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Photonen-Qubits mit aufgesetzter Wechselwirkung Wie funktionieren photonische Quantenrechner?

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 5 min Lesedauer

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Quantencomputer versprechen neue Leistungsdimensionen beim Computing. Sie fußen auf unterschiedlichen Basistechnologien. Eine davon ist Photonik, also das Rechnen mit Lichtteilchen.

Der erste photonischer Quantencomputer in Deutschland rechnet in Paderborn. Zu sehen sind einige der optischen Elemente des Versuchsaufbau, in dem das gequetschte Licht erzeugt wird. (Bild:  Universität Paderborn, Martin Ratz)
Der erste photonischer Quantencomputer in Deutschland rechnet in Paderborn. Zu sehen sind einige der optischen Elemente des Versuchsaufbau, in dem das gequetschte Licht erzeugt wird.
(Bild: Universität Paderborn, Martin Ratz)

Heute gibt es verschiedene Basistechnologien, auf denen sich Quantencomputer aufbauen lassen. Eine davon ist die Photonik, also letztlich das Erzeugen von Qubits durch Licht.

Daneben gibt es weitere Basistechnologien: Spin, neutrale Atome oder Ionenfallen und supraleitende. Zudem gibt es adiabatische Quantenrechner, so genannte Digital Annealer. Es ist nicht klar, ob sich eine Technologie durchsetzt oder neue dazukommen.

Photonische Quantencomputer bei den Hyperscalern

Bei „Amazon Braket“ gibt es Zugriff auf „Borealis“ von Xanadu, einem photonischen Quantenprozessor. Allerdings ist Borealis ist kein universeller Quantencomputer, sondern spezialisiert auf (Gaussian Boson Sampling,; man spricht von “continuous-variable quantum computing”.

Microsoft arbeitet in Kooperation mit Photonic Inc. an photonisch-verknüpften Silizium-Spin Qubits gearbeitet. Der Fokus vom Microsoft leigt jedoch auf vielfach hybriden Systeme,, Error-Correction, supraleitenden und topologischen Ansätze, wie „Majorana 1”.

Vorteile photonischer Quantencomputer

Welche Vorteile haben photonische Quantenrechner? Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist man überzeugt von der Technologie. So sei man es gewohnt, Licht und damit durch Photonen erzeugte Qubits zu messen.

Außerdem könne man sie über Glasfasern mühelos transportieren, was sie für das Thema Quantenkommunikation interessant macht. Alle nötigen Komponenten eines photonischen Quantencomputers passen auf einen Chip.

Photonen: Wechselwirkung wird simuliert

Der Nachteil der Technologie besteht darin, dass Photonen an sich nicht miteinander wechselwirken. Die fürs Quantencomputing nötige Wechselwirkung muss also irgendwie anderweitig erzeugt, man könnte auch sagen simuliert werden.

Dies geschieht etwa bei Quix Quantum durch Inferenz, also die Überlagerung von Lichtwellen. Das ist ein 2019 gegründetes Startup, das bereits einen photonischen Quantencomputer und Quantencomputerchip anbietet.

Mach-Zehnder Interferometer als Grundeinheit des Quantenchips

Grundkomponente des Rechners ist eine Zelleinheit (Unit Cell). In ihr steckt ein Mach-Zehnder Interferometer (MZI), ein 1891/92 von Ludwig Mach und Ludwig Zehnder entwickeltes optisches Messinstrument. Es verwendet Phasenverschiebungen an geteilten Lichtstrahlen.

Der photonische Quantencomputerchip  von Quix Quantum ist aus vielen solcher Zelleinheiten (Unit Cells) aufgebaut, die jeweils ein Qubit abbilden.(Bild:  Quix Quantum)
Der photonische Quantencomputerchip von Quix Quantum ist aus vielen solcher Zelleinheiten (Unit Cells) aufgebaut, die jeweils ein Qubit abbilden.
(Bild: Quix Quantum)

Mit ihm lassen sich Lichtstrahlen gesteuert teilen. Das Bauteil enthält den Strahlteiler und einen internen sowie einen externen Phasenschieber.

Ein Chip besteht aus vielen dieser Grundeinheiten. Dabei werden die Lichtstrahlen innerhalb des Chips mittels Silizium-Nitrit-Wellenleitern (Si-3N4) geleitet. Sie sind in Siliziumoxid eingebettet. Die Wellenleiter eignen sich für Wellen zwischen 405 und 2350 nm Wellenlänge.

Spezielles Fertigungsverfahren für photonische Wellenleiter

Die Wellenleiter haben dank eines speziellen Fertigungsverfahrens eine sehr geringe Dämpfung von zwischen 0,1 dB/cm bis 0,1 dB/m. Auch Brüche werden dadurch vermieden.

Dabei wird das Siliziumnitrid in Gräben im Siliziumoxid aufgebracht, statt eine Siliziumnitrid-Schicht aufzubringen und die Leiterbahnen dann durch Ätzen zu erzeugen. Das erhöht die Dispersionsmöglichkeiten und verringert die Rauhheit der Kanalwände.

Viele Zellen bilden im photonische Quantenprozessor ein Muster

Der Strahlteiler teilt den Photonenstrahl hälftig auf. Der interne Phasenschieber verändert das Verhältnis der Amplituden an den zwei Ausgängen der Zelleinheit. Der externe verändert hier die Phase.

Der Photonik-Chip von Quix Quantum wird auf einem speziellen Träger montiert.(Bild:  Quix Quantum)
Der Photonik-Chip von Quix Quantum wird auf einem speziellen Träger montiert.
(Bild: Quix Quantum)

In einem Photonik-Prozessor werden viele dieser Zellen zu einem spezifischen Muster kombiniert. Es erlaubt die Implementierung jeder beliebigen linearen optischen Transformation zwischen mehreren optischen Eingabesignalen.

Universelle Verschaltungsmöglichkeiten im photonischen Quantenchip

Das Muster wird jeweils so gewählt, dass jedes Eingangssignal sich mit jedem anderen optischen Eingangssignal überlagern kann und den Chip an jedem Ausgang verlassen kann. Das ermöglicht optimale Interaktion zwischen den optischen Signalen.

Dieses Aggregat wird in eine Steuereinheit und diese wiederum in ein Gesamtsystem eingebaut. Anwendungsgebiete sind zum Beispiel Kryptographie, Zufallszahlgenerator, optische Switches und anderes mehr.

Der photonische Quantencomputer in Paderborn

An der Universität Paderborn haben es Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen 2024 geschafft, Europas größten Sampling-basierten Quantencomputer zu bauen. „Paqs“ („Paderborn Quantum Sampler“) ist im Rahmen der Phoquant-Förderinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) von Forschenden der Universität Paderborn gemeinsam mit den Partnern Menlo Systems, Fraunhofer IOF Jena und Swabian Instruments aufgebaut worden.

Doch insgesamt vereint das mit rund 50 Millionen Euro geförderte Projekt die Expertise von 13 Partner aus Wissenschaft und Industrie. Koordiniert wird das Projekt vom deutschen Quantentechnologieunternehmen Qant, Es folgt ein zweiter Sampling-basierten Quantencomputer mit Cloud Access am Standort des IOF in Jena.

Professor Christine Silberhorn, Physikerin und Sprecherin des „Instituts für Photonische Quantensysteme“ (PhoQS) an der Universität Paderborn, erläutert: „Die aktuell größten photonischen Quantencomputer stehen derzeit in China, Singapur, Frankreich und Kanada.“ Jeder technologische Ansatz im Quantencomputing habe seine Vor- und Nachteile. Zum Beispiel können photonische Netzwerke, also solche, die auf Licht basieren und mit kleinen Lichtteilchen, den Photonen, arbeiten, bei Raumtemperatur betrieben und in miniaturisierten, programmierbaren Schaltungen implementiert werden. Aber sie hätten mit optischen Verlusten zu kämpfen.

Beim sogenannten „Pigtailing“ werden Glasfaserkabel permanent mit einem integriert-optischen Quantenbauteil verbunden.(Bild:  Universität Paderborn, Besim Mazhiqi)
Beim sogenannten „Pigtailing“ werden Glasfaserkabel permanent mit einem integriert-optischen Quantenbauteil verbunden.
(Bild: Universität Paderborn, Besim Mazhiqi)

Sie fährt fort: „Diesem Problem stellen wir uns, indem wir auf die weltführende Expertise Deutschlands in der integrierten Photonik zurückgreifen.“ Und sie verweist auf die Erfolge: „Uns ist es gelungen, einen so genannten ‚Gaußschen Boson Sampler‘ zu realisieren, der aus skalierbaren Bauelementen besteht. Dafür mussten viele Komponenten erst neu entwickelt werden. Dies ist ein aufwendiger Prozess, der anschaulich die Größe und Komplexität des Unterfangens zeigt.“

Die Programmierbarkeit

Die Paderborner haben mit Paqsden bisher die größte „Gaußsche-Boson-Sampling-Maschine“ realisiert. Dabei wird – vereinfacht ausgedrückt – gemessen, aus welchen Ausgängen eines photonischen Netzwerkes die Photonen kommen. „Das Gaußsche-Bosonen-Sampling ist ein Modell des photonischen Quantencomputers, das als Plattform für den Bau von Quantengeräten Aufmerksamkeit erlangt hat“, so Silberhorn.

Im Gegensatz zu früheren Implementierungen habe das Team den Rechner mit Blick in Richtung Systemintegration und vollständiger Programmierbarkeit gebaut. „Das bedeutet ganz konkret, dass wir ein voll programmierbares und integriertes Interferometer verwenden, mit dem wir jede gewünschte Konfiguration umsetzen können. Bei diesem Ansatz werden Lichtteilchen in einem Netzwerk von Lichtwellenleitern — man kann sich das etwa als Weichennetz in einem Rangierbahnhof vorstellen — verteilt und gelenkt. Am Ausgang des Netzwerks misst man, wo die Photonen aus dem Netzwerk herauskommen. Relevant könnte das zum Beispiel für die Lösung von Proteinfaltungsproblemen oder die Berechnung molekularer Zustände im Rahmen der Medikamentenforschung sein“, hält Silberhorn fest.

Die vollständige Programmierbarkeit bedeute außerdem, dass selbst solche Anwendungen implementiert werden können, die sich aus zukünftigen Untersuchungen ergeben, womit eine nie dagewesene Flexibilität und ein hoher Grad an Anwendbarkeit einhergehen.

Viel Basiswissen gefragt

Die Implementierung eines solchen Systems erfordert ein tiefes Verständnis aller beteiligten Bausteine. Quantenmechanische Phänomene wie das so genannte Quetschen und die Überlagerung oder Verschränkung von Photonen sorgen für die unglaublich hohe Rechenleistung von Quantencomputern. Am Anfang steht dabei immer die Erzeugung einer bestimmten Quantenressource.

Silberhorn erklärt: „Bei dem Gaußschen-Bosonen-Sampling ist diese Ressource als ,Squeezing‘ oder ,gequetschtes Licht‘ bekannt, dessen quantenmechanische Eigenschaften manipuliert und damit nutzbar gemacht wurden.“ Die Fachgruppe ‚Integrierte Quantenoptik‘ an der Universität Paderborn habe eine lange Tradition in der Verwendung von optischen Wellenleitern, um hoch optimierte gequetschte Zustände zu entwickeln. „Wir haben auf diese Expertise zurückgegriffen, um eine Lichtquelle zu produzieren, die die Paqs-Maschine antreibt.

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