DataCenter Strategy Summit 2025 in Bad Homburg Panel-Diskussion – Rechenzentren als Energiequelle und KI-Monster

Von Paula Breukel 5 min Lesedauer

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Abwärme für Wohnquartiere, Stromrückspeisung ins Netz und die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) haben im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion auf dem diesjährigen DSS gestanden. Expertinnen und Experten haben gezeigt, warum es keine Standardlösung gibt und welche Projekte in Deutschland bereits laufen.

An der Paneld-Dskussion haben teilgenommen: v.l.: Dr. Gunnar Schomaker (Universität Paderborn/WestfalenWind), Roland Broch (Eco), Ulrike Ostler (DataCenter-Insider), Oliver Keim (Aurum Obsido), Günter Eggers (NTT Global Data Centers).(Bild:  Manuel Emme Fotografie)
An der Paneld-Dskussion haben teilgenommen: v.l.: Dr. Gunnar Schomaker (Universität Paderborn/WestfalenWind), Roland Broch (Eco), Ulrike Ostler (DataCenter-Insider), Oliver Keim (Aurum Obsido), Günter Eggers (NTT Global Data Centers).
(Bild: Manuel Emme Fotografie)

Am 9. September hat im Steigenberger Hotel, Bad Homburg, der DataCenter Strategy Summit (DSS) stattgefunden. Die Podiumsdiskussion hat Ulrike Ostler, Chefredakteurin von DataCenter-Insider moderieret. Sie eröffnete die Runde mit einem technischen Blick auf aktuelle Broadcom-Switches: „Mit 102,4 Terabit pro Sekunde schafft ein einzelner „Tomahawk-6“-Chip 256 parallele Gigabit-Verbindungen. Genau die Bausteine für KI-Cluster, die enorme Energie benötigen und zugleich Energie spenden können.“

Datacenter Strategy Summit 2025 in Bad Homburg im Zeichen von KI und Nachhaltigkeit

Die Anatomie des Datacenters

Energie-Effizienz, Kühlung und die Optimierung von Künstlicher Intelligenz (KI) prägten den Datacenter Strategy Summit 2025. Vertreter aus Industrie, Beratung und Forschung diskutierten über die Zukunftsfähigkeit des Rechenzentrums.

Am 9. September lud die Vogel IT-Akademie zum Datacenter Strategy Summit nach Bad Homburg. Zahlreiche Expertinnen und Experten aus Planung, Betrieb und Technologie-Entwicklung waren vor Ort, um über die strategischen Weichenstellungen der kommenden Jahre zu sprechen.

Themenvielfalt von KI bis Abwärme

Die Agenda spannte den Bogen von KI-getriebenen Infrastrukturen über Nachhaltigkeitsanforderungen bis hin zu Kühlkonzepten und modularen Whitespace-Lösungen. Diskutiert wurden unter anderem:

  • Steigende Leistungsdichten durch KI und die Folgen für Strom- und Kühlbedarf;
  • Abwärmenutzung und Anforderungen des Energie-Effizienzgesetzes (EnEfG);
  • hybride und flüssigkeitsbasierte Kühltechnologien;
  • neue Standortfaktoren für Rechenzentren in Deutschland.

Keynotes, Expert Sessions, Elevator Pitches und Workshops boten Einblicke in die drängendsten Herausforderungen, flankiert von einem Abendprogramm zum Networking.

Strategische Bedeutung für die Branche

Deutlich wurde: Rechenzentren stehen als Enabler von KI und als Energiesystemakteure im Fokus. Die Veranstaltung machte klar, dass technische Innovationen, regulatorische Vorgaben und Standortpolitik künftig noch stärker zusammengedacht werden müssen.

Der nächste Datacenter Strategy Summit findet am 1. Oktober 2026 im Atlantic Hotel Heidelberg statt.

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Damit ist der Bogen gespannt zu den Kernthemen: Rechenzentren als Energiespender, ihre Rolle in den Stromnetzen und die wachsenden Lasten durch Künstliche Intelligenz (KI). Auf dem Podium nehmen Platz: Günter Eggers (NTT Data), Roland Broch (eco – Verband der Internetwirtschaft), Oliver Keim (Aurum Obsido) und Gunnar Schomaker (Universität Paderborn/WestfalenWind).

Abwärmeprojekte im Praxistest

In einem Punkt herrschte Einigkeit: Eine Standardlösung für Abwärmenutzung gibt es nicht. Unterschiedliche Rechenzentrumsarten erfordern individuelle Konzepte; von der Fernwärmeeinspeisung über Kooperationen mit Wohnungsbaugesellschaften bis hin zu lokalen Lösungen für Industrie und Landwirtschaft. Das Energie-Effizienzgesetz (EnEfG) erhöht zusätzlich die Komplexität.

Roland Broch, Eco - Verband der Internetwirtschaft, erklärt, warum es für die Abwärmenutzung nicht die eine Lösung gibt.(Bild:  Manuel Emme Fotografie)
Roland Broch, Eco - Verband der Internetwirtschaft, erklärt, warum es für die Abwärmenutzung nicht die eine Lösung gibt.
(Bild: Manuel Emme Fotografie)

Roland Broch betont: „Die eine Lösung gibt es nicht, weil der Markt so heterogen ist. Jede Abwärmenutzung ist ein Infrastrukturprojekt, das zur Region passen muss.“ Als Beispiel nannte er Telehouse Frankfurt, das ein neues Wohnquartier mit Wärme versorgt..

Günter Eggers verwies auf das Projekt „Das Neue Gartenfeld“ in Berlin-Spandau: „Wir haben eine Wärme-Abnahme von 8 Megawatt geplant. Jede Kilowattstunde Wärme, die abgenommen wird, brauchen wir nicht selber zu kühlen.“

Die Rolle der Kommunen

Bevor technische Aspekte wie Abwärmenutzung überhaupt diskutiert werden können, stellen Gemeinden nach Erfahrung von Oliver Keim zunächst grundlegende Fragen zu Steueraufkommen und Standortfolgen. Kleinere Kommunen reagieren offener, während größere Städte stärker von politischen Rahmenbedingungen und Wiederwahlzyklen geprägt sind.

Oliver Keim von Aurum Obsido zeigt die Hürden bei den Gesprächen mit Kommunen auf.(Bild:  Manuel Emme Fotografie)
Oliver Keim von Aurum Obsido zeigt die Hürden bei den Gesprächen mit Kommunen auf.
(Bild: Manuel Emme Fotografie)

„Bevor wir mit Gemeinden über Abwärme sprechen können, wollen sie zunächst nur eines wissen: Wie viel Gewerbesteuer bringt ein Rechenzentrum?“, so Keim. Erst danach öffneten sich Kommunen für Energiefragen. Erfolgreiche Projekte erfordern daher Kooperation zwischen Gemeinden, Stadtwerken, Betreibern und Investoren.

Regulatorische Hürden

Am Beispiel eines Berliner Bestandsrechenzentrums zeigte sich: Technische Vorbereitungen für Abwärme wurden früh getroffen, die Umsetzung erfolgte jedoch erst Jahre später – wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit gegenüber konventioneller Wärmeversorgung. Heute laufen Projekte in Megawatt-Größenordnung. Zentrale Hürden bleiben Regulierung und Wirtschaftlichkeit, trotz großem Interesse der Betreiber.

Kreislauforientierte Infrastruktur

Gunnar Schomaker, Initiator des Projekts „Windcores“ hat stets im Sinn, wie Rechenzentren stärker in lokale Energiesysteme eingebunden werden können. Diskutiert worden sind mobile oder flexible Rechenzentren, die sich direkt an erneuerbare Quellen koppeln lassen.

Gunnar Schomaker (Universität Paderborn/WestfalenWind) spricht über das Rechenzentren in Windrädern.(Bild:  Manuel Emme Fotografie)
Gunnar Schomaker (Universität Paderborn/WestfalenWind) spricht über das Rechenzentren in Windrädern.
(Bild: Manuel Emme Fotografie)

Beispiele sind die Windcores-Rechenzentren in Windkraftanlagen; sie könnten aber auch in ehemaligen Umspannwerken oder auch industrielle Abwärmenutzung Verwendung finden, bei der Wärme unmittelbar in Produktionsprozessen eingesetzt wird.

Stromrückspeisung bleibt kompliziert

Neben Wärme-abgabe stand auch die Rückspeisung von Strom im Fokus. Batteriekapazitäten könnten in Spitzenlastsituationen zur Stabilisierung beitragen, ebenso Notstromaggregate. In Deutschland hemmen jedoch regulatorische Einschränkungen den Einsatz solcher Modelle, die in anderen Ländern längst etabliert sind.

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Ostler bringt es auf den Punkt: „Eine ganze Reihe von Betreibern würden die Möglichkeit grundsätzlich nutzen, wenn es nicht so elend kompliziert und riskant wäre, das in Deutschland zu tun.“

Schomaker ergänzt: „Wir haben in Deutschland allein in Rechenzentren eine installierte Notstrombasis von 2 bis 3 Gigawatt. Aber regulatorische Grenzen verhindern die Nutzung.“

Ulrike Ostler, Chefredakteurin von DataCenter-Insider, hat die Podiumsdiskussio moderierrt.(Bild:  Manuel Emme Fotografie)
Ulrike Ostler, Chefredakteurin von DataCenter-Insider, hat die Podiumsdiskussio moderierrt.
(Bild: Manuel Emme Fotografie)

Streit um das „KI-Monster“

Besonders lebhaft wurde die Diskussion, als Ostler das Bild vom ‚KI-Monster‘ aufgreift: ein Verweis auf Hyperscaler mit Anschlussleistungen im Gigawattbereich. NTT-Global-Data-Centers-Manager Eggers weist die Metapher zurück: „Monster sind negativ belegt. Sie sind gierig, unberechenbar, gefährlich. KI-Rechenzentren sind dagegen notwendig, hocheffizient und hilfreich.“

Günter Eggers, der Sprecher von NTT Global DataCenters EMEA, erklärt, warum KI-Rechenzentren keineswegs mit dem Bild eines Monsters zu vergleichen sind.(Bild:  Manuel Emme Fotografie)
Günter Eggers, der Sprecher von NTT Global DataCenters EMEA, erklärt, warum KI-Rechenzentren keineswegs mit dem Bild eines Monsters zu vergleichen sind.
(Bild: Manuel Emme Fotografie)

Eco-Mann Broch betont: „Neue Technologien wie KI werden fast nur im Kontext von Verbrauch und Schaden diskutiert. Der Nutzen kommt viel zu kurz.“ Oliver Keim hält dagegen: „Ja, es ist ein Monster. Es frisst viel. Aber es kann auch sehr viel abgeben, und zwar Abwärme, Gewerbesteuer, Vorteile für Kommunen.“

Schomaker ergänzt: „German Angst prägt die Diskussion. Wir müssen begreifen, dass Technologie sich weiterentwickelt und Bottlenecks in der IT immer evolutioniert werden.“

Green Coding als Schlusspunkt

Zum Abschluss richtet Ostler den Blick auf Software: „Das Software-Thema ist ein riesiges Ding, wenn es um Rechenzentren geht. Green Coding hat ein enormes Effizienzpotenzial.“

Klar ist: KI-Cluster belasten die Netze massiv. Diskutiert wurden autarke Energieversorgungen, leistungsfähige USV-Systeme und die Grenzen heutiger Netzinfrastrukturen. Gleichzeitig betonen die Experten, dass nicht allein Hardware, sondern auch Software-Architekturen erhebliches Potenzial bergen. Schomaker: „In der IT gibt es nichts, was mehr Energie frisst als Software-Architekturen. Digital-Recycling könnte ein zentraler Hebel für Nachhaltigkeit sein.“

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