Programmiersprache für Künstliche Intelligenz und Data Engineering Warum Python in der KI- und ML-Welt dominiert

Ein Gastbeitrag von Marc Fabian Mezger * 6 min Lesedauer

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Python spielt im Umfeld von Data Engineering und Künstlicher Intelligenz eine wichtige Rolle – dank intuitiver Handhabung, vielfältiger Bibliotheken und einer aktiven Community. Im folgenden Artikel wird Python genauer vorgestellt.

Eine KI-generierte Pythonschlange am Computer.(Bild:  StableDiffusionXL)
Eine KI-generierte Pythonschlange am Computer.
(Bild: StableDiffusionXL)

Python ist eine interpretierte High-Level-Programmiersprache, die 1991 von Guido van Rossum vorgestellt wurde. Das Ziel war es, Lesbarkeit und Effizienz zu kombinieren, ohne fortgeschrittene Programmierprinzipien zu vernachlässigen.

Python hat seit ihrer Einführung bedeutende Verbesserungen und Erweiterungen erfahren, darunter Garbage Collection, List Comprehension und Reference Counting. Python 3, eingeführt 2008, beseitigte viele Redundanzen und veralteten Code, obwohl es nicht abwärtskompatibel zu Python 2 ist – welches heute nahezu vollständig durch Version 3 ersetzt wurde.

Python hat sich im Laufe der 2000er-Jahre zu einer der populärsten Programmiersprachen der Welt entwickelt und wird von vielen renommierten Unternehmen und Organisationen wie Google, der NASA und der Europäischen Weltraumorganisation für ihre Softwareentwicklung genutzt. Besonders in den Bereichen maschinelles Lernen und Data Science hat Python an Bedeutung gewonnen, unterstützt durch leistungsstarke Bibliotheken wie TensorFlow, Pytorch und scikit-learn.

Die Python-Community trägt aktiv zur kontinuierlichen Weiterentwicklung und Wartung der Sprache bei. Sie veröffentlicht regelmäßig neue Sprachversionen, um auf die sich ändernden Anforderungen und Möglichkeiten im Bereich der Softwareentwicklung zu reagieren. Die bis dato neueste Version, Python 3.12, wurde im Februar 2023 veröffentlicht und zeigt, dass Python weiterhin eine führende Rolle in der Programmierlandschaft spielt.

Python für Data Engineering

Python hat sich als entscheidendes Instrument für das Data Engineering etabliert, vor allem aufgrund seiner klaren Syntax und dem reichhaltigen Angebot an leistungsfähigen Bibliotheken. Diese Aspekte erleichtern das Sammeln, Verarbeiten und Analysieren umfangreicher Datensätze erheblich und machen Python zu einer wertvollen Ressource für Data Engineers.

Eine der zentralen Stärken von Python liegt in seiner Zugänglichkeit und Benutzerfreundlichkeit. Die einfache und lesbare Syntax erlaubt es Programmierenden, sich auf die Problemlösung zu konzentrieren, anstatt sich mit komplizierter Code-Struktur auseinanderzusetzen. Dies führt zu einer erhöhten Produktivität und Effizienz, da Data Engineers die Möglichkeit haben, schnell Prototypen zu erstellen und komplexe Datenbearbeitungsprozesse mit weniger Codezeilen zu implementieren.

Darüber hinaus bietet Python eine Vielzahl von spezialisierten Bibliotheken, die speziell für datenintensive Aufgaben ausgelegt sind. Beispielsweise ermöglicht die Pandas-Bibliothek eine effiziente Datenmanipulation und -analyse durch bereitgestellte Strukturen und Operationen für den Umgang mit numerischen Tabellen und Zeitseriendaten. NumPy, eine weitere zentrale Bibliothek, liefert umfangreiche Unterstützung für große, mehrdimensionale Arrays und Matrizen, zusammen mit einer umfangreichen Sammlung von mathematischen Funktionen, um diese Strukturen zu verarbeiten.

In Bezug auf Big-Data-Anwendungen bietet PySpark, die Python-Bibliothek für Apache Spark, eine leistungsfähige Schnittstelle für die Verarbeitung von großen Datensätzen. PySpark ermöglicht es Data Engineers, komplexe Verarbeitungsaufgaben auf einem verteilten System auszuführen, was die Verarbeitungsgeschwindigkeit erheblich erhöht und wesentlich zur Handhabung von Big-Data-Problemen beiträgt.

Data Engineering ist essenziell für die Entwicklung von KI, da es die Beschaffung, Bereinigung und Verwaltung von Daten, welche die Basis für KI-Modelle bilden, übernimmt. Die Qualität und Relevanz dieser Daten beeinflussen direkt die Leistung von KI-Modellen. Darüber hinaus erleichtert Data Engineering die Skalierung von KI-Anwendungen durch effiziente Datenarchitekturen und Verarbeitungsprozesse. Ohne Data Engineering wäre die praktische Anwendung von KI stark limitiert.

Python für Künstliche Intelligenz

Ein KI-generierte Python-KI.(Bild:  Stable Diffusion XL)
Ein KI-generierte Python-KI.
(Bild: Stable Diffusion XL)

Python hat sich als unverzichtbare Ressource im Bereich der KI etabliert, dank seiner gut lesbaren Syntax und einer Fülle an leistungsstarken Bibliotheken, die die Implementierung von KI-Algorithmen erheblich erleichtern.

TensorFlow und PyTorch, zwei führende Bibliotheken im Bereich Deep Learning, bieten umfangreiche Funktionen für das Entwerfen, Trainieren und Implementieren von fortgeschrittenen neuronalen Netzwerken. Diese Tools erleichtern komplexe Algorithmen und ermöglichen die reibungslose Interaktion auch mit Grafikprozessoren (GPUs) für effizientes, paralleles Rechnen.

Weiterhin bietet Python Lösungen für essenzielle Aspekte wie Hyperparameter-Tuning und Experimentverfolgung, die bei der Optimierung der Modellleistung und der Dokumentation von Trainingsprozessen unerlässlich sind. Insgesamt macht Pythons Vielseitigkeit und Funktionsreichtum es zu einem unverzichtbaren Werkzeug für das Training von (generativen) KI-Modellen in diesem dynamischen und schnell wachsenden Bereich.

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Python für Generative KI

Python nimmt eine entscheidende Position in der sich schnell entwickelnden Domäne der Generativen Künstlichen Intelligenz ein. Die Bedeutung wird durch seine weitreichende Anwendung in den aufstrebenden Bereichen der Large Language Models (LLMs) und generativen Frameworks unterstrichen.

Python-basierte Frameworks wie Langchain und LlamaIndex stellen wichtige Plattformen dar, die die Integration und Anwendung von LLMs ermöglichen. Sie geben Developern die notwendigen Werkzeuge, um die vielschichtigen Aspekte der Generativen KI zu navigieren. Diese Frameworks unterstützen eine breite Palette von Aufgaben, von der Modellierung und Implementierung bis hin zur Evaluation generativer Modelle. Sie fördern somit die Fortschritte in der Entwicklung und Anwendung von KI-gesteuerten Lösungen.

Zusätzlich spielen Application Programming Interfaces (APIs) eine entscheidende Rolle in diesem Kontext. Sie dienen als Verbindungspunkte zwischen den leistungsstarken LLMs und den Endanwendungen. Durch die Bereitstellung einer standardisierten Schnittstelle für die Interaktion mit den Modellen, ermöglichen diese APIs eine breite Anwendbarkeit der Generativen KI.

Anwenderinnen und Anwender können dank ihrer Hilfe das Potenzial von LLMs in einer Vielzahl von Anwendungsszenarien ausschöpfen, von Textgenerierung und -übersetzung bis hin zur automatisierten Inhaltserstellung. Zudem müssen sie sich nicht mit den Herausforderungen des Trainings und der Skalierung von KI-Modellen auseinandersetzen. Beispiele hierfür sind die APIs von Herstellern wie Aleph Alpha, OpenAI und Cohere.

Nachteile, Vorteile und die Zukunft von Python

Pythons Nachteile

Einer der Hauptnachteile von Python ist seine Geschwindigkeit. Als interpretierte Sprache ist Python im Allgemeinen langsamer als kompilierte Sprachen wie C oder Rust. Dies liegt daran, dass der Interpreter in Python den Code Zeile für Zeile während der Laufzeit ausführt, was im Vergleich zu kompilierten Sprachen, die den Code vor der Ausführung in Maschinensprache übersetzen, mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Ein weiterer problematischer Aspekt von Python ist der Speicherverbrauch. Python kann bei Anwendungen mit hohem Speicherbedarf problematisch sein, da es tendenziell mehr Speicher verbraucht als andere Programmiersprachen. Dies ist zum Teil auf die Art und Weise zurückzuführen, wie Python Objekte behandelt und speichert. Darüber hinaus hat Python eine Garbage Collection, die zwar hilfreich ist, um nicht mehr benötigte Objekte zu entfernen und Speicher freizugeben, aber oft als ineffizient angesehen wird.

Pythons Vorteile

Python ist eine renommierte Programmiersprache, die sich durch ihre klare Syntax und ihren breiten Anwendungsbereich hervorhebt. Sie zeichnet sich durch ihre intuitive Lesbarkeit und die Fähigkeit aus, den Entwicklerinnen und Entwicklern eine breite Palette von Anwendungsmöglichkeiten zu bieten.

Diese Merkmale haben Python zu einer bevorzugten Wahl für vielfältige Anwendungsbereiche gemacht, einschließlich (aber nicht beschränkt auf) Datenanalyse, Web-Entwicklung, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. Ihre einzigartige Vereinfachung komplexer Aufgaben hat Python zu einem unverzichtbaren Werkzeug in der modernen Softwareentwicklung gemacht.

Pythons Zukunft

Die Wahrscheinlichkeit für eine Veröffentlichung von Python 4 ist gering, aufgrund der komplexen Migrationserfahrung von Python 2 zu 3, die in der Community auf deutliche Ablehnung stieß. Guido van Rossum, der Begründer von Python, hat angegeben, dass signifikante Änderungen in den zugrunde liegenden C-Bibliotheken oder die Möglichkeit, den Global Interpreter Lock (GIL) zu entfernen, mögliche Gründe für eine vierte Major-Version wären.

Der aktuelle Konsens besteht allerdings darin, bei Python 3 zu verbleiben und keinen neuen Major Release zu planen. Python steht in Konkurrenz mit anderen Programmiersprachen, wobei Julia als bedeutender Wettbewerber hervorzuheben ist. Als optimierte Sprache für numerische und wissenschaftliche Berechnungen bietet Julia Vorteile wie einen Just-in-Time-Compiler und verbesserte Unterstützung für Parallelverarbeitung.

Trotz dieser Vorteile behält Python aufgrund seiner weitreichenden Benutzerbasis und des robusten Ökosystems eine dominante Stellung in vielen Anwendungsfeldern. Python wird voraussichtlich weiterhin an Popularität gewinnen, insbesondere in Bereichen wie KI und maschinellem Lernen, Data Science und dem Internet der Dinge.

Die breite Unterstützung von großen Unternehmen wie Google und Facebook trägt ebenfalls dazu bei. Diese Faktoren zusammen mit der steigenden Nachfrage nach Technologien, die Python effizient unterstützt, lassen auf eine glänzende Zukunft für Python schließen.

* Über den Autor
Marc Fabian Mezger ist AI Specialist Consultant für AI, Large Language Models und Computer Vision bei adesso SE. Er ist spezialisiert auf Aleph Alpha, LLMs, Open Source LLMs, Computer Vision, Drift Detection und Medical Deep Learning.

Bildquelle: gemeinfrei

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