Es lässt sich nicht leugnen, dass in der Gesellschaft und der Tech-Branche ein starker Wille zur Veränderung vorhanden ist: Der öffentliche Diskurs gewinnt an Fahrt, Menschen aller Geschlechter machen sich für Gleichberechtigung stark, und zahlreiche Unternehmen haben sich das Ziel der Geschlechterparität fest auf die Agenda gesetzt. Soweit, so gut?
Gute Argumente für mehr Frauen in der IT insbesondere für Frauen in IT-Tech-Leitungspositionen liefern etliche Studien: Unter anderem ist eine vielfältige Belegschaft nachweislich produktiver.
(Bild: Pipedrive)
Heute ist der diesjährige 'Diversity Day'. Egal? Nein. Das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in der Technologiebranche bleibt trotz aller bisherigen Bemühungen bestehen.Denn laut einer aktuellen Studie von McKinsey sind lediglich 22 Prozent aller Tech-Jobs in Europa von Frauen besetzt.
Auch in Führungsetagen zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht: Eine Untersuchung der Internationalen Hochschule (IU) zeigt, dass in deutschen Unternehmen fast doppelt so viele Männer in Führungspositionen arbeiten wie Frauen. Damit sind Frauen in Tech-Führungspositionen – wie ich als Chief Information Officer bei Pipedrive – leider immer noch eine Ausnahme. Diese Situation ist aus Sicht der Diversität besorgniserregend und erfordert dringende Maßnahmen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Um endlich echte Fortschritte zu erzielen, müssen wir unsere Initiativen zur Förderung von Frauen in Tech deutlich intensivieren. Wir brauchen spezifische Maßnahmen im täglichen Betrieb, um ein gerechtes Arbeitsumfeld zu schaffen, welches Frauen und Männer gleichermaßen unterstützt. Nur so können Unternehmen langfristig die umfassenden Vorteile einer vielfältigen Belegschaft nutzen. Doch dazu brauchen wir entschlossenes Handeln und eine kontinuierliche Anpassung der Unternehmensstrategien in der gesamten Branche.
Die Macht der Vielfalt
In einer modernen Arbeitswelt, die von Innovation und Wandel geprägt ist, spielt die Förderung von Geschlechtergleichheit eine zentrale Rolle. Unternehmen, die auf Vielfalt setzen, eröffnen sich zahlreiche Chancen und Vorteile. So ist eine vielfältige Belegschaft nachweislich produktiver. Das liegt unter anderem daran, dass durch die heterogene Gemeinschaft verschiedene Perspektiven und Herangehensweisen aufeinandertreffen.
Zudem bietet gelebte Diversität den Mitarbeitenden mehr Raum zur Entfaltung. Sie schafft ein Arbeitsklima, welches durch Vertrauen geprägt wird. Diese positivere Arbeitskultur zieht sich durch alle Hierarchie-Ebenen; in der Folge steigt die psychologische Sicherheit und mehr Menschen trauen sich, ihre (möglicherweise gewinnbringenden) Perspektiven und Sichtweisen einzubringen.
Diese Unternehmenskultur steigt letztendlich auch die Mitarbeitendenbindung (Hays) – und die Attraktivität des Arbeitgebers auf neue Bewerbende. Denn Unternehmen, die Diversität bei Neueinstellungen priorisieren, füllen Stellen in kürzerer Zeit und ziehen mehr qualifizierte Bewerbende an (Indeed).
Empowerment in der Branche: Mehr Sichtbarkeit und Einfluss von Frauen
In Anbetracht der bestehenden Herausforderungen und der Notwendigkeit einer verstärkten Präsenz von Frauen in der Tech-Branche, sind folgende drei Säulen dabei von besonders großer Bedeutung:
Handeln: Diskussionen und öffentliche Reden allein bringen wenig, wenn sie nicht in konkrete Initiativen umgesetzt werden. Tech-Unternehmen – ob Start-ups oder etablierte Konzerne – verfügen über eine Vielzahl von Werkzeugen, um die spezifischen Herausforderungen der Geschlechtergleichheit in der Technikbranche anzugehen.
Zu den möglichen Maßnahmen gehören Mentoring-Programme, sowohl intern als auch extern, um Frauen gezielt zu fördern und zu unterstützen. Ein Beispiel hierfür ist das 'Women Techmakers Scholars Program' von Google, das Frauen durch Mentoring und finanzielle Unterstützung fördert. Darüber hinaus bieten Unternehmen wie IBM Weiterbildungsmöglichkeiten an, wie zum Beispiel das 'Tech Re-Entry'-Programm, das gezielte Weiterbildungsmöglichkeiten bietet, um Frauen nach einer beruflichen Pause den Wiedereinstieg in technische Berufe zu erleichtern.
Fördermittel und Zuschüsse spielen eine wichtige Rolle, indem sie finanzielle Unterstützung für Projekte bieten, die die Geschlechterdiversität vorantreiben. Schulprogramme sind ebenfalls entscheidend, indem sie Initiativen unterstützen, die junge Frauen für MINT-Berufe begeistern und ihnen den Einstieg erleichtern. Und nicht unbeachtet zu lassen ist der Aufbau und die Pflege von Netzwerken, die Frauen in der Tech-Branche unterstützen und fördern.
Stand: 08.12.2025
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Fürsprache: In einer Branche, die von Innovation und Wandel geprägt ist, ist es entscheidend, dass sowohl Frauen als auch Männer aktiv für Veränderungen eintreten. Besonders jene, die aufgrund ihrer beruflichen Stellung eine hohe Sichtbarkeit genießen, können als Wegbereiter fungieren. Führungspersönlichkeiten in der Politik haben die Macht, Debatten in unterschiedlichen Foren zu beeinflussen und zu steuern. Ebenso können Führungskräfte innerhalb ihrer Organisationen die Gleichstellung der Geschlechter aktiv auf die Agenda setzen.
Doch der Wandel beginnt nicht nur von oben: Jede:r Einzelne kann in alltäglichen Situationen, sei es in informellen Gesprächen im Büro oder auf professionellen Netzwerken wie „Linkedin“ und „Xing“, einen wichtigen Beitrag leisten. Durch solche Engagements schaffen wir eine Plattform für konstruktive Dialoge, die schließlich in konkrete, greifbare Maßnahmen münden können. So ebnen wir den Weg für eine gerechtere und inklusivere Zukunft in der Tech-Branche.
Netzwerk: Apropos Xing oder Linkedin - In der Tech-Branche ist ein gut gepflegtes Netzwerk oft der Schlüssel zum beruflichen Erfolg und zur Karriere-Entwicklung. Lange Zeit haben viele Frauen die Bedeutung dieser Netzwerke unterschätzt, doch zunehmend erkennen sie den Wert eines starken beruflichen Netzwerks. Ein gut vernetzter Kontaktkreis kann Türen zu aufregenden Karrieremöglichkeiten öffnen, die sonst vielleicht verschlossen blieben. Dabei geht es nicht um Vetternwirtschaft, sondern darum, sich sichtbar zu machen und Verbindungen zu knüpfen, die auf gegenseitigem Vertrauen und Unterstützung basieren.
Frauen sollten sicherstellen, dass sie nicht nur passiv Kontakte sammeln, sondern aktiv Beziehungen aufbauen und pflegen. Dies kann durch die Teilnahme an Tech-Konferenzen, Hackathons und Branchen-Meetups geschehen. Firmen wie Google und Microsoft veranstalten regelmäßig Events und Workshops, die ideal sind, um neue Kontakte zu knüpfen und bestehende zu vertiefen.
Es ist wichtig, dass diese Netzwerke dynamisch bleiben. Regelmäßige Treffen, sei es virtuell oder persönlich, und der Austausch über Plattformen wie Linkedin helfen, die Beziehungen lebendig und nützlich zu halten. Initiativen wie 'Women Who Code' oder 'Girls in Tech' bieten spezielle Plattformen und Veranstaltungen, die Frauen unterstützen, ihre Netzwerke zu erweitern und sich gegenseitig zu stärken.
Ein lebendiges Netzwerk ist eine Quelle des Wissens, der Unterstützung und der Inspiration. Es erlaubt Frauen, nicht nur Unterstützung zu erhalten, sondern auch anderen zu helfen, was eine Kultur der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Erfolgs fördert – eine wahre Win-Win-Situation.
*Die Autorin Dr. Andrea C. Johnson ist Chief Information Officer (CIO) bei Pipedrive und leidenschaftliche Verfechterin von Frauen in MINT-Berufen. Sie war unter anderem Vorsitzende und Vorstandsmitglied von Women in Technology and Science Ireland (WITS).