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Für den Standort Deutschland spricht:
Da jedoch der Strompreis und die administrativen Bedingungen kaum zur Attraktivität Deutschlands als RZ-Standort beitragen, was ist es dann? Zum einen die starke Wirtschaft und der zähe Wille deutscher Unternehmen, die IT und vor allem die Daten vor Ort zu halten. Doch mit der steigenden Akzeptanz des Cloud-Computing löst sich diese Loyalität auf. Hoster, die ebenfalls zunehmend unter Druck gerieten, sei es beispielsweise mehr oder minder egal, in welchem Rechenzentrum die Dienste residierten, so Waldhauser. Sie tendierten dazu, das kostengünstigste Angebot wahrzunehmen.

Objektiv gibt es ebenfalls Security-Gründe. Doch nach Ansicht von Analysten beträgt der Anteil der Daten, die tatsächlich aus Sicherheitsgründen im Land und unter Umständen gar im eigenen Rechenzentrum geschützt werden müssten, gerade einmal 10 Prozent oder weniger.
Ein ganz deutlicher Pluspunkt ist jedoch die Infrastruktur. Das gilt etwa für den Strom. Der sei zwar teuer aber vergleichsweise stabil verfügbar, und die Anbindung an den DeCIX, immerhin der größte, manchmal auch nur der zweitgrößte nach Amsterdam, der Welt. Das verschafft den Rechenzentrumsanbietern etwa eine große Auswahl an Providern.
Neue Netzinfrastrukturen müssen her
Zudem seien mittlerweile die Netzwerk-Kosten zu vernachlässigen, sagt Waldhauser. Gerade in den Anfangszeiten der Public Cloud hätten sich die Angebote deshalb nicht gerechnet. Heute jedoch, so Donald Badoux, CEO der Equinix Germany GmbH, befindet sich die Wirtschaft, die Gesellschaft auf dem Weg von der „connected world“ in die „interconnected world“, will heißen: Partner, Kunden, Mitarbeiter, Geografien können auf vielfältige Weise digital miteinander interagieren.

Sein Credo: „Wir brauchen neue Verbindungsarten“ für diesen Omni-Channel (siehe auch: „Umgestaltung der IT als Weg zum Erfolg“. Schon heute seien rund 20 Prozent der Produkte und Services digital und würden demnach in digitalen Lieferketten verbreitet.
Das aber schafft neue Chancen für den Rechenzentrumsmarkt. Laut Badoux geht es heute in seinen Kundenterminen nicht mehr um die Themen Verfügbarkeit und Kühlung. Vielmehr sei Beratung angesagt, um die Prozesse der Kunden bestmöglich umzusetzen. Das könne sich auch darum drehen, wie die Leistungen in den eigenen IT-Abteilungen und Rechenzentren durch Cloud-Services ergänzt werden können, wie sich Lizenzmodelle ummodeln lassen ….
Zwischenstand
Die Folge: „Waren bei uns früher hauptsächlich Elektriker gefragt, suchen wir heute Business und IT-Berater, so Badoux“. Da aber beißt sich die Katze in den Schwanz: Der IT- und Rechenzentrumsbranche fehlen Fachkräfte.
Das Fazit von Eco-Experte Waldhauser: „Die RZ-Branche hat immer noch ein riesiges Wachstumspotenzial in einem Umfeld, das sich rasend schnell verändert“, sagt er. „Waren die Rechenzentren zu Beginn noch hauptsächlich Carrier Hotels mit niedriger Leistungsdichte, so beherbergen sie heute mehr und mehr Cloud-Anbieter mit wesentlich höherer Leistung pro Fläche und optimaler Energie-Effizienz und spiegeln den neuesten Stand der Technik wider.“
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