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Cloud mit Zaun und Ausstiegsfallen Was ist ein Cloud Lock-in?

Von Manuel Masiero 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Bei einem Cloud Lock-in ist ein Kunde so stark an einen einzigen Cloud-Anbieter gebunden, dass ein Wechsel zu einem anderen Anbieter teuer und aufwändig ist. Das Verschieben großer Datenmengen von einer Cloud in die nächste kann zudem technisch sehr anspruchsvoll sein. Zugleich wechseln Tools und technische Plattformen.

Alles aus einer Hand: Das ist verführerisch. Laufen alle Cloud-Anwendungen rund, nimmt der eine oder andere gerne in Kauf, dass das nur mit Hilfe proprietärer Technologien so gut funktioniert. Ein Wechsel des Cloud-Anbieters wird aber zum Problem. (Bild:  frei lizenziert: Gerd Altmann /  Pixabay)
Alles aus einer Hand: Das ist verführerisch. Laufen alle Cloud-Anwendungen rund, nimmt der eine oder andere gerne in Kauf, dass das nur mit Hilfe proprietärer Technologien so gut funktioniert. Ein Wechsel des Cloud-Anbieters wird aber zum Problem.
(Bild: frei lizenziert: Gerd Altmann / Pixabay)

Der Begriff Vendor Lock-in bezeichnet die Situation, bei der ein Kunde stark von den Produkten oder Dienstleistungen eines Anbieters abhängig ist. Damit entsteht der unangenehme Effekt, sich beim Anbieter „wie eingesperrt“ zu fühlen. Ein Vendor Lock-in macht es in der Folge schwierig und/oder kostspielig, zu einem anderen Anbieter zu wechseln.

Ein Vendor Lock-in entsteht, wenn die (Software-)Produkte eines Anbieters gut beim Kunden funktionieren und dieser sie um Produkte vom gleichen Anbieter ergänzt, die optimal mit den Ausgangsprodukten harmonieren und damit zusätzliche Arbeitserleichterungen mit sich bringen.

Sonderfall mit Tücken

Ein Cloud Lock-in ist eine spezifische Form des Vendor Lock-in und bezieht sich auf Cloud-Dienste. Die Misere bleibt die gleiche: Der Kunde wird so stark an einen Cloud-Anbieter gebunden, dass ein Wechsel zu einem anderen Anbieter kostspielig und aufwändig ist. Ursachen dafür können vertragliche Abhängigkeiten sowie beispielsweise der Einsatz proprietärer Technologien, Datenformate oder APIs sein, über die alle wichtigen Workloads des Unternehmens laufen. Nahtloser Übergang in einer Muticloud oder ganz in hybriden Konstrukten bleibt dann eine Fabel.

Eine solche Abhängigkeit lässt sich nur schwer überwinden. Entscheidet sich der Kunde für einen Wechsel zu einem anderen Cloud-Anbieter, kann das unter anderem Workload-Transfers, die Anpassung von Schnittstellen sowie die Migration von Datenbanken nach sich ziehen. Diese Vorgänge sind nicht nur sehr komplex und zeitaufwändig, sondern verursachen unter Umständen auch hohe Folgekosten sowie längere Ausfallzeiten.

Vermeide-Strategien

Ein Cloud Lock-in kann sich durch eine Reihe von Maßnahmen vermeiden lassen. Dazu zählen unter anderem die folgenden Punkte.

  • Cloud oder On-Premises: Gibt es Arbeitsbereiche, für die keine Cloud erforderlich ist, lassen sich mit dem Einsatz von On-Premises-Tools gegebenenfalls die gleichen oder sogar bessere Ergebnisse erzielen.
  • Offene Standards und APIs: Technologien und Plattformen, die auf offenen Standards basieren, können nicht nur eine kostengünstige Alternative darstellen, sondern auch den Wechsel zwischen verschiedenen Anbietern erleichtern.
  • Modulare Systeme: Modulare Systeme ermöglichen es, einzelne Komponenten unabhängig voneinander zu wechseln.
  • Multicloud-Strategie von Anfang an: Verteilen von Anwendungen und Workloads auf mehrere Clouds statt nur eine, um die Abhängigkeit vom Anbieter zu reduzieren.
  • Hohe Portabilität der Anwendungen: Im Idealfall lassen sich Anwendungen leicht von einer Plattform auf eine andere migrieren. Das lässt sich beispielsweise durch den Einsatz von Docker-Containern und Orchestrierungs-Tools wie Kubernetes erreichen.
  • Vertragsprüfung: Verträge sollten auf Klausen überprüft werden, die einen Wechsel erschweren. Sind die Bedingungen für einen Vertragswechsel und Datentransfer ungünstig, sollten bessere ausgehandelt werden.

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