Biometrie-Lösungen Teil 2 – Wacom-Tablett von Softpro „Online“ unterschreiben
Wer Unterschriftsdaten digitalisiert, der möchte in der Regel diese Daten im Zweifelsfall für einen späteren Vergleich heranziehen können. Ein späterer Vergleich ist wiederum nur so gut, wie die Daten, mit denen der Vergleich durchgeführt wird. Und genau an dieser Schnittstelle lag bisher das Problem bei der biometrischen Unterschriftenerkennung.
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In den letzten Jahren sind vermehrt Geräte auf den Markt gekommen, die eine direkte Digitalisierung der Unterschrift während des Schreibvorganges ermöglichen. Damit lassen sich neben dem statischen Unterschriftenbild auch dynamische bzw. biometrische Merkmale des Schreibvorgangs zuverlässig ermitteln, im lockeren Fachjargon auch als „Online“-Unterschrift bezeichnet.
Um zu einer dokumentierbaren bzw. hundertprozentig nachweisbaren Unterschrift zu gelangen, sind die Aufnahmegeräte mit unterschiedlichen Sensoren ausgestattet, beispielsweise für Beschleunigung und Druck sowie deren Kombinationsmöglichkeiten. Mittlerweile steht für den Masseneinsatz bei der Unterschriftenerfassung eine breite Auswahl an Geräten zur Verfügung.
Allerdings hemmen die Kosten noch die Akzeptanz für den Anwender, weshalb derartige Lösungen bislang eher in sensiblen Branchen und Hochsicherheitsbereichen gefragt sind. Auf der CeBit im März stellte Wacom, einer der führenden Hersteller von Stifttabletts und Interactive Pen Displays, gemeinsam mit seinem deutschen Partner Softpro den Prototypen eines LCD-Signaturtabletts vor, das für die Aufnahme von Unterschriften optimiert wurde.
Aussichten für Online-Banking
Die anvisierte Kundenklientel stammt vor allem aus dem Banken- und Versicherungsbereich. Das Unternehmen warb besonders mit einem exakten Schriftbild und einer genauen Anzeige auf dem Display, die ohne Verzögerung erscheine. Nach Auffassung von Jörg Lenz, zuständig für Presse und Marketing, soll die Lösung bald schon eine „voll digitale Kontoeröffnung“ ermöglichen. Ein größerer Kunde der Finanz-IT, eines Rechenzentrums und Dienstleisters für Kreditinstitute, hat demnach bereits Tausende von Schreibtabletts geordert.
Derartige Projekte sind also vor allem im Bereich des Dokumentenmanagements (DMS) angesiedelt. „Bei Testläufen wollten vollkommen unvorbereitete Benutzer zunächst nicht glauben, dass es sich um ein elektronisches Stifttablett mit LCD-Display handelt, so sehr gleichen das Schreibgefühl und selbst die Haptik der Oberfläche den entsprechenden Erfahrungen auf Papier“, sagt Ralph Maute, Produktmanager bei der Böblinger Softpro. Den Entwicklern sei es gelungen, die bisherigen Mängel und Kinderkrankheiten bei den Aufnahmegeräten zu beseitigen.
So bietet das Tablett ausreichend Platz, um auch längere Unterschriften wie etwa Doppelnamen aufzunehmen. Die Schreiboberfläche ist entspiegelt und kratzunempfindlich. Die Formgebung berücksichtige ergonomische Aspekte. Im Gegensatz zu anderen Tabletts auf dem Markt könnten bei diesem Gerät die Handballen beim Unterschreiben bequem aufgelegt werden, erläutert Maute.
Die von Wacom patentierte kabel- und batterielose Stifttechnologie nimmt dabei die Unterschriftensignale mit einem aktiven Digitizer auf. Daher können keine Störsignale auftreten, wenn der Nutzer mit dem Handballen versehentlich das Unterschriftenfeld berühre. Jetzt gelte es die Anwender davon zu überzeugen, die bislang oftmals eingesetzten „Pen Pads“ durch die leistungsfähigeren und langlebigen Geräte zu ersetzen, hofft Maute.
Jedenfalls sind auch die Technikspezialisten von Softpro von dem künftigen Erfolg des Gerätes überzeugt. Das Unternehmen tummelt sich ausschließlich auf dem Software-Markt zur Erfassung und dem automatischen Vergleich von Unterschriften und prüft in seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung regelmäßig nahezu alle auf dem Markt verfügbaren Geräte zur Aufnahme von Unterschriftendaten.
Vorteile gegenüber anderen Biometrie-Methoden
Neben einem schicken Äußeren und einer technischen Robustheit kommt es aber vor allem auf den Aspekt der IT-Sicherheit an, sprich eine hundertprozentig vertrauenswürdige Unterschrift. Nach Auffassung von Softpro bietet gerade die Unterschrift unter den biometrischen Merkmalen oftmals verkannte Vorteile. Sie eigne sich dafür besonders gut, weil sie ein aktives biometrisches Merkmal sei, das nie zufällig abgegeben werde – im Gegensatz zu passiven biometrischen Körpermerkmalen wie zum Beispiel Fingerabdrücken, der Handgeometrie oder den Merkmalen von Gesicht und Iris.
„Jede Unterschrift ist das Resultat individueller Lernprozesse und physiologisch-biomechanischer Eigenheiten“, gibt Ralph Maute zu bedenken. Die Erfassung der biometrischen Zeit- und Drucksignale ermögliche es, einen Unterzeichner eindeutig zu authentifizieren. Geprüft wird dies von Schriftsachverständigen, die besonders viel Wert auf eine verlässliche Protokollierung unterschiedlicher Druckstufen beim Unterschreiben legen.
Die Qualitätsmanager nehmen auch mögliche Qualitätsunterschiede unter die Lupe, die durch Toleranzen in der Fertigung der Tabletts auftauchen können. Dieser Punkt sei heute vielfach eine Schwachstelle bei den derzeit angebotenen Geräten, gibt Maute zu bedenken: „Wacoms neues Tablett meistert diese Hürde vorbildlich. Die wichtige Druckstufenmessung erweist sich als ausgesprochen zuverlässig.“ Eine sogenannte induktive Stifttechnologie tastet dabei die Position des Stiftes und die Intensität des Schreibdrucks exakt ab. Somit lassen sich genaue Verlaufsprofile von Orts- und Zeitkoordinaten sowie der Druckstufen erfassen und vergleichen.
Voreingenommene Tester
Wie sich eine derartige Technologie im praktischen Einsatz bewähren könnte, aber auch welche Schwierigkeiten sich bei der Umsetzung stellen, zeigt das Beispiel eines Pilotprojekts an einer Klinik in Ingolstadt. Dort ist ein Tablet-PC mit einer digitalen Unterschrift bereits seit längerem im Einsatz. Die Ärzte und Mitarbeiter akzeptieren die Technologie aber nur dann, wenn digitale Verfahren im Vergleich zum Papierkrieg keinen Mehraufwand bedeuten und sie sich rasch an die neue Systeme gewöhnen.
Deshalb bleibt es vorerst bei Testläufen. Die elektronische Schiefertafel könnte künftig den gesamten Verwaltungsablauf organisieren und archivieren. Jedes Formular lässt sich etwa beim Rundgang bequem und mobil durch die eigenhändige Unterschrift mit Hilfe einer elektronischen Signatur erstellen und in das IT-System einpflegen. Noch aber scheint die Zeit für den flächendeckenden Einsatz derartiger Systeme nicht ganz reif.
Wichtige Qualitätskriterien bei der Unterschriftenerfassung:
- Die aufgenommene Unterschrift soll auch nach ihren statischen Bildmerkmalen überprüfbar sein. Daher sollte die Ortsauflösung der Qualität einer digitalisierten Unterschrift von Papier entsprechen. Eine zu klein gewählte Auflösung „verpixelt“ das Bild. Aus einem eleganten Strich wird dann plötzlich eine Aneinanderreihung kleiner Bauklötzchen. So fällt zum Beispiel rasch auf, wenn bei einem schnellen Schreiber zu wenig Zeitsignale aufgenommen wurden. Zwischen den einzelnen Punkten einer Unterschrift wird bei mancher Hardware und Software-Kombination interpoliert - also ein Schriftabschnitt linear fortgeschrieben- und so bekommen Kurven plötzlich Vielecken.
- Eine zeitnahe optische Rückkopplung während des Schreibens muss gewährleistet sein. Nur so unterschreibt man „wie üblich“. Wenn die Aufnahme über einen Bildschirm oder ein Tablett stattfindet, muss auf dem Bildschirm zeitnah und positionsgenau das Schriftbild zu sehen sein. Je mehr Signale während des Schreibens übermittelt werden desto mehr Informationen sind auswertbar.
- Das Aufnahmesystem soll in der Lage sein, wechselnde Intensitäten des Schreibdrucks zu dokumentieren. Schriftsachverständige sehen in diesem Punkt eines der wichtigsten Merkmale beim klassischen Vergleich von zwei Unterschriften auf Papier, wo das Resultat verschiedener Druckstärken nur mikroskopisch verglichen werden kann.
- Die Berücksichtigung dieser Anforderungen bei der Hardware-Auswahl sichert Investitionen, denn die vorgenannten Aspekte finden sich auch in Standards zum Vergleich von Unterschrifts-Daten wieder. Die Software sollte wiederum in der Lage sein, Unterschriftsdaten zu vergleichen, die mit unterschiedlichen Geräten aufgenommen wurden. Ein Anwender kann dann im stationären Bereich Schreibtabletts nutzen und im mobilen Einsatz Tablet PCs. Dazu führen zukunftssichere Systeme vor jeder Prüfung eine Normalisierung aufgenommener Daten wie Anzahl der Signale/sec, Druckstufen und Auflösung durch.
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