“The Four Hundred” veröffentlicht RPG-Aufstieg in der Beliebtheitsskala Populär, wie schon lange nicht mehr – das 52 Jahre alte RPG
Die Programmiersprache RPG, Report Program Generator, ursprünglich von IBM für das Erstellen kaufmännischer Listen entwickelt, ist 52 Jahre alt. Das ließe mindestens eine Midlife-Krise erwartet, schreibt Alex Woodie vom AS/400-Fachblatt „The Four Hundred“. Doch der monatliche Index von Tiobe Software, über der die Popularität von Programmiersprachen misst, verzeichnet einen Anstieg vom 33. Platz auf Rang 18.
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Die erste Compiler-Version von RPG erschien 1959. Das war die Zeit der Tabelliermaschinen und Lochkarten. Somit war der Sprachaufbau, bevor RPG IV erschien, spaltenorientiert.
Dennoch ist die Sprache nicht tot. Sie wird heute noch in Programmen für Großrechner eingesetzt, für die so genannte „mittlere Datentechnik“ und der AS/400, heute „System i“ eingesetzt.
Sie entwickelte sich allerdings weiter: Von einer Sprache für die Listenbearbeitung zu einer, mit der sich jegliche kaufmännische Anwendungen schreiben lässt, inklusive Dialogverarbeitung und Arbeit mit relationalen Datenbanken.
Im Vergleich zum Vorjahr stand RPG auf der Beliebtheitsskala bei 0,317 Prozent, Januar dieses Jahres bei 0,717 Prozent und damit auf Platz 18. Zum Vergleich: Cobol rangiert auf Platz 37 und Assembly auf Platz 15. Damit hat RPG im Jahresvergleich den größten Sprung nach vorne gemacht.
Wo kommt das Intersse an RPG her?
Was dieser Popularitätszuwachs bedeutet, ist weitgehend offen. Denn der Index gibt keinen Aufschluss darüber, welche Programmiersprache am häufigsten genutzt wird, sondern misst lediglich die Aufmerksamkeit, die ihr zukommt.
Tiobe Software misst die Beleibtheit allerdings schon länger als eine Dekade und erstellt den Index aufgrund von Faktoren wie die Anzahl der in einer Sprache ausgebildeten Informationstechniker, Anzahl der Kurse und die Drittanbieter, deren Produkte auf der jeweiligen Sprache basieren. Außerdem fließen in die Bewertungen ein, wie häufig nach Informationen über eine Sprache und darin geschrieben Programmen per Suchmaschine geforscht wird, etwa auf Youtube oder Google.
Paul Jansen, Geschäftsführer von Tiobe Software, warnt selbst davor, dem Ranking zu viel an Bedeutung zuzumessen: „Liegt der prozentuale Anteil unter einem Prozent, können sich schon kleine Änderungen auf einen Platz in der Rangliste auswirken“, zitiert The Four Hundred.
Unschlagbar: RPG IV und System i
Nichtsdestotrotz, schreibt Woodie, offenbare eine Langzeitbetrachtung ein paar interessante Trends. So bleibt die Tatsache, dass das derzeitige Interesse an RPG deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre liegt und der der vergangenen zwei Jahres um das Doppelte übersteigt.
Woodie setzt die Beobachtung in Relation zu der Rezession, die in vielen Ländern noch anhält. Die Notwendigkeit, sparsam zu haushalten, veranlasst die Unternehmen, stärker mit dem zu arbeiten, was bereits vorhanden ist, überlegt Woodie: mit existenten Systemen und Applikationen.
Er gibt eine Aussage von Susan Gantner wieder, die eine „Partner400“-Management-Beratungsfirma hat. „Wir beobachten, dass eine Reihe von Software-Anbietern, die eigentlich auf eine andere Programmiersprache wechseln wollten, nun doch bei der Plattform und der Programmiersprache geblieben sind – zumindest vorläufig.“
Im Prinzip könnten Entwickler objektorientierte Sprachen wie Java und C hernehmen, wenn sie für System i entwickelten, so Gantner. Doch die meisten IBM-I-Entwickler nutzten weiterhin RPG, gelte sie doch quasi als für die rechner-Plattform „native“ Sprache. Laut Gantner ist es geradezu taff, die Kombination von RPG iV und IBM i OS schlagen zu wollen.
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