener Luft bei etwa 1,005 Joule pro Gramm Kelvin liegt. Das Verhältnis von Wasser zu Luft beträgt also ungefähr 4,18 / 1,005, was etwa 4,16 entspricht.

Technologie soll in das Open Compute Project eingebracht werden

OVHcloud hat in seinen Rechenzentren zwei Wasserkreisläufe installiert: Zum einen läuft Wasser über ein Kupferbehältnis direkt auf den GPU/CPU-Prozessoren in den Serverschränken, zum anderen sind Backend-Kühlkörper an den nicht-rechentechnischen Aggregaten des Rechenzentrums montiert, beispielsweise den unterbrechungsfreien Stromversorgungen.

Die gesamte Architektur der OVHcloud-Rechenzentren ist „Marke Eigenbau“, führt Weinreich aus. Man konzipiere sowohl die Server und Racks selbst als auch das komplette Kühlungs-Equipment. Sogar die Bleche stanze man selbst.

Der Geschäftsfokus von OVHcloud liege zu hundert Prozent auf Cloud-Services und nicht auf der Vermarktung von technischer Expertise beim Bau von Rechenzentren. Insofern sei die technologische Basis in gutem Sinn proprietär.

Mittlerweile hat man bei OVHcloud aber im Rahmen des Open Compute Project (OCP) auch ein Modell entwickelt, das man der Allgemeinheit zur Verfügung stellen will, allerdings sei dieses Hybridmodell, wie es Weinreich nennt, noch nicht wirklich am Fliegen. Aber man sei fest entschlossen, vieles von dem umfassenden Kühlungs-Knowhow, über das man verfüge, in die OCP-Community einzubringen.

Die Nachnutzer der Abwärme lassen noch auf sich warten

Die Wasserkreisläufe in OVHcloud-Rechenzentren (nicht zuletzt auch bei dem deutschen Rechenzentrum im hessischen Limburg) sind weitgehend geschlossen, es wird also kaum Wasserverbrauch. Lediglich an einigen besonders heißen Tagen im Sommer werde „adiabatisch nachgeholfen“, sprich: Man versprühe Wasser, das dann als Verdunstungskälte fungiere, erläutert der OVHcloud-Manager.

Angesichts des vielen warmen Wassers, das durch die Leitungen der OVHcloud-Rechenzentren fließt, stellt sich eigentlich von selbst die Frage der Abwärmenutzung. Durch die direkte Wasserkühlung gibt es kaum Wärmeverluste, im Prinzip sollte man eventuellen Nachnutzern in Wohngebäuden oder Industrieanlagen Wassertemperaturen anbieten können, die sofort weiterverwendet werden können, also keine zusätzliche Energiezuführung (über Wärmepumpen zum Beispiel) benötigen.

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Gleichwohl hat man bisher noch keine Interessenten gefunden, so Falk Weinreich. Das zeigt einmal mehr, dass etwas, was in der Theorie nahe liegt, wie die Abwärmenutzung von Rechenzentren, sich in der Praxis durchaus als vertrackt erweist. Der Grund ist klar: hier müssen mehrere Akteure (Rechenzentrumsbetreiber, Nah- oder Fernwärmelieferanten und kommunale Verwaltung) zusammenkommen beziehungsweise zusammenkommen wollen.

Klimaneutralität nicht aus dem Blick lassen

Letztlich muss dieses Zusammenkommen schon in Landesentwicklungs- und regionalen Raumordnungsplänen vorbereitet werden. Post festum wird man nur in Ausnahmenfällen Erfolg haben können.

Das Unternehmen OVHcloud tut jedenfalls einiges, dass bei den hauseigenen Rechenzentren die Klimaneutralität nicht aus dem Blick gerät: Man nutzt, wo immer es sinnvoll ist, vorhandene Industriegebäude („Brownfield“) und man bezieht für das deutsche Rechenzentrum erneuerbare Energie aus einem Windpark in der Nordsee (PPA). Und nicht zu vergessen: Man nutzt Flüssigkeitskühlung, insbesondere mit Wasser, schon seit Jahrzehnten und hat damit einen großen Erfahrungsschatz. Und man ist für eine Nachnutzung offen.

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