Die Datacenter-Verkabelung im Wandel Schubladensysteme - eine Teilantwort auf die Grenzen klassischer Servergehäuse

Ein Gastbeitrag von Luis Brücher* 7 min Lesedauer

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Schubladensysteme, auch Tray Register genannt, spielen eine wichtige Rolle bei der Organisation und Effizienz von Rechenzentren. Sie erleichtert das Kabel-Management, erlauben eine große Flexibilität und zeigen selbst bei der Datacenter-Kühlung Vorteile gegenüber klassischer Einschubsysteme.

Das System „Versatray“ von Rosenberger OSI eignet sich für Server- und Whitespace-Räume mit 19-Zoll-Schranksystemen, aber auch für Meet-Me-Räume in Co-Location-Rechenzentren. (Bild:  Rosenberger OSI)
Das System „Versatray“ von Rosenberger OSI eignet sich für Server- und Whitespace-Räume mit 19-Zoll-Schranksystemen, aber auch für Meet-Me-Räume in Co-Location-Rechenzentren.
(Bild: Rosenberger OSI)

Schubladendenken schlecht, Schubladensysteme im Rechenzentrum gut: Tray Register bieten eine kompakte, zugängliche und sichere Aufbewahrungsmöglichkeit für Server, Netzwerkgeräte, Kabel und Zubehör. Beim Einsatz von Schubladensystemen geht es jedoch nicht nur um eine geordnete Verkabelung oder die optimale Unterbringung von Geräten. Schubladensysteme sind ein wichtiger Faktor für Kühlung, Stabilität, Verfügbarkeit, Wartung und Energieeinsparung.

Bei den vielen Vorteilen von Einschubsystemen stellt sich schnell die Frage, ob moderne Systeme herkömmliche Gehäuse ersetzen können. Klassische Gehäuse sind oft größere, geschlossene Einheiten, die mehrere Server, Netzwerkgeräte und andere Hardwarekomponenten aufnehmen können. Sie sind in der Regel robust gebaut und bieten Schutz vor physischen Beschädigungen.

Allerdings schützen natürlich auch Schubladensysteme vor Beschädigungen. Klassischen Gehäusen fehlen die Flexibilität, Skalierbarkeit und Effizienz der Schubladensysteme. Angesichts der zahlreichen Vorteile von Tray Register stellt sich die Frage, wie moderne Systeme mit klassischen Gehäusen kombiniert oder ob diese sogar vollständig ersetzt werden können. Diese Fragen sollen in diesem Beitrag beantwortet werden.

Das Trägersystem Versatray

Das modulare Trägersystem von Rosenberger OSI

  • ermöglicht das Einrasten der Module aus allen Richtungen durch einzigartiges Blattfedersystem.
  • Es besitzt zwei Auszugsoptionen mit Federelementen für einfachen Zugriff und komplette Entnahmemöglichkeit der Schubladen.
  • Die Gesamthöhe ist individuell anpassbar, ab einer zur Verfügung stehenden Höhe von 1/3 HE einsetzbar. Das erlaubt eine maximale Ausnutzung der Racks.
  • Eine elektrischer Signalübertragung mit Aufnahmen für RJ45 Keystone-Module sowie für Keystone-Module ist inklusive und kompatibel mit LC, SC, MDC, SN®, MTP®, MDC, E-2000

Im Detail erreicht Versatray folgende Port-Dichten:

  • 72 LC-Duplex oder MTP® OCTO-Ports pro Höheneinheit HE, 24 Ports pro 1/3 HE-Trägersystem
  • 144 SN® Ports pro HE, 48 Ports pro 1/3 HE-Trägersystem
  • 216 MDC Ports pro HE, 72 Ports pro 1/3 HE-Trägersystem

Außerdem ist das System laut Hersteller Vielseitig einsetzbar: Server- und Whitespace-Räume mit 19“-Schranksystemen, Meet-Me-Räume, Co-Location, Serverräumen mit unterschiedlichen Packungsdichten, Spine-Leaf-Architekturen, in Ethernet- und Fiber-Channel-Projekten.

Was bieten Schubladensysteme, das herkömmliche Gehäuse nicht können?

Schubladensysteme sind nicht neu im Markt, entwickeln sich aber kontinuierlich weiter. Moderne Systeme bieten einfache Bedienbarkeit und verbesserte Zugänglichkeit, idealerweise von allen Seiten.

Mit dem richtigen Trägersystem ergeben sich für Unternehmen Vorteile, die viele Verantwortliche nicht direkt mit Einschubsystemen in Verbindung bringen und die herkömmliche Gehäuse nicht bieten können. Dazu gehören eine deutlich beschleunigte Installation und Wartung sowie eine schnellere Fehlerbehebung.

Lösen Schubladensysteme klassische Gehäuse ab?

Moderne Schubladensysteme haben durchaus das Potenzial, klassische Gehäuse abzulösen. Diese haben zwar einige Vorteile, aber die Anforderungen in den Unternehmen ändern sich zunehmend. Es geht immer mehr darum, Rechenzentren modular aufzubauen.

Mit dem Pay-as-you-Grow-Ansatz skalieren Unternehmen ihre Hardware so, wie es das Wachstum des Unternehmens erfordert. Hier spielen Einschubsysteme durch ihren modularen Aufbau ihre Vorteile aus.

Klassische Gehäuse haben ihre Stärke im Aufbau großer, geschlossener Einheiten, bei denen es kaum und selten Änderungen gibt. Allerdings sind moderne Einschubsysteme bei der Wartung, Kühlung und Verkabelung klassischen Gehäusen deutlich überlegen. Schubladensysteme lassen sich flexibler und modular integrieren, ermöglichen das Ausnutzen auch von kleineren Bereichen in Racks und verbessern deutlich die Zugänglichkeit zu Kabeln und Geräten. Dazu kommt der verbesserte Luftstrom und damit die effektive und energiesparende Kühlung.

Die Unterschiede zwischen den Systemen liegen also in den Ansätzen, die Unternehmen verfolgen. Sollen Rechenzentren modular skaliert werden, sind Einschubsysteme besser geeignet.

Oft reicht der Platz im Rechenzentrum nicht aus, um weitere Systeme zu integrieren oder zusätzliche Racks aufzustellen. Hier sind Einschubsysteme ideal, da sie den Platz in den Racks optimal ausnutzen und Bereiche in den Racks zugänglich und nutzbar machen, die sonst brach liegen würden. Letztendlich tragen Schubladensysteme somit auch zur Kostenreduzierung und Erhöhung der Flexibilität bei.

Das Für und Wider hinsichtlich Stabilität, Verfügbarkeit und Verkabelung

Schubladensysteme bieten eine effiziente Lösung zur Maximierung des Platzes in Rechenzentren, indem sie eine optimierte Integration für eine Vielzahl von IT-Equipment ermöglichen. Einschubsysteme tragen darüber hinaus wesentlich dazu bei, die physische Unordnung zu reduzieren, indem sie eine organisierte, zugängliche und skalierbare Aufbewahrungsumgebung schaffen. Herkömmliche Gehäuse bieten hingegen kaum Skalierungsmöglichkeiten und sind im Vergleich zu Schubladen unflexibel in Bezug auf die Verkabelung:

  • Klassische Gehäuse erfordern oft individuelle Verkabelungen für jedes Gehäuse, was zu einem erhöhten Raumbedarf für Kabelmanagement und -führung führt. Im Gegensatz dazu bieten Schubladensysteme eine zentralisierte Verkabelung, die den Platzbedarf für Kabel erheblich reduziert.
  • Das Management und die Organisation der Verkabelung sind bei klassischen Gehäusen aufgrund der Vielzahl individueller Kabelanschlüsse pro Server komplexer. Schubladensysteme hingegen nutzen ein vereinheitlichtes Kabel-Management innerhalb des Gehäuses, wodurch sich die Übersichtlichkeit und Wartungsfreundlichkeit verbessern.
  • Die Erweiterung oder Modifikation der Serverinfrastruktur gestaltet sich bei klassischen Gehäusen durch die Notwendigkeit, physische Verbindungen für jede Komponente individuell anzupassen, als zeitaufwändig und unflexibel. Schubladensysteme bieten durch ihre modulare Bauweise eine höhere Skalierbarkeit, da zusätzliche Module einfach hinzugefügt werden können, ohne dass die gesamte Verkabelung neu konfiguriert werden muss.
  • Jede physische Verbindung in einem klassischen Servergehäuse stellt einen potenziellen Fehlerpunkt dar. Die hohe Anzahl an Kabelverbindungen erhöht das Risiko von Verkabelungsfehlern, Kabelbrüchen oder -verlusten. Schubladensysteme minimieren diese Fehlerquellen durch die Reduzierung der physischen Verbindungen und den Einsatz von gemeinsam genutzten Strom- und Datenverbindungen.
  • Die effiziente Kühlung und Energieversorgung ist bei klassischen Gehäusen aufgrund der individuellen Verkabelung und der dadurch bedingten eingeschränkten Luftzirkulation eine Herausforderung. Schubladensysteme hingegen sind so konzipiert, dass sie generell eine bessere Luftführung und gemeinsame Energieversorgung ermöglichen, was zu einer verbesserten Energie-Effizienz führt.

Darüber hinaus erfordert die Integration zusätzlicher Geräte oft den Umbau eines ganzen Rack. Der modulare Aufbau von Schubladensystemen ermöglicht eine flexible Anpassung an sich ändernde Techniklandschaften und Betriebsanforderungen und erhöht damit die Effizienz der Ressourcennutzung. So bieten zum Beispiel viele Systeme eine Skalierbarkeit auf 1U, 2U, 3U und 4U. Noch flexibler sind Lösungen wie „Versatray“, die darüber hinaus auch 1/3-Skalierungen ermöglichen, bis eine beliebige n-Höhe im Rack erreicht wird.

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Darüber hinaus können Schubladensysteme die Luftzirkulation in den Racks verbessern und tragen so zu einer längeren Lebensdauer der Geräte bei, da das Risiko einer Überhitzung minimiert wird. Durch die strukturierte Anordnung wird der Luftstrom optimiert, was zu einer effektiveren Wärmeabfuhr führt.

In herkömmlichen Gehäusen ist die Luftzirkulation oft nicht optimal. Werden weitere Geräte hinzugefügt, ändert sich nicht selten auch die Kühlsituation, was zu Überhitzung oder erhöhtem Energieverbrauch führen kann. Damit sorgen Schubladensysteme faktisch dafür, dass Verfügbarkeit und Stabilität von Server und Workloads ansteigen, da Ausfälle wegen Überhitzung deutlich unwahrscheinlicher werden.

Und die Montage?

Schubladensysteme können also eine einfachere Installation, eine längere Lebensdauer und ein deutlich verbessertes Kabel-Management bieten. Einige Schubladenlösungen verfügen darüber hinaus über Blattfedersysteme und die Möglichkeit der Montage von allen Seiten, auch diagonal.

Vielfältige Auszugsoptionen und komplette Entnahmemöglichkeiten erleichtern den Zugriff zusätzlich. Dies eröffnet den Betreibern von Rechenzentren völlig neue Möglichkeiten der Wartung und verbessert letztlich die Stabilität und Verfügbarkeit der im Rechenzentrum betriebenen Geräte und Dienste. Herkömmliche Gehäuse sind dazu konstruktionsbedingt nicht in der Lage.

Integrierte Schubladensysteme eröffnen somit Szenarien, in denen auch minimaler, aber dennoch wertvoller Bauraum in Racks nutzbar wird, der sonst ungenutzt bliebe. Klassische Gehäuse sind diesbezüglich klar unterlegen und verschwenden oft Platz.

Ohnehin und sowieso

Die Bedeutung eines durchdachten Kabel-Managements und einer effizienten Kühlung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, da sie sich unmittelbar auf die Betriebskontinuität und die Leistungsfähigkeit der IT-Ressourcen auswirken. Es ist sinnvoll, darauf zu achten, dass die Einschübe Module unterschiedlicher Größe aufnehmen können und dass gängige Steckverbinder leicht zu integrieren sind. Beispiele hierfür sind LC, SC, MDC, SN, MTP, MDC oder E-2000, die in vielen Unternehmen zum Einsatz kommen.

Zusätzlich bieten aktuelle Trägersysteme Funktionen zur elektrischen Signalübertragung. Dazu verfügen die Einschübe teilweise über Aufnahmen für RJ45-Keystone-Module sowie für Keystone-Module zur faseroptischen Signalübertragung.

Dies ist noch ein Vorteil gegenüber anderen Einschubsystemen und auch gegenüber herkömmlichen Gehäusen. Auch wenn diese Anforderungen im jeweiligen Rechenzentrum noch nicht gestellt werden, kann sich dies schnell ändern. In diesem Fall kann ein modernes Einschubsystem seine Vorteile gegenüber anderen Schubladensystemen und vor allem gegenüber klassischen Gehäusen ausspielen.

*Der Autor
Luis Brücher ist Produktmanager bei Rosenberger OSI. Er zieht folgendes Fazit: Schubladensysteme schaffen Ordnung im Rechenzentrum, helfen die Racks optimal zu nutzen und tragen zu einem optimalen Kabel-Management bei. Darüber hinaus wird die Wartung im Rechenzentrum deutlich verbessert, die Fehlersuche beschleunigt und Verbindungsunterbrechungen vermieden. Dies sind klare Vorteile gegenüber klassischen Gehäusen, die zwar ihren Zweck erfüllen, aber für viele Einsatzszenarien nicht flexibel genug sind.
Ein weiterer wichtiger Vorteil gegenüber klassischen Gehäusen ist die verbesserte Kühlung aller Geräte, was die Stabilität und Verfügbarkeit im Rechenzentrum erhöht. Darüber hinaus helfen Schubladensysteme, die Energiekosten zum Teil erheblich zu senken, da die Kühlung im Rechenzentrum deutlich optimiert wird. Die Geräte können nicht nur besser, sondern auch kostengünstiger gekühlt werden.
Aus den genannten Gründen sollten sich Verantwortliche in Rechenzentren mit Schubladensystemen beschäftigen, um letztlich den gesamten Betrieb zu verbessern. Durch die hohe Flexibilität ist es außerdem problemlos möglich, Schubladensysteme parallel zu klassischen Gehäusen einzuführen. In diesem Fall profitieren Unternehmen von beiden Ansätzen und deren Vorteilen.

Bildquelle: Rosenberger OSI

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