„America first“ Neue US-Halbleiterzölle

Quelle: Pressemitteilung ZVEI e.V. 3 min Lesedauer

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Am Dienstag in dieser Woche hat das US-Handelsministerium eine Regelung erlassen, dass etwa Taiwan gefertigte Chips zumindest teilweise nur indirekt über der Umweg der USA geliefert werden dürfen. Das heißt: die USA importiert diese zunächst. Es werden dann (formal)Zölle bei der Einfuhr fällig.

Auch KI-Hochleistungschips dürfen aus den USA exportiert werden .... Dabei fallen jedoch Zölle in Höhe von 25 Prozent an ...(Bild: ©  Astrid Gast - stock.adobe.com)
Auch KI-Hochleistungschips dürfen aus den USA exportiert werden .... Dabei fallen jedoch Zölle in Höhe von 25 Prozent an ...
(Bild: © Astrid Gast - stock.adobe.com)

Als Grund für diese Maßnahme, die zwar in erster Linie China treffen soll, aber wer weiß das schon, hat das Ministerium angegeben, dass die Produkte vor der Ausfuhr von unabhängigen Laboren auf ihre Leistungsfähigkeit im KI-Bereich geprüft werden müssten. Pure Angst vor der Marktmacht Chinas, vermuten Analysten; so darf die nach China gelieferte Menge 50 Prozent des Verkaufsvolumens in den USA nicht überschreiten und die Produzenten müssen gewährleisten, dass der Bedarf in den USA gedeckt ist. Dazu kommt, dass chinesischer Firmen mittlerweile eigene Hochleistungschips entwickeln.

Die Proklamation vom 14. Januar 2026, die seit gestern in Kraft getreten ist, erweitert den so genannten Harmonized Tariff Schedule (HTSUS)und betrifft die Einfuhr von Halbleitern, Geräte zur Halbleiterfertigung und deren Derivate - egal woher sie stammen. Die eingeführten Produkte müssen entweder einen integrierten Schaltkreis (logic integrated circuit) enthalten und

  • eine Total Processing Performance (TPP) von mehr als 14.000 und weniger als 17.500 sowie eine gesamte DRAM‑Bandbreite von mehr als 4.500 Gigabit pro Sekunde (GB/s) und weniger als 5.000 GB/s haben; oder
  • eine TPP von mehr als 20.800 und weniger als 21.100 sowie eine gesamte DRAM‑Bandbreite von mehr als 5.800 GB/s und weniger als 6.200 GB/s aufweisen

Ausgesetzt sind die Zölle für die Protection der US-Wirtschaft: Der Zusatzzollsatz gilt nicht für Produkte, die in US‑Rechenzentren eingesetzt werden, zu Reparaturen oder Ersatzleistungen in den USA dienen oder für die Forschung und Entwicklung in den USA bestimmt sind. Ausgenommen sind ebenfalls Start‑ups in den USA, Verbraucher‑ oder zivilindustrielle Anwender außerhalb von Rechenzentren in den USA, der öffentlichen US-Sektor sowie sonstige Zwecke, die das Ministerium als Beitrag zur Stärkung der US‑Technologielieferkette oder der inländischen Produktionskapazitäten für Halbleiterderivate einstuft.

ZVEI: Das könnte den Standortwettbewerb anheizen

Wolfgang Weber, Vorsitzender Geschäftsführung des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI e.V.), fordert angesichts dieser US-Zölle auf Halbleiter erneut den Ausbau des einheimischen Mikroelektronikökosystems: „Die US-Regierung bleibt sich mit den jetzt verhängten Maßnahmen zu Zöllen auf Halbleiter und Halbleiterausrüstung treu: Sie erzeugt Druck, um ihre Ziele durchzusetzen.“

Er räumt aber auch ein, dass sich gegenwärtig noch nicht mit Sicherheit abschätzen lasse, welche Auswirkungen das für den Standort Europa und unsere Unternehmen haben werde.

Das parallel verhandelte Abkommen der Vereinigten Staaten mit Taiwan zeige aber, dass die USA die globalen Halbleiterlieferketten insbesondere in Bezug auf die heimische Produktion von Chips für KI auf heimischem Terrain nachbauen wolle. „Zwar bleibt das Ziel einer regionalen Autarkie in dieser Branche weiterhin unklug, dennoch müssen auch wir unser lokales Mikroelektronikökosystem ausbauen“, so Weber.

Keine unmittelbaren Auswirkungen auf Europa

Die bereits geltenden Maßnahmen enthielten zahlreiche Ausnahmen und Übergangsregelungen, wodurch sich die unmittelbaren Auswirkungen für Europa wahrscheinlich in Grenzen halten würden. Weber befürchtet aber, dass die angekündigte zweite Phase mit breiter angelegten Zöllen den Standortwettbewerb in der Branche jedoch spürbar anheizen werde.

Er fordert; „Dafür müssen wir uns rüsten, indem wir die Förderung der Mikroelektronik kraftvoll ausbauen" und verweist auf die erst kürzlich stattgefundene 'Nexperia-Krise'. „Und wir könnten zum Beispiel auch bei den Leiterplatten sehr schnell in eine ähnliche Zwangslage geraten", warnt er.

„Last but not least sollten wir erkennen, dass die USA mit den nun verhängten Maßnahmen insbesondere auch einen weiteren Trumpf im Rennen um die KI-Dominanz in die Hand bekommen wollen.“

Wolfgang Weber ist seit 2020 Vorsitzender der Geschäftsführung des ZVEI e. V. (Bild:  ZVEI e.V./ Melanie Bauer)
Wolfgang Weber ist seit 2020 Vorsitzender der Geschäftsführung des ZVEI e. V.
(Bild: ZVEI e.V./ Melanie Bauer)

Im Bereich der industriellen KI halten wir aber auch in Deutschland mit unserem einzigartigen Datenschatz einen wichtigen Joker. Den sollten wir ausspielen können und uns nicht durch die selbst auferlegten Fesseln des AI Acts behindern lassen müssen. Gerade hier ist die EU dringend am Zug.“

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